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Psychisch labiler Mensch will sich nicht helfen lassen?

17. Februar 2013 um 23:59

Hallo!

Es geht darum, dass eine Freundin von mir psychisch sehr labil ist, sie ist vermutlich auch krank. Immer wieder droht sie mit Suizid und verletzt sich auch regelmäßig selbst.

Lange Zeit hab ich ganz viel meiner Energie in sie investiert, versucht, sie aus Dingen rauszureden. Zig schlaflose Nächte gehen auf ihr Konto. Und das alles nur, weil ich mich so gesorgt hab.

Ich hab ihr ganz oft gesagt, sie soll sich professionelle Hilfe holen, weil ich nicht ihr Psychologe, sondern ihre Freundin bin. Auch wenn ich mir Mühe gebe, kann ich sie nicht therapieren. Ich weiß ja auch nicht, was ich machen soll.

Mehrmals hab ich ihr angeboten, ihr bei der Hilfe eines Therapeuten zu helfen und sie bei einer Therapie auch zu unterstützen. Aber sie will partout nicht.

Sie sagt, es wäre "sinnlos" und sie wäre sowieso ein "hoffnungsloser Fall" und dass es "Geldverschwendung" ist. Außerdem stünden ihr ihre Eltern im Weg und das alles würde sowieso nichts bringen.

Das mit den Eltern sehe ich persönlich aber anders...Ich kenne ihre Eltern nicht sehr gut, aber ich weiß, dass sie ihre Tochter wirklich lieben und ich bin mir sehr sicher, dass sie sie auch unterstützen würden. Ich denke, es ist nur eine Ausrede.

Immer wenn ich das Thema "professionelle Hilfe" anspreche, wird sie abweisend, teilweise aggressiv. Sie will keine Hilfe. Sie will nichts an ihrer Situation ändern.

Vor einiger Zeit bin ich deshalb wirklich fast zusammengebrochen. Ich konnte zwei Tage nicht in die Schule, weil ich so fertig war. Ich bin selbst seit Ewigkeiten in Therapie und hab meine guten Erfahrungen auch immer mit ihr geteilt...

Wenn jemand wirklich keine Hilfe annehmen will, was kann man da noch tun, wie soll man sich verhalten? Ich hab ihr auch Nummern der Telefonseelsorge rausgesucht, aber auch da sagt sie, dass sie das nicht braucht (obwohl sie das tut).

Ich gebe auf. Ich bin wirklich jahrelang co abhängig gewesen und das halte ich nicht durch.

Trotzdem plagt mich das schlechte Gewissen, wenn ich mal nicht für sie da bin (weil ich ja selbst ein Leben brauch, weil in meinem Leben sonst nichts weiterbring, wenn ich jeden Tag nur für sie lebe).

Was kann ich noch tun? Ich schaff es nicht mehr, die Verantwortung zu tragen.
Aber verlieren kann ich sie auch nicht und wenn ich dran denke, sie könnte sich eines Tages doch das Leben nehmen... Ich weiß nicht ob und wie ich das ertragen könnte. Aber ich kann nicht mehr tun, oder?

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18. Februar 2013 um 3:57

Dein handeln ist löblich
aber zerstörerisch,für dich,du kannst deiner Freundin nicht helfen ,nur ihr leid verlängern ,ziehe dich langsam zurück,kümmre dich um dich (respektiere das gesetz der Pflege--nur wenn es dir gutgeht ,kannst du auch helfen)--deshalb lebe dein Leben, lache ,freue dich--du bist nicht verantwortlich für alles leid der Welt.

Wenn deine Freundin hilfe in anspruch genommen hat ,kannst
du ihr (in deinen Möglichkeiten, zur seite stehen)

Egal was mit deiner Freundin pasiert,du kannst es nicht ändern ,(Wenn es in deiner Macht läge ,hättest du es schon
längst getan,bedenke du bist nur ein Mensch)

Du hast dich schon in einem ,für dich gefährlichem Maße angaschiert spiel nicht mit dem Feuer,wenn du nicht distanziert mit deiner Freundin umgehen kannst ,solltest du
dich komplett zurückziehen.

Alles gute

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18. Februar 2013 um 9:08

Der Fluch der weißen Ritter...
Du kannst Ihr nicht helfen das kann sie nur selbst.
Du kannst Sie nicht retten,
Du kannst sie nicht beschützen,
Du kannst sie nicht heilen,
Du kannst ihr nicht helfen.
Du kannst sie sogar fast nicht unterstützen.

Sorry, wenn ich das jetzt so drastisch sage: das was Du tust, hilft Ihr nicht auf Dauer. Es fühlt sich so an, aber es hilft nicht. Jemanden in Watte packen, verhätscheln und alle Schwierigkeiten abnehmen HILFT NICHT. Es ändert nicht das Problem. Ihr reibt Euch beide dabei auf, aber es wird Ihr damit nicht besser gehen. Kurzfristig vielleicht. An manchen Stellen kann es wirklich helfen, aber als Konzept ist es gefährlich. Für Beide, es frisst Euch beide auf. Zwangsläufig. Daher brauchst Du Dir auch keine Vorwürfe machen. Du "lässt sie NICHT im Stich". Ganz sicher nicht. Du kannst so nichts für sie tun, außer einem bißchen Oberflächenkosmetik - die sehr viel mehr Kraft kostet, als sie Nutzen hat.

Bitte Entschuldige die Direktheit, mir ist unbedingt klar, wie viel Kraft, Herzblut und Edelmut Du da hineinsteckst.
Ich habe in meinem Thread "Borderline - von dem Gefühl in Gefühlen zu ertrinken"
( http://forum.gofeminin.de/forum/carriere1/__f14452_carriere1-Borderline-Von-dem-Gefuhl-in-Gefuhlen-zu-ertrinken.html ) einen Beitrag "Der Fluch der weißen Ritter" (SEHR weit unten) geschrieben, wo ich erklärt habe, warum das so ist und wie es zusammenhängt, ich mag das jetzt nicht alles noch mal tippen. So wie ich Deinen Beitrag lese, bist Du ein "weißer Ritter", oder?

Das sie sich für einen "hoffnungslosen Fall" hält - ja, das geht vielen so und wird oft durch Therapien schlimmer. Die Erfolgsquote ist nicht gerade entzückend und stell Dir mal vor, wie man sich fühlt, wenn man sich durch so eine Therapie gequält hat und es hat nichts gebracht oder die Situation verschlimmert - ich bin jedes mal SO unglaublich abgestürzt... Kaum zu beschreiben. Letztlich steht man wieder auf, weil man zu stur ist oder weil man einfach keine Wahl hat, aber die Hoffnung an der Stelle zu halten, ist unglaublich schwer, schwerer noch als vorher.

Da muss man wissen, dass die Therapien nicht unbedingt helfen. Es sollte jeder unbedingt versuchen ( ), verstehe mich hier Bitte keiner falsch, auch mehrmals, wenn es beim ersten Versuch nicht funktioniert - Aber alle, denen es auch so erging: es ist nichts verloren. Es gibt andere Wege, andere Lösungen, Ihr müsst nicht immer so leben, nur weil das nicht geklappt hat.
Ja, wie man sieht, werde ich auch "abweisend und teilweise aggressiv", wenn das Thema "professionelle Hilfe" kommt.

Das einzige, was mir einfällt, was sie tun kann - selbst ins Internet gehen - Menschen suchen, denen es geht wie Ihr.

Ich verletze mich auch selbst, ich kenne die Sehn-sucht danach - und ich weiß, was man tun kann, dass die Gründe und Auslöser dafür nahezu aus dem Leben verschwinden. Da bin ich hier auch nicht die einzige!
Das kann ihr vielleicht zeigen, dass sie kein "hoffnungsloser Fall" ist.
Selbstverletzung & Todessehnsucht ist ja "nur" ein Ausdruck, niemals das Problem. Ich hatte auch innere Schmerzen, die dahin führten - damit muss man sich nicht abfinden. Ich weiß es. Ganz sicher.

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18. Februar 2013 um 19:43
In Antwort auf avarrassterne

Der Fluch der weißen Ritter...
Du kannst Ihr nicht helfen das kann sie nur selbst.
Du kannst Sie nicht retten,
Du kannst sie nicht beschützen,
Du kannst sie nicht heilen,
Du kannst ihr nicht helfen.
Du kannst sie sogar fast nicht unterstützen.

Sorry, wenn ich das jetzt so drastisch sage: das was Du tust, hilft Ihr nicht auf Dauer. Es fühlt sich so an, aber es hilft nicht. Jemanden in Watte packen, verhätscheln und alle Schwierigkeiten abnehmen HILFT NICHT. Es ändert nicht das Problem. Ihr reibt Euch beide dabei auf, aber es wird Ihr damit nicht besser gehen. Kurzfristig vielleicht. An manchen Stellen kann es wirklich helfen, aber als Konzept ist es gefährlich. Für Beide, es frisst Euch beide auf. Zwangsläufig. Daher brauchst Du Dir auch keine Vorwürfe machen. Du "lässt sie NICHT im Stich". Ganz sicher nicht. Du kannst so nichts für sie tun, außer einem bißchen Oberflächenkosmetik - die sehr viel mehr Kraft kostet, als sie Nutzen hat.

Bitte Entschuldige die Direktheit, mir ist unbedingt klar, wie viel Kraft, Herzblut und Edelmut Du da hineinsteckst.
Ich habe in meinem Thread "Borderline - von dem Gefühl in Gefühlen zu ertrinken"
( http://forum.gofeminin.de/forum/carriere1/__f14452_carriere1-Borderline-Von-dem-Gefuhl-in-Gefuhlen-zu-ertrinken.html ) einen Beitrag "Der Fluch der weißen Ritter" (SEHR weit unten) geschrieben, wo ich erklärt habe, warum das so ist und wie es zusammenhängt, ich mag das jetzt nicht alles noch mal tippen. So wie ich Deinen Beitrag lese, bist Du ein "weißer Ritter", oder?

Das sie sich für einen "hoffnungslosen Fall" hält - ja, das geht vielen so und wird oft durch Therapien schlimmer. Die Erfolgsquote ist nicht gerade entzückend und stell Dir mal vor, wie man sich fühlt, wenn man sich durch so eine Therapie gequält hat und es hat nichts gebracht oder die Situation verschlimmert - ich bin jedes mal SO unglaublich abgestürzt... Kaum zu beschreiben. Letztlich steht man wieder auf, weil man zu stur ist oder weil man einfach keine Wahl hat, aber die Hoffnung an der Stelle zu halten, ist unglaublich schwer, schwerer noch als vorher.

Da muss man wissen, dass die Therapien nicht unbedingt helfen. Es sollte jeder unbedingt versuchen ( ), verstehe mich hier Bitte keiner falsch, auch mehrmals, wenn es beim ersten Versuch nicht funktioniert - Aber alle, denen es auch so erging: es ist nichts verloren. Es gibt andere Wege, andere Lösungen, Ihr müsst nicht immer so leben, nur weil das nicht geklappt hat.
Ja, wie man sieht, werde ich auch "abweisend und teilweise aggressiv", wenn das Thema "professionelle Hilfe" kommt.

Das einzige, was mir einfällt, was sie tun kann - selbst ins Internet gehen - Menschen suchen, denen es geht wie Ihr.

Ich verletze mich auch selbst, ich kenne die Sehn-sucht danach - und ich weiß, was man tun kann, dass die Gründe und Auslöser dafür nahezu aus dem Leben verschwinden. Da bin ich hier auch nicht die einzige!
Das kann ihr vielleicht zeigen, dass sie kein "hoffnungsloser Fall" ist.
Selbstverletzung & Todessehnsucht ist ja "nur" ein Ausdruck, niemals das Problem. Ich hatte auch innere Schmerzen, die dahin führten - damit muss man sich nicht abfinden. Ich weiß es. Ganz sicher.

Danke
für deine Antwort!
Ich werde deinen Beitrag über die sogenannten Weißen Ritter gleich lesen.

Ja, du hast recht, ich fall eindeutig unter diese Sparte...Derzeit behandle ich das auch in meiner Therapie. Die Sache ist die, dass mir professionelle Hilfe sehr geholfen hat und ich es ihr einfach nur anraten kann, es zumindest zu versuchen. Aber ich werd sie nicht drängen oder so, ich hab ehrlich gesagt auch keine Lust mehr dazu. Sie ist alt genug, selbst zu entscheiden.

Wenn sie weiter unbehandelt bleibt, bringt es ja auch nichts...Meiner Meinung nach. Aber wie gesagt, ihre Entscheidung.

Das Problem ist, dass ich zum Beispiel heute wieder ein schlechtes Gewissen hatte, weil ich am Nachmittag total viel Arbeit hatte und deshalb nicht auf mein Handy geguckt hab. Sofort konnte ich mir anhören "Tja du musst eh nicht mit mir reden" und jetzt werde ich total abgewiesen. Aber ich bin es einerseits auch Leid, mich ständig für alles rechtfertigen zu müssen ("Tut mir Leid, ich musste lernen", "Tut mir Leid, ich war kurz spazieren" usw)
Weil ich hab festgestellt, dass es mich in meinem Leben einschränkt, und das nicht zu knapp.

Jetzt zum Beispiel redet sie nicht mehr mit mir, und ich hab das Gefühl, sie tut es, damit ich ein schlechtes Gewissen kriege und vor Sorge umkomme. Sie müsste ja wissen, dass ich mich immer Sorge.

Ach, es ist einfach schwierig...

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19. Februar 2013 um 9:18

Nein, nicht nur
Also natürlich ist es egoistisch, aber es ist nicht die ganze Wahrheit.

Wenn jemand nicht laufen kann und um ihn wuselt jemand herum, der ihm ständig alles sofort bringt und holt, dann wird der sich auch nicht sonderlich egoistisch fühlen, wenn er sich immer mehr darauf verlässt.

Es braucht einen starken Charakter, starke Selbstreflektion, um nicht in dieses Muster zu fallen. Bei einem psychisch Kranken hakt es per Definition üblicher Weise genau an diesen Punkten.
Deswegen ist das Phänomen der weißen Ritter auch bei psychisch Kranken weiter verbreitet als beispielsweise bei Blinden, aber unbekannt ist es nicht mal bei "Normalen".
Wobei bei "Kranken" oder sonstwie gefühlt hilfsbedürftigen Wesen natürlich für den Partner / Freund / Angehörigen noch die Konditionierung darauf kommt, dass es moralisch inkontinent wäre, nicht zu "helfen" und bei den Betroffenen das Gefühl "Es geht mir jämmerlich, ich brauche Hilfe".
Außerdem (sry @wizany) geht sowas nicht allein mit Egoismus. Es braucht jemanden, der sich für eine hilflose Jungfer hält *und* jemanden, der den weißen Ritter gibt. Man kann nur dort "immer etwas abladen", wo auch "immer jemand die Hände aufhält".
Das meiste davon ist chronisch, keine "Phasen" - ob auch in diesem Falle kann natürlich so niemand sagen.
Das Problem ist halt nur, dass das alles ein großes dickes Trugbild für alle Beteiligten ist. Doch ein Trugbild wär ja keines, wenn man es gleich erkennen würde

***************

@wizany:

Es gibt auf der ganzen Welt nur einen einzigen Menschen, den man ändern kann: sich selbst. Deine Freundin kann sich nur selbst helfen und Du kannst nur Dir selbst helfen.

Wenn Dich Dein schlechtes Gewissen *zu* sehr packt - spiel die Geschichte doch mal in Gedanken durch. Stell Dir vor, Du würdest Dich so verhalten, wie das, was sich als Dein Gewissen ausgibt, es einfordert. Dann soinn die Geschichte zu Ende. Nicht nur 5 Sätze lang. Was würdest Du bewirken? Was hätte es verbessert, wenn Du Dein Telefon bewacht hättest? Wäre das den Preis wert?

Ich freue mich zu hören, dass Dir die Therapie hilft.
Aber ich glaube, Du vergisst eines: sie kennt nichts anderes. Für Dich mag total logisch sein, dass sie etwas ändern kann (und ja: das kann sie auch) aber für sie ist es das einzige, was sie kennt, das "wie es halt ist".
Die meisten Menschen mit psych. Krankheiten wissen mit der Pubertät, dass sie anders sind, vllt. auch schon als Kind, aber wir brauchen oft Jahre, um dahinter zu kommen, was genau eigentlich "anders" ist.
Dann noch eine Weile um herauszufinden *dass* wir es ändern können und dann müssen wir noch lernen wie. Mit Glück indem es uns jemand zeigt.
Fast jeder von uns kann Dir von einer jahrelangen Odysee berichten, die er / sie hinter sich hat - oder wo er noch mitten drin ist. Bei mir ging die von 16 bis 30 ... (ok, ich hab auch einiges mehr auf der Liste als Deine Freundin).

Die meisten haben auf Ihrem Weg einen oder mehrere "weiße Ritter" hinter sich - und bis zum Ende der Odysee läuft das mit großer Sicherheit an die Wand. (Danach wahrscheinlich auch, aber immerhin nicht zwangsläufig) Für alle Beteiligten natürlich und immer sehr schmerzhaft.

Deine Freundin ist da - so böse das klingt - einfach nur "keine Ausnahme".

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19. Februar 2013 um 11:56


Also ich kenne über 30 Leutz, die sich selbst verletzen, mich selbst inklusive. Jeder hat seine eigenen Auslöser, Hintergründe, Auswirkungen, das unterscheidet sich unbeschreiblich stark. Aber nicht einer davon möchte Aufmerksamkeit. Nicht ein einziges Mal in jeweils meist mehr als 10 Jahren.

Wo hast Du denn den Unfug her?

Es ist beispielsweise annähernd unmöglich, Selbstverletzung "mal zu probieren" - da gibt es eine unglaublich starke psychische Hemmschwelle davor. Dass die jemand überwindet, bedingt starke seelische Schmerzen - die *möglicher Weise* bei einem *kleinen* Teil ausgelöst werden, weil sie sich zu einsam, zu unbeachtet o.ä. fühlen. Aber daraus abzuleiten, dass Menschen, die sich selbst verletzen oftmals nur (nur...? das ist ein sehr ernstes Thema!) nach Aufmerksamkeit suchen, ist (Pardon) Unsinn.

So etwas wie "öffentlich selbst verletzen" gibt es nahezu nie. Wir verstecken nur nicht alle unsere Wunden und Narben. Das heißt im einfachsten Falle, dass wir uns nicht dafür schämen, dass wir dazu stehen können und dass wir mit der Möglichkeit umgehen können, eventuell darauf angesprochen zu werden. So wie nicht jeder Blinde zwingend eine Sonnenbrille trägt.

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19. Februar 2013 um 15:26

Das ist eine Frage, die ich Dir öffentlich nicht beantworten darf
Es gibt sehr viele Tabus, wenn man öffentlich über Selbstverletzung spricht / schreibt, da die Gefahr sehr groß ist, dass man bei anderen Betroffenen das Verlangen danach unbeherrschbar steigert.
Stell es Dir vor, als würde jemand einem Alkoholiker, der gerade darum kämpft trocken zu bleiben, erzählen, wie gut das Zeug schmeckt, wie schön es sich anfühlt, betrunken zu sein und warum man das eigentlich trinkt - absolutes NoGo. Bei Selbstverletzung sind die Tabus teilweise noch härter. Da ich schon dabei bin und es auch viele Betroffene nicht wissen: beschreibe niemals wie, niemals womit, niemals in Dir ausgelöste Gefühle (positiv wie negativ) so lange Du nicht genau weißt, mit wem Du sprichst / wer dies liest. In speziellen Foren und wenn man sich direkt mit einem Betroffenen unterhält, der nicht stabil ist, sind sogar bestimmte Worte wie "Messer / Klinge" oder "Blut" tabu.

Ja, genau das meinte ich damit, dass es fast nicht möglich ist, sich des Showeffekts wegen zu verletzen.
Diejenigen können sich keine Wunden zufügen. "Sah aus wie ein Kratzer" - Also ... nein, darf ich öffentlich auch nicht sagen, ich schreibe Dir eine PN, wenn Du es wissen möchtest, da kann ich Deine Fragen alle beantworten.

Mal so zur Info: Jeder 10. Mann und jede 7. Frau verletzen sich im Laufe ihres Lebens zumindest phasenweise. (offizielle Zahlen) Bei etwa der Hälfte (meine persönliche Einschätzung) bleibt die Sehn-sucht danach ein Leben lang.
Da weißt Du ungefähr bei wie vielen Du es nicht gesehen hast.

Ich gehe sicher nicht damit hausieren, aber ich verberge es nicht. Den Vorgang selbst - ja. Aber ich zieh nicht bei der größten Hitze langärmelige Sachen an, nur damit sich nicht irgendwer pikiert fühlt, der Narben oder Wunden sehen könnte. Zumal die meisten bemerkenswert gut darin sind, das offensichtliche nicht sehen zu wollen.
Es ist mir im übrigen auch nicht "unangenehm". Was mir unangenehm ist, sind irgend welche übereifrigen Helden, die meinen, mir "helfen" zu müssen - das können sie nicht und ich kann von anderen auch fast nie Hilfe annehmen (was mir die Erfahrung der weißen Ritter erspart hat). Aber ich schäme mich doch nicht für etwas, was 1/10 derjenigen, die es sehen, selbst schon gemacht hat
Ich bin 37 - angefangen hat SVV bei mir mit 16 - ich hatte 21 Jahre Zeit zu akzeptieren, dass das Verlangen danach manchmal ein Teil von mir ist. Inzwischen kommt es etwa 3-5 mal im Jahr vor, aber ich rechne nicht damit, dass es jemals ganz aufhört. Soll ich mich ein Leben lang schämen?

Im Übrigen lesen ich die Beschreibung der TE nicht so, als würde sich ihre Freundin öffentlich verletzen - sondern so, dass sie als Freundin das eben mitkriegt.

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19. Februar 2013 um 16:34


1) Nein, es geht nicht. Man kann die Cops vorbeischicken, das ist alles. Wenn sie dann denen erklären kann, dass sie nicht möchte und den Eindruck macht, dass sie nicht so hinüber ist, dass sie nicht mehr denken kann, fahren die wieder weg. Ende der Geschichte. Eine Zwangseinweisung bedingt eine gerichtliche Entmündigung, die gibt es nicht weil irgendwer irgendwo anruft und sagt "die hat schon mal gedroht, sich umzubringen" - und das ist GUT SO.
Abgesehen davon: egal wie schlecht es mir auch gehen mag - mit einem Menschen der so etwas tut, würde ich den Rest meines Lebens nie wieder ein Wort wechseln.

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19. Februar 2013 um 18:18
In Antwort auf avarrassterne


1) Nein, es geht nicht. Man kann die Cops vorbeischicken, das ist alles. Wenn sie dann denen erklären kann, dass sie nicht möchte und den Eindruck macht, dass sie nicht so hinüber ist, dass sie nicht mehr denken kann, fahren die wieder weg. Ende der Geschichte. Eine Zwangseinweisung bedingt eine gerichtliche Entmündigung, die gibt es nicht weil irgendwer irgendwo anruft und sagt "die hat schon mal gedroht, sich umzubringen" - und das ist GUT SO.
Abgesehen davon: egal wie schlecht es mir auch gehen mag - mit einem Menschen der so etwas tut, würde ich den Rest meines Lebens nie wieder ein Wort wechseln.

P.S,
Cops bzw. Krankenwagen vorbeischicken geht eigentlich nur bei akuter Lebensgefahr.

außerdem gibt es mehr Wege als
1) töten
2) sterben

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20. Februar 2013 um 15:59

Also heute...
...war kein guter Tag. Der Vormittag war in Ordnung aber als ich von der Schule heimkam, hatte ich plötzlich wieder Angst. Sie hat auf ihrem Blog ein paar Sachen über/von Kurt Cobain (ein Musiker, der sich 1994 das Leben nahm) gepostet.

Ich hab wieder eine Weile über Selbstmord recherchiert und plötzlich war das alles wieder zu viel. Ich bekam Panik und hab erstmal fast eine Stunde durchgeheult.

Ich hab ihr aber absichtlich nicht geschrieben, weil ich ja etwas Distanz aufbauen möchte.

Leider hab ich das Gefühl, das, je mehr Distanz ich aufzubauen versuche, und je mehr ich über das Thema Suizid nachdenke, desto näher komme ich ihr. Aber dann ist der Schmerz noch größer.

Ich will sie doch nur nicht verlieren... Mir geht es grade richtig mies.

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20. Februar 2013 um 16:31
In Antwort auf ima_12670938

Also heute...
...war kein guter Tag. Der Vormittag war in Ordnung aber als ich von der Schule heimkam, hatte ich plötzlich wieder Angst. Sie hat auf ihrem Blog ein paar Sachen über/von Kurt Cobain (ein Musiker, der sich 1994 das Leben nahm) gepostet.

Ich hab wieder eine Weile über Selbstmord recherchiert und plötzlich war das alles wieder zu viel. Ich bekam Panik und hab erstmal fast eine Stunde durchgeheult.

Ich hab ihr aber absichtlich nicht geschrieben, weil ich ja etwas Distanz aufbauen möchte.

Leider hab ich das Gefühl, das, je mehr Distanz ich aufzubauen versuche, und je mehr ich über das Thema Suizid nachdenke, desto näher komme ich ihr. Aber dann ist der Schmerz noch größer.

Ich will sie doch nur nicht verlieren... Mir geht es grade richtig mies.

Du kannst nichts tun.
Auch wenn Du da bist, kannst Du niemals die Ursachen ändern.

Das was Du tun kannst ist ungefähr soviel wie ein Pflaster auf eine Schussverletzung zu kleben, die nicht aufhört zu bluten. Es macht keinen Unterschied, es sieht nur kurzzeitig so aus.
Bei einer Schussverletzung kann nur ein Doc helfen. Wer nicht ins Krankenhaus möchte damit, dem kann jemand, der nur Pflaster im Haus hat und keine chirurgische Ausbildung, nicht helfen.

Du kannst das nicht ändern, was in Ihr diese Gefühle auslöst. Da hilft keine daneben sitzen.

Du baust keine Distanz auf, wizany, das ist das Problem.
Du konzentrierst Dich auf Ihre SMS
Du konzentrierst Dich auf Ihren Blog
Du denkst darüber nach, wie es Ihr geht, was sie tut, was sie fühlt, was sie braucht, ob sie klar kommt
- WO ist denn die Distanz? Du hast keine. Du tust nur so. Das wird Dir nicht helfen.

Es gibt andere Menschen, die sie erreichen kann, wenn sie wirklich nicht weiter kommt. Du bist nicht der einzige Mensch auf der Welt. Ich weiß nicht, wie alt Du bist, bei "Schule" klingeln mir die Ohren
Wende Dich an jemanden, der älter als 25 ist damit, lade alles bei demjenigen ab und ziehe Dich zurück.

DU
KANNST
NICHTS
TUN.

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20. Februar 2013 um 18:35
In Antwort auf ima_12670938

Also heute...
...war kein guter Tag. Der Vormittag war in Ordnung aber als ich von der Schule heimkam, hatte ich plötzlich wieder Angst. Sie hat auf ihrem Blog ein paar Sachen über/von Kurt Cobain (ein Musiker, der sich 1994 das Leben nahm) gepostet.

Ich hab wieder eine Weile über Selbstmord recherchiert und plötzlich war das alles wieder zu viel. Ich bekam Panik und hab erstmal fast eine Stunde durchgeheult.

Ich hab ihr aber absichtlich nicht geschrieben, weil ich ja etwas Distanz aufbauen möchte.

Leider hab ich das Gefühl, das, je mehr Distanz ich aufzubauen versuche, und je mehr ich über das Thema Suizid nachdenke, desto näher komme ich ihr. Aber dann ist der Schmerz noch größer.

Ich will sie doch nur nicht verlieren... Mir geht es grade richtig mies.

Ruf Deinen Therapeuten an
so schnell wie möglich - morgen früh, heute, wenn er / sie noch erreichbar ist, oder fahr hin. Egal wann Dein nächster Termin ist, das kann so lange nicht warten.
Also damit meine ich in erster Linie Deinen eigenen Zustand.
Was Deine Freundin angeht, kann Dir Dein Therapeut auch eher raten und die Situation besser beurteilen, als jeder von uns hier - und das wird Dir mehr bringen, als alles, was wir schreiben können

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21. Februar 2013 um 22:53
In Antwort auf avarrassterne

Du kannst nichts tun.
Auch wenn Du da bist, kannst Du niemals die Ursachen ändern.

Das was Du tun kannst ist ungefähr soviel wie ein Pflaster auf eine Schussverletzung zu kleben, die nicht aufhört zu bluten. Es macht keinen Unterschied, es sieht nur kurzzeitig so aus.
Bei einer Schussverletzung kann nur ein Doc helfen. Wer nicht ins Krankenhaus möchte damit, dem kann jemand, der nur Pflaster im Haus hat und keine chirurgische Ausbildung, nicht helfen.

Du kannst das nicht ändern, was in Ihr diese Gefühle auslöst. Da hilft keine daneben sitzen.

Du baust keine Distanz auf, wizany, das ist das Problem.
Du konzentrierst Dich auf Ihre SMS
Du konzentrierst Dich auf Ihren Blog
Du denkst darüber nach, wie es Ihr geht, was sie tut, was sie fühlt, was sie braucht, ob sie klar kommt
- WO ist denn die Distanz? Du hast keine. Du tust nur so. Das wird Dir nicht helfen.

Es gibt andere Menschen, die sie erreichen kann, wenn sie wirklich nicht weiter kommt. Du bist nicht der einzige Mensch auf der Welt. Ich weiß nicht, wie alt Du bist, bei "Schule" klingeln mir die Ohren
Wende Dich an jemanden, der älter als 25 ist damit, lade alles bei demjenigen ab und ziehe Dich zurück.

DU
KANNST
NICHTS
TUN.

Danke für deine Antwort
Du hast wohl vollkommen recht. Teilweise geht es soweit dass ich mein Leben nach ihr richte. Was mir in deinem Beitrag grad besonders geholfen hat war, dass du gesagt hast, sie hat noch andre Menschen, an die sie sich wenden kann und dass ich nicht allein hier bin. Das bringt mich grad wieder auf den Boden der Tatsachen. Sie hat Freunde...Nichtmal so wenige. Und ihre Eltern nicht zu vergessen. Und überhaupt.

Ich bin 16 Jahre..Sie ist älter und wird bald 18 aber in dieser Hinsicht hab ich das Gefühl sie verhält sich überhaupt nicht erwachsen. Es tut mir einfach weh, dass sie nichtmal Hilfe will oder es leugnet, Hilfe zu brauchen, obwohl sie das eindeutig tut. Ich mach mir sehr viele Gedanken um meine Mitmenschen, ich mein es echt nicht böse...Meine Therapeutin meinte, ich würde zu einem "Helferwahn" neigen und wir müssen daran arbeiten Da hat sie wohl recht.

Ich hab das ganze einfach bei meiner Therapeutin "abgeladen". Meinen Eltern will ich das nicht anvertrauen bzw nicht mit ihnen darüber sprechen. Vielleicht nehme ich eine Telefonseelsorge (die Nr dazu hat mir meine Psychologin gegeben) in Anspruch und red mir da nochmal alles von der Seele.

Heute hab ich übrigens schon mehr Distanz aufgebaut.. Denke ich zumindest.Ich hatte viel zu tun und dazu bin ich auch noch krank also hab ich mich eher mit anderen Dingen beschäftigt und viel weniger mit ihr geschrieben als sonst... Aber es ist immer noch hart ._.

Eines was mich noch irgendwie belastet bzw was ich mich frage... Manchmal hab ich das Gefühl sie tut das alles für Aufmerksamkeit. Aber andererseits sagt sie oft, sie will mich nicht belasten und redet mit mir jetzt nicht drüber usw oder sie zeigt ein so auffälliges verhalten dass ich WEISS dass etwas nicht stimmt. Aber das könnte wiederum auch nur eine Masche sein...oder es ist doch ernst.

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22. Februar 2013 um 8:53
In Antwort auf ima_12670938

Danke für deine Antwort
Du hast wohl vollkommen recht. Teilweise geht es soweit dass ich mein Leben nach ihr richte. Was mir in deinem Beitrag grad besonders geholfen hat war, dass du gesagt hast, sie hat noch andre Menschen, an die sie sich wenden kann und dass ich nicht allein hier bin. Das bringt mich grad wieder auf den Boden der Tatsachen. Sie hat Freunde...Nichtmal so wenige. Und ihre Eltern nicht zu vergessen. Und überhaupt.

Ich bin 16 Jahre..Sie ist älter und wird bald 18 aber in dieser Hinsicht hab ich das Gefühl sie verhält sich überhaupt nicht erwachsen. Es tut mir einfach weh, dass sie nichtmal Hilfe will oder es leugnet, Hilfe zu brauchen, obwohl sie das eindeutig tut. Ich mach mir sehr viele Gedanken um meine Mitmenschen, ich mein es echt nicht böse...Meine Therapeutin meinte, ich würde zu einem "Helferwahn" neigen und wir müssen daran arbeiten Da hat sie wohl recht.

Ich hab das ganze einfach bei meiner Therapeutin "abgeladen". Meinen Eltern will ich das nicht anvertrauen bzw nicht mit ihnen darüber sprechen. Vielleicht nehme ich eine Telefonseelsorge (die Nr dazu hat mir meine Psychologin gegeben) in Anspruch und red mir da nochmal alles von der Seele.

Heute hab ich übrigens schon mehr Distanz aufgebaut.. Denke ich zumindest.Ich hatte viel zu tun und dazu bin ich auch noch krank also hab ich mich eher mit anderen Dingen beschäftigt und viel weniger mit ihr geschrieben als sonst... Aber es ist immer noch hart ._.

Eines was mich noch irgendwie belastet bzw was ich mich frage... Manchmal hab ich das Gefühl sie tut das alles für Aufmerksamkeit. Aber andererseits sagt sie oft, sie will mich nicht belasten und redet mit mir jetzt nicht drüber usw oder sie zeigt ein so auffälliges verhalten dass ich WEISS dass etwas nicht stimmt. Aber das könnte wiederum auch nur eine Masche sein...oder es ist doch ernst.

Distanz
... ist nicht, nicht zu schreiben, sondern Deine Gedanken nicht davon beherrschen zu lassen.

Ob sie jetzt nur Aufmerksamkeit will, kann Dir hier keiner wirklich sagen. Bzw.: ja sie will Aufmerksamkeit, aber ob für ihre Person oder Bedürfnis nach Hilfe? Ziemlich wahrscheinlich beides. Aber das können wir nicht sagen, dazu wissen wir zu wenig über sie und ihre Situation.
Deine Therapeutin sollte das besser beurteilen können, sie weiß einfach mehr über Dich und aus Deinen Erzählungen auch über sie.
Wenn Du gerade befürchtest, dass sie sich wirklich das Leben nehmen könnte, wenn Du jetzt nichts tust, halte ich es auch für eine gute Idee, die Telefonseelsorge anzurufen. Die Leute dort sind dafür ausgebildet, solche Situationen einschätzen und Dir raten zu können.

Das was Du da beschreibst, ist ein Verhaltensmuster, dass man so schön "fishing for compliments" (manchmal als Kurzform auch nur "fishing for") nennt.
Manchmal steht man vor jemand anderen und meint "auch ich seh heute echt sch*** aus" in der Hoffnung, dass der dann antwortet "Ach, das stimmt gar nicht, Du siehst hinreißend aus!" oder wenn man die erhoffte Bestätigung "von alleine" nicht erhält, fragt man jemanden "Seh' ich gut aus?" um dessen Aufmerksamkeit darauf zu lenken, und sich das entsprechende Kompliment eben zu fangen, wenn's schon nicht allein vor der Tür steht - man fischt eben danach.
Du findest das auch in einigen allgemeinen Höflichkeitsregeln wieder: Sagen wir, ein Freund von Dir will feiert eine große Party, Du bist eingeladen, bevor Du am nächsten Tag nach Hause fährst (mal gesetzt den Fall, Du darfst das schon) - würdest Du fragen, ob Du mit beim Aufräumen helfen kannst, richtig? Wenn derjenige ablehnt, würdest Du dennoch antworten, dass es für Dich kein großer Akt wäre und es ja schneller geht, wenn mehr mit anfassen und es noch mal anbieten, richtig? Das gibt demjenigen mehr oder minder unbewusst das Gefühl, dass er nicht betteln geht, wenn er Hilfe annimmt, dass Du es auch ernst meinst und nicht nur "pro forma" gefragt hast, dass er Dir wichtig ist und Du ihm deswegen wirklich helfen möchtest usw. - In der Kommunikationswissenschaft nennt man das "Meta-Botschaften" - sie werden nicht direkt ausgesprochen, sie werden in weiten Teilen unbewusst gesendet, unbewusst verstanden oder erwartet - aber sie sind unglaublich wichtig, dafür, wie man sich einer Person gegenüber fühlt.

Nun macht Deine Freundin das mit ziemlicher Sicherheit nicht bewusst, aber sie fischt nach diesem "zeig mir, dass es Dir wirklich wichtig ist, zeig mir, dass es ein wirklich ernstes Problem ist, zeig mir, dass Du mir unbedingt helfen willst, indem Du Dich nicht einfach "abwimmeln" lässt sondern "dran bleibst"! " Daher diese keines Wegs zufällige oder unlogische Diskrepanz zwischen gesprochenem Wort und Handlung.

Darin liegt aber auch eine Gefahr. Für Dich sowieso, für sie aber auch. So eine Bestätigung kann auch ein bißchen zur Droge werden, zumal, wenn man das selbst nicht so recht mitkriegt - und das wird sie nicht.
Es ist ja eigentlich ein "gutes Gefühl" - mir geht es schlecht, aber es ist jemand da, der an meine Seite flitzt und alles für mich tut. Etwas, dass mir das Gefühl gibt, dass ich nicht nur "weinerlich" bin, sondern dass es wirklich "wichtig" ist und "bedeutend". Okay. So weit so gut, so weit so hilfreich. Nun nutzen sich bei uns Menschlein solche Gefühle ziemlich schnell ab. Was ist die Folge? Man will MEHR, also kann man sich dieses schöne Gefühl wieder "ziehen".
Nun nutzt sich das bei anderen aber auch ab. Wenn man 5x wegen so etwas alles fallen ließ und losgeflitzt ist, kühlt das sich auch mal ab. Folglich? Es geht demjenigen schlechter, damit (Pardon) "die Dramatik wieder aufgefüllt wird". Wenn da nicht irgendwer mal die Bremse zieht oder sie auf andere Mechanismen ausweicht, sich gut zu fühlen, wird das schlimmer, nicht besser.

Egoistisch, wie hier oft geschrieben, finde ich das bestenfalls dann, wenn das jemand bewusst macht, also wenn klar ist, dass man die ganze Nummer veranstaltet, nur um sich von anderen Menschen, dieses schöne Gefühl zu ziehen. Ich denke, das ist bei Deiner Freundin nicht der Fall. Sie macht das fishing vermutlich nur wenig bewusst, dass Dramatik auffüllen wahrscheinlich gar nicht.
Aber da kannst Du nicht eingreifen. Durch so etwas durchzukommen, ist für ausgebildete Psychologen eine Herausforderung, für Dich - Sorry - nicht möglich. Auch aus diesem Grunde, ist es besser, wenn Du das zumindest nicht weiter fütterst.

Sage ihr, dass sie nicht "nur" sich, sondern auch die Menschen in ihrer Umgebung zerstört und ihre Freundschaften zerstört damit und geh auf Distanz. Emotional, nicht in der Anzahl der Zeichen der tgl. Nachrichten.
Noch mal: wenn sie Hilfe braucht - die kann sie überall haben. Was auch immer geschieht, glaubst Du wirklich, Du könntest - rein theoretisch - mehr tun als alle anderen? Was denn bitte?
Nein, kannst Du nicht. Bestätigung kann sie sich von jedem holen, das braucht Dich nicht. Tatsächliche Hilfe auch.

Aber mal um den Spieß umzudrehen - was willst Du von ihr? Warum willst Du denn unbedingt die Welt retten? Ist es wirklich "ein schlechtes Gewissen" oder fühlt es sich nur so an und hat einen anderen Hintergrund? Mal ganz gemein und ketzerisch... in Deinen Tagträumen, wie geht die Geschichte aus? Du kannst ihr helfen - Du kannst das tun, was sonst keiner konnte und Dank Deiner Hilfe wird alles gut, sie findet zu einem glücklichen Leben, was sie nur Dir zu verdanken hat und Du hast allen bewiesen was Du kannst, erntest Bewunderung und Dankbarkeit?
Ja, das ist bewusst überzogen, ich weiß. Du sollst auch nicht antworten darauf, das ist nur ein Denkanstoß.
Ist es schlechtes Gewissen oder versuchst Du gerade, Dich selbst, über Deine Heldentaten für andere zu definieren? Versuchst Du gerade, Dich darüber zu definieren, was Du in anderer Leute Augen für ein "guter" und "vorbildlicher" Mensch bist? Das ist ein gefährlicher Weg, falls Du ihn gerade gehst, musst Du umkehren.

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25. Februar 2013 um 22:21
In Antwort auf avarrassterne

Distanz
... ist nicht, nicht zu schreiben, sondern Deine Gedanken nicht davon beherrschen zu lassen.

Ob sie jetzt nur Aufmerksamkeit will, kann Dir hier keiner wirklich sagen. Bzw.: ja sie will Aufmerksamkeit, aber ob für ihre Person oder Bedürfnis nach Hilfe? Ziemlich wahrscheinlich beides. Aber das können wir nicht sagen, dazu wissen wir zu wenig über sie und ihre Situation.
Deine Therapeutin sollte das besser beurteilen können, sie weiß einfach mehr über Dich und aus Deinen Erzählungen auch über sie.
Wenn Du gerade befürchtest, dass sie sich wirklich das Leben nehmen könnte, wenn Du jetzt nichts tust, halte ich es auch für eine gute Idee, die Telefonseelsorge anzurufen. Die Leute dort sind dafür ausgebildet, solche Situationen einschätzen und Dir raten zu können.

Das was Du da beschreibst, ist ein Verhaltensmuster, dass man so schön "fishing for compliments" (manchmal als Kurzform auch nur "fishing for") nennt.
Manchmal steht man vor jemand anderen und meint "auch ich seh heute echt sch*** aus" in der Hoffnung, dass der dann antwortet "Ach, das stimmt gar nicht, Du siehst hinreißend aus!" oder wenn man die erhoffte Bestätigung "von alleine" nicht erhält, fragt man jemanden "Seh' ich gut aus?" um dessen Aufmerksamkeit darauf zu lenken, und sich das entsprechende Kompliment eben zu fangen, wenn's schon nicht allein vor der Tür steht - man fischt eben danach.
Du findest das auch in einigen allgemeinen Höflichkeitsregeln wieder: Sagen wir, ein Freund von Dir will feiert eine große Party, Du bist eingeladen, bevor Du am nächsten Tag nach Hause fährst (mal gesetzt den Fall, Du darfst das schon) - würdest Du fragen, ob Du mit beim Aufräumen helfen kannst, richtig? Wenn derjenige ablehnt, würdest Du dennoch antworten, dass es für Dich kein großer Akt wäre und es ja schneller geht, wenn mehr mit anfassen und es noch mal anbieten, richtig? Das gibt demjenigen mehr oder minder unbewusst das Gefühl, dass er nicht betteln geht, wenn er Hilfe annimmt, dass Du es auch ernst meinst und nicht nur "pro forma" gefragt hast, dass er Dir wichtig ist und Du ihm deswegen wirklich helfen möchtest usw. - In der Kommunikationswissenschaft nennt man das "Meta-Botschaften" - sie werden nicht direkt ausgesprochen, sie werden in weiten Teilen unbewusst gesendet, unbewusst verstanden oder erwartet - aber sie sind unglaublich wichtig, dafür, wie man sich einer Person gegenüber fühlt.

Nun macht Deine Freundin das mit ziemlicher Sicherheit nicht bewusst, aber sie fischt nach diesem "zeig mir, dass es Dir wirklich wichtig ist, zeig mir, dass es ein wirklich ernstes Problem ist, zeig mir, dass Du mir unbedingt helfen willst, indem Du Dich nicht einfach "abwimmeln" lässt sondern "dran bleibst"! " Daher diese keines Wegs zufällige oder unlogische Diskrepanz zwischen gesprochenem Wort und Handlung.

Darin liegt aber auch eine Gefahr. Für Dich sowieso, für sie aber auch. So eine Bestätigung kann auch ein bißchen zur Droge werden, zumal, wenn man das selbst nicht so recht mitkriegt - und das wird sie nicht.
Es ist ja eigentlich ein "gutes Gefühl" - mir geht es schlecht, aber es ist jemand da, der an meine Seite flitzt und alles für mich tut. Etwas, dass mir das Gefühl gibt, dass ich nicht nur "weinerlich" bin, sondern dass es wirklich "wichtig" ist und "bedeutend". Okay. So weit so gut, so weit so hilfreich. Nun nutzen sich bei uns Menschlein solche Gefühle ziemlich schnell ab. Was ist die Folge? Man will MEHR, also kann man sich dieses schöne Gefühl wieder "ziehen".
Nun nutzt sich das bei anderen aber auch ab. Wenn man 5x wegen so etwas alles fallen ließ und losgeflitzt ist, kühlt das sich auch mal ab. Folglich? Es geht demjenigen schlechter, damit (Pardon) "die Dramatik wieder aufgefüllt wird". Wenn da nicht irgendwer mal die Bremse zieht oder sie auf andere Mechanismen ausweicht, sich gut zu fühlen, wird das schlimmer, nicht besser.

Egoistisch, wie hier oft geschrieben, finde ich das bestenfalls dann, wenn das jemand bewusst macht, also wenn klar ist, dass man die ganze Nummer veranstaltet, nur um sich von anderen Menschen, dieses schöne Gefühl zu ziehen. Ich denke, das ist bei Deiner Freundin nicht der Fall. Sie macht das fishing vermutlich nur wenig bewusst, dass Dramatik auffüllen wahrscheinlich gar nicht.
Aber da kannst Du nicht eingreifen. Durch so etwas durchzukommen, ist für ausgebildete Psychologen eine Herausforderung, für Dich - Sorry - nicht möglich. Auch aus diesem Grunde, ist es besser, wenn Du das zumindest nicht weiter fütterst.

Sage ihr, dass sie nicht "nur" sich, sondern auch die Menschen in ihrer Umgebung zerstört und ihre Freundschaften zerstört damit und geh auf Distanz. Emotional, nicht in der Anzahl der Zeichen der tgl. Nachrichten.
Noch mal: wenn sie Hilfe braucht - die kann sie überall haben. Was auch immer geschieht, glaubst Du wirklich, Du könntest - rein theoretisch - mehr tun als alle anderen? Was denn bitte?
Nein, kannst Du nicht. Bestätigung kann sie sich von jedem holen, das braucht Dich nicht. Tatsächliche Hilfe auch.

Aber mal um den Spieß umzudrehen - was willst Du von ihr? Warum willst Du denn unbedingt die Welt retten? Ist es wirklich "ein schlechtes Gewissen" oder fühlt es sich nur so an und hat einen anderen Hintergrund? Mal ganz gemein und ketzerisch... in Deinen Tagträumen, wie geht die Geschichte aus? Du kannst ihr helfen - Du kannst das tun, was sonst keiner konnte und Dank Deiner Hilfe wird alles gut, sie findet zu einem glücklichen Leben, was sie nur Dir zu verdanken hat und Du hast allen bewiesen was Du kannst, erntest Bewunderung und Dankbarkeit?
Ja, das ist bewusst überzogen, ich weiß. Du sollst auch nicht antworten darauf, das ist nur ein Denkanstoß.
Ist es schlechtes Gewissen oder versuchst Du gerade, Dich selbst, über Deine Heldentaten für andere zu definieren? Versuchst Du gerade, Dich darüber zu definieren, was Du in anderer Leute Augen für ein "guter" und "vorbildlicher" Mensch bist? Das ist ein gefährlicher Weg, falls Du ihn gerade gehst, musst Du umkehren.

Oh man danke
Du scheinst wirklich Ahnung davon zu haben. Bewusst macht sie es bestimmt nicht, aber unbewusst könnte ich mir auf jeden Fall vorstellen.

Ich hab jetzt eine Weile darüber nachgedacht...Es ist wirklich so...Ich will zwar nicht bewusst den Helden spielen, aber naja...abstoßend find ich den Gedanken daran nicht. Ich möchte eventuell mein kaum vorhandenes Selbstbewusstsein aufpushen.
Indem ich "für sie da" bin möcht ich ein guter Mensch werden. Dieses Helfen liegt mir generell in der Natur, das hatte ich immer schon, auch als Kind. Aber es hat sich leider in einen richtigen Helferwahn entwickelt, der mich total stresst und letztendlich auch, neben einigen anderen Dingen, zum Psychologen brachte.

Das Problem ist, sobald ich irgendwo Ablehnung erfahre, gehe ich zu ihr zurück und helfe ihr, bin für sie da, rede mit ihr, fall wieder in diese Co Abhängigkeit. Das ist was vertrautes, sie ist auch immer da für mich - zumindest scheinbar. Und ich hab jemanden an dem ich mich festhalten kann, auch wenn sie mich in ihren Selbstmord / Depressionsstrudel mitreinzieht. Aber ich bin wenigstens nicht allein. Irgendwann hab ich wohl entschieden, dass das besser ist, als einsam zu sein.

Heute bin ich wieder in mein übliches Verhaltenmuster zurückgefallen. Die letzten Tage hab ich mich ziemlich gut geschlagen, meiner Meinung nach, was diese emotionale Distanz betrifft. Aber heute war ich wieder voll drinnen. Morgen muss ich wieder mehr dagegen ankämpfen, sonst geht es mir wieder besonders schlecht.

Ich hab jetzt angefangen, die Geschehnisse für meine Therapeutin ein wenig zu notieren, bald ist wieder ein Termin.

Ich versuche mich einfach mit Gedanken abzufinden, dass sie für sich selbst verantwortlich ist. Ich muss lernen, dass ich nicht für sie verantwortlich bin. Ich hoffe so sehr, dass ich das schaffe, weil sonst geh ich dran kaputt...

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26. Februar 2013 um 10:32
In Antwort auf ima_12670938

Oh man danke
Du scheinst wirklich Ahnung davon zu haben. Bewusst macht sie es bestimmt nicht, aber unbewusst könnte ich mir auf jeden Fall vorstellen.

Ich hab jetzt eine Weile darüber nachgedacht...Es ist wirklich so...Ich will zwar nicht bewusst den Helden spielen, aber naja...abstoßend find ich den Gedanken daran nicht. Ich möchte eventuell mein kaum vorhandenes Selbstbewusstsein aufpushen.
Indem ich "für sie da" bin möcht ich ein guter Mensch werden. Dieses Helfen liegt mir generell in der Natur, das hatte ich immer schon, auch als Kind. Aber es hat sich leider in einen richtigen Helferwahn entwickelt, der mich total stresst und letztendlich auch, neben einigen anderen Dingen, zum Psychologen brachte.

Das Problem ist, sobald ich irgendwo Ablehnung erfahre, gehe ich zu ihr zurück und helfe ihr, bin für sie da, rede mit ihr, fall wieder in diese Co Abhängigkeit. Das ist was vertrautes, sie ist auch immer da für mich - zumindest scheinbar. Und ich hab jemanden an dem ich mich festhalten kann, auch wenn sie mich in ihren Selbstmord / Depressionsstrudel mitreinzieht. Aber ich bin wenigstens nicht allein. Irgendwann hab ich wohl entschieden, dass das besser ist, als einsam zu sein.

Heute bin ich wieder in mein übliches Verhaltenmuster zurückgefallen. Die letzten Tage hab ich mich ziemlich gut geschlagen, meiner Meinung nach, was diese emotionale Distanz betrifft. Aber heute war ich wieder voll drinnen. Morgen muss ich wieder mehr dagegen ankämpfen, sonst geht es mir wieder besonders schlecht.

Ich hab jetzt angefangen, die Geschehnisse für meine Therapeutin ein wenig zu notieren, bald ist wieder ein Termin.

Ich versuche mich einfach mit Gedanken abzufinden, dass sie für sich selbst verantwortlich ist. Ich muss lernen, dass ich nicht für sie verantwortlich bin. Ich hoffe so sehr, dass ich das schaffe, weil sonst geh ich dran kaputt...


ich bin mit solchen Geschichten oft gegen die Wand gelaufen. Um mal bei dem Beispiel zu bleiben, was ich im letzten Beitrag hatte: aus meiner Sicht fände ich es hoffnungslos respektlos, ein "nein" zu übergehen und dann rumzunerven, ob derjenige nicht vielleicht seine Entscheidung ändern möchte. Also ist es mir oft passiert, dass jemand "Du bist mir nicht wichtig" verstanden hat, wenn ich doch "Ich respektiere Dich" gesagt habe. Dann stand ich mit einem Kopf voller Fragezeichen vor völlig unverständlichen Reaktionen. Es ging mir so gar nicht auf, wie jemand beleidigt und verletzt sein könnte, wenn ich dessen eigene Worte einfach nur befolgt habe. Dazu kamen noch meine Wahrnehmungsstörungen (die auch ziemlich viel mit Kommunikation und solchen im Hintergrund liegenden unbewussten Mustern und Reaktionen zu tun haben) und aus beiden Gründen habe ich irgend wann angefangen, mich ziemlich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen.

Schon wieder falscher Ansatz.
"Ich versuche mich einfach mit Gedanken abzufinden, dass sie für sich selbst verantwortlich ist."
Falsch! Was steht da im Mittelpunkt? Deine Freundin und Dein schlechtes Gewissen. Beides ist das Zentrum von diesem Ansatz - siehst Du das? Falsch. Das ist wieder die "denke nicht an rosa Elefanten" - Geschichte. Du kannst nicht etwas, wovon Du weg willst, an den zentralsten Punkt rücken, das läuft so nicht.

Der Ansatz steht in Deinem Text an anderer Stelle:
"Ich hab jetzt eine Weile darüber nachgedacht...Es ist wirklich so...Ich will zwar nicht bewusst den Helden spielen, aber naja...abstoßend find ich den Gedanken daran nicht. Ich möchte eventuell mein kaum vorhandenes Selbstbewusstsein aufpushen.
Indem ich "für sie da" bin möcht ich ein guter Mensch werden. ...."
da geht es lang
Du versuchst Dir Dein Selbstwert, Deine Bestätigung, Dein Gefühl, dass alles "richtig" ist, das "seelische Schulterklopfen" gewisser Maßen dort zu holen - und DAS ist die Stelle, wo der Frosch die Locken hat Es geht nicht darum, dass Du Dir sagen musst, dass sie Dich nicht braucht, es geht darum, dass Du Dir sagen musst, dass Du sie nicht brauchst!

Du hast schon einen Teil der Muster zu fassen gekriegt:
"Das Problem ist, sobald ich irgendwo Ablehnung erfahre, gehe ich zu ihr zurück und helfe ihr..." => genau. Wenn Du unsicher wirst, gehst Du zur Tankstelle, Schulterklopfen auffüllen. Nur das was aus der Tankstelle heraus kommt, ist im Großen und Ganzen kein Schulterklopfen sondern die Illusion des Schulterklopfens. Deine Psyche reagiert darauf und nimmt das als "Nahrung" an, aber sie kann es nicht verdauen - kriegt Bauchweh und bleibt hungrig. Du musst sie an andere Nahrung gewöhnen und einen Ort suchen, wo es die für Dich gibt. Nicht über technische Fehler der Zapfsäule nachdenken

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2. März 2013 um 23:01
In Antwort auf avarrassterne


ich bin mit solchen Geschichten oft gegen die Wand gelaufen. Um mal bei dem Beispiel zu bleiben, was ich im letzten Beitrag hatte: aus meiner Sicht fände ich es hoffnungslos respektlos, ein "nein" zu übergehen und dann rumzunerven, ob derjenige nicht vielleicht seine Entscheidung ändern möchte. Also ist es mir oft passiert, dass jemand "Du bist mir nicht wichtig" verstanden hat, wenn ich doch "Ich respektiere Dich" gesagt habe. Dann stand ich mit einem Kopf voller Fragezeichen vor völlig unverständlichen Reaktionen. Es ging mir so gar nicht auf, wie jemand beleidigt und verletzt sein könnte, wenn ich dessen eigene Worte einfach nur befolgt habe. Dazu kamen noch meine Wahrnehmungsstörungen (die auch ziemlich viel mit Kommunikation und solchen im Hintergrund liegenden unbewussten Mustern und Reaktionen zu tun haben) und aus beiden Gründen habe ich irgend wann angefangen, mich ziemlich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen.

Schon wieder falscher Ansatz.
"Ich versuche mich einfach mit Gedanken abzufinden, dass sie für sich selbst verantwortlich ist."
Falsch! Was steht da im Mittelpunkt? Deine Freundin und Dein schlechtes Gewissen. Beides ist das Zentrum von diesem Ansatz - siehst Du das? Falsch. Das ist wieder die "denke nicht an rosa Elefanten" - Geschichte. Du kannst nicht etwas, wovon Du weg willst, an den zentralsten Punkt rücken, das läuft so nicht.

Der Ansatz steht in Deinem Text an anderer Stelle:
"Ich hab jetzt eine Weile darüber nachgedacht...Es ist wirklich so...Ich will zwar nicht bewusst den Helden spielen, aber naja...abstoßend find ich den Gedanken daran nicht. Ich möchte eventuell mein kaum vorhandenes Selbstbewusstsein aufpushen.
Indem ich "für sie da" bin möcht ich ein guter Mensch werden. ...."
da geht es lang
Du versuchst Dir Dein Selbstwert, Deine Bestätigung, Dein Gefühl, dass alles "richtig" ist, das "seelische Schulterklopfen" gewisser Maßen dort zu holen - und DAS ist die Stelle, wo der Frosch die Locken hat Es geht nicht darum, dass Du Dir sagen musst, dass sie Dich nicht braucht, es geht darum, dass Du Dir sagen musst, dass Du sie nicht brauchst!

Du hast schon einen Teil der Muster zu fassen gekriegt:
"Das Problem ist, sobald ich irgendwo Ablehnung erfahre, gehe ich zu ihr zurück und helfe ihr..." => genau. Wenn Du unsicher wirst, gehst Du zur Tankstelle, Schulterklopfen auffüllen. Nur das was aus der Tankstelle heraus kommt, ist im Großen und Ganzen kein Schulterklopfen sondern die Illusion des Schulterklopfens. Deine Psyche reagiert darauf und nimmt das als "Nahrung" an, aber sie kann es nicht verdauen - kriegt Bauchweh und bleibt hungrig. Du musst sie an andere Nahrung gewöhnen und einen Ort suchen, wo es die für Dich gibt. Nicht über technische Fehler der Zapfsäule nachdenken

Da bin ich wieder.
Hallo! Wieder einmal ein riesen Dankeschön für deinen Beitrag. Ich find deine Metaphern, zum Beispiel das mit der Schulterklop-Tankstelle super. Wenn man sich das bildlich vorstellt, versteht man die Zusammenhänge gleich viel besser.

Also...Ich hab die letzten Tage festgestellt, dass ich sie tatsächlich nicht brauche... Es ist folgendes passiert, sie hat mich am Mittwoch plötzlich - ohne Grund - abgewiesen und behauptet, ich würde sie "wegstoßen" und "ständig allein lassen" und sie immer verlassen, was aber eindeutig nicht stimmt. Im ersten Augenblick hatte ich total Angst und schlechtes Gewissen und wollte alles tun, um sie "zurückzugewinnen" aber ich hatte einfach keine Kraft dafür. Sie meinte dann, wir sollten einfach mal ne Weile nicht miteinader reden usw. Und das hat sie schon öfters gesagt und bisher hab ich das dann immer mit jeder Menge Energie verhindern zu gewusst, weil ich das ja überhaupt nicht wollte aber dieses mal hab ich einfach nur okay gesagt und ich glaub ihr hat das nicht so gepasst, aber das kann ich nicht genau sagen.

Jedenfalls hab ich die Tage darauf total oft an sie gedacht usw und am Anfang hab ich echt immer das Gefüh gehabt, ich MUSS jetzt für sie da sein und ich MUSS jetzt das Handy anmachen (ich hab es absichtlich ausgemacht, um etwas Ruhe zu haben) aber ich hatte recht viel Arbeit und auch in der Freizeit Sachen zu tun, dass ich gar nicht so Zeit hatte, mich damit zu befassen und mir gings dann wirklich besser. Dazwischen kam zwar immer wieder dieses schlechte Gewissen, aber im Großen und Ganzen war ich okay. Ich hoffe ich komm jetzt nicht total egoistisch rüber.

Ich hab mir deinen Beitrag sehr zu Herzen genommen und mir immer gesagt..."Nein, ich brauch jetzt keinen Schulterklopfer, ich bin so gut genug. Ich brauch das nicht." Das hat ein wenig geholfen.

Heute Abend gings mir wieder etwas schlechter..Am Abend bekam ich eine Nachricht von ihr, und zwar standen da Sachen wie "Ich liebe dich, du weißt ja, du bist die wichtigste Person in meinem Leben. Ich will dich nie verlieren." usw und früher hab ich das so toll gefunden und hab mich irre gefreut (wieder: ich hab damit meinen Selbstwert aufgefüllt!!) , aber heute...ich fand mich unter Druck gesetzt. Wieder kam es so rüber, als wär ich jetzt für sie verantwortlich. Und das wurde mir zu viel, ich hab deswegen sicher 10 Minuten nur geheult (ja ich bin sensibel bzw einfach null belastbar) Und gleichzeitig war ich verwirrt. Die Nachricht passt einfach nicht da rein, was sie mir zuletzt an den Kopf geworfen hat.

Später hat mir eine gemeinsame Freundin von uns geschrieben, sie macht sich so Sorgen um sie weil es geht ihr so extrem schlecht und so. Aber ich hatte keine Kraft darauf einzugehen. Und wenn ich jetzt nicht so Bauchschmerzen hätte, dann würd ich jetzt nur mehr am Handy oder PC sitzen und versuchen, sie zu "reparieren" und ich hab wieder ein schlechtes Gewissen. Mein Kopf sagt zwar "Das ist nicht deine Sache, du bist nicht Schuld, du bist nicht verantwortlich." Aber mein Körper sendet mir andre Signale, mit Schmerzen und die Gedanken rasen.

Ich bin nur froh, dass ich gerade nicht alleine bin, sonst ging es mir jetzt richtig richtig richtig schlecht. So ist es noch erträglich.

Ich hätte nie gedacht, dass es so schwer ist, sich aus so einer Spirale zu retten.

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3. März 2013 um 10:28
In Antwort auf ima_12670938

Da bin ich wieder.
Hallo! Wieder einmal ein riesen Dankeschön für deinen Beitrag. Ich find deine Metaphern, zum Beispiel das mit der Schulterklop-Tankstelle super. Wenn man sich das bildlich vorstellt, versteht man die Zusammenhänge gleich viel besser.

Also...Ich hab die letzten Tage festgestellt, dass ich sie tatsächlich nicht brauche... Es ist folgendes passiert, sie hat mich am Mittwoch plötzlich - ohne Grund - abgewiesen und behauptet, ich würde sie "wegstoßen" und "ständig allein lassen" und sie immer verlassen, was aber eindeutig nicht stimmt. Im ersten Augenblick hatte ich total Angst und schlechtes Gewissen und wollte alles tun, um sie "zurückzugewinnen" aber ich hatte einfach keine Kraft dafür. Sie meinte dann, wir sollten einfach mal ne Weile nicht miteinader reden usw. Und das hat sie schon öfters gesagt und bisher hab ich das dann immer mit jeder Menge Energie verhindern zu gewusst, weil ich das ja überhaupt nicht wollte aber dieses mal hab ich einfach nur okay gesagt und ich glaub ihr hat das nicht so gepasst, aber das kann ich nicht genau sagen.

Jedenfalls hab ich die Tage darauf total oft an sie gedacht usw und am Anfang hab ich echt immer das Gefüh gehabt, ich MUSS jetzt für sie da sein und ich MUSS jetzt das Handy anmachen (ich hab es absichtlich ausgemacht, um etwas Ruhe zu haben) aber ich hatte recht viel Arbeit und auch in der Freizeit Sachen zu tun, dass ich gar nicht so Zeit hatte, mich damit zu befassen und mir gings dann wirklich besser. Dazwischen kam zwar immer wieder dieses schlechte Gewissen, aber im Großen und Ganzen war ich okay. Ich hoffe ich komm jetzt nicht total egoistisch rüber.

Ich hab mir deinen Beitrag sehr zu Herzen genommen und mir immer gesagt..."Nein, ich brauch jetzt keinen Schulterklopfer, ich bin so gut genug. Ich brauch das nicht." Das hat ein wenig geholfen.

Heute Abend gings mir wieder etwas schlechter..Am Abend bekam ich eine Nachricht von ihr, und zwar standen da Sachen wie "Ich liebe dich, du weißt ja, du bist die wichtigste Person in meinem Leben. Ich will dich nie verlieren." usw und früher hab ich das so toll gefunden und hab mich irre gefreut (wieder: ich hab damit meinen Selbstwert aufgefüllt!!) , aber heute...ich fand mich unter Druck gesetzt. Wieder kam es so rüber, als wär ich jetzt für sie verantwortlich. Und das wurde mir zu viel, ich hab deswegen sicher 10 Minuten nur geheult (ja ich bin sensibel bzw einfach null belastbar) Und gleichzeitig war ich verwirrt. Die Nachricht passt einfach nicht da rein, was sie mir zuletzt an den Kopf geworfen hat.

Später hat mir eine gemeinsame Freundin von uns geschrieben, sie macht sich so Sorgen um sie weil es geht ihr so extrem schlecht und so. Aber ich hatte keine Kraft darauf einzugehen. Und wenn ich jetzt nicht so Bauchschmerzen hätte, dann würd ich jetzt nur mehr am Handy oder PC sitzen und versuchen, sie zu "reparieren" und ich hab wieder ein schlechtes Gewissen. Mein Kopf sagt zwar "Das ist nicht deine Sache, du bist nicht Schuld, du bist nicht verantwortlich." Aber mein Körper sendet mir andre Signale, mit Schmerzen und die Gedanken rasen.

Ich bin nur froh, dass ich gerade nicht alleine bin, sonst ging es mir jetzt richtig richtig richtig schlecht. So ist es noch erträglich.

Ich hätte nie gedacht, dass es so schwer ist, sich aus so einer Spirale zu retten.

Wenn es leicht wäre...
... hättest Du kein Problem, sondern lange Weile, oder?
Rückschläge gehören immer dazu.
Wenn man etwas ändern möchte, dass umsetzt und es von da an ausschließlich geradeaus bergargauf geht, haben die Mächte eingegriffen und Dir ein Wunder geschenkt.
Ohne Wunder rutscht man immer wieder ein Stück wieder runter, muss wieder aufstehen und weiter klettern. Das gehört dazu, lass Dich nicht entmutigen.

Wenn Deine Freundin Dir das nächste Mal mit solchen Vorwürfen kommt, sag Ihr direkt, dass sie jede Freundschaft zerstört, wenn sie die Menschen in ihrer Umgebung immer einfach nur auslutscht.
Sie macht sich von der Tankstelle genauso abhängig wie Du, jetzt fließt das Schulterklopfen nicht mehr und sie lutscht am Zapfhahn. Pardon, nicht ganz lady - like ausgedrückt
Aber es ist das gleiche Problem wie bei Dir, auch auf ihrer Seite kommt nur etwas heraus, was die Illusion dessen ist, was sie sucht, was nicht satt macht und Bauchweh gibt. Es hilft ihr nicht, es fühlt sich nur für den Moment schön an. Dann läßt es nach und braucht MEHR. So lange, bis sie mal die Finger von der Tankstelle läßt und sich um das eigentliche Problem kümmert. Du kannst weder ändern, dass sie die Tankstellen abklappert, noch kannst Du das eigentliche Problem lösen.

Der gemeinsamen Freundin gib den gleichen Rat mit der Telefonseelsorge. Wer dort am Telefon ist, ist für solche Situationen geschult und ausgebildet - im Unterschied zu Euch.

Du rechtfertigst und entschuldigst Dich wieder, dass Du nicht dort bist, Du suchst jetzt hier Bestätigung, dass Du das auch wirklich richtig machst - damit verlagerst Du die Muster, änderst sie aber nur wenig. Vorsicht
Natürlich sollte man Menschen helfen, wenn sie in einer Notsituation sind - aber für alles was mit Heilung zu tun hat gilt ein Leitsatz: "Die Dosis macht das Gift." In dem Moment, wo es zur Tankstelle wird und Schulterklopfen die Problemlösung ersetzt, ist es keine Hilfe mehr sondern gemeinsames Basteln an hübschen Illusionen.
Eine Illusion heißt Illusion, weil sie sehr überzeugend wie etwas aussieht, was sie nicht ist. Diese kleinen Biester haben unglaubliche Macht über uns, weil sie eben das sind, was wir so gern sehen wollen. Unbedingt gern sehen wollen. Sie manipulieren uns, wenn wir nicht freiwillig hin gehen - mit Gefühlen und bis hin zu körperlichen Reaktionen. Eben weil man es ihnen nicht zutraut, ist das tückisch.

Beschäftige Dich weniger damit, wie Du nicht zur Tankstelle gehst und mehr damit, wo es für Dich leckeres echtes Schulterklopfen gibt.
Sprich das bei Deiner Therapeutin beim nächsten Mal an.
Sortier man für Dich aus, wie Du gern wärst. Schreib es auf, leg es für einen Tag zur Seit - und dann nimm Dir den Rotstift und sieb es mal durch - wieviel davon wäre für Dich und wieviel davon dafür, dass andere Dich bewundern?
Willst Du, dass andere denken, dass Du glücklich bist - oder glücklich sein?
Willst Du, dass andere denken, dass Du es "richtig" machst - oder willst *Du* Dich gut damit fühlen?
Mit den Augen anderer gesehen, rennt man immer der Illusion nach.
Nimm das zu Deiner Therapeutin mit und geh es mit ihr gemeinsam durch.

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