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Schuldgefühle und Selbsthass wegen meiner Tat

16. Mai um 15:47 Letzte Antwort: 7. Juli um 10:40

Liebe Community,

nach längerem Überlegen habe ich mich doch entschlossen, den Schritt zu wagen und mir im Internet Hilfe zu suchen. Dieses Forum erscheint mir als geeignet und ich hoffe, ihr könnt mir mit meinem Problem weiterhelfen, denn ich habe das Gefühl, dass es mich von innen auffrisst und ich mir die Grundlage für ein glückliches Leben selbst zerstört habe.Ich steige direkt mit dem Ereignis ein, das mich in diese Lage gebracht hat: Im Alter von 14 Jahren, als ich seit ca. einem Jahr in der Pubertät war, waren wir mit der Familie im Urlaub. Mein Bruder und ich wussten gegenseitig, dass wir Sb und tauschten uns darüber aus. An einem Mittag schlug ich ihm vor, wir könnten gegenseitig unsere P. in den Mund nehmen, um zu testen, wie es sich anfühlt. Gott sei Dank, verweigerte er, doch dabei sollte es leider Gottes nicht bleiben: Wenig später fragte er mich (er war zwölf), ob er mit meiner Spielzeugpistole spielen könne und ich sagte ihm, er könne damit spielen, wenn er mir 30 Sekunden einen runterhole. Er tat das dann auch, ich bin nicht gekommen o.Ä. und es hat mir auch keine Freude oder Spaß bereitet. Im Nachhinein habe ich nicht den Hauch einer Ahnung, wie ich jemals so weit gehen konnte.

So, das war das Ereignis. Auch wenn ich es jetzt so nüchtern und sachlich herunter geschrieben habe, könnt Ihr mir glauben, wie schwer es mir gefallen ist. Es sind nun vier Jahre vergangen. Ich habe mit meinem Bruder ein sehr gutes Verhältnis, es kam nie wieder etwas ähnliches vor und auch am selben Tag noch schien alles wie immer. Lange Zeit habe ich über dieses Ereignis kaum nachgedacht, doch in letzter Zeit kam es wieder hoch und zum ersten Mal realisierte ich richtig, was ich da getan hatte. Wenn ich zuvor an dieses Ereignis zurückgedacht hatte, war mir zwar auch klar, was für ein gestörtes Verhalten das war, doch unglaublicherweise konnte ich es immer abschütteln. In letzter Zeit habe ich mich charakterlich weiterentwickelt und viel an mir geändert, da ich ein sehr oberflächlicher Mensch geworden war und mich von mir selbst entfernt hatte. Ich schäme mich für mein Ich aus den letzten drei Jahren und habe erkannt wie wichtig die Kindheit ist und dass man, wenn man sich auf die Kindheit besinnt, gleichzeitig sein wahres Ich findet. Auf diese Entwicklung bin ich stolz, doch dieses eine Ereignis kann ich nicht überwinden. Ich habe das ständige Gefühl mein Leben nicht verdient zu haben. Außerdem denke ich, dass ich auch niemals eine Freundin/Ehefrau verdient habe, da ich das Gefühl hätte Sie anzulügen, wenn ich Sie nicht über dieses Ereignis aufkläre und ihr somit vormachen würde, jemand anderes zu sein als der schreckliche Mensch, der so etwas getan hat.

Vielleicht solltet Ihr noch wissen, dass mein Bruder und ich ein sehr gutes Verhältnis haben und dieses stetig besser wird, da er auch immer reifer wird (er ist zwei Jahre jünger). Wir haben über dieses Ereignis nicht mehr gesprochen und ich bin mir nicht sicher, ob er sich noch daran erinnert. Vor etwa zwei Jahren hatte er es einmal kurz erwähnt, doch ich weiß nicht, wie präsent es noch bei ihm ist. Ich möchte ihn jedoch auch nicht darauf ansprechen und die Erinnerung wecken, da er ein sehr sensibler Mensch ist. Ich habe das Gefühl durch diese Aktion bei ihm unterbewusst ein ungutes Gefühl in seiner Beziehung zu mir als Bruder ausgelöst zu haben.Ich bin mir sicher, dass ich mir selbst helfen würde, wenn ich meiner Familie meine Schuld und meine Reue gestehen würde, aber so etwas kann man einfach nicht machen. Eine solche Geschichte kann man seiner Mutter nicht erzählen.Ich habe das Gefühl, mir mein Leben zerstört zu haben und brauche dringend Hilfe.

LG und vielen Dank, wenn Ihr Euch die Mühe gemacht habt, meinen gesamten Beitrag zu lesen.

P.S.: Offensichtlich bin ich ein Junge, doch dieses Forum erschien mir als einziges als geeignet.

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16. Mai um 16:57

Auch Kinder haben eine Sexualität und nicht alles Sexuelle, mit dem sie konfrontiert werden, führt automatisch zu einer Traumatisierung. So wie du schreibst war damals keine Gewalt im Spiel und es ist gut möglich, dass dich das Ereignis mehr traumatisiert hat als ihn (da du damit gewissermaßen eine "Schuld" auf dich geladen hast, wie du inzwischen erkannt hast, und es deshalb nicht hinter dir lassen kannst).

Meiner Erfahrung nach bringt es nichts, unbequeme Themen unter den Teppich zu kehren, denn sie verfolgen einen immer weiter (selbst wenn man sie "vergisst" bleiben sie im Unterbewusstsein erhalten). Und durch dein Schuldgefühl hast du vielleicht auch eine verzerrte Wahrnehmung von deinem Bruder und interpretierst Dinge in ihn hinein, die letztendlich gar nicht zutreffen.

Du schreibst ihr habt (immer noch) ein gutes Verhältnis. Mein Vorschlag wäre: Sprich das Thema nochmal an, wenn du mit deinem Bruder allein bist und ihr die nötige Ruhe habt. Erzähl ihm wie sehr dich das Thema die letzten Jahre verfolgt und wie sehr du es bereust. Und wie wichtig er dir ist... so wichtig, dass du dir die Blöße gibst, dieses Thema nochmal anzusprechen und dich zu entschuldigen. Letztendlich wird das auch zu dem Bild beitragen, das er von dir hat. Und im besten Fall euch einander (wieder) näher bringen.

Ich kann dir natürlich auch daneben liegen - ich kenn euch nicht wirklich - aber das sind die Gedanken, die mir beim Lesen deiner Nachricht in den Sinn gekommen sind.

Und noch eine Kleinigkeit: Halte deine "Familie" aus der Angelegenheit am besten raus. Das ist eine Sache zwischen dir und deinem Bruder und es hilft keinem von euch, wenn du da eure Mutter/Eltern mit hinein ziehst. Das wäre nur eine Form von "Selbstbestrafung", die deinem Bruder nicht hilft und es im schlimmsten Fall noch schwieriger für ihn macht. Da dann plötzlich noch mehr Menschen darüber Bescheid wissen, von denen er im schlimmsten Fall drauf angesprochen und bemitleidet wird usw...

Alles Gute!

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16. Mai um 17:02
In Antwort auf bblubb456

Auch Kinder haben eine Sexualität und nicht alles Sexuelle, mit dem sie konfrontiert werden, führt automatisch zu einer Traumatisierung. So wie du schreibst war damals keine Gewalt im Spiel und es ist gut möglich, dass dich das Ereignis mehr traumatisiert hat als ihn (da du damit gewissermaßen eine "Schuld" auf dich geladen hast, wie du inzwischen erkannt hast, und es deshalb nicht hinter dir lassen kannst).

Meiner Erfahrung nach bringt es nichts, unbequeme Themen unter den Teppich zu kehren, denn sie verfolgen einen immer weiter (selbst wenn man sie "vergisst" bleiben sie im Unterbewusstsein erhalten). Und durch dein Schuldgefühl hast du vielleicht auch eine verzerrte Wahrnehmung von deinem Bruder und interpretierst Dinge in ihn hinein, die letztendlich gar nicht zutreffen.

Du schreibst ihr habt (immer noch) ein gutes Verhältnis. Mein Vorschlag wäre: Sprich das Thema nochmal an, wenn du mit deinem Bruder allein bist und ihr die nötige Ruhe habt. Erzähl ihm wie sehr dich das Thema die letzten Jahre verfolgt und wie sehr du es bereust. Und wie wichtig er dir ist... so wichtig, dass du dir die Blöße gibst, dieses Thema nochmal anzusprechen und dich zu entschuldigen. Letztendlich wird das auch zu dem Bild beitragen, das er von dir hat. Und im besten Fall euch einander (wieder) näher bringen.

Ich kann dir natürlich auch daneben liegen - ich kenn euch nicht wirklich - aber das sind die Gedanken, die mir beim Lesen deiner Nachricht in den Sinn gekommen sind.

Und noch eine Kleinigkeit: Halte deine "Familie" aus der Angelegenheit am besten raus. Das ist eine Sache zwischen dir und deinem Bruder und es hilft keinem von euch, wenn du da eure Mutter/Eltern mit hinein ziehst. Das wäre nur eine Form von "Selbstbestrafung", die deinem Bruder nicht hilft und es im schlimmsten Fall noch schwieriger für ihn macht. Da dann plötzlich noch mehr Menschen darüber Bescheid wissen, von denen er im schlimmsten Fall drauf angesprochen und bemitleidet wird usw...

Alles Gute!

Zunächst einmal vielen lieben Dank für Deine Antwort. Das hilft mir sehr weiter. Mein Bruder und ich haben ein sehr gutes Verhältnis, besser noch, als es anscheinend in meinem Beitrag rüberkam. 
Ich werde das Gespräch mit ihm suchen, nur wann ich das tun werde, weiß ich noch nicht genau. Vielleicht sogar erst in ein paar Jahren, wenn er etwas älter ist.

Ich hatte schon als Kind oft den Drang zur Selbstbestrafung und habe viele Zwänge durchlebt, was die Situtaion für mich umso schwieriger gemacht hat.

Bisher war ich immer davon ausgegangen, dass es nur eine ausrede für mich wäre aus den von Dir genannten Gründen nicht mit meiner Mutter darüber zu sprechen, aber dadurch, dass das eine andere Person genau so sieht, bin ich etwas beruhigter.

Ich danke Dir vielmals!!!

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16. Mai um 17:43
In Antwort auf asf

Liebe Community,

nach längerem Überlegen habe ich mich doch entschlossen, den Schritt zu wagen und mir im Internet Hilfe zu suchen. Dieses Forum erscheint mir als geeignet und ich hoffe, ihr könnt mir mit meinem Problem weiterhelfen, denn ich habe das Gefühl, dass es mich von innen auffrisst und ich mir die Grundlage für ein glückliches Leben selbst zerstört habe.Ich steige direkt mit dem Ereignis ein, das mich in diese Lage gebracht hat: Im Alter von 14 Jahren, als ich seit ca. einem Jahr in der Pubertät war, waren wir mit der Familie im Urlaub. Mein Bruder und ich wussten gegenseitig, dass wir Sb und tauschten uns darüber aus. An einem Mittag schlug ich ihm vor, wir könnten gegenseitig unsere P. in den Mund nehmen, um zu testen, wie es sich anfühlt. Gott sei Dank, verweigerte er, doch dabei sollte es leider Gottes nicht bleiben: Wenig später fragte er mich (er war zwölf), ob er mit meiner Spielzeugpistole spielen könne und ich sagte ihm, er könne damit spielen, wenn er mir 30 Sekunden einen runterhole. Er tat das dann auch, ich bin nicht gekommen o.Ä. und es hat mir auch keine Freude oder Spaß bereitet. Im Nachhinein habe ich nicht den Hauch einer Ahnung, wie ich jemals so weit gehen konnte.

So, das war das Ereignis. Auch wenn ich es jetzt so nüchtern und sachlich herunter geschrieben habe, könnt Ihr mir glauben, wie schwer es mir gefallen ist. Es sind nun vier Jahre vergangen. Ich habe mit meinem Bruder ein sehr gutes Verhältnis, es kam nie wieder etwas ähnliches vor und auch am selben Tag noch schien alles wie immer. Lange Zeit habe ich über dieses Ereignis kaum nachgedacht, doch in letzter Zeit kam es wieder hoch und zum ersten Mal realisierte ich richtig, was ich da getan hatte. Wenn ich zuvor an dieses Ereignis zurückgedacht hatte, war mir zwar auch klar, was für ein gestörtes Verhalten das war, doch unglaublicherweise konnte ich es immer abschütteln. In letzter Zeit habe ich mich charakterlich weiterentwickelt und viel an mir geändert, da ich ein sehr oberflächlicher Mensch geworden war und mich von mir selbst entfernt hatte. Ich schäme mich für mein Ich aus den letzten drei Jahren und habe erkannt wie wichtig die Kindheit ist und dass man, wenn man sich auf die Kindheit besinnt, gleichzeitig sein wahres Ich findet. Auf diese Entwicklung bin ich stolz, doch dieses eine Ereignis kann ich nicht überwinden. Ich habe das ständige Gefühl mein Leben nicht verdient zu haben. Außerdem denke ich, dass ich auch niemals eine Freundin/Ehefrau verdient habe, da ich das Gefühl hätte Sie anzulügen, wenn ich Sie nicht über dieses Ereignis aufkläre und ihr somit vormachen würde, jemand anderes zu sein als der schreckliche Mensch, der so etwas getan hat.

Vielleicht solltet Ihr noch wissen, dass mein Bruder und ich ein sehr gutes Verhältnis haben und dieses stetig besser wird, da er auch immer reifer wird (er ist zwei Jahre jünger). Wir haben über dieses Ereignis nicht mehr gesprochen und ich bin mir nicht sicher, ob er sich noch daran erinnert. Vor etwa zwei Jahren hatte er es einmal kurz erwähnt, doch ich weiß nicht, wie präsent es noch bei ihm ist. Ich möchte ihn jedoch auch nicht darauf ansprechen und die Erinnerung wecken, da er ein sehr sensibler Mensch ist. Ich habe das Gefühl durch diese Aktion bei ihm unterbewusst ein ungutes Gefühl in seiner Beziehung zu mir als Bruder ausgelöst zu haben.Ich bin mir sicher, dass ich mir selbst helfen würde, wenn ich meiner Familie meine Schuld und meine Reue gestehen würde, aber so etwas kann man einfach nicht machen. Eine solche Geschichte kann man seiner Mutter nicht erzählen.Ich habe das Gefühl, mir mein Leben zerstört zu haben und brauche dringend Hilfe.

LG und vielen Dank, wenn Ihr Euch die Mühe gemacht habt, meinen gesamten Beitrag zu lesen.

P.S.: Offensichtlich bin ich ein Junge, doch dieses Forum erschien mir als einziges als geeignet.

Er kann sich genauso daran erinnern wie du!!

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6. Juli um 22:53

Wenn es dich so sehr belastet, rate ich dir dich einem Therapeuten anzuvertrauen oder beim Krisendienst anzurufen.  
Vielleicht mag dir das übertrieben vorkommen, aber es könnte dich sehr entlasten, wenn du zuerst mit jemandem sprichst, der nicht direkt davon betroffen ist. 
Ob es jetzt gut ist direkt mit deinem Bruder drüber zu sprechen, kann ich dir nicht sagen. Er ist noch sehr jung und du schreibst, dass eher sensibel ist, es könnte ihn auch überfordern. Vielleicht hat er das Erlebnis auch ganz weit nach hinten gepackt.
in der Traumatherapie wird mittlerweile das Durchleben eines verdrängten Ereignisses als sehr kritisch eingestuft.

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7. Juli um 10:40

Verbuch es unter Doktorspielchen. Ihr wart beide kleine Kinder. Ihr habt gemerkt, dass es scheisse ist und gut is. 

Da probiert man mal was aus

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