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Psychoterror der Mutter

24. August 2017 um 14:46

Hallo,

ich könnte gerade schon wieder an die Decke gehen.
Ich möchte meine Mutter über das Wochenende besuchen, was auch schon seit 2/ 3 Wochen fest mit ihr geplant ist. Gestern Abend wollte ich mit ihr noch einmal telefonieren, um die Einzelheiten zu besprechen. Doch ich wurde direkt abgewimmelt, da sie lange gearbeitet hätte.
Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass sie sehr gestresst ist durch ihre zwei Jobs, gesundheitlich und privat/ finanziell geht es ihr ebenfalls nicht besonders gut. Doch manchmal gibt sie mir das Gefühl, eine zusätzliche Belastung zu sein. Und im nächsten Moment versucht sie, mich dazuzubringen, ihr gewisse Aufgaben abzunehmen, indem sie mir die Ohren volljammert. Natürlich lasse ich mich jedes Mal aufs Neue darauf ein, wofür ich mir stets im Nachhinein in den Hintern treten könnte.
Generell habe ich nicht das Gefühl, dass sie sich freut, wenn ich sie besuche und das passiert zudem nicht oft, da uns mehrere hundert Kilometer trennen. Wenn ich sie dann besuche, erkundigt sie sich selten, wie es um mein Leben steht und erzählt meistens ausschließlich von ihrem Stress oder von den guten Leistungen meiner Schwester.
Mittlerweile versuche ich es zu meiden, sie und meine Schwester zu besuchen, da ich mir ihre Leiden kaum noch anhören kann. Gleichzeitig fühle ich mich so als würde ich meine Mutter verraten, da sie ja zur Familie gehört. Somit stehe ich zwischen den Stühlen.

Meine Mutter selbst war kurzzeitig in psychologischer Behandlung, obwohl keine psychische Erkrankung diagnostiziert wurde. Diese Gesprächstherapie hat sie jedoch zu Recht abgebrochen, da die Therapeutin alles andere als professionell mit ihr umging. Trotzdem versucht sie keine weitere Bratung/ Gesprächstherapie zu machen, obwohl sie selbst sagt, dass es ihr insgesamt gut getan hätte. Jeder Vorschlag meinerseits, sich professionelle Hilfe zu nehmen, um insbesondere nähere Angehörige nicht weiter zu belasten, wird direkt als Angriff interpretiert und somit habe ich es mittlerweile aufgegeben.

Eventuell noch allgemein etwas zu der Lebenssituation meiner Mutter (bevor Tipps gegeben werden, die in der Realität bei ihr nicht umzusetzen sind):
Sie ist in ärtzlicher Behandlung, die sich jedoch aufgrund einer Multimorbidität als sehr kompliziert herausstellt. Eine Besserung ist kaum in Sicht. 
Ihre zwei Jobs sind gerichtlich angeordnet, da sie von meinem Vater getrennt lebt (Dies ist jedoch ein weiteres anderes Problem). Das Gericht wollte sogar, dass sie in ihren "freien Zeiten" einen weiteren dritten Job aufnimmt.
Zudem wurde sie von meinem Vater verklagt und hat seitdem mehrere 10.000 Euro Schulden, die sie nicht wegbekommt.
Insgesamt also nicht die beste Konstellation.
Aber dennoch habe ich zwischendurch Momente, in denen mir jegliches Verständnis fehlt, da sie stets an allem Missfallen findet und Hass gegen alles und jeden schürt. Und im nächsten Moment schäme ich mich für die Gedanken, dass dies eigentlich nicht meine Probleme sind und ich ihr auch nicht helfen kann.

Gibt es eventuell welche unter euch, die ähnliche Probleme/ Gedanken etc. oder den ein oder anderen Tipp haben?

Ich wäre euch echt dankbar!

Liebe Grüße, Caipi
 

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24. August 2017 um 18:21

Hallo liebe Caipi,

ich kann Deine Situation gut verstehen.
Es ist natürlich wirklich schwer, aus der Ferne einen Rat zu geben. Aber vielleicht hilft es Dir ja schon mal, wenn Dir jemand sagt, dass Deine Gefühle verständlich sind

Es ist sicherlich hilfreich festzuhalten, um welche Probleme es insgesamt geht und dann zu überlegen, was zu tun ist - und was wiederum DU tun kannst bzw. NICHT tun kannst.
Es wird glaube ich sehr viel vermischt (von Euch beiden. Das ist aber kein Vorwurf!).

Ich lese die folgenden Problemfelder:
1) Ihre körperlichen Erkrankungen
2) Die Trennungssituation von Deinem Vater
3) Die daraus resultierende finanzielle Situation
4) die daraus wiederum resultierende Arbeitssituation
5) die insgesamt resultierende psychische Situation...

...wie Du siehst und ja selbst weißt, hängt Einiges miteinander zusammen.

Meine persönliche Meinung ist hart und von meiner eigenen "Geschichte" geprägt:
Je nachdem, wie komplex Dein eigenes Leben ist und wie nahe Du Deiner Mutter stehst, kannst Du sie natürlich unterstützen, aber ich fände es zu viel verlangt, wenn Du Dich VERANTWORTLICH fühlst. Denn das bist Du meiner Meinung nach nicht.
Ich weiß nicht, wie alt Du bist und Deine Mutter ist - aber wenn sie noch arbeitet, ist sie vermutlich nicht im Rentenalter.

Mein Eindruck ist, dass Deine Mutter sich ein wenig hinter ihrer Situation "versteckt" und in einer gewissen Hilflosigkeit versinkt. Das ist natürlich in ihrer Lage nachvollziehbar, jedoch solltest Du nicht den Fehler begehen, sie in ihrer Hilflosigkeit quasi zu "fördern". Das tut man, indem man z.B. zu sehr auf das Jammern eingeht. Das macht aber nix besser... Das Jammern am besten einfach ignorieren und zu einem Thema überleiten, das in eine Verbesserung der Situation mündet.

Ich meine damit Folgendes: Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Versuche z.B., mit ihr zusammen ihre Situation zu analysieren und Prioritäten zu setzen: Was sollte angegangen werden? Was muss sie (!) dafür tun? Was ist als nächstes wichtig? Wo kann sie sich vielleicht beraten lassen, z.B. was die finanzielle Situation angeht? Gibt es vielleicht Selbsthilfegruppen, die sie auf psychischer Ebene etwas entlasten?
(ich weiß ja nicht, unter welchen Erkrankungen sie leidet, vermute aber, dass es um etwas Chronisches geht. Da gibt es - zumindest online - eigentlic hfür alles Selbsthilfegruppen).
Macht zusammen eine Checkliste, die sie dann abarbeitet. So gibt es Fortschritte, die Du loben kannst. Klingt doof, aber das bringt Erfolgserlebnisse!

Du solltest Dich selbst etwas abgrenzen. So hart es klingt: Solange sie kein Pflegefall ist oder es wirklich schlimm um sie steht, muss sie ihr Leben selbst in den Griff bekommen.
Versuche das Ganze nicht zu nah an Dich heran zu lassen, auch wenn Du z.B. enttäuscht bist, wenn sie Deine Schwester lobt. Ich kenne das, seufz  

Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn Deine Schwester auch mitmacht und Ihr zu dritt eine Art Plan ausarbeitet?

Ich hoffe, dass ich Dir ein wenig helfen konnte.

Was mir noch einfällt: Das sich-verantwortlich-Fühlen ist aus meiner Sicht "typisch weiblich". Ich kenne so gut wie keinen Mann, der sich solche Gedanken machen würde... Wir Frauen sollten uns nicht immer für Gott und die Welt verantwortlich fühlen - auch wenn es um unsere Eltern geht...

Liebe Grüße
Miss A.
 

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24. August 2017 um 18:22

Hallo liebe Caipi,

ich kann Deine Situation gut verstehen.
Es ist natürlich wirklich schwer, aus der Ferne einen Rat zu geben. Aber vielleicht hilft es Dir ja schon mal, wenn Dir jemand sagt, dass Deine Gefühle verständlich sind

Es ist sicherlich hilfreich festzuhalten, um welche Probleme es insgesamt geht und dann zu überlegen, was zu tun ist - und was wiederum DU tun kannst bzw. NICHT tun kannst.
Es wird glaube ich sehr viel vermischt (von Euch beiden. Das ist aber kein Vorwurf!).

Ich lese die folgenden Problemfelder:
1) Ihre körperlichen Erkrankungen
2) Die Trennungssituation von Deinem Vater
3) Die daraus resultierende finanzielle Situation
4) die daraus wiederum resultierende Arbeitssituation
5) die insgesamt resultierende psychische Situation...

...wie Du siehst und ja selbst weißt, hängt Einiges miteinander zusammen.

Meine persönliche Meinung ist hart und von meiner eigenen "Geschichte" geprägt:
Je nachdem, wie komplex Dein eigenes Leben ist und wie nahe Du Deiner Mutter stehst, kannst Du sie natürlich unterstützen, aber ich fände es zu viel verlangt, wenn Du Dich VERANTWORTLICH fühlst. Denn das bist Du meiner Meinung nach nicht.
Ich weiß nicht, wie alt Du bist und Deine Mutter ist - aber wenn sie noch arbeitet, ist sie vermutlich nicht im Rentenalter.

Mein Eindruck ist, dass Deine Mutter sich ein wenig hinter ihrer Situation "versteckt" und in einer gewissen Hilflosigkeit versinkt. Das ist natürlich in ihrer Lage nachvollziehbar, jedoch solltest Du nicht den Fehler begehen, sie in ihrer Hilflosigkeit quasi zu "fördern". Das tut man, indem man z.B. zu sehr auf das Jammern eingeht. Das macht aber nix besser... Das Jammern am besten einfach ignorieren und zu einem Thema überleiten, das in eine Verbesserung der Situation mündet.

Ich meine damit Folgendes: Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Versuche z.B., mit ihr zusammen ihre Situation zu analysieren und Prioritäten zu setzen: Was sollte angegangen werden? Was muss sie (!) dafür tun? Was ist als nächstes wichtig? Wo kann sie sich vielleicht beraten lassen, z.B. was die finanzielle Situation angeht? Gibt es vielleicht Selbsthilfegruppen, die sie auf psychischer Ebene etwas entlasten?
(ich weiß ja nicht, unter welchen Erkrankungen sie leidet, vermute aber, dass es um etwas Chronisches geht. Da gibt es - zumindest online - eigentlic hfür alles Selbsthilfegruppen).
Macht zusammen eine Checkliste, die sie dann abarbeitet. So gibt es Fortschritte, die Du loben kannst. Klingt doof, aber das bringt Erfolgserlebnisse!

Du solltest Dich selbst etwas abgrenzen. So hart es klingt: Solange sie kein Pflegefall ist oder es wirklich schlimm um sie steht, muss sie ihr Leben selbst in den Griff bekommen.
Versuche das Ganze nicht zu nah an Dich heran zu lassen, auch wenn Du z.B. enttäuscht bist, wenn sie Deine Schwester lobt. Ich kenne das, seufz  

Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn Deine Schwester auch mitmacht und Ihr zu dritt eine Art Plan ausarbeitet?

Ich hoffe, dass ich Dir ein wenig helfen konnte.

Was mir noch einfällt: Das sich-verantwortlich-Fühlen ist aus meiner Sicht "typisch weiblich". Ich kenne so gut wie keinen Mann, der sich solche Gedanken machen würde... Wir Frauen sollten uns nicht immer für Gott und die Welt verantwortlich fühlen - auch wenn es um unsere Eltern geht...

Liebe Grüße
Miss A.
 

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