Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Schuldgefühle

Letzte Nachricht: 25. September 2010 um 13:22
Z
zaira_12837395
10.09.10 um 15:28

Hallo,
letztes Jahr ist soviel passiert, dass ich kaum weiss, wo ich anfangen soll. Ich war schwanger mit meinem zweiten Kind und wusste, dass zwei Menschen, die mir wichtig waren, krebskrank waren und die Heilungschancen gegen Null gingen. Das eine war meine Oma und das andere meine "Ersatzmama" (eine liebe Freundin im Alter meiner Eltern, die viel für mich da war, als ich klein war).
Genau eine Woche nach der Geburt meiner Tochter ist meine Oma plötzlich verstorben. Ich erfuhr, dass meine Oma den Pastor ihrer Gemeinde hat ins Krankenhaus kommen lassen und ihm gesagt hat, sie wäre bereit zu gehen, aber sie wolle noch mitbekommen, dass ihre Urenkelin gesund zur Welt kommt. Ich hielt danach meine Tochter in den Armen und hatte Schuldgefühle. Es war, als wenn ich das Todesurteil meiner Oma mit der Geburt meiner Tochter unterschrieben hätte. Sie hat die ersten Bilder von ihrer letzten Urenkelin gesehen und ist gestorben. Ich hatte gespaltene Gefühle meiner Tochter gegenüber. Da ich mich aber ja um sie und ihren grösseren Bruder kümmern musste, habe ich alles verdrängt.
Kurz vor Weihnachten starb dann auch noch meine Ersatzmama. Ich wohne in Südfrankreich und konnte einfach nicht zu ihr, um ihr die letzte Ehre zu erweisen. Vorher hatte ich es nicht geschafft, sie nochmal zu besuchen. Und auch dies liess Schuldgefühle in mir aufkommen.
Sie fehlen mir beide so und ich hätte mich so gefreut, wenn sie meine kleine Maus hätten sehen können. Sie ist so ein Sonnenschein und ich habe trotzdem so oft Lust zu weinen, wenn ich sie sehe. Sie erinnert mich einfach ständig an den Tod meiner Oma und das tut so weh.
Mein Sohn leidet auch darunter, dass es mir innerlich nicht gut geht, auch wenn ich versuche, es nicht zu zeigen. Er ist richtig agressiv geworden, seit dem Tod meiner Oma. Ich frage mich echt, ob ich da je drüber hinwegkommen werde. Der Schmerz scheint so unendlich gross.
Die Psychologin aus dem Kindergarten hat mir gesagt, dass ich keine Schuldgefühle haben brauche. Und das meine Oma sicherlich glücklich von uns gegangen sei. Aber das hilft mir so gar nicht. Ich habe auch Angst, dass meine Tochter dieses empfindet und irgendwann auch dieses Verhältnis schwierig wird. Aber ich weiss auch einfach nicht, an wen ich mich hier wenden kann...

Sonja

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Z
zaira_12837395
14.09.10 um 14:06

Danke
hallo nachttau,
Danke für Deine Antwort.
Ich weiss eigentlich auch, dass meine Tochter dafür nichts kann und meine Oma glücklich war, dass sie noch erfahren durfte, dass die Kleine gesund auf die Welt gekommen ist. Doch es ist sehr schwierig, dass eine ohne das andere zu sehen - die Geburt meiner Tochter und der Tod meiner Oma.
Vielleicht tut es auch deshalb so sehr weh, weil wir uns erst seit ein paar Jahren wieder richtig angenähert haben und vorher ein sehr gespanntes Verhältnis hatten.
Ich versuche, jeden Tag ein kleines Stückchen mehr, von diesen Gedanken los zu kommen, aber es ist sehr schwer. Ich kann leider auch irgendwie mit meiner Mutter nicht über den Tod ihrer Mutter reden, obwohl es uns vielleicht beiden gut tun würde. Meine Mutter ist einfach mal 900 km von mir weg und wir sehen uns nur selten und sonst nur übern Chat. Ich glaube aber, ich werde die Gelegenheit nutzen, wenn sie uns im Herbst besuchen kommen.

Nochmals Danke für Deine Worte.

Sonja

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an0N_1302580499z
19.09.10 um 0:05
In Antwort auf zaira_12837395

Danke
hallo nachttau,
Danke für Deine Antwort.
Ich weiss eigentlich auch, dass meine Tochter dafür nichts kann und meine Oma glücklich war, dass sie noch erfahren durfte, dass die Kleine gesund auf die Welt gekommen ist. Doch es ist sehr schwierig, dass eine ohne das andere zu sehen - die Geburt meiner Tochter und der Tod meiner Oma.
Vielleicht tut es auch deshalb so sehr weh, weil wir uns erst seit ein paar Jahren wieder richtig angenähert haben und vorher ein sehr gespanntes Verhältnis hatten.
Ich versuche, jeden Tag ein kleines Stückchen mehr, von diesen Gedanken los zu kommen, aber es ist sehr schwer. Ich kann leider auch irgendwie mit meiner Mutter nicht über den Tod ihrer Mutter reden, obwohl es uns vielleicht beiden gut tun würde. Meine Mutter ist einfach mal 900 km von mir weg und wir sehen uns nur selten und sonst nur übern Chat. Ich glaube aber, ich werde die Gelegenheit nutzen, wenn sie uns im Herbst besuchen kommen.

Nochmals Danke für Deine Worte.

Sonja

Hallo Sonja,
ich denke auch dass du keine Schuldgefühle haben solltest!
Versuche dich darüber zu freuen, dass deine Oma bis zur Geburt deiner Tochter bei euch bleiben wollte. Schau mal wie lieb sie dich gehabt hat und wie glücklich sie es gemacht hat. Sie hat ihren letzten Wunsche erfüllt bekommen und konnte in Frieden gehen. Deine Tochter hat mit dem Tod nichts zutun und kann nichts dafür. Ich kann verstehen dass deine Tochter dich an den Tod deiner Oma erinnert, da 1 Woche zwischen diesen Tagen liegen, aber du solltest versuchen dich von diesem Gedanken zu trennen!
Mir hat letztens einer zu dem Tod meiner Mutter gesagt "die einen gehen früher und die anderen später". Kein toller Satz, aber ich weiß was er meinte. Die einen gehen und neues Leben kommt. So ist das leider im Leben.
Ich finde inzwischen den Satz, dass sie schon mal vorgegangen sind, schöenr beschrieben.
Ich kann auch verstehen dass es dir leid tut, dass du dich von deiner Ersatzmama nicht verabschieden konntest. Aber du schreibst ja, dass es nicht anders ging. Du kannst nichts dafür!
Ich weiß nicht ob uns unsere Lieben aus dem Himmel sehen können, aber stell dir das einfach mal vor. Deine Oma freut sich sicherlich über ihre Urenkelin und hätte sicherlich nicht gewollt dass du sie mit ihrem Tod verbindest und ebenso deine Ersatzmama. Beide wissen dass du sie lieb gehabt hast und sie hätte sicherlich auch nicht gewollt, dass du dir jetzt deswegen Vorwürfe machst!
Ich denke dass das wichtigste im Herzen ist.
Du hast sie beide geliebt, das merkt man und dass haben beide sicherlich gewusst und das zählt am meisten!
In deinem Herzen leben sie für immer weiter, denn du wirst sie nie vergessen.
Versuche lieber dich auf dein Leben zu konzentrieren. Freu dich über die erlebten Momente mit deinen Lieben, aber denke auch an Jetzt und freu dich über deine Kinder, die du hast.
Es würde dir wirklich gut tun einfach mal mit deiner Mutter darüber zu reden. Der erste Schritt ist immer der schwierigste, aber deine Mama trauert ja auch und deswegen könnte es euch beiden sehr gut tun.

Ich wünsch dir viel Kraft!

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zaira_12837395
25.09.10 um 13:22
In Antwort auf an0N_1302580499z

Hallo Sonja,
ich denke auch dass du keine Schuldgefühle haben solltest!
Versuche dich darüber zu freuen, dass deine Oma bis zur Geburt deiner Tochter bei euch bleiben wollte. Schau mal wie lieb sie dich gehabt hat und wie glücklich sie es gemacht hat. Sie hat ihren letzten Wunsche erfüllt bekommen und konnte in Frieden gehen. Deine Tochter hat mit dem Tod nichts zutun und kann nichts dafür. Ich kann verstehen dass deine Tochter dich an den Tod deiner Oma erinnert, da 1 Woche zwischen diesen Tagen liegen, aber du solltest versuchen dich von diesem Gedanken zu trennen!
Mir hat letztens einer zu dem Tod meiner Mutter gesagt "die einen gehen früher und die anderen später". Kein toller Satz, aber ich weiß was er meinte. Die einen gehen und neues Leben kommt. So ist das leider im Leben.
Ich finde inzwischen den Satz, dass sie schon mal vorgegangen sind, schöenr beschrieben.
Ich kann auch verstehen dass es dir leid tut, dass du dich von deiner Ersatzmama nicht verabschieden konntest. Aber du schreibst ja, dass es nicht anders ging. Du kannst nichts dafür!
Ich weiß nicht ob uns unsere Lieben aus dem Himmel sehen können, aber stell dir das einfach mal vor. Deine Oma freut sich sicherlich über ihre Urenkelin und hätte sicherlich nicht gewollt dass du sie mit ihrem Tod verbindest und ebenso deine Ersatzmama. Beide wissen dass du sie lieb gehabt hast und sie hätte sicherlich auch nicht gewollt, dass du dir jetzt deswegen Vorwürfe machst!
Ich denke dass das wichtigste im Herzen ist.
Du hast sie beide geliebt, das merkt man und dass haben beide sicherlich gewusst und das zählt am meisten!
In deinem Herzen leben sie für immer weiter, denn du wirst sie nie vergessen.
Versuche lieber dich auf dein Leben zu konzentrieren. Freu dich über die erlebten Momente mit deinen Lieben, aber denke auch an Jetzt und freu dich über deine Kinder, die du hast.
Es würde dir wirklich gut tun einfach mal mit deiner Mutter darüber zu reden. Der erste Schritt ist immer der schwierigste, aber deine Mama trauert ja auch und deswegen könnte es euch beiden sehr gut tun.

Ich wünsch dir viel Kraft!

Danke
für Deine lieben Worte.

Ich habe mir fest vorgenommen, mit meiner Mutter zu reden, wenn sie zu uns kommen. Ich werde meine Kinder bei meinem Vater lassen und mit meiner Mutter an den Strand fahren (eine ruhige Ecke) und dort mit ihr reden.

Mir geht es, seit ich hier im Forum bin, schon ein Stück besser. Ich konnte seither sehr viel weinen, was gut getan hat. Es ist erstaunlich, wie gut es tut, zu sehen, dass man auch nicht alleine ist mit solchen Gefühlen.
Mein Sohn ist seither auch wieder ein bissl ruhiger und das macht mir auch viel Freude.

Ich hoffe, dass auch Du bald wieder etwas mehr Freude am Leben haben wirst. Ich gebe zu, dass ich nicht weiss, wie ich es verkraften würde, wenn meine Mutter oder mein Vater sterben würden... Daher nochmals ganz herzlichen Dank für Deine lieben Worte, denn Du steckst ja auch nicht gerade in einer einfachen Situation.
Ich wünsche Dir auch viel Kraft und positive Energie.

LG,
Sonja

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