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Seine Doktorarbeit zerstört unsere Beziehung

19. September 2010 um 10:49

Hallo zusammen,

ich habe ein Problem, was eigentlich viele kennen könnten, aber ich finde darüber nichts im Internet.

Mein Freund und ich leben seit 2 Jahren zusammen, sind seid 5 zusammen. Er schreibt an seiner Doktorarbeit, und so langsam zerstört dieser Umstand unsere Beziehung. Es fällt mir schwer, das so zu sagen, denn eigentlich sollte ich Verständnis haben und ihn unterstützen, aber es geht einfach nicht immer.

Die Arbeit setzt meinen Freund sehr unter Druck. Er schläft kaum, arbeitet den ganzen Tag und ist am Ende, weil er nicht voran kommt. Er redet sehr ungerne darüber und ist, um es kurz zu machen, am Ende. Ich versuche ihn zu unterstützen, aber langsam kann ich nicht mehr. Er hat ständig schlechte Laune, und ich muss bei jedem Satz vorher überlegen was ich sage, und wie es bei ihm ankommt, um ihn nicht wieder in irgendeiner Form zu stressen. Das stresst mich ungemein.

Seit einem Jahr heißt es, er ist bald fertig. Konkret in die Arbeit einbeziehen kann oder will er mich nicht. Wenn wir darüber reden blockt er entweder ab oder fängt halb an zu weinen. Die Belastung für ihn ist sehr groß. Dann denke ich mir geht es doch viel besser und ich muss für ihn da sein. Aber alles Schöne in einer Beziehung haben wir dadurch nicht mehr. Urlaub, Ausgehen, Freunde besuchen, das alles fällt aus. Wenn er mal zu Freunden mit kommt, dann muss er sich sehr zusammen reißen und das merke ich ihm an, und dann macht es auch keinen Spaß. Ich bin ein sehr geselliger Typ, er nicht.

Seit Jahren denke ich: es ist ja bald vorbei. Doch es ist nie vorbei! Die Frage, wann er fertig wird bringt ihn auf die Palme und er kann keine Aussage dazu treffen. Mein Leben ist dadurch total eingeschränkt, aber das kann ich ihm kaum sagen, da er dann so ein schlechtes Gewissen bekommt und es ihm noch schlechter geht.

Wir haben eine sehr liebevolle Beziehung, auch wenn das jetzt nicht so klingt . Wir machen uns gegenseitig kleine Überraschungen und versuchen uns zu zeigen, dass wir füreinander da sind. Wir lieben uns!

Trotzdem weiß ich nicht, wie ich das Ganze ertragen soll! Wir streiten andauernd, um die sinnlosesten Dinge. Ich habe das Gefühl, mein Leben zieht an mir vorbei und ich warte. Warte, dass unser gemeinsames Leben endlich beginnt.

Ich mache viel alleine. Bin beruflich erfolgreich, habe viele Freunde und gehe alleine aus. Aber ich würde das gerne gemeinsam mit ihm machen. Es gibt Zeiten, da fühle ich mich in unserem Zuhause einfach nicht mehr wohl, ich schleiche auf Zehenspitzen durch die Wohnung und überlege 10 Mal, bevor ich was sage.

Ich fühle mich schlecht, dass ich mich beschwere, trotzdem muss es mal raus. Ich weiß ich nicht mehr weiter. Es gibt Tage, da geht es, aber es gibt Tage, da scheint es mir unmöglich, diesen Zustand weiter zu halten.

Hat jemand von Euch ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich würde mich gerne austauschen.

Liebe Grüße,
Andromeda

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19. September 2010 um 11:52

Bekanntes Problem
Hej Andromeda,
Das eine Promotion die Beziehung belastet ist ein wohlbekanntes Phänomen, dem man bereits in zahlreichen Leitfäden für Promotionswillige ein entsprechendes Kapitel gewidmet hat. Die Promotionsjahre sind für viele Doktoranden eine extreme Erfahrung, bei der Partner und Familie (viele haben ja auch schon Kinder) zu kurz kommen können und anders herum oft auch wenig Verständnis aufbringen, weil sie einfach nicht mit der Materie verknüpft/vertraut sind. Schreibblockaden, Selbstzweifel, Existenzängste haben wohl jeden Promovierenden schon mehr als eimal gepackt.
Nun ist das alles zu packen, wenn ein Ende des Projektes in Sicht ist; wie sieht es denn bei deinem Freund aus? Hat er sich verrannt? Kann er sich strukturieren? Wie lange arbeitet er schon an seinem Dissertationsprojekt? Was kann er bisher vorweisen? Du sagst er arbeitet viel- hat er eine Doktorandenstelle oder muss er sich eigenständig finanzieren?
Das er dich nicht in seine Arbeit einbezieht ist aus meiner Sicht normal; sollte er auch gar nicht; es ist sein Projekt und der Partner ist da selbstredend aussen vor und das ist gut so.

Insgesamt fünf Jahre an einer Doktorarbeit zu 'sitzen' ist eigentlich ganz normal, es kommt natürlich auch auf die Disziplin an, in der er promoviert. Mach ihm keinen Druck, vereinbart feste Zeiten, die ihr dann wirklich für euch nutzt (Wochenende). Manchmal sind ein paar Stunden intensives Zusammensein mehr wert als tagelanges 'Aufeinanderhocken'. Es gibt wie gesagt auch Literatur zum Thema.

Alles Gute und viel Erfolg für deinen Freund,

Tamara





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