Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Perspektivlosigkeit und Depression nach der Schulzeit

Letzte Nachricht: 21. September um 11:08
L
lou_ana
15.09.21 um 20:56

Hallo liebes Forum,

ich schreibe hier, weil ich nun an einen Punkt gekommen bin, an welchem mir jegliche Perspektive und Zuversicht fehlt. Vielleicht waren bzw. sind manche von euch in einer ähnlichen Situation. Ich werde versuchen, einmal das Ganze in Kurzfassung und nicht allzu dramatisch zu schildern.

Gerade habe ich (19) mein Abitur absolviert und wollte dieses Jahr (2021/22) zum Jobben nutzen sowie vor allem dafür, endlich wieder mehr Zeit mit meinen Freunden zu verbringen. Nur kam alles anders als gedacht. Erst einmal sank mein bereits zuvor niedriges Selbstwertgefühl wegen plötzlicher Hautprobleme noch mehr und ich versteckte mich ganze drei Monate im Zimmer in der Hoffnung, dass die gekauften Produkte endlich anschlügen.

Nebenbei und auch schon zuvor ist mein Freundeskreis, welcher mir aufgrund toxischer Familienverhältnisse und fehlende Nähe sehr wichtig war, langsam aber sicher auseinandergedriftet. Oft frage ich mich, ob dies meine Schuld ist und ob ich es hätte verhindern können, wäre ich nicht so zurückgezogen gewesen. Jedenfalls ziehen alle meine nahen Freunde (5 Personen) bald weg, da sie mit der Vergangenheit abschließen wollen. Wenn ich mich mit ihnen treffe, um die verbleibende gemeinsame Zeit zu genießen, bleibt meine innere Leere trotzdem bestehen und ich habe nicht viel zu sagen, da nun einmal auch nichts passiert. Die Pandemie sowie die überdurchschnittlich verregneten letzten Monate machen einem die Freizeitgestaltung auch nicht einfacher.

Also habe ich mir einen Job im Service gesucht, in welchem ich nun seit einem Monat arbeite und das auch gut hinbekomme. Doch ich hasse es, dort zu sein und mich zu verstellen.  Meine Depression und Verwirrtheit/Unaufmerksamkeit kann ich nicht abstellen und ich fühle mich jeden Tag viel zu schwach für alles. Die meisten meiner Kollegen sind ü50 (eigentlich hatte ich gehofft auf der Arbeit Gleichaltrige kennenzulernen) und können meine stille, unsichere Art teilweise nicht nachvollziehen. Außerdem lassen mir die Arbeitszeiten nichts vom Tag, da ich am späten Nachmittag arbeite und vormittags halt niemand etwas unternehmen möchte/kann. Aus diesen Gründen werde ich wohl wieder kündigen.

Gerne hätte ich einen praktischeren Nebenjob, der mir unter der Woche einen Alltag bietet, nur bin ich das Problem. An allem habe ich etwas auszusetzen, weil ich mit dem Leben insgesamt nicht mehr zurechtkomme und für jegliche soziale Situation zu müde bin. Für ein FSJ etc. ist es jetzt leider auch zu spät.

Im nächsten Jahr möchte ich mich auf zwei Studiengänge sowie einen Ausbildungsplatz bewerben, doch ich habe Angst, nicht gut genug zu sein und mich in einem Bewerbungsgespräch nicht behaupten zu können, da ich zu blöd/ungebildet bin und ein Lückenjahr haben werde.

Ich habe furchtbare Angst vor der Zukunft und diesem langen Jahr ohne Halt. Was mache ich ohne Energie, ohne Freunde, ohne Geld? 

Hoffentlich hat mein Beitrag euch nicht abgeschreckt, da er nun doch ein wenig länger und vor allem wehleidig geworden ist xD. Es würde mich sehr freuen, wenn jemand von euch mir einen Reality-Check oder Tipps geben könnte, wie ich aus diesem Loch heraukomme.

(Übrigens habe ich mir auch schon eine Therapeutin gesucht, aber die kann nun einmal mein Leben auch nicht an meiner Stelle herumreißen.)

LG und danke für eure Antworten
Louana
 

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S
skewm
15.09.21 um 22:44

Bei Hauptproblemen bitte zum Hautarzt gehen. Nichts selber kaufen. 

In dem cafe arbeitest du, um geld zu verdienen. Nicht, um gleichaltrige zu treffen. 

Freunde kommen und gehen im Leben.  Nur die wenigsten bleiben.  Das ist ganz normal. 

Du brauchst keine Angst vor der Zukunft zu haben.  Es geht immer auf und ab. Das ist normal.  Du solltest dennoch einen Arzt und Therapeuten aufsuchen und dir Hilfe geben lassen. 

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S
skewm
15.09.21 um 22:44

Bei Hauptproblemen bitte zum Hautarzt gehen. Nichts selber kaufen. 

In dem cafe arbeitest du, um geld zu verdienen. Nicht, um gleichaltrige zu treffen. 

Freunde kommen und gehen im Leben.  Nur die wenigsten bleiben.  Das ist ganz normal. 

Du brauchst keine Angst vor der Zukunft zu haben.  Es geht immer auf und ab. Das ist normal.  Du solltest dennoch einen Arzt und Therapeuten aufsuchen und dir Hilfe geben lassen. 

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R
roterregen
19.09.21 um 19:39

Hey Louana...
zuerst möchte ich dich einmal loben,... dass du dir einen Job gesucht hast, um neue Leute zu finden,... dass du eine Therapeutin gesucht und offenbar gefunden hast,... auch, dass du dich im Forum zu Wort gemeldet hast,... all das zeigt doch, dass du so schnell nicht aufgeben willst und bereit bist, etwas konkretes zu tun! Das ist toll! Find ich voll gut!
Eine psychische Erkrankung ist, - das weiß ich aus Erfahrung - eine richtige Herausforderung, vor allem weil man oder frau zuerst mal begreifen muss, dass man eine hat... und das nimmt einem niemand ab! Auch das hast du toll hingekriegt!
Das Wichtigste, und ich wiederhole mich jetzt vielleicht ein bissl, ist, dass du aktiv bist und Erfahrungen sammelst... Mann, ich beneide euch Frauen um eure frühe(re) Reife Für mich war das nicht so einfach zu durchschauen...
Ach, bevor ich es vergesse,... ein lückenhaftes Jahr ist bestimmt nicht so tragisch, solange du glaubhaft "machen" kannst, was dich zu diesem veranlasst hat... die meisten Arbeitgeber*innen legen bestimmt auch ein Augenmerk auf Lebenserfahrung! Da würde ich mit Gelassenheit versuchen zu agieren...
Ansonsten fällt es mir schwer, dir Tipps zu geben... bei deinen nächsten Versuchen, das Leben zu bewerkstelligen, könntest du vielleicht vorher gucken, was für Leute in dem Laden arbeiten... wobei... ich hatte auch immer schon Kontakt zu auch wesentlich älteren Menschen, die Gespräche waren einfach interessanter und hilfreicher für mich... 
Was auch den Horizont erweitern könnte, wäre Kontakt zu Nicht-Deutschen... bzw. Menschen mit Migrationshintergrund, oft ist da auch viel Neues zu sehen und zu erfahren... und man hat alle möglichen Dinge zu quatschen... haha... das macht echt Laune... weiß ja nicht wo du lebst, aber in größeren Städten gibt's meist spezifische Treffpunkte,... hier München gibt's beispielsweise das "EineWeltHaus" mit Café und allem drum und dran... 
Also, lass dich von so eher verständnislosen Kommentaren (Job nur zum Geld verdienen da und so) nicht entmutigen... das war der richtige Weg, meiner Meinung nach. Gleichaltrige Bekannte oder Freunde wirst du auf der Uni oder in der Ausbildung aber auch finden,... ganz sicher!
Was machst du ohne Energie? Das ist eine gute Frage! Geld und Freunde kommen quasi mit dem (deinem) Leben automatisch auf dich zu, da würde ich mir bei dir keine Sorgen machen,... aber Energie, das ist schon ein bisschen schwieriger... Früher hatte ich einen Hausarzt, welcher Schulmedizin und traditionelle chinesische Medizin praktizierte, was ich als absolute Bereicherung empfand. Chinesische Medizin arbeitet ganzheitlich, was bedeutet, ein*r kümmert sich um eine*n. Vielleicht wäre dieser Weg ja etwas für dich. Chinesische Medizin arbeitet viel a Energiehaushalt und dessen einwandfreier Funktion... Und vielleicht ist deine Hautgeschichte auch psychsomatisch... das wäre auch noch abzuklären, auf jeden Fall solltest du dafür eine*n Medizinier*in aufsuchen...
Jetzt hab ich so viel geschrieben, vielleicht war es ja auch ein bissl hilfreich!? Wirst sehen...
Alles Gute!
Tom

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E
einmensch
21.09.21 um 11:08
In Antwort auf lou_ana

Hallo liebes Forum,

ich schreibe hier, weil ich nun an einen Punkt gekommen bin, an welchem mir jegliche Perspektive und Zuversicht fehlt. Vielleicht waren bzw. sind manche von euch in einer ähnlichen Situation. Ich werde versuchen, einmal das Ganze in Kurzfassung und nicht allzu dramatisch zu schildern.

Gerade habe ich (19) mein Abitur absolviert und wollte dieses Jahr (2021/22) zum Jobben nutzen sowie vor allem dafür, endlich wieder mehr Zeit mit meinen Freunden zu verbringen. Nur kam alles anders als gedacht. Erst einmal sank mein bereits zuvor niedriges Selbstwertgefühl wegen plötzlicher Hautprobleme noch mehr und ich versteckte mich ganze drei Monate im Zimmer in der Hoffnung, dass die gekauften Produkte endlich anschlügen.

Nebenbei und auch schon zuvor ist mein Freundeskreis, welcher mir aufgrund toxischer Familienverhältnisse und fehlende Nähe sehr wichtig war, langsam aber sicher auseinandergedriftet. Oft frage ich mich, ob dies meine Schuld ist und ob ich es hätte verhindern können, wäre ich nicht so zurückgezogen gewesen. Jedenfalls ziehen alle meine nahen Freunde (5 Personen) bald weg, da sie mit der Vergangenheit abschließen wollen. Wenn ich mich mit ihnen treffe, um die verbleibende gemeinsame Zeit zu genießen, bleibt meine innere Leere trotzdem bestehen und ich habe nicht viel zu sagen, da nun einmal auch nichts passiert. Die Pandemie sowie die überdurchschnittlich verregneten letzten Monate machen einem die Freizeitgestaltung auch nicht einfacher.

Also habe ich mir einen Job im Service gesucht, in welchem ich nun seit einem Monat arbeite und das auch gut hinbekomme. Doch ich hasse es, dort zu sein und mich zu verstellen.  Meine Depression und Verwirrtheit/Unaufmerksamkeit kann ich nicht abstellen und ich fühle mich jeden Tag viel zu schwach für alles. Die meisten meiner Kollegen sind ü50 (eigentlich hatte ich gehofft auf der Arbeit Gleichaltrige kennenzulernen) und können meine stille, unsichere Art teilweise nicht nachvollziehen. Außerdem lassen mir die Arbeitszeiten nichts vom Tag, da ich am späten Nachmittag arbeite und vormittags halt niemand etwas unternehmen möchte/kann. Aus diesen Gründen werde ich wohl wieder kündigen.

Gerne hätte ich einen praktischeren Nebenjob, der mir unter der Woche einen Alltag bietet, nur bin ich das Problem. An allem habe ich etwas auszusetzen, weil ich mit dem Leben insgesamt nicht mehr zurechtkomme und für jegliche soziale Situation zu müde bin. Für ein FSJ etc. ist es jetzt leider auch zu spät.

Im nächsten Jahr möchte ich mich auf zwei Studiengänge sowie einen Ausbildungsplatz bewerben, doch ich habe Angst, nicht gut genug zu sein und mich in einem Bewerbungsgespräch nicht behaupten zu können, da ich zu blöd/ungebildet bin und ein Lückenjahr haben werde.

Ich habe furchtbare Angst vor der Zukunft und diesem langen Jahr ohne Halt. Was mache ich ohne Energie, ohne Freunde, ohne Geld? 

Hoffentlich hat mein Beitrag euch nicht abgeschreckt, da er nun doch ein wenig länger und vor allem wehleidig geworden ist xD. Es würde mich sehr freuen, wenn jemand von euch mir einen Reality-Check oder Tipps geben könnte, wie ich aus diesem Loch heraukomme.

(Übrigens habe ich mir auch schon eine Therapeutin gesucht, aber die kann nun einmal mein Leben auch nicht an meiner Stelle herumreißen.)

LG und danke für eure Antworten
Louana
 

Hi lou,
nach meinem Abitur habe ich auch ein Jahr gejobbt. Ich habe mich in der Arbeitswelt umgesehen und die Zeit genutzt verschiedene Jobs auszuprobieren und zu erleben. Bei späteren Vorstellungsgesprächen für Ausbildung und Studium kam das sehr gut an, da ich aktiv Erfahrungen gesammelt habe und herausfinden konnte was meine Stärken sind und was mich erfüllt. So kannst du das in Vorstellungsgesprächen sehr gut verpacken und ausrücken. Sieh dieses Jahr nicht als "Lückenjahr" an und benenne es auch nicht so! Du machst das bisher echt klasse, hast bereits einen Job. Versuch zwischen den Jobs nicht zu viel Zeit vergehen zu lassen.

Zu deinen Hautproblemen: geh wirklich zu einem Hautarzt/ einer Hautärztin, da werden dir am schnellsten die richtigen Mittel gegeben ich habe seit meiner frühsten Pubertät Akne. Ich weiß, dass man sich da oft echt bescheiden fühlt. Ich kann dir aber sagen: kein Mensch schaut da drauf oder denkt sich iwas gemeines dabei, das ist alles in deinen Kopf. Seit 1 1/2 Jahren ist meine Haut viel besser geworden, weil ich auf Zucker verzichte und mir professionelle Hilfe gesucht habe. Außerdem kann ich dir die Marke sunday Riley empfehlen.

Zu deinen Freunden: es ist ganz normal, dass sich Freundschaften nach dem Schulabschluss verändern. Versuche mit Freunden etwas zu unternehmen, wann immer du frei hast. Schäme dich nicht für deine Haut, umso öfter du raus gehst desto besser wirst du dich draußen fühlen, weil du merken wirst, dass deine Haut nicht der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit sein wird - sie ist einfach nur der Mittelpunkt in deinen Kopf! Die Veränderungen deines Körpers sind menschlich!

Du brauchst wirklich keine Angst vor der Zukunft zu haben! Mein abi war auch nicht das gelbe vom ei! Ich habe ein Jahr nach meinem Abschluss eine Ausbildung angefangen und in 10 Tagen beginne ich mein Studium! Gestehe dir selbst einfach ein bisschen Zeit zu, atme tief durch, probiere dich in der Arbeitswelt ein bisschen aus. Ich bin denselben weg gegangen wie du und es hat alles geklappt!

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