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Partner zieht sich nach Verlusten zurück

27. Januar 2017 um 10:45

Hallo Zusammen,
 
ich hoffe ich finde bei euch etwas Rat oder vielleicht gibt es jemanden, der ähnliches erlebt hat.
Ich kenne meinen Partner nun schon über 10 Jahre. Wir waren anfangs 4 Jahre zusammen und dann 2 Jahre getrennt, weil es damals nicht mehr funktionierte und er meinte, ihm würde seine Freiheit fehlen. Nach 2 Jahren Trennung haben wir dann wieder zueinander gefunden und sind nun seit über 4 Jahren wieder ein Paar. Wie in jeder Partnerschaft gab es Höhen und Tiefen aber im letzten Jahr ging es dann langsam bergab.
Erst starb seine Oma, die im Heim lebte. Seine Oma hat sehr stark abgebaut und hat kaum noch etwas mitbekommen, ich weiß, dass ihn das sehr belastet hat. Ihr Tod war abzusehen, so dass er sich auch noch verabschieden konnte, trotzdem war es nicht leicht für ihn.
Parallel zu dieser Zeit wurde bei seiner Tante Leukämie festgestellt. Lange wurde kein Spender gefunden, auch das hat an seinen Nerven gezerrt. Auch heute geht es seiner Tante noch nicht gut, sie muss oft zum Arzt und ins Krankenhaus wegen div. Untersuchungen. Jedes Mal hat man natürlich die Angst, dass die Werte schlechter geworden sind.
Als dies alles passierte, konnte ich noch keine großartige Veränderung feststellen, weder an ihm, noch an unserer Beziehung.
Im Oktober hat sich dann jedoch alles verändert. Sein Vater, zu dem er seit 17 Jahren keinen Kontakt mehr hatte, ist verstorben. Seine Eltern haben sich zu dem Zeitpunkt getrennt, er hat in seiner Jugend noch einige Male versucht ihn zu sehen, wurde allerdings von ihm versetzt. Sein Bruder wollte in den vergangenen Jahren immer mal wieder den Kontakt zu deren Vater suchen, er wollte es jedoch nicht. Im Oktober kam dann von deren Onkel die Nachricht, dass deren Vater verstorben sei. Kurze Zeit nach dieser Nachricht wurde mein Partner dann sehr komisch, nachdenklich, in sich gekehrt. Er sagte, er hätte viele offene Fragen. Es gab daraufhin ein Gespräch mit deren Onkel, allerdings blieben die meisten Fragen unbeantwortet und gegenüber seiner Mutter hat er geäußert, dass er doch gerne noch mal mit seinem Vater gesprochen hätte, es aber nun ja nicht mehr möglich sei.
Ich weiß nicht, was gerade der Tod seines Vaters in ihm ausgelöst hat, aber in einem schleichenden Prozess hat er sich immer mehr zurückgezogen. Er redet kaum noch, ist sehr launisch, schläft viel, geht kaum raus, sagt er würde gerne seine Sachen packen und einfach irgendwo hin, wo ihn niemand kennt und sein Handy ausstellen, stellt unsere Zukunft in Frage, wobei er dort auch sehr widersprüchlich ist. Wenn ich ihn frage wie er sich die Zukunft vorstellt, hat er darauf keine Antwort. Ich glaube er ist in ein Loch gefallen und gibt täglich alle Kraft, um auf Arbeit und in der Familie, zu funktionieren. Bei mir kann er das offenbar gerade alles nicht mehr. Ich habe die ganze Zeit versucht zu kämpfen, Mittel und Wege zu finden um uns wieder auf einen Weg zu bringen, aber er lässt sich derzeit auf nichts ein. Nun hat seine Mutter auch noch vor längerem einen Unfall gehabt, wovon sie noch körperliche Beschwerden hat und der Antrag einer Behinderung im Raum steht, außerdem hat sie nun Probleme mit dem Blutdruck. Da scheint er sich auch sehr zu sorgen, jedenfalls nach ihrer Aussage. Außerdem ist es auch nicht seine Jahreszeit, der Winter hat ihm schon immer zu schaffen gemacht.
Wir sind nun an einem Punkt, wo er sagt er zieht erst mal aus, um Abstand zu gewinnen. Ob und wie es mit uns weitergeht, könne er momentan nicht sagen. Da ich diesen Zustand allerdings nicht ertrage, werde ich vorübergehend erst mal bei einer Freundin unterkommen. Ich kann mein Gefühl auch nicht beschreiben, ich habe einfach den Eindruck, dass er erst einmal zur Ruhe kommen und sich sammeln muss. Ich würde ihm dabei gerne helfen, aber er lässt mich einfach nicht. Ich habe aber auch nicht den Eindruck, dass er uns aufgegeben hat, vielmehr glaube ich, dass er zu viel im Kopf hat, um sich unserer Beziehung anzunehmen und mir deswegen vor den Kopf stößt.
Ich hoffe einfach, dass der Abstand uns hilft, um klare Gedanken zu fassen und uns wieder mehr auf uns zu konzentrieren. Ich habe ihm auch gesagt, dass ich mich erst mal nicht melden werden. Daraufhin fragte er gleich, ob ich denn antworten würde, wenn er sich meldet. Ich werde ihm, wenn ich gehe, noch einmal meine Gedanken schreiben und ihm sagen, er solle drüber nachdenken und mir nicht antworten. Ich habe einfach die Hoffnung, dass er mich vermissen und ihm klarwerden wird, dass wir zusammengehören und er Hilfe benötigt.
Hat jemand vielleicht ähnliches erlebt und kann mir Tipps geben?
 

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