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Sehr sensible Schülerin! - Bitte um Rat.

25. August 2016 um 11:38 Letzte Antwort: 5. September 2016 um 14:59

Hallo ihr Lieben,

ich bin seit 6 Jahren Lehrerin auf einem Gymnasium.
Vor 4 Jahren kam eine Schülerin auf mich zu und bat mich um ein persönliches Gespräch, da es ihr aus diversen Gründen nicht so gut ging.
Sie war damals in der 7. Klasse.
Ich gab mir Mühe ihr aufmerksam zuzuhören und wir führten weitere Gespräche, die ihr nach eigener Aussage sehr gut getan haben.
Als mir aber bewusst wurde, dass auch ich ihr nur begrenzt helfen kann überwies ich sie zum Schulpsychologen.
Zu diesem geht sie bis heute noch regelmäßig, wobei weder sie, noch ich den Eindruck haben , dass er ihr hilft, da sie den meisten Personen gegenüber sehr verschlossen ist.

In der Zwischenzeit hatten sich ihre Eltern scheiden lassen, was sie völlig aus der Bahn riss.
Verständlicherweise kam sie in der Zeit öfter zu mir, da sie wahrscheinlich Halt suchte, den sie bei ihrer Mütter wenig bekam, da diese selbst eine schwere Zeit durchlebte.

Da ich sie nun seit 2 Jahren nicht mehr unterrichte sucht sie immer wieder den persönlichen Kontakt, hat bereits mehrere Mails an mich geschrieben, etc.
Ich verstehe sie vollkommen, habe aber das Gefühl dass es auch mir langsam zu viel wird.

Andererseits habe ich den Eindruck , dass sie sich bereits bemüht mir nicht zu Nahe zu kommen und den Halt, die Stabilität, die sie im Elternhaus nicht bekommt bei mir zu erhalten.

Sie ist einer sehr gewissenhafte, hochsensible und zarte Person und ich habe sie wirklich sehr gerne, kann ihr aber bei gewissen Dingen einfach nicht weiterhelfen.

Wie kann ich ihr klarmachen wo ich neuen Grenzen ziehe, ohne sie zu verletzten?

Viele Grüße,
Sonnenschein

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26. August 2016 um 22:59

Bezugspersonen
Hallo Sonnenschein,

ich schreib dir jetzt mal aus Schülerinnensicht, weil bei mir auch die Lehrerin "herhalten" musste.
Sie war 4 Jahre lang meine Klassenlehrerin (9.-12. Klasse) und hat von Anfang an ein gutes Verhältnis auch außerschulisch zur Klasse gehabt.

Ich war auch immer ruhig und unscheinbar und Ende der 10. Klasse gab es einen Einschnitt in meinem Leben, den ich damals eigentlich mit niemandem teilen wollte.
Irgendwann konnte ich aber nicht anders und da ich zu meinen Eltern kein wirkliches Vertrauensverhältnis hatte, hab ich mich an meine Lehrerin gewandt.

Sie war damals Vertrauenslehrerin und so etwas wie Schulpsychologen gab es an unserer Schule nicht.
Viel brauchte ich auch nicht zu sagen und es blieb eigentlich bei ein paar wenigen Gesprächen - sie hatte natürlich schon länger gemerkt, dass etwas nicht stimmte, aber ich denke, sie wollte mich nicht darauf ansprechen.

Ihr hab ich aber Hilfe zu verdanken und bin in eine Mädchengruppe gekommen, alles ohne dass meine Eltern etwas erfahren haben - das war eigentlich der Grund, weshalb ich mich an sie gewandt hatte.

Nach dem Abi hatten wir dann kaum noch Kontakt, da ich weggezogen bin. Irgendwann kam das erste Klassentreffen und dann war wieder mal Stille.

Ab und zu gab es Mailverkehr, aber in letzter Zeit hauptsächlich, da ich damals mit ihr zusammen eine Entscheidung getroffen hatte, die ich mittlerweile revidiert habe.

Weißt du denn, was sie für Probleme hat? Wir waren damals beim Jugendamt und die haben mir dann die Mädchengruppe vermittelt.

Auf jeden Fall wird sie in dir die Vertrauensperson sehen, die sie in ihrer Mutter nicht hat. Ich bekomme auch nicht immer eine Antwort auf meine Mails an meine Lehrerin, aber ich weiß, dass es dann am Inhalt der Mail liegt und es einfach in dem Moment zu belastend ist.

Vielleicht kannst du ihr das irgendwie klarmachen. Dass es dir nicht gut dabei geht, wenn sie dich ständig kontaktiert.

Schöne Grüße,
zartbitter17

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27. August 2016 um 18:20

Heute
müsste sie ja eine junge Frau sein. Ich denke, du solltest sie langsam darauf hinleiten, dass nun immermehr Entscheidungen in ihren Leben zufällen sind, die nur sie alleine treffen kann. Beruflich und auch privat. Ermutige sie diese Entscheidungen zutreffen. Auch wenn sie falsch sein können. Mache ihr behutsam klar, dass du ihr auch Rat geben wirst, dieser aber nur ein Denkanstoß sein kann. Gebe auch ruhig vor ihr zu, dass deine Kapazitäten in Sachen Lebensberatung bald erschöpft sein könnten, ohne sie abzuweisen. Mache ihr Mut das Leben anzugehen und Erfahrungen zusammeln. Gute und auch Schlechte.Wenn sie es bis hierher geschafft hat, sollte der weitere Weg doch kein Problem sein. Aber mache ihr auch klar, dass du weiter ein offenes Ohr für sie hast, wenn sie mal Schiffbruch erleidet. Ihr zwei werdet das schon schaffen . . .

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30. August 2016 um 16:58

Ja,
Der Druck ihr helfen zu wollen und das Bedürfnis sie zu beschützen sind auf jeden Fall da.
Ich bin zwar selbst nicht so verletzlich, aber die Sorgen anderer gehen mir schon sehr Nahe und meine Gedanken kreisen viel um sie.

Bedenken habe ich insbesondere, weil ich Angst habe mich als Lehrerin nicht genügend abgrenzen zu können.
Empathie ist sicherlich eine wichtige Fähigkeit, aber eine gewisse Distanz zwischen Schüler und Lehrer sollte meiner Ansicht nach vorhanden sein...

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5. September 2016 um 14:59

Schwierig ....
Wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich zusammen mit dem Schulpsychologen ehrliches Gespräch mit deutlichen Worten führen: für schulische Belange (z.B. Stress mit einem anderen Lehrer) stehst du gerne als Ansprechpartnerin zur Verfügung, für alles andere bist du nicht verantwortlich. Dafür muss sie z.B. zu einem Therapeuten.

Da ich selber auch Lehrerin bin, hätte ich da eine Frage zur Vorgeschichte: Ist in den Gesprächen mit Kollegen, Schulpsychologen oder der Schülerin mal darüber gesprochen worden, ob man die Hilfe des Jugendamts hinzuzieht?

LG Raven

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