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Probleme mit Nesthocker-Bruder

4. Oktober 2003 um 20:54

Hallo zusammen,

ich, 35, habe einen Bruder, 34, der immer noch keinen Studienabschluss hat (studiert seit er 19 ist, hat schon ein Studium im 14.Semester abgebrochen und verschiebt jede Prüfung im 2. Studium, ist jetzt im 10. Semester) und der IMMER NOCH zu Hause wohnt. Ihm scheint das überhaupt nix auszumachen, meine Eltern kriegen die Krise - meine Mutter heult nur rum,mein Vater stürzt sich ins Lesen von Büchern und trinkt eine Flasche Wein pro Tag! sie können sich auchauf ihre altenTage keine Wohnung kaufen, weil das eine Zimmer mehr für meinen Bruder nicht bezahlbar ist (zur Erklärung: sie wohnen in München, haben hier ihr Umfeld, die Wohnungen sind wahnsinnig teuer). Mein Bruder lässt sich nichts sagen,auch nicht von mir (habe ihm schon Psychologen vorgeschlagen, wirklich ganz im Guten, wir verstehen uns gut,aber er sagt, er habe kein Problem!), ist heute in Urlaub gefahren mit Freund, ohne eine zuvor geplante Prüfung zu absolvieren. Er hat seinerzeit mit 1,5 sein Abi gemacht, ist aber irgendwo total realitätsfern (wollte Prof werden, hat aber gecheckt, dass dazu mehr gehört, als er bieten kann, hat seither den Absprung von der Uni nie mehr geschafft).

Irgendwo erinnert mich das an den Ozeanpianisten (vielleicht kennt ihr den Film), wo der Hauptdarsteller nicht aus dem großen Schiff raus kann und will.

Die Sache ist natürlich auch die, dass ich mich gegenüber Freunden schäme, das zuzugeben (sie wissen zwar über die Studiensache Bescheid, nicht aber darüber, dass er immer noch zu Hause wohnt). Aber wie gesagt, es geht nicht um mich (auch wenn natürlich alle "Hoffnungen" meiner Eltern auf mir ruhen, was extrem unangenehm ist, wir werden auch ständig mit erfolgreichen Cousins, Cousinen etc. verglichen), sondern um ihn.

Was tun???

Liebe Grüße von der Meerfrau

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4. Oktober 2003 um 21:05

Beileid...
hallo meerfrau,

bei meinem "kleinen" bruder hat sich das problem schlagartig "gelöst", als er seine jetzige freundin kennengelernt hat (vor ich weiß nicht wieviel jahren), weil es ihm endlich selbst peinlich war, noch zu hause "im kinderzimmer" zu wohnen.
allerdings ist er dann einfach bei ihr eingezogen...


mehr fällt mir dazu leider spontan auch nicht ein.
was könnt's ihm denn derart unangenehm machen, daß er noch zu hause wohnt...???

glemgrußabernoch



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4. Oktober 2003 um 21:15
In Antwort auf teresa_12862397

Beileid...
hallo meerfrau,

bei meinem "kleinen" bruder hat sich das problem schlagartig "gelöst", als er seine jetzige freundin kennengelernt hat (vor ich weiß nicht wieviel jahren), weil es ihm endlich selbst peinlich war, noch zu hause "im kinderzimmer" zu wohnen.
allerdings ist er dann einfach bei ihr eingezogen...


mehr fällt mir dazu leider spontan auch nicht ein.
was könnt's ihm denn derart unangenehm machen, daß er noch zu hause wohnt...???

glemgrußabernoch



Hallo Glemvital,
da kommt noch etwas Weiteres hinzu, wie schön, dass es dieses anonyme Forum gibt...

Mein Bruder hatte - vermutlich wg. dieser Situation - noch nie eine Freundin! Er beklagt sich hin und wieder drüber, ich sage ihm,würdest Du nicht mehr zu Hause wohnen, dann wäre das auch anders. Aber nicht mal das ist Motivation. Außerdem passt ihm keine bzw. er will immer irgendwelche, die er natürlich nicht kriegt.

Also dies ist nicht Druck genug. Zumal er sich für zarte Mädels interessiert, und nicht für gestandene Frauen, die durchaus Interesse an ihm hätten, und die ihm sozusagen einen Tritt in den Arsch geben würden!!!

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4. Oktober 2003 um 22:21

Hi Imandra
will ja echt nicht destruktiv sein, aber schön wärs, wenn meine Eltern das täten. Tun sie aber nicht. Lieber leiden sie weiter. So lange kenne ich sie, um zu wissen, dass sich da nichts tut.

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4. Oktober 2003 um 22:23

Hallo Welle...
... ja, am Besten ich klinke mich da jetzt aus. Mir reichts nämlich langsam. Soll er doch schauen, wie er weiter kommmt. Nur meine Eltern tun mir trotz allem Leid. Es gibt nur Streit deswegen, und ich wünschte, sie hätten mehr von ihrem "Lebensabend"!

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5. Oktober 2003 um 7:09

Du stellst die Sorgen Deiner Eltern
sehr in den Vordergrund (können sich auf ihre alten Tage keine Wohnung kaufen...), dabei scheint mir das ein Nebenkriegsschauplatz zu sein.

Ich denke Dein Bruder ist gefährdet. Eine jüngere Freundin (die Frauen die er bevorzugt) wird er nicht bekommen denn jüngere Frauen stehen entweder auf gleichaltrige Männer oder auf ältere Männer die ihnen was bieten können und sei es nur als Vaterersatz aber dazu taugt er überhaupt nicht und gleichaltrige oder ältere kinderlose Frauen mit Bekehrungswunsch (wie bei gofem massenhaft anzufinden) die sich vielleicht gern einer solchen Lebensaufgabe annehmen würden will er nicht. Irgendwann wird er feststellen dass sein Lebensplan gescheitert ist und dass er nicht mehr in der Lage ist einen neuen für ihn akzeptablen und auch realistischen Plan aufzustellen und dann wird er eines Tages an einem Seil baumeln.

Ein Problem scheinen mir auch Deine Eltern zu sein, denn aus Deinen Schlussäußerungen könnte man hohe Ansprüche an die Kinder herauslesen. Vielleicht ist sein Verhalten ja eine Verweigerungshaltung dem gegenüber, eventuell sogar eine Rache.

Und auch Du scheinst diese hohen Ansprüche zu haben. Warum schämst Du Dich Deinen Freunden gegenüber wenn Dein Bruder ein Problem hat und noch bei den Eltern wohnt? Wie gesagt, er hat ein Problem das über kurz oder lang lebensbedrohlich sein kann.

Du fragst zum Schluss was zu tun ist. Ich finde es immer sehr schwer einen Rat für Dritte zu geben, z. B. was Deine Eltern tun können oder Dein Bruder. Deswegen kann ich Dir nur sagen was Du m. E. tun solltest:

Also ich denke Du solltest die Probleme Deines Bruders ernst nehmen und nicht nur die Deiner Eltern. Und Du solltest Dich nicht länger für ihn schämen und glauben seine Probleme würden Dich abwerten (das würde nur bei wirklich bornierten Menschen der Fall sein, aber willst Du solche Menschen als Freunde haben?). Wenn Du Deine Sorgen offen mitteilst kann das befreiend wirken. Und lass Dir nicht den Druck Deiner Eltern aufladen: Du bist für Dein Leben verantwortlich und nicht für deren "Hoffnungen". Mach nicht den gleichen Fehler dem vielleicht Dein Bruder zum Opfer gefallen ist, nämlich die hohen Ansprüche und "Hoffnungen" anderer zu den eigenen Zielen zu machen.

chicogo

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5. Oktober 2003 um 14:39
In Antwort auf anoush_11978179

Du stellst die Sorgen Deiner Eltern
sehr in den Vordergrund (können sich auf ihre alten Tage keine Wohnung kaufen...), dabei scheint mir das ein Nebenkriegsschauplatz zu sein.

Ich denke Dein Bruder ist gefährdet. Eine jüngere Freundin (die Frauen die er bevorzugt) wird er nicht bekommen denn jüngere Frauen stehen entweder auf gleichaltrige Männer oder auf ältere Männer die ihnen was bieten können und sei es nur als Vaterersatz aber dazu taugt er überhaupt nicht und gleichaltrige oder ältere kinderlose Frauen mit Bekehrungswunsch (wie bei gofem massenhaft anzufinden) die sich vielleicht gern einer solchen Lebensaufgabe annehmen würden will er nicht. Irgendwann wird er feststellen dass sein Lebensplan gescheitert ist und dass er nicht mehr in der Lage ist einen neuen für ihn akzeptablen und auch realistischen Plan aufzustellen und dann wird er eines Tages an einem Seil baumeln.

Ein Problem scheinen mir auch Deine Eltern zu sein, denn aus Deinen Schlussäußerungen könnte man hohe Ansprüche an die Kinder herauslesen. Vielleicht ist sein Verhalten ja eine Verweigerungshaltung dem gegenüber, eventuell sogar eine Rache.

Und auch Du scheinst diese hohen Ansprüche zu haben. Warum schämst Du Dich Deinen Freunden gegenüber wenn Dein Bruder ein Problem hat und noch bei den Eltern wohnt? Wie gesagt, er hat ein Problem das über kurz oder lang lebensbedrohlich sein kann.

Du fragst zum Schluss was zu tun ist. Ich finde es immer sehr schwer einen Rat für Dritte zu geben, z. B. was Deine Eltern tun können oder Dein Bruder. Deswegen kann ich Dir nur sagen was Du m. E. tun solltest:

Also ich denke Du solltest die Probleme Deines Bruders ernst nehmen und nicht nur die Deiner Eltern. Und Du solltest Dich nicht länger für ihn schämen und glauben seine Probleme würden Dich abwerten (das würde nur bei wirklich bornierten Menschen der Fall sein, aber willst Du solche Menschen als Freunde haben?). Wenn Du Deine Sorgen offen mitteilst kann das befreiend wirken. Und lass Dir nicht den Druck Deiner Eltern aufladen: Du bist für Dein Leben verantwortlich und nicht für deren "Hoffnungen". Mach nicht den gleichen Fehler dem vielleicht Dein Bruder zum Opfer gefallen ist, nämlich die hohen Ansprüche und "Hoffnungen" anderer zu den eigenen Zielen zu machen.

chicogo

Hallo Chicogo
danke für Deine sehr kluge Antwort.

Allerdings muss ich sagen, dass ich meinem Bruder schon mehrfach Hilfe in Form von psychologischer Beratung und eigener Beratung angeboten habe. Beides hat er abgelehnt. Zudem muss ich sagen, dass es mir selber auch phasenweise extrem schlecht ging (Selbstmordgedanken, Essstörungen, musste meinen Traumjob aufgeben, da ich zu wenig Aufträge als Dolmetscherin hatte und nicht eigenständig davon leben konnte. Habe nach langen Jahren des Suchens wirklich meine Berufung als Personalerin gefunden, und Du kannst mir glauben, es war nicht leicht, dahin zu kommen. Auch ich hätte mich in die Hängematte hängen lassen können und sagen, ach meine Eltern können weiter für mich aufkommen, damit ich weiter mit wenigen Aufträgen mich trotzdem über Wasser halten kann. Habe ich aber nicht gemacht, und ich bin froh drum. Von daher MUSS auch etwas von seiner Seite kommen, er ist nicht der Einzige, der leidet unter Anspruchshaltungen etc. Auch ich musste damit fertig werden, das sage ich ihm auch immer wieder, und die beste Lösung, um aus dem Klammergriff der Eltern zu kommen, ist nun mal auszuziehen und einen eigenen Job zu haben, der einen über Wasser hält. Ich glaube einfach, seine Toleranzgrenze ist sehr hoch. Außerdem ist es ja nicht so, dass er rum hängt und heult, sondern er geht mit dem Geld unserer Eltern in Urlaub, wohnt mit deren Geld und kümmert sich einen Scheißdreck um sein Studium (entschuldige den Ausdruck), sondern macht nur Party! Ich meine, mir kann es im Endeffekt wurscht sein, aber mir wird dann eben immer vorgejammert. Ich wollte mich mit dem oben Gesagten nicht rechtfertigen, nur klar stellen, dass es auch MIR zeitweise sehr dreckig ging und geht, und dass ich zumindest versucht habe, mein Problem einzusehen (war z.B. bei einem Psychologen, und es hat mir sehr geholfen). Ein Problem mag sicher daran liegen, dass meine Eltern Psychologen für Deppen halten und der verrückten Meinung sind, der Arbeitgeber könne davon erfahren.

Ich finde einfach, die Freiheit eines Menschen hört dort auf, wo sie die Freiheit eines anderen beeinträchtigt....

In diesem Sinne
liebe Grüße von der Meerfrau

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5. Oktober 2003 um 14:48

Hallo Michi
Du hast natürlich Recht, jedoch stellt sich natürlich die Fragen, wovon er leben will.

Und ich muss sagen, ich bin die erste, die Menschen unterstützt, die in der Sackgasse sind, aber es muss die Bereitschaft existieren, aus dieser Sackgasse zu kommen. Er KANN gar nicht ausziehen und eine eigene Wohnung beziehen, weil er kein regelmäßiges Einkommen hat.

Außerdem ist es interessant, dass Ihr Männer im Forum eine ganz andere Position vertretet als die Frauen Schon mal aufgefallen ?

Liebe Grüße von der Meerfrau

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5. Oktober 2003 um 14:53

Danke Imandra
... ist alles sinnlos. Habe gerade von meinen Eltern erfahren, dass sie voller Stolz SMS von ihm aus Portugal bekommen (damit kann man wieder vor der Verwandtschaft angeben, igitt!), es wird sich also wieder nix tun. Meine Mutter wird wieder sagen "ich stelle ihm die Koffer vor die Tür, wenn er zurück kommt", wird sie aber nie.

So what! Macht Euren Dreck alleene...

Gruß von der Meerfrau

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5. Oktober 2003 um 15:27

Hallo Michi
das ist absolut richtig, er "bringt sich nicht ein", weil er kein Ziel und keinen Sinn sieht im Leben.

Aber sag mir, wer - außer einem geschulten, professionellen Berater - kann ihn da raus holen? Ich biete ihm die Hilfe auch an, aber er geht nicht darauf ein. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es viel angenehmer ist, einem komplett Fremden sein Herz zu öffnen als Menschen, die einem nahe stehen. Ist übrigens einer der Riesenvorteile dieses Forums. Habe ihm übrigens auch schon gesagt, er soll doch unter gofeminin posten. Oder irgend einem anderen Forum, wo ich auch garantiert nicht rein gehe, und er sich Meinungen anderer anhören kann, ganz in Ruhe, ganz anonym. Interessiert ihn aber nicht - er hat ja kein Problem.

DAS ist ja das Kernproblem - er lässt keinen an sich ran - weder mich noch einen Psychologen noch einen Berater noch sonst jemand - mit Freunden bespricht er sich auch nicht drüber - er geht der Frage aus dem Weg.
Und glaube mir, ich bin auch oft in solchen Situationen, und deswegen bin ich zum Psychologen gegangen, weil ich hilflos war und in den Boden gedrückt von Depressionen.

Aber man muss bereit sein
1. das Problem als solches einzusehen
2. mit jemandem darüber zu sprechen.

Was Selbstliebe und Selbstbewusstsein angeht, so kann man das Rad nicht zurück drehen. Wir hatten beide eine beschissene Erziehung. Auch ich habe nicht viel Selbstbewusstsein und habe mir z.B. in vergangenen Beziehungen, im Job etc. deswegen viele Verletzungen zugezogen. Bin aber auf Freunde und Psychologen und dieses Forum zugegangen, um zu versuchen, aus dem Loch wieder raus zu kommen.

Was in so einem Fall natürlich hilft ist die Liebe, das ist klar (weiß ich als Single auch . Aber das ist auch keine Sicherheit. Und ich finde, man darf seinen Selbstwert auch nicht von einem Partner abhängig machen, denn wenn dieser dann wieder weg ist oder man Streit mit ihm/ihr hat, dann gute Nacht... Und es ist nun mal so, dass man aus einer Berufstätigkeit sehr wohl Selbstbewusstsein ziehen kann, es ist etwas, was man oft viel besser steuern kann als das Privatleben.
deswegen sage ich ihm ja immer wieder - und WIRKLICH ohne Vorwurf, im Gegensatz zu unseren Eltern - dass er Studium beenden oder Ausbildung machen oder zur Zeitarbeit gehen soll etc. -

tut sich bisher aber nix...

Liebe Grüße von der Meerfrau

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5. Oktober 2003 um 21:35

Warum ich ihm helfen will?
weil ich ihm sehr nahe stehe, nicht aus Blutsbanden, sondern einfach, weil wir uns sehr gut verstehen und ich für ihn möchte, dass er da raus kommt. Wie ich es auch einem sehr guten Freund helfen würde.

Übrigens mache ich ihm keine Vorwürfe und sage auch nicht, Du sollst etc. Kam vielleicht so rüber. Nö, ich biete ihm die Hilfe einfach so an.

Gruß von der Meerfrau

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6. Oktober 2003 um 15:25

Ich habe bei dem ganzen Ding
ein ziemlich schlechtes Gefühl.

Immerhin hat er ja sein Abitur mit einem 1,5-Schnitt abgeschlossen und wollte mal Professor werden. Als das nicht ging hat er aber nicht auf Realismus umgeschaltet und sich ein anderes erreichbares Ziel gesucht.

Ich denke sein Selbstwertgefühl ist absolut im Keller und das überdeckt er mit Party usw. wie Michi schon schrieb.

Aber wie kommt er da raus? Entweder er hat sich tatsächlich ein dickes Fell zugelegt und ihm ist das alles ziemlich egal (würde mich wundern), dann kann das noch beliebig so weitergehen. Oder es gibt spätestens eine Entscheidung wenn auch das 2. Studium scheitert worauf ja einiges hindeutet. Dann muss etwas passieren und ich will nicht ausschließen dass er dann zum Äußersten greift, jedenfalls wär das so ne Karriere.

Das Beste für ihn wär er würde wirklich eine Frau kennenlernen die ihn so liebt wie er ist und wo er das auch annimmt, die ihm also das Gefühl gibt dass er auch trotz all dieser gescheiterten Wünsche liebenswert ist. Und vielleicht gibt es ja auch das eine oder andere Familienmitglied welches sich zu so einem Verhalten durchringen kann und ihn nicht immer auf die schwarzen Flecke auf seiner Weste hinweist.

Bzgl. Psychotherapie - die sicherlich sinnvoll ist - bin ich etwas skeptisch, weil sie m. E. zu spät kommt und was soll sie bewirken? Wenn er das 2. Studium abbricht dann geht er auf die 40 zu, wohnt bei seinen Eltern, hat keine Freundin, hat sowieso keine Kinder, hat keinen Berufsabschluss, kann vielleicht etwas Geld mit Taxifahren verdienen, also ich denke es wird sehr sehr sehr schwer da noch eine Wende hinzubekommen und daraus ein Selbstwertgefühl aufzubauen. Das Selbstwertgefühl wird m. E. nur durch einen wirklichen Erfolg kommen, einen solchen Erfolg benötigt er, z. B. dass er das 2. Studium tatsächlich erfolgreich abschließt oder er etwas veröffentlicht was gut ankommt oder eben dass er die Liebe einer Frau gewinnt die er auch für liebenswert hält.

Wenn es hier um einen 25-Jährigen ginge säh das sicherlich alles noch ganz anders aus. Aber so ist die Situation wirklich verfahren.

chicogo

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20. Januar 2004 um 16:39

Thema: Hotel Mama
Liebe Meerjungfrau,

mein Name ist Karen Woltmer, ich arbeite als Reporterin bei ProSieben.
Mit Interesse habe ich den Beitrag im forum über deinen Bruder gelesen.
Ist es nicht erstaunlich? Während Jugendliche in den 70iger und 80iger Jahren so schnell wie möglich von zu Hause ausziehen wollten, weil es schlicht uncool war, noch bei den Eltern zu leben, scheint dieser Trend neuerdings stark zu stagnieren...
Ich recherchiere das Thema "Nesthocker" mit allen seinen Facetten - sehe es also nicht nur von negativer Warte aus - sondern möchte einfach wissen, warum im Einzelfall ein junger Mann/Frau noch zu Hause wohnt und wie das im Zusammenleben mit den Eltern funktioniert.
Wenn du Kontakt zu mir aufnehmen magst: Karen.Woltmer@ProSieben.de. Ich würde mich sehr über ein e-mail freuen!

Mit freundlichem Gruß,
Karen Woltmer

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6. Oktober 2008 um 2:10

Das kann nur schief gehen...
Hallo,

ich wollte mal kurz meinen Eindruck dieser verfahrenen Situation schildern, weil ich mich zwar in alle Beteiligten etwas hineinversetzen kann, besonders aber in das "Nesthäkchen" - bis auf das etwas fortgeschrittene Alter.
Ich glaube ich habe es in den anderen Beiträgen schon mal gelesen, aber diese Situation ist sowas von heikel, daß ich mir nicht erlauben würde, eine Empfehlung abzugeben wie man damit umgehen sollte. Denn in mehreren Konstellationen könnte es das direkte "freiwilligermaßen erzwungene Ableben" Deines Bruders zur Folge haben.
Dein Bruder ist im Kern schon tot. Er hat "Lebensangst" und eine lebensfeindliche Einstellung, was oft als "Peter-Pan-Komplex" beschrieben wird. Wenn sein 2. Studium den Bach runter geht - und das wird es - gibt es einen Realitätsbruch und eine Entfremdung von sich selbst, so daß er in einem dissoziativen Zustand ankommen wird, der sich nicht mehr mit seinem (fiktiven) Selbstbild vereinbaren lassen wird.
Dein Bruder studiert eigentlich gar nicht, er schlägt nur Zeit tot, weil er kein Ziel hat. Irgendwas muß er ja machen und wenn er eingeschrieben ist und aus dem Haus geht, dann geben Deine Eltern anscheinend Ruhe. Er hat sich mit dieser für Ihn selbst auch nicht befriedigenden Situation arrangiert.
Glaub also bitte nicht, Dein Bruder mache sich einen schönen Lenz auf Kosten eurer Eltern, auch wenn es erstmal so aussehen mag. Er leidet wie ein Hund und das nicht erst seit gerstern, sondern schon fast sein halbes Leben lang, seit er die Schule verlassen mußte.
Wenn er jetzt also irgendwann realisieren muß, daß er nicht nur kein Akademiker wird, sondern auch keine abgeschlossene Ausbildung vorzuweisen hat und somit allenfalls für Hilfarbeitertätigkeiten in Frage kommt , wenn überhaupt bei seinem arbeitsweltfremden Lebenslauf - so "human" ist unsere Arbeitswelt ausgelegt für gescheiterte Akademiker - und er einsehen muß, daß auch keine hübsche Freundin mit Top-Figur und rasierter M****i auf ihn wartet, wird es verdammt brenzlig.
Schmeißen Deine Eltern ihn raus, kann es ganz schnell zu einer Kurzschlussreaktion kommen, weil er sich selbst von diesen verstoßen und abgestoßen sieht. Geht alles in gewohnter Manier weiter, wird es für ihn selbst womöglich irgendwann auch nicht mehr zu ertragen sein und er wird einfach genug haben - aber von ALLEM - nicht nur davon, bei seinen Eltern zu wohnen.
Ich kann nur beipflichten, Dein Bruder ist in höchstem Maße suizidgefährdet, wenn vielleicht noch nicht akut, dann in der sich anbahnenden Zukunft. Und wenn dann nicht gerade jemand da sein sollte, um ihn aufzufangen oder er beschließt auf Nummer sicher zu gehen, dann wars das - und zwar endgültig. Ich weiß nicht wie sein Verhältnis zu euren Eltern ist, vielleicht wartet er dann noch aus Rücksichtnahme ab, bis Sie beide dahingeschieden sind, aber spätestens dann wird er keinen Sinn mehr darin sehen können, ein einsames Dasein als gegängelter ALGII-Empfänger zu fristen.
Wenn jamand ne Idee hat, was man da tun kann, nur raus damit...

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7. November 2008 um 16:22

Nesthocker
Nesthocker

TV-Sendung auf Kabel eins sucht Mütter, die einen Sohn um die 30 haben, der das mütterliche Nest nicht verlassen will und im TV über Beweggründe und Erfahrungen sprechen möchte. Liebe Mütter bitte melden sie sich bei uns unter 030-327714119 oder redaktion@imago-tv.de

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29. März 2010 um 12:23

Vielleicht ne Idee
Hallo Meerjungfrau,
ich kann deine Sorgen gut verstehen. Ich habe da vielleicht ne Idee.
Ich bin Redakteurin und suche gerade für eine TV-Wochenserie "Nesthocker". Bei der Wochenserie geht es um folgendes: Vier Nesthocker ziehen in eine WG und haben so die Chance eine Woche lang das Leben auf eigenen Beinen zu testen ohne ein Risiko einzugehen. Die Kosten übernimmt natürlich die Produktionsfirma. Jetzt deknst du vielleicht "OK, aber was soll das bringen?" - ich habe als Redakteurin auch für Kabel 1 "Schluss mit Hotel Mama" gedreht - das ist ja ähnlich. Und ich kann dir nur sagen, dass meinen fünf Nesthocker mit denen ich gedreht habe, alle danach nicht mehr bei ihren Eltern ausgezogen sind. Wenn die Nesthocker nämlich ersteinmal das Leben in "Freiheit" probiert haben, finden sie es nach anfänglichen Widerständen doch ziemlich gut.
Kannst ja mal darüber nachdenken. Bei Interesse oder Fragen melde dich doch bitte per Mail bei mir: info@filmreif-tv.de - Im Betreff bitte "Carola Nesthocker" schreiben, da die Mails in der ganzen Redaktion auflaufen.
Lieben Gruß
Carola

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