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Schuldgefühle, weil ich Haupterbe bin

15. Mai 2007 um 0:20 Letzte Antwort: 15. Mai 2007 um 22:21

Hallo, die ganze Angelenheit ist etwas kompliziert, aber ich versuche Sie möglichst kurz zu erklären. Meine Vater, der leider vor einem halben Jahr verstorben ist, hat mich laut eines Testaments von 1994 zur Haupterbin gemacht. Es ist jetzt nicht so, daß er ein reicher Mann war, Es geht grundsätzlich um ein Haus im Wert von ca. 100.000 Euro in dem ich schon seit 12 Jahren wohne. Bei der gesetzlichen Erbfolge müßte ich meine beiden Geschwister auszahlen. Jeder bekäme etwas über 30.000 Euro, worüber ich ein Darlehen aufnehmen muß. Da ich aber Haupterbin bin brauche ich jedem bloß ca. 15.000 Euro zu zahlen. Meine Schwester, zu der ich eigentlich ein gutes Verhältnis hatte, die aber 500 km entfernt wohnt, nimmt mir das ganze sehr, sehr übel und behauptet, ich hätte unseren Vater manipuliert und noch vieles mehr. Meinem Bruder hatte ich schon gleich zu Beginn definitiv 20.000 Euro zugesagt, egal was das Testament aussagt. Bei meiner Schwester habe ich dies nicht getan, da ich enorm verletzt war über all ihre Unterstellungen. Kürzlich war ich wegen der Vorfälligkeitsgebühr der Bank meines Vaters bei einem Anwalt und dieser hatte sich sehr für die Erbsache interessiert. Er hat behauptet meinen Geschwistern stünde lediglich der Betrag zu, den mein Vater im Testament benannt hatte und das sind im Falle meiner Schwester mehr als die Hälfte weniger als der Pflichtteil. Sie bekam dies mitgeteilt und hat es hingenommen. Nun hat sich heute aber herausgestellt, daß dies eine Fehlinformation meines Anwaltes war. Jedoch bin ich laut Anwalt nicht verpflichtet meine Schwester darauf hinzuweisen, daß ihr doch mehr zu steht. Ich kann das Geld wahnsinnig gut gebrauchen, da ich sowieso einen Kredit von 55.000 Euro für das Haus aufnehmen muß. Zudem brauche ich dringend ein neues Auto. Jedoch frage ich mich: Sollte ich ihr nun den kompletten Pflichtbetrag geben? Sie unterstellt mir sowieso, daß sie um das Erbe betrogen wurde, somit wäre es sogar wahr. Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich es ihr nicht gebe? Hätte ich vielleicht sowieso beiden Geschwistern trotz des Testamentes den kompletten gesetzlichen Erbteil geben, so daß alles gerecht durch 3 geteilt worden wäre? Das Testaments meines Vater war handschriftlich und uralt und wurde leider von mir persönlich gefunden. Ich weiß gar nicht, ob dies tatsächlich noch sein letzter Wille war. Sind meine Schuldgefühle berechtigt? Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand seine Meinung dazu schreibt.

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15. Mai 2007 um 11:40

Hmmm....
Ehrlich gesagt sind Deine Schuldgefühle berechtigt. Ich finde es schrecklich, dass Menschen sich nach dem Tod eines Verwandten überhaupt streiten über das Erbe. Klar ist es für dich ein Problem, einen Kredit aufzunehmen. Aber Du hast ein HAUS... zahlst keine Miete oder Abtrag und bist damit schonmal viel besser gestellt als gaaanz viele andere Menschen. Bescheisst Du bewußt Deine Geschwister ums Erbe, dann würde ich an Deiner Stelle nicht mehr ruhig schlafen können. Kannst Dich ja auch mal in deren Situation versetzten. Sei doch einfach froh, dass Du überhaupt Haupterbin geworden bist und raff nicht noch mehr Kohle zusammen! Und was hast Du eigentlich für nen Anwalt? Wenn der nichtmal solche "Standardsituationen" lösen kann, dann hat der ja wohl voll und ganz seinen Job verfehlt. Stell Dir mal vor, Deine Schwester nimmt sich nun auch nen Anwalt. Dann kannste mit Deinem nämlich gar keinen Preis mehr gewinnen! Familien, haltet mal lieber zusammen.... Geld ist nicht alles! Wenn man schon keine Eltern mehr hat, dann haltet Ihr Geschwister doch wenigstens zusammen!
Hoffe für Dich, dass Du die richtige Entscheidung triffst!

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15. Mai 2007 um 13:21

Und dein vater?
würde der wünschen dass es krieg gibt wegen dem erbe?
meiner ansicht nach verhälst du dich verkehrt, wenn du ihr bewusst etwas vorenthaltest was ihr zusteht. sie kann das geld sicher genauso gut brauchen wie du, oder? ausserdem verbaust du euch damit die möglichkeit, später wieder "normal" miteinander umzugehen. sie ist verletzt, schon mal daran gedacht? da sagt man oft sachen, um sich zu wehren, anderen auch wehzutun. hilf ihr dadurch, aber nicht mit betrug.
bin froh dass bei uns nix zu erben ist, ehrlich. ein sprichwort hier heisst: wer noch miteinander spricht, hat noch nicht geerbt.
wünsche dir die größe, richtig zu handeln.
lg

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15. Mai 2007 um 13:55

Ich finde...
dass hier mal alle Seiten Berücksichtigung finden sollten.

Ich denke Deine Schwester macht Dir Vorwürfe, weil sie verletzt und enttäuscht von Deinem Vater ist. Du bekommst es ab! Frag sie vielleciht, was sie so unglaublich wütend macht, dass sie solch eine Meinung von Dir hat. Scheinbar war das ja sonst nicht der Fall, oder?

Ich kann Dich gut verstehen, dass Du Dir vielleicht denkst, was solls, wenn Sie eh schon schlecht von mir denkt, dann kann ich mich auch entsprechend verhalten.
Was wäre aber, wenn Du sie wärst?
Oder anders gefragt: Wie würdest Du denn gerne behandelt werden?

Ich schätze, Du stehst unter ziemlich großen Druck, und dabei kannst Du noch nichteinmal was dafür! Niemand hat Dich gefragt, ob Du Alleinerbin sein möchtest, und nun musst Du Dich auch noch rechtfertigen.
Aber im Grunde scheint es hier nicht um das Geld zu gehen. Jeder kann Geld immer und zu jeder Zeit gut gebrauchen. Aber vorher hattet ihr es doch auch nicht. Worum geht es Euch also?

Mein Rat: Setzt Euch an einen Tisch und jeder hat zweimal 15 Minuten Zeit zu sagen, was er zu sagen hat - ohne Unterbrechungen. Kein Dialog (zunächst einmal), sondern ein Monolog. Bedingung: Jeder bleibt bei sich, seinen Gefühlen, Ansichten, Wünschen und Vorstellungen. Die Sätze beginnen mit "Ich" und nicht mit "Du"!
Dann das ganze sacken lassen und begreifen, dass jeder von Euch bedien seine eigene Wahrnehmung zu dem Thema hat, und dass es nicht notwendig ist auf eine persönliche Ebene zu gehen, um die Situation zu regeln.
Das ist schwer, aber machbar.

Ich wünsche Dir viel Glück dabei.
LG Jeba

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15. Mai 2007 um 18:18

Du hast doch nichts getan
somit bist Du nicht schuldig und brauchst Dir auch keine Schuldgefühle einreden lassen.
Das ist ja keine Seltenheit, dass manche schlecht über andere denken. Laß Dich davon nicht beirren, das müssen sie mit sich selber ausmachen, ihr Problem.
Rein gesetzmäßig steht es Dir ja zu. Wenn Du Deinen Geschwistern Gutes tun willst so kannnst Du es ja auch gerecht aufteilen. Ich meine wenn Du Dich damit gut fühlst. Aber nur weil sie es Dir einreden, da weiß ich nicht ob es Dir ud Ihnen dann besser geht wenn Du es gibst.
Hör auf Dein Herz.

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15. Mai 2007 um 22:21

Danke
Zuerst einmal vielen Dank für Eure Antworten. Ich muß zu meiner Schande gestehen, dass meine Schuldgefühle sich mittlerweile wieder in Grenzen halten. Ich denke hin und her. Mal so mal so: Meine Freunde z.B. zweifeln an meinem Verstand, dass ich überhaupt darüber nachdenke, ihr freiwillig knapp 9.000 Euro zu geben . Aber ich gebe zu, ich wäre auch stinksauer, wenn der Fall umgekehrt wäre.

Iasolana: Ich finde solche Erbstreitigkeiten auch schrecklich! Die einzige der von uns dreien Streß macht, ist allerdings meine Schwester. Mit meinem Bruder bin ich klar, er hat das akzeptiert, dass ich Haupterbe bin und ihm bloß der Pflichtteil zusteht. Der Pflichtteil beläuft sich auf ca. 16.000 oder 17.000 Euro. Ich habe meinem Bruder aber von vorneherein 20.000 Euro zugesagt. Gut, okay, was er wirklich darüber denkt, weiß ich nicht. Wenn Du glaubst, dass ich für das Haus nichts zahlen muß, hast Du etwas falsch verstanden. Mein Bruder ist von ca. 100.000 Euro Wert für das Haus ausgegangen, das ist recht realistisch, deshalb haben wir den Betrag auch als Erbe benannt. Das Haus ist jedoch noch nicht komplett abbezahlt und zudem ist noch wahnsinnig viel daran zu arbeiten, was auch wieder jede Menge Geld kostet. Ich bin alleinerziehend und arbeite Vollzeit, das tue ich gewiß nicht, weil ich finanziell so toll da stehe.

Meine Schwester wohnt 500 km von uns entfernt, sie hat sich quasi schon vor über 20 Jahren von der Familie befreit Sie hatte ihr eigenes Leben, ihren Ehemann, ihre Reisen und es ging ihr finanziell bestens. Ihr Interesse an der Familie ist eigentlich erst seit ca. fünf Jahren wieder da, seitdem hat sie ein Kind und ist auch sie alleinerziehend und familiärer eingestellt. Seitdem haben wir uns regelmäßig gesehen, das heißt sie wie zweimal im Jahr auf Urlaub hier. Wir haben uns zwar viel gezofft, hatten aber auch viel Spaß miteinander. Aber es gab immer schon starken Neid zwischen uns beiden.

Als sie davon erfuhr, dass Papa im Sterben liegt, ist sie direkt angereist, was mich sehr freute, aber leider hat sie es nicht mehr geschafft ihn zu sehen. Am nächsten Tag gings da schon los, sie wütete in Papas Wohnung rum, wollte direkt schon etliche Dinge wegwerfen und so weiter. Für mich war das sehr, sehr schlimm. Ich wohne ja seit 12 Jahren in Papas Haus. Jedenfalls gingen dann schon Fetzereien zwischen uns los. Und dann fand ich dieses Testament, nachdem sie 15.000 DM erhalten solle und mein Bruder mit seinen Kindern 25.000 Euro und ich war als Haupterbin eingesetzt. Da ging es dann erst richtig los. Sie unterstellte mir sie die ganzen Jahre hintergangen zu haben und Papa manipuliert zu haben und noch vieles, vieles mehr. Sa sagte sogar, sie müsse sich darüber im Klaren werden ob nur ihr Vater gestorben sei, sondern auch ihre Schwester. Ich war zudem Zeitpunkt aber noch recht friedlich. Bei mir ging die Wut über die ganzen Unterstellungen erst los, nachdem sie abgereist war. Wir haben uns dann per E-Mail beschimpft. Sie kommt einfach nicht ab von ihren Behauptungen, ich hätte sie um ihr Erbe betrogen , und dass obwohl sie Hartz IV-Empfängerin ist und sowieso der Meinung war, sie dürfte gar kein Geld bekommen. Sie hätte halt gerne gehabt, dass ich ihr Geld unter der Hand zuschiebe.

Aber unser Vater hat es doch so entschieden. Hätte ich das Testament unter den Tisch fallen lassen sollen? Aber warum schreibt man ein Testament, wenn sich doch niemand daran hält?

Den Anwalt habe ich mir nicht genommen um irgendjemanden um sein Erbe zu prellen. Ich bin zu dem Anwalt gegangen, weil ich Probleme mit der Rückzahlung des Darlehens meines Vaters habe. Und der Anwalt halt sich halt sehr für die Erbsache interessiert. Ich habe ihm grob davon erzählt, aber wie gesagt nur grob, denn die Erbsache war nicht mein Anliegen. Ich war eher durch seine Fragerei und Diskutiererei genervt. Auf Anfragen hatte ich dem SoziAmt bereits die ungefähre Höhe des Pflichtteils mitgeteilt. Der Anwalt behauptete, meinen Geschwistern würde bloß der genannte Betrag von meinem Vater zustehen (ca. 9.000 Euro Unterschied) und gab mir den Tip, das Amt dahingehend einfach mal anzuschreiben, was ich dann auch tat, ich hätte allerdings nie damit gerechnet, dass das einfach akzeptiert wird. Das Amt nahm also die Ansprüche an mich zurück und teilte mir mit, dass ich den genannten Betrag (knapp 8.000 Euro), direkt an meine Schwester zahlen soll, da er im Rahmen dessen liegt, was sie an Vermögen haben darf. Darüber habe ich mich ehrlich gesagt am meisten gefreut, denn ich weiß, dass mein Papa ein Problem damit gehabt hätte, dass sein Geld an den Staat wandert. Naja, egal. Da ich nun aber erfuhr, dass meine ursprünglich Rechnung noch richtig war und sie doch ihren Pflichtteil geltend machen kann, bin ich dann erschrocken. Seitdem bin ich hin und her. Auf der einen Seite denke ich auch, ich gebe ihr das Geld unter der Hand, aber dann bin ich ja letztenendes die jenige, die den Staat betrügt, da ich ja bereits mit dem Sozi-Amt kommuniziert habe. Auch wenn ich ihr den Pflichtteil gebe, sie wird mich dennoch als Betrügerin sehen und alles was geschehen ist, ist nicht mehr rückgängig zu machen. Also der Anwalt sagt nun: Sie hat Anspruch auf diese knapp 8.000 Euro, dies ist auch ihr Erbteil! Jedoch kann sie dennoch den Pflichtteil einfordern. Ich sei nicht verpflichtet, sie darauf hinzuweisen. Sie hat drei Jahre Zeit, diesen einzufordern und ich glaube sie wird es auch tun, denn sie gönnt das Geld eher dem Amt, statt mir. Ich würde ihr auf der einen Seite das Geld tatsächlich trotz allem geben, aber dann wiederum bin ich wirklich einfach nur noch geizig.


Jeba8: Dein Rat, uns in Ruhe an einen Tisch zu setzen hört sich gut an, aber es wird nicht funktionieren. Wir haben bei unsere Standpunkte.

Ihren Ärger und ihre Verletztheit kann ich sogar verstehen, aber dass sie mich für alles verantwortlich macht, verstehe ich nicht.

Shams31: Deine Worte tun richtig gut. Danke!

Sorry, dass mein Beitrag nun zu einem Roman ausgeartet ist.

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