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Partner von Grenzgängern

27. August 2012 um 8:30

Ich habe hier viel zu Grenzgängern und SVV geschrieben, ich werde deswegen auch immer mal per PN angeschrieben.

Was mir deutlich dabei auffällt:
Partner von Grenzgängern hier im Forum oder per PN schreiben, wenn die Beziehung beendet oder nicht mehr tragbar ist - warum so spät?

Wie habt Ihr uns denn vorher gesehen, habt Ihr geglaubt, dass es nicht so schlimm ist, bis es eskalierte?
Hat Euch das Wissen, was Ihr von Eurem Partner oder anderen (wem?) hattet, genügt?
Wolltet Ihr Euch nicht damit beschäftigen, weil Euch das Thema zu unangenehm ist?

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27. August 2012 um 10:28

Borderliner
Ich verwende das Wort "Borderline" zutiefst ungern weil es so oft vergewaltigt und missbraucht wurde, dass bei dem Wort allein schon überall die Schotten fallen. Daher weiche ich auf die nicht ganz so gebräuchliche, dafür nicht so negativ vorverurteilte deutsche Bezeichnung "Grenzgänger" aus

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27. August 2012 um 10:40


Das wäre auch ein Thema.

Mit den Ossis / Wessis ist es wie mit McDonalds - keiner geht hin, aber dort ists immer voll. Oder mit der Bild-Zeitung, die keiner kauft, die aber doch super Auflagen hat.
Genauso hat natürlich auch niemand Probleme mit der anderen Hälfte, aber da die retuschierten Unterschiede nun mal existieren, kracht es trotzdem immer

Aber das ist eben ein anderes Thema und das liegt mir jetzt weniger am Herzen

Bei Borderlinern gehen viele Beziehungen kaputt, meist unter überaus unschönen Umständen. Aus meiner Sicht wären die meisten davon vermeidbar - mit Information und Technik - aber ich befürchte, in der alltäglichen Praxis ist das leider die totale Ausnahme. Darunter leiden beide Seiten nicht wenig.

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27. August 2012 um 11:12

^^
Also "schwierige Partner" sind "nichts Gescheites"?

Aha. Na dann lass Dir mal von einer "nicht Gescheiten" erklären, warum wir "schwierig" sind. ^^

Ausdrücklich: das ist meine persönliche ( ) Meinung, die offizielle Version kann jeder bei Wikipedia & Co lesen.

Wir haben im wesentlichen zwei Probleme: unsere Wahrnehmung und unsere Gefühle.

Um mit den Gefühlen zu beginnen: Sie sind für uns überaus intensiv, oft intensiver als erträglich, wenn wir nicht gegensteuern. Sie beruhigen sich auch kaum "von allein" wieder, wir müssen aktiv "zur Ruhe kommen" - oder es steigert sich, bis alles eskaliert.
Ein Grenzgänger, der nicht weiß, wie er / sie damit umgehen kann, ertrinkt förmlich in Gefühlen, die zu stark sind, um sie zu handhaben. Irgendwann schlägt man nur noch blind um sich, weil man völlig überladen ist und alles nur noch aus rotem Schmerz besteht.

Teil 2: Wir reagieren oft auf Situationen, die nur für uns selbst existieren.
Exkurs in die Theorie: Jede menschliche Wahrnehmung ist immer gefiltert, bewertet und interpretiert. Eine Freundin lobt Euer neues Kleid an einem Tag wo Ihr Euch toll fühlt. - Wunderbar. Jetzt stellt Euch vor, eine Dame, der Ihr zutiefst misstraut und die Ihr nicht mögt, sagt an einem dieser Tage, wo irgendwie alles quer läuft den gleichen Satz, auch mit der gleichen Intonation. Ihr werdet etwas völlig anderes wahrnehmen, auch wenn das "Gesendete" gleich ist.
In dieser Form ist das bei jedem Menschen so und völlig normal. Bei uns ist es das gleiche Prinzip aber sehr, sehr viel drastischer. Ein Wort, ein Bild, irgendein Funke kann eine unglaublich schmerzhafte Erinnerung wachrufen - und wir reagieren auf die Erinnerung, die durch ein Wort ausgelöst wurde, nicht auf den Satz, der gesagt wurde. Als ein Beispiel, die komplette Beschreibung füllt Bücher.

Im Grunde müssen wir also ständig bewusst im Auge behalten, was unsere Gefühle gerade machen und stufenweisen einen "aktiven Kühlkreislauf" zuschalten und wir müssen ständig die Perspektive wechseln, um herauszufinden, ob wir gerade auf etwas reagieren, was nur für uns wahrnehmbar ist.

Die allgemeinen Symptome sind oft Folgen von diesem Gefühlsfasching. Selbstverletzung ist beispielsweise häufig - wobei längst nicht jeder, der sich selbst verletzt auch ein Borderliner ist.

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27. August 2012 um 12:24

Genau darum geht es mir
Ja, wenn man sich fühlt, wie ein in die Ecke getriebenes verletztes Tier, KANN nicht reden, auch wenn es darauf ankommt.

Ja, viele Grenzgänger greifen zu Alkohol und Drogen - genau wie Selbstverletzung ein recht verzweifelter Versuch, zu betäuben, was einen auffrisst.

Ja, wer mit sich selbst nicht klar kommt, reagiert anderen gegenüber entweder zu panisch oder zu gleichgültig. Entweder mit zu wenig "Rückmeldung" / "Bestätigung" (also zu passiv) oder zu aggressiv.

Die Ursachen dafür können 1000 verschiedene sein, aber unter genau diesen Folgen leiden Beziehungen von Grenzgängern eben auch und damit die Grenzgänger und Ihre Partner.
Nicht weil es unvermeidlich wäre, sondern leider i.d.R. weil sie es nicht besser wissen.

Borderline ist auch hierzulande oft eine Fehldiagnose, selbst wenn man die offiziellen Diagnosekriterien zu Grunde legt - Wir sind immer Individuen, mit dem Wort "Borderline" ist nicht alles gesagt.
Es ist auch für so manchen (sei es direkt oder indirekt betroffen - also um es lieber mal klar zu sagen, bevor das Geschrei losgeht: Für denjenigen der Borderliner sein soll UND dessen Angehörige / Partner / Freunde usw.) eine immer wieder gern gewählte Ausrede mit einem bequemen Schuldigen.

Schon deswegen spreche ich vorzugsweise nicht von Borderlinern sondern eben von Grenzgängern.

Natürlich muss jeder selbst entscheiden, ob er / sie eine Beziehung mit einem Grenzgänger eingehen sollte, wenn sich da jemand überschätzt, sind die Folgen für beide Seiten arg.
Ich weiß schon auch, dass es schwer ist, die Frage "Würdest Du eine Beziehung mit jemandem eingehen, auch wenn der eine psych. Krankheit hat" mit "Nein!" zu beantworten.
Irgendwie wäre das ja moralisch verwerflich in unserer ach so toleranten Welt - nein, ist es nicht. Es entsteht mehr Leid aus einer Fehleinschätzung.
Außerdem glaube ich, hat wohl jeder so den Traum, der "weiße Ritter" zu sein, mit dem alles wieder gut ist, wo nur wahre Liebe kommen muss und schon kann man alles schaffen und alle Wunden sind geheilt und von da an waren sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Bullshit. (Pardon) Aber leider ist diese Schnapsidee weit verbreitet.

Letztlich führt das zu der Frage, wegen der ich den Thread eröffnet habe: Warum suchen so viele erst, wenn es schon zu spät ist?

Vielleicht sind sie vorher nicht auf die Idee gekommen, in diese Richtung zu schauen, weil sie nicht wussten, wonach sie suchen - aber wenn es nicht gerade irgendwo im "Finale" verkündet wird, hätten sie es vorher genauso gut herausfinden können, wie danach.

Auch zu einer schwierigen Beziehung gehören immer zwei Personen.

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27. August 2012 um 14:25

Ich denke tatsächlich dass eine Beziehung immer an *zwei* Menschen scheitert
Ich bin ein Freak, das weiß ich selbst.
Ich bin seit 37 Jahren von Menschen umgeben, die anders denken, empfinden, agieren und reagieren als ich. Es sind seltene Ausnahmen, wo jemand so reagiert, wie es aus meiner ganz persönlichen Perspektive "logisch" wäre. Die Menschen "ticken" nicht so wie ich. "why can't you... trip like I do..." - ein Song von Crystal Method... uralt und geht mir nie aus dem Kopf

Ich weiß, dass es unglaublich schwer ist, mit mir umzugehen. Es gibt für mich Tage, da kann ich Berührungen anderer Menschen, selbst von meinem Mann, nur bewusst annehmen. Ich muss bewusst zulassen, dass sie mich umarmen, dabei den Drang, einfach nur schnell wegzurennen, niederkämpfen und mir Scheibchen für Scheibchen klar machen, dass das jetzt nichts unangenehmes ist und erst dann bin ich bei dem, was bei der Umarmung eines Partners "passieren sollte". Ein Beispiel von vielen, wahrscheinlich eines, was selbst für Grenzgänger extrem ist.
Ich glaube keine Sekunde lang, dass das für meinen Mann leicht ist.
Was meinst Du habe ich für Vorstellungen davon, was ich für ein Mensch bin? Ich wollte nie heiraten und ich zweifle immer wieder, ob ich mich nicht hoffnungslos überschätzt habe damit und lieber hätte am Altar panisch die Flucht ergreifen sollen. Aber ich weiß auch, dass ich das ändern kann. So, dass wir beide glücklich sind.

Jetzt mal eine, entschuldige, sehr provokante Frage: Du gehst davon aus, dass nichts an Dir liegt. Aber - Du triffst "irgendwie" immer nur auf die Typen, die "nichts Gescheites" sind und "schwierig"?
Glaubst Du, die Nornen haben Dir ein Kreuz auf den Rücken gezeichnet und hüllen Dich in die Schwärze der Nacht selbst, dass Du das immer erst nach ein paar Monaten erkennen kannst?

Ich glaube, in jeder Beziehung, die länger als 3 Wochen dauert, gibt es verbindendes und trennendes.
Ich glaube, keine Person ist machtlos.
Ja, es ist wohl leider oft der Fall, dass es an Wissen, Information und Erkenntnis fehlt, unter anderem deswegen schreibe ich hier.

Ich weiß auch, dass viele Menschen in unserer Umgebung das Gefühl haben, dass sie immer nur nachgeben müssten, immer nur zurückstecken müssten, immer nur Rücksicht nehmen müssten, immer nur ... ... ... und sich sooooooooo aufopfern und so viel geben ohne selbst was zu erhalten, etc. - Leute, es kommt nicht darauf an, wie viel Ihr tut!
Am Ende des Tages zählt nicht, wie viel Wasser den Berg hoch getragen wurde. Es zählt nur, wie viel noch auf dem Berg ist!

Mit anderen Worten: Sich aufzureiben beim Zurückstecken und Rücksichtnehmen ist ein großes, aber völlig sinnloses Opfer. In jedem Falle bei uns Grenzgängern. Es ändert nichts, es hilft nichts, es nützt nichts. Also, man möge mir das Urteil verzeihen, ist es auch nicht "richtig", oder?

Ja, es gibt ein paar Dinge, die anders laufen müssen. Keine Frage. Das sind - auch keine Frage - nicht nur Kleinigkeiten. Aber wenn einer das Gefühl hat, völlig oder hauptsächlich einseitig zu geben, dann machen *beide* etwas falsch und nicht nur einer.

Ich würde vermuten, etwas ähnliches ist es auch bei Dir. Du hast immer nur gegeben, gegeben, gegeben und das Gefühl gehabt, nichts (bzw. zu wenig) dafür zu erhalten, richtig? Du weißt nicht, was Du sonst hättest tun können. Das heißt nicht, dass es nichts gibt.

Ja, sehr wahrscheinlich fehlte Deinem Partner Information, Wissen und Erkenntnis, aber nach dem, was ich Deiner Beschreibung entnehmen kann - Dir auch.

Als "schwieriger Mensch" kann ich Dir sagen, dass sich selbst zurücksetzen und ähnliches die falsche Strategie im Umgang mit "schwierigen" Menschen ist.
Ja, ich denke, dass ich das so pauschal sagen kann, obwohl es so viele verschiedene "Schwierigkeiten" geben kann, so viele Gründe, so viele Ursachen. Weil es zwangsläufig (!) dazu führt, dass mindestens einer, möglicher Weise beide (bzw. alle, wenn man familiiären Kontext statt reiner Partnerschaft mit einbezieht) unglücklich sind.
Es ist "nicht richtig", weil auf diesem Wege ein "Happy End" nicht einmal theoretisch möglich ist, oder siehst Du das anders?

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27. August 2012 um 14:40

Eine Ergänzung
Liebe Leute, ich weiß selbst, dass ein Laie - und das ist zwangsläufig jeder, der damit noch nie zu tun hatte und das sind leider Grenzgänger selbst auch viel zu oft, Laien in eigener Sache, das nicht mal eben diagnostizieren und sortieren und lösen kann.

Liebe Leute, ich weiß selbst, dass es mit einem Grenzgänger kaum eine "leichte" Beziehung geben wird. Um nicht zu sagen keine leichte Beziheung geben wird.

Selbstreflektion ist etwas, was ich leider nicht vermeiden kann, soweit ist mir das schon klar, auch als blonde Frau

Aber es gibt verschiedene Stufen zwischen "schwierig" und "tot" - Wenn man einen Punkt findet, warum erst bei "tot" bzw. "auf dem Sterbebett" danach gesucht wird, hat man die Möglichkeit, dass andere Paare das vielleicht vermeiden können.

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1. September 2012 um 11:52

...beendet oder nicht mehr tragbar ist - warum so spät?
Weil man wohl am Anfang gar nicht weiß was Borderline wirklich bedeutet. In Filmen wird es immer extrem dargestellt und im Realen stellt man dann am Partner fest das dies erstmal nicht so schlimm erscheint. Jeder Borderliner ist doch eben auch anders. Außerdem ist man in die Person doch verliebt und die Hoffnung stribt wie man weiß zu Letzt... Aus meiner Erfahrung mit Borderlinerinnen kann ich nur sagen

a) der Partner kann viel beeinflussen je nachdem ob er/sie sich über Borderline informiert hat.

b) eine Partnerschaft mit BorderlinerInnen die keine Therapie machen weil sie sagen sie brauchen dies nicht oder wären nach 3 Monaten "geheilt" kann nicht funktionieren.

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1. September 2012 um 15:40
In Antwort auf nixdiedumm

...beendet oder nicht mehr tragbar ist - warum so spät?
Weil man wohl am Anfang gar nicht weiß was Borderline wirklich bedeutet. In Filmen wird es immer extrem dargestellt und im Realen stellt man dann am Partner fest das dies erstmal nicht so schlimm erscheint. Jeder Borderliner ist doch eben auch anders. Außerdem ist man in die Person doch verliebt und die Hoffnung stribt wie man weiß zu Letzt... Aus meiner Erfahrung mit Borderlinerinnen kann ich nur sagen

a) der Partner kann viel beeinflussen je nachdem ob er/sie sich über Borderline informiert hat.

b) eine Partnerschaft mit BorderlinerInnen die keine Therapie machen weil sie sagen sie brauchen dies nicht oder wären nach 3 Monaten "geheilt" kann nicht funktionieren.

Über Borderline informieren...
... wird nicht ausreichen - meiner voreingenommenen Meinung nach.

Über den Partner informieren. Auch wenn uns allen einiges gemeinsam ist - Die Trigger (=Auslöser) für heftige Gefühlsreaktionen undterscheiden sich gravierend meiner Erfahrung nach. Die sicht auf die eigene Person unterscheidet sich. Nicht jeder hat einen Selbsthass, die meisten haben begleitende "Störungen" / Folgeerkrankungen, aber auch die unterscheiden sich. Es ist nicht für alle das gleiche anstrengend nicht für alle das gleiche erholsam.

Man muß sich darauf einstellen, dass man mit einem Menschen zusammenlebt, der Dinge *nicht kann* in denen man selbst kein Problem erkennen kann.

"Heilung" - gibt es meiner Meinung nach in Einzelfällen, generell glaube ich nicht daran. Aber man kann immer für sich einen Weg finden, würdig, mit innerer Zufriedenheit und Glück damit zu leben statt sich und andere zu zerfleischen.

Was die Therapie angeht: einfach "laufen lassen" wird nie "gut" enden sondern mit steter Regelmäßigkeit gegen einen Baum fahren. Wie jeder chronisch kranke Mensch, müssen wir uns an ein paar Reglen halten, die wir höchstens für ein paar Wochen in Spitzenzeiten mal ignorieren können, nie länger. Aber wenn Du mit Therapie dieses offizielle Zeug im Krankhenhaus / bei Psychologen / Psychatern / Psychotherapeuten meinst, die hilft leider nicht jedem. Jeder von uns sollte das machen, auch mehrmals, weil man hoffentlich zumindest grundlegende Dinge lernt, aber der Stein der Weisen ist das leider nicht automatisch.

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