Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Schwester verloren - Warum tut es nicht weh

Letzte Nachricht: 31. Mai 2012 um 21:05
29.05.12 um 12:19

Hallo,
ich weiß nicht ob ich hier richtig bin, aber ich versuch einfach mal alles loszuwerden und vielleicht hat jemand ähnliches mitgemacht und kann mir helfen.

Meine Schweser ist vor einem Jahr an Krebs gestorben, sie ist gerade mal 25 Jahre alt geworden.
Meine Mama und ich haben uns das ganze Jahr lang Tag und Nacht abgewechselt, um bei ihr im Krankenhaus zu sein. Es waren so viele Höhen und Tiefen, immer wenn es ihr besser ging und wir dachten es wird alles wieder gut, kam ein Rückschlag. Jeder Rückschlag war schlimmer als der vorherige, aber sie hat sich immer wieder hochgekämpft. Die Ärzte hatten sie so oft aufgegeben, aber sie wollte leben.
Als wir kurz vorm Ziel waren und jeder sagte, wir haben es geschafft, kam es wieder anders. Die Krankheit ist wieder ausgebrochen und es ging rasend schnell. Innerhalb von einer Woche war alles vorbei und sie hat einfach aufgehört zu atmen. Sie hat bis zur letzten Sekunde gekämpft wie eine Löwin, immer und immer wieder. Sie wollte doch nichts weiter, als leben.

Meine Schwester ist für mich das wichtigste auf der Welt, das weiß ich, aber seit diesem Tag habe ich nicht einmal richtig geweint oder irgendeinen Schmerz gespührt. Weder als ich mich von ihr verabschieden musste, bei der Beerdigung oder wenn ich Bilder von ihr/uns anschaue.
Im Gegenteil, wenn ich an die Zeit davor denke, muss ich grinsen, weil wir so viel schönes miteinander erlebt haben. Und wenn ich an die Zeit im KH denke, fange ich an zu überlegen was noch nicht versucht worden ist. Was wir noch tun können, wie ich ihr helfen kann.
Sie ist nicht nur meine Schwester, sondern auch beste Freundin, Beschützer, Berater, einfach alles. Wir brauchten nie viel zu reden, aber jeder wusste, dass es einem nicht gut geht. Haben uns gegenseitig Mut gemacht und sind immer ehrlich gewesen. Natürlich waren wir nicht immer einer Meinung, aber ich habe soviel Respekt vor ihr, den ich sonst niemandem gegenüber habe. Ich bin einfach wahnsinnig stolz auf sie und wünsch mir, das sie wieder bei mir ist.

Ich habe eine Therapie schon vor längerer Zeit angefangen, aber es hat sich immer noch nichts geändert. Ich fühl nichts und lebe nur noch in der Vergangenheit.
Durch die vielen Gedanken, wie es vorher war, hoffe ich das alles wieder so wird wie es war.
Nicht nur die Zeit mit ihr wünsch ich mir zurück, sondern alles drumrum auch. Egal ob das der Job ist, mein Exfreund oder das Familienleben. Bevor das alles anfing, war ich glücklich, hatte Ziele und Träume, aber heute ist mir einfach alles egal.
Ich habe in der Zeit, als wir im KH waren so viel Angst, Hoffnung und Verzweiflung gehabt. Hatte Wutausbrüche oder Heulkrämpfe und seit diesem Tag ist alles weg.

Oder ist sie mir vielleicht gar nicht so wichtig wie ich immer dachte? Habe ich das alles einfach so akzepiert und hingenommen wie es ist?
Kennt jemand diesen Zustand? Bitte sagt was dazu, ich weiß nämlich nicht mehr weiter.

Danke schon mal

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31.05.12 um 21:05

Jeder Mensch trauert auf seine Weise.
Hallo Cat

Ich denke ich weiss wie du fühlst oder eben nicht fühlst. Ich habe vor zwei Jahren meinen besten Freund verloren. Er war für mich ein Bruder den ich seit 15 Jahren kannte und dank komplizierter Familiensituation auch mein "Beschützer und Vorbild" und deine Beschreibung spiegelt das wieder was ich danach erlebt habe.

Deine Schwester war/ist dir auf keinen Fall egal! Das ist deine eigene Art zu trauern. Und wie dieser Eintrag hier zeigt beschäftigt es dich doch sehr fest. Ihr Tod verfolgt dich, du schaust Fotos an und denkst täglich an sie, in der Hoffnung irgendeine Gefühlsregung wahrzunehmen. Aber du darfst dich nicht so unter Druck setzen. Du musst loslassen. Und du musst auch nicht das Gefühl haben du müsstest jetzt glücklich sein, ihr zuliebe, du darfst auch mal traurig sein!

Ich kann dir nicht sagen was du tun musst oder wie es kommen wird aber ich sage dir wie es bei mir war. Ich habe nach seinem Tod 6 Monate lange in einer Gefühlslosigkeit gelebt wie du sie oben beschrieben hast. Ich hörte unsere Lieder, sah Fotos an in der Hoffnung es passiert etwas. Ich vernachlässigte die Ausbildung, meine Freunde, Familie, Hobbys.. Und dann nach 6 Monaten hatte ich ein Deja-vu das mich an IHN erinnerte, als ich im Urlaub eines Abends mit Freunden draussen war. Ich weiss nicht mehr was es war, irgend eine Lustige Situation über die ich schon damals mit ihm gelacht habe.. auf jeden Fall fing ich grundlos an zu heulen und hörte für die nächste Stunde nicht mehr damit auf.. das war schon ein bisschen komisch und beschämend aber irgendwie fiel alle Last ab. Seit da gehts mir besser. Aber eins muss ich dir sagen: Es wird nie wieder so wie vorher. Denn es hat sich etwas verändert.

Ich wünsche dir einfach dass du deine Ziele wieder in Angriff nimmst und dir neue setzt. Denn DU lebst noch und du kannst tun was du dir wünscht! Gestalte dir dein Leben und behalte deine Schwester in guter Erinnerung.

Ganz ganz liebe Grüsse

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