Home / Forum / Psychologie & Persönlichkeit / Schüchternheit oder Sozialphobie?

Schüchternheit oder Sozialphobie?

27. April 2014 um 17:19

Hallo
Dass ich schüchtern bin, war nie ein Geheimnis.
Doch ich dachte schon öfters, dass das nicht normal sein kann. Da steckt noch etwas anders dahinter.
Da ich es allerdings nicht wusste, beschloss ich mich an euch zu wenden. Ich hoffe, ihr könnt mir weiterhelfen. Danke schon mal im Voraus.
Ich habe, ich bin jetzt einfach ehrlich, manchmal so eine seltsame Panik. Vor allem nachts, wenn ich in meinem Bett liege. Und sei es nur, weil ich nicht schlafen kann und am nächsten Tag früh aufstehen muss.
Es kommt ganz plötzlich eine seltsame Panik, sie staut sich in meiner Brust, es fühlt sich an, als könne ich nicht atmen, Heulkrämpfe.
Nicht lange danach ist es vorüber, am nächsten Tag bereits vergessen.
Ich versuche stets es zu leugnen und zu vergessen... Aber Tatsache ist, diese Momente gibt es. Wie oft, wage ich nicht zu beurteilen.
Ich traue mich nicht, vor Menschen zu essen. Das ist schon länger so. Ich bin auch nicht gerade die Dünnste, habe Tendenz zu Übergewicht. Es fühlt sich an, als würde jeder mich anstarren. Ich fühle mich wie ein fettes, hässliches Mädchen, dass ihr Essen in sich reinstopft. Deshalb esse ich am liebsten alleine. In einer Ecke irgendwo, wo niemand ist.
Ich hasse Menschenmengen und vor mehreren Menschen zu stehen und zu reden, ist für mich die Hölle. Etwas Schlimmeres gibt es beinahe nicht für mich.
In letzter Zeit drücke ich mich immer öfters vor mir unangenehm erscheinenden Situation. Nicht nur vor anderen, auch vor mir selbst suche ich Ausflüchte.
Dabei weiß ich tief im Inneren, dass es Ausflüchte sind.
Und ich mache mir Sorgen, weil ich in letzter Zeit nicht gut genug war. Ich habe so einen enormen Leistungsdruck... Aber ich habe Angst, ihn mir nur selbst aufzuerlegen...
Immer öfter diese schlimmen Kopfschmerzen. Noch habe ich nicht allzu viele Tabletten genommen, aber ich habe Angst, abzurutschen.
Ich habe einfach das Gefühl, ich müsse besser, besser, besser, und einfach besser sein. Ich habe das Gefühl, nichts wert zu sein.
Und jetzt ist auch noch der Junge, den ich seit beinahe zwei Jahren liebe, in meine beste Freundin verliebt, mit der ich Streit habe. (Sie nicht in ihn)
Ich habe manchmal das Gefühl, alles bricht zusammen. Wofür mache ich das überhaupt?
Aber das ist immer... akut. Und danach denke ich mir: Worüber zur Hölle habe ich nachgedacht? Reiß dich mal zusammen und sei ein bisschen normaler!
Diese "Anfälle" machen mir ein wenig Angst.
Zudem kann ich alleine besser arbeiten als mit anderen Leuten zusammen, bin dann allerdings auch unsicherer beim Ergebnis.
In der Schule habe ich bereits viele Fehltage. Ich habe Angst zu versagen, in Arbeiten Blackouts. Ich sitze immer erst einmal 15 Minuten da und versuche tief durchzuatmen... Wie es mir beigebracht wurde.
Ich war nämlich früher mal bei einer Schulpsychologin, weil ich mich nicht traute, mich zu melden und in Arbeit irgendwann auch nur etwas zu schreiben. Ich hatte Komplettausfälle. Das machte mich fertig.
Ich blieb dann sitzen. Kurz war ich auch bei einem Psychiater, dann besserte sich allerdings alles ein wenig und ich wollte da raus. Bitte kein Psycho sein, bitte nicht abrutschen. Den Halt verlieren.
Ich kann es nicht fassen, dass ich über meine Ängste rede.
Jetzt habe ich wieder das Gefühl, ich übertreibe.
Bin ich einfach nur eine elendige Memme?
Okay. Zwischen extremer Schüchternheit und Sozialer Phobie verschwimmen die Grenzen. Auch zu unterscheiden von sozialen Defiziten, die sich auch aus einer Sozialphobie entwickeln können. Ja, ich habe ein wenig recherchiert. Denn ich bin mit zwei Mädchen befreundet, die eine Sozialphobie haben. Eine davon ist eine meiner besten Freundinnen. Und wir hatten immer das gleiche Problem früher: Unsere Weste. Unsere in beiden Fällen schwarze Weste war unser Schutz und warum auch immer, wir trauten uns nie, sie auszuziehen. Sie hat inzwischen schwere Depressionen, die sich anscheinend aus der Sozialen Phobie entwickelt haben.
Fakt ist, ich bin nicht dumm. Ich bin hochbegabt mit einem IQ von 136. Ich habe nicht nur Angst in den Situationen, sondern auch davor. Sobald ich vor irgendwelchen Leuten stehe, vergesse ich alles Vorbereitete und komme dauernd mit "Ähm". Ich kann vor Leuten nicht essen. Ich stelle mir dauernd peinliche Situationen vor. Ich habe vor den kleinsten Sachen Angst, sei es beim Einkauf den Kassierer anzusehen oder zu telefonieren. Ich habe schon in der Grundschule immer gefragt, was ich sagen soll, wenn es hieß, ich solle zum Lehrer gehen. Den genauen Wortlaut am besten. Das ist immer noch in allen möglichen Situationen so. Wenn etwas falsch wäre, zum Beispiel ich in einem Restaurant etwas Falsches bekommen würde, würde ich mich alleine nicht trauen, mich zu beschweren oder überhaupt etwas zu sagen. Wenn ich unsicher bin rede ich sehr, sehr leise und manchmal den größten Schwachsinn. Ich traue mich auch nicht, Dinge mit anderen zu tun, in denen ich nicht gut bin. Bei einem Fußballspiel mit den Nachbarskindern wollte ich einfach nur weg. Ich hatte keinen Spaß, es war eher eine Qual. Ich wollte dableiben, um es zu lernen, aber ich war so schlecht wie immer in Fußball, und es war mir so peinlich. Ich will nicht, dass Leute schlecht über mich denken. Ich will nicht, dass sie mich kritisieren. Ich wünschte, ich wäre perfekt. Ich wünschte, ich könnte solche unangenehmen Situationen meiden.
Aber es funktioniert nicht.
Ich bitte um Antwort, denn langsam mache ich mich wirklich verrückt.

Mehr lesen

27. April 2014 um 23:40

.
"Bin ich einfach nur eine elendige Memme?"
Nein.


Also du sagst, dass du sehr schüchtern bist und anscheinend kein Selbstbewusstsein hast. Letzteres, weil du dich ständig selber fertig machst, in deinen Gedanken übertreibst und Angst davor hast "peinlich" zu wirken.
Das ist normal als Jugendlicher, war bei mir auch so, bei dir ist das Problem zwar viel größer, aber die Ursache sollte dennoch gleich sein.

Bei so gut wie allen Jugendlichen mangelt es an Selbstvertrauen. Man gefällt sich selber nicht, äußerlich, von den Fähigkeiten her, und so weiter.
Weil man sich immer mit anderen vergleicht und Dinge sieht die die anderen besser können.
War bei mir auch so. Alles schon erlebt.
Sieh dir die Dinge an die du gut kannst, in denen du besser bist als die anderen, und akzeptiere dich so wie du bist.
Wenn man selber nicht hübsch ist, dann ist es halt so.
Man kann nix dran ändern. Wenn die Nase zu groß ist dann ist sie es halt. Und das ist nicht nur beim Äußeren so, sondern auch bei den Fähigkeiten.

Wenn man das erstmal begreift und sich selber akzeptiert, kann es nur noch besser werden.
Man ist nämlich in vielen Dingen besser als andere (der Durchschnitt), und darauf muss man setzen.
An den Dingen, in denen man schlecht ist, kann man arbeiten. Jede hässliche Person kann, mit der richtigen Frisur, der passenden Kleidung, Schminke und gepflegtem Äußeren, "normal" bis gut aussehen. Jede Person.

Das gilt auch für Fähigkeiten (Fußball spielen usw.), aber ich finde, dass es beim Aussehen am wichtigsten ist.
Denn wenn du dich selber hässlich findest, und dann "schöner" machst, wirst du in sehr vielen Dingen besser.
Du wirst Komplimente von anderen kriegen, wie toll du auf einmal aussiehst, wie gut deine Frisur dir steht usw., Dinge die du sonst nicht hörst. Das macht dich glücklich, das steigert dein Selbstbewusstsein. Und DAS ist der Schlüssel: Denn wenn du dein Selbstbewusstsein hast, dann kannst du auch dem Kassierer in die Augen schauen. Schließlich weißt du ja, dass er gerade ein hübsches Mädchen anschaut. Du kannst vor der Klasse sprechen, weil du weißt, dass du etwas (Tolles) bist. Du kannst vor anderen Menschen essen, weil du weißt, dass du ganz normal isst wie jeder andere auch (und sowieso niemand drauf achtet wie du isst). Und so weiter.
Damit geht auf jeden Fall deine Schüchternheit weg.
Denke auch, dass dann dein Gefühl weg ist, bei allem was du tust beobachtet zu werden. Das macht dich ja unsicher, weil du keine Fehler machen willst. Wenn du aber Selbstbewusstsein hast, dann bist du sicherer, und denkst dir: "sollen sie mich halt beobachten, wen juckts?"

Zur Angst vor dem Versagen kann ich nicht viel sagen, denke aber, dass auch hier du einfach lernen musst, zufrieden mit deinen Leistungen zu werden. Ich weiß, das ist leicht gesagt und bringt dir nichts. Aber vielleicht bessert sich das ja auch mit den restlichen Dingen.



Hoffe das hilft fürs erste

MfG With

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Teste die neusten Trends!
experts-club

Das könnte dir auch gefallen

vom Redaktionsteam
vom Redaktionsteam
vom Redaktionsteam