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Papa gestorben

12. November 2008 um 0:00

Hallo !!!

Eigentlich ist es nicht so mein Ding, mit Fremden darüber zu reden. Aber vielleicht tut es mir ja mal ganz gut.

Mein Papa ist Anfang Oktober an Krebs gestorben

Es war alles sehr schnell. Mitte August kam er ins Krankenhaus. Er war dann auch nach 2 Wochen Aufenthalt 1 Woche wieder zuhause und dann fing es an, dass er Wasser in den Beinen hatte. Nachdem der Hausarzt das nicht mehr unter Kontrolle bekam, wurde er wieder ins Krankenhaus eingeliefert. Die Ärzte meinten noch, dass man eine Art Chemotherapie - nachdem das Wasser weg ist - anfangen kann, wenn er sich wieder ein bißchen von der OP vom 1. Aufenthalt erholt hat. Naja. Und das Wasser wurde immer schlimmer und schlimmer.

An einem Samstag riefen wir bei meinem Papa im Krankenhaus an und er meinte, dass es ihm gar nicht gut geht. Als wir dann bei ihm im Krankenhaus waren, sagte er uns, dass ein Arzt gekommen sei und gesagt hat, dass er sterben muss. Er bat den Arzt, am nächsten Tag doch noch einmal zu kommen, um uns (meiner Mutter und mir) das nochmals zu erklären. Als uns der Arzt dann am nächsten Tag das so erzählt hat, kam ich mir vor wie in einem schlechten Film. Er meinte "regeln Sie noch alles, was Sie regeln können". Am nächsten Tag meinte wiederum ein anderer Arzt, dass man die ganze Sache noch nicht sooo schwarz sehen sollte. Wir steckten also alle Hoffnung noch hinein, dass alles gut werden würde. Einen Tag ging es ihm gut, am anderen wieder weniger gut. Das Wasser stieg aber stetig an. Seine Füße waren so dick - ich darf gar nicht daran denken. Er hatte uns auch noch gesagt, wie er sich seine Beerdigung vorstellt, dass er verbrennt werden will ... Das war schon so schlimm für mich.

An dem einen Abend dann rief die Nachtschwester an und meinte, dass wir doch kommen sollen, da es sein könnte, dass mein Vater die Nacht nicht überlebt. Wir stiegen also sofort ins Auto und fuhren ins Krankenhaus. Er hatte bereits Morphium erhalten, weil er so unruhig war. Nachdem wir die ganze Nacht dann bei ihm verbrachten und er am nächsten Tag in der Früh aufgewacht war, meinte er "was macht ihr denn schon hier" )

An diesem Tag wurde er noch in ein Hospitz gebracht. Am Abend bin ich dann nachhause gefahren und meine Mutter wollte über Nacht bleiben. Wir hatten dann auch noch telefoniert und sie meinte, dass er ganz friedlich schläft. Um ca. 20.45 Uhr klingelte dann das Telefon. Es war meinte Tante die meinte, dass meine Mutter angerufen hat, dass es ganz schlecht aussieht. Wir sind dann natürlich sofort ins Hospitz gefahren. Als wir ankamen, stand meine Mutter auf dem Flur und ich dachte schon, dass wir zu spät seien. Die Schwestern waren bei ihm im Zimmer und wollten ihn "lagern", als auf einmal eine Schwester sagte, dass wir schnell kommen sollen. Wir gingen also in sein Zimmer und da lag er mit ganz weit aufgerissenen Augen und offenem Mund. Ich brach da schon fast zusammen und wir alle fingen natürlich zu weinen an. Dann machte mein Vater noch drei bis vier Luftzüge und ist dann verstorben.

Das ganze ist so unfassbar für mich, meine Mutter, mein Bruder (21 Jahre) und natürlich alle Angehörigen und Freunde.

Mir gehen diese Bilder immer und immer wieder im Kopf herum. Besonders abends ist es so schlimm. Untertags bin ich in der Arbeit und bin abgelenkt. Es ist so schwer, ein Elternteil zu verlieren, also ob jemand einem einen Arm o.ä. herausgerissen hätte.

Wir hatten ein SUPER Verhältnis zueinander. Ich habe 2 Tage später geträumt, dass er zu mir gesagt hat, dass er noch nicht so schnell weg ist. Das hat mich irgendwie ein kleines bißchen getröstet. Es war auch irgendwie ein ganz anderer Traum als sonst.

Ich möchte hier auf diesem Weg jemand suchen, der auch so wie ich ein Elternteil so jung verloren hat. Ich bin 29 und mein Vater ist erst 54 Jahre alt geworden. (Bitte nur ehrlich gemeinte Antworten)

Wie habt ihr das ganze verarbeitet? Wie lange hat es bei Euch gedauert, bis der Schmerz nachgelassen hat? Lässt der Schmerz überhaupt nach?

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12. November 2008 um 22:08


Hallo!

Zu aller erst, mein herzliches Beileid!!

Mir geht es ähnlich wie Dir!
Mein Papa ist letztes Jahr im Januar gestorben, er war 51 Jahre alt und ich 27 Jahre. Er ist an den Folgen einer verschleppten Erkältung gestorben. Ich bin an dem Tag nach Arbeit gefahren und es war noch alles ok und als ich abends nach Hause kam, war mein Papa tot. Er hat noch selbst den Notruf angerufen, was mich davor bewahrt hat ihn tot zu finden. Dafür danke ich ihm unendlich! Ansonsten wär ich jetzt auch nicht mehr hier!!

Ich habe weiter unten noch mehr dazu geschrieben. Kannst ja mal den Thread vom 12.10.08 (Er fehlt mir soooo) lesen.

Mein Papa war und ist die wichtigste Person in meinem Leben. Er ist mir ein Vorbild in allen Hinsichten!!!

Auf jeden Fall wird der Schmerz nicht weniger. Er fehlt mir jeden Tag mehr!!!
Ich versuche damit zu leben, was sich aber nicht einfach gestaltet.

Ich hatte ein ganze Zeit nach seinem Tod auch ganz eingenartige Träume. Ich bin der Meinung er wollte mir den "Abschied" einfacher machen.


Alles Liebe für Dich!!

Anja

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12. November 2008 um 22:13
In Antwort auf inken_11887498


Hallo!

Zu aller erst, mein herzliches Beileid!!

Mir geht es ähnlich wie Dir!
Mein Papa ist letztes Jahr im Januar gestorben, er war 51 Jahre alt und ich 27 Jahre. Er ist an den Folgen einer verschleppten Erkältung gestorben. Ich bin an dem Tag nach Arbeit gefahren und es war noch alles ok und als ich abends nach Hause kam, war mein Papa tot. Er hat noch selbst den Notruf angerufen, was mich davor bewahrt hat ihn tot zu finden. Dafür danke ich ihm unendlich! Ansonsten wär ich jetzt auch nicht mehr hier!!

Ich habe weiter unten noch mehr dazu geschrieben. Kannst ja mal den Thread vom 12.10.08 (Er fehlt mir soooo) lesen.

Mein Papa war und ist die wichtigste Person in meinem Leben. Er ist mir ein Vorbild in allen Hinsichten!!!

Auf jeden Fall wird der Schmerz nicht weniger. Er fehlt mir jeden Tag mehr!!!
Ich versuche damit zu leben, was sich aber nicht einfach gestaltet.

Ich hatte ein ganze Zeit nach seinem Tod auch ganz eingenartige Träume. Ich bin der Meinung er wollte mir den "Abschied" einfacher machen.


Alles Liebe für Dich!!

Anja

......
Sorry, mein Thread (Er fehlt mir sooo) ist vom 16.10.08!

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13. November 2008 um 19:20

Hallo
Erstmal mein Beileid!

Mein Papa ist vor 3 Jahren gestorben. Es war kurz vor Weihnachten. Ich war damals 19 Jahre alt, er 48.

Es ging alles so schnell. Er hat plötzlich höllische Bauchschmerzen bekommen. Wir sind dann mit ihm ins Krankenhaus gefahren. Dort erst mal nach der Ursache gesucht und keine gefunden. Nach paar Stunden haben sie ihn notoperiert, weil sie einen Magendurchbruch vermuteten. Dem war leider nicht so. Sein ganzer Darm war abgestorben und er ist dann 5 Stunden darauf gestorben.

Mir sitzt das heute noch sehr sehr tief in den Knochen. Der Schmerz lässt nach. Aber trauern wirst du wohl immer um deinen Papa. Ich habe es heute noch nicht so ganz verkraftet. Er fehlt halt doch an allen Ecken und Enden. Und es wird noch viele viele Momente in meinem Leben geben, wo er mir sehr sehr fehlen wird....

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16. November 2008 um 15:26

Hallo !
Danke Euch für Eure Antworten. Es hilft mir doch ein wenig, über andere Erfahrungen zu lesen. Würde mich auf jeden Fall freuen, weiter von Euch zu hören.

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16. November 2008 um 16:35

Ich verstehe dich
Hallo,

ich kann dich sehr gut verstehen. Ich bin 23. Mein Vater starb als ich 10 Jahre alt war mit 41 und meine Mutter ist gerade kurz davor an Krebs zu sterben, sie ist 53. Mein Vater ist einfach tot umgefallen, da hatte ich wenigstens vorher eine unbeschwärte Zeit mit ihm. Bei meiner Mutter kann ich jetzt einfach nur zuschauen, wie es ihr immer schlechter geht. Ich befinde mich also in der "gleichen" Situation wie du.

Ich glaube der Schmerz wird nie richtig aufhören immerhin war es dein Vater. Ist bei mir genauso. Aber mit der Zeit denkt man gerne an die schöne Zeit zurück die man hatte. Als ich 10 war hat niemand so richtig mit mir gesprochen, das Leben ging halt einfach weiter. Jetzt weiß ich ja was auf mich zu kommt und kann schon darüber sprechen. Ich kann dir nur empfehlen nimm dir so viel Zeit wie du brauchst zum Trauern. Es gibt da keine Regel. Vieleicht hilft dir ja auch ein Therapeut oder eine Gesprächsgruppe!? Nur schotte dich nicht ab, geh raus, mach Sport oder so, das hilft dir sicher!

Ich würde mich freuen von dir zu hören, wie es dir geht und wie du damit umgehst!?

Liebe Grüße

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2. April 2017 um 13:08
In Antwort auf dariea_12524432

Hallo !!!

Eigentlich ist es nicht so mein Ding, mit Fremden darüber zu reden. Aber vielleicht tut es mir ja mal ganz gut.

Mein Papa ist Anfang Oktober an Krebs gestorben

Es war alles sehr schnell. Mitte August kam er ins Krankenhaus. Er war dann auch nach 2 Wochen Aufenthalt 1 Woche wieder zuhause und dann fing es an, dass er Wasser in den Beinen hatte. Nachdem der Hausarzt das nicht mehr unter Kontrolle bekam, wurde er wieder ins Krankenhaus eingeliefert. Die Ärzte meinten noch, dass man eine Art Chemotherapie - nachdem das Wasser weg ist - anfangen kann, wenn er sich wieder ein bißchen von der OP vom 1. Aufenthalt erholt hat. Naja. Und das Wasser wurde immer schlimmer und schlimmer.

An einem Samstag riefen wir bei meinem Papa im Krankenhaus an und er meinte, dass es ihm gar nicht gut geht. Als wir dann bei ihm im Krankenhaus waren, sagte er uns, dass ein Arzt gekommen sei und gesagt hat, dass er sterben muss. Er bat den Arzt, am nächsten Tag doch noch einmal zu kommen, um uns (meiner Mutter und mir) das nochmals zu erklären. Als uns der Arzt dann am nächsten Tag das so erzählt hat, kam ich mir vor wie in einem schlechten Film. Er meinte "regeln Sie noch alles, was Sie regeln können". Am nächsten Tag meinte wiederum ein anderer Arzt, dass man die ganze Sache noch nicht sooo schwarz sehen sollte. Wir steckten also alle Hoffnung noch hinein, dass alles gut werden würde. Einen Tag ging es ihm gut, am anderen wieder weniger gut. Das Wasser stieg aber stetig an. Seine Füße waren so dick - ich darf gar nicht daran denken. Er hatte uns auch noch gesagt, wie er sich seine Beerdigung vorstellt, dass er verbrennt werden will ... Das war schon so schlimm für mich.

An dem einen Abend dann rief die Nachtschwester an und meinte, dass wir doch kommen sollen, da es sein könnte, dass mein Vater die Nacht nicht überlebt. Wir stiegen also sofort ins Auto und fuhren ins Krankenhaus. Er hatte bereits Morphium erhalten, weil er so unruhig war. Nachdem wir die ganze Nacht dann bei ihm verbrachten und er am nächsten Tag in der Früh aufgewacht war, meinte er "was macht ihr denn schon hier" )

An diesem Tag wurde er noch in ein Hospitz gebracht. Am Abend bin ich dann nachhause gefahren und meine Mutter wollte über Nacht bleiben. Wir hatten dann auch noch telefoniert und sie meinte, dass er ganz friedlich schläft. Um ca. 20.45 Uhr klingelte dann das Telefon. Es war meinte Tante die meinte, dass meine Mutter angerufen hat, dass es ganz schlecht aussieht. Wir sind dann natürlich sofort ins Hospitz gefahren. Als wir ankamen, stand meine Mutter auf dem Flur und ich dachte schon, dass wir zu spät seien. Die Schwestern waren bei ihm im Zimmer und wollten ihn "lagern", als auf einmal eine Schwester sagte, dass wir schnell kommen sollen. Wir gingen also in sein Zimmer und da lag er mit ganz weit aufgerissenen Augen und offenem Mund. Ich brach da schon fast zusammen und wir alle fingen natürlich zu weinen an. Dann machte mein Vater noch drei bis vier Luftzüge und ist dann verstorben.

Das ganze ist so unfassbar für mich, meine Mutter, mein Bruder (21 Jahre) und natürlich alle Angehörigen und Freunde.

Mir gehen diese Bilder immer und immer wieder im Kopf herum. Besonders abends ist es so schlimm. Untertags bin ich in der Arbeit und bin abgelenkt. Es ist so schwer, ein Elternteil zu verlieren, also ob jemand einem einen Arm o.ä. herausgerissen hätte.

Wir hatten ein SUPER Verhältnis zueinander. Ich habe 2 Tage später geträumt, dass er zu mir gesagt hat, dass er noch nicht so schnell weg ist. Das hat mich irgendwie ein kleines bißchen getröstet. Es war auch irgendwie ein ganz anderer Traum als sonst.

Ich möchte hier auf diesem Weg jemand suchen, der auch so wie ich ein Elternteil so jung verloren hat. Ich bin 29 und mein Vater ist erst 54 Jahre alt geworden. (Bitte nur ehrlich gemeinte Antworten)

Wie habt ihr das ganze verarbeitet? Wie lange hat es bei Euch gedauert, bis der Schmerz nachgelassen hat? Lässt der Schmerz überhaupt nach?

Hallo an alle,

Ich bin eigentlich auch nicht diejenige, die mit Fremden über das persönliche Leben redet.
Aber eure Beiträge haben mich sehr berührt.

Mein Vater hatte seit ca. Juni 2012/2013 Darmkrebs diagnostiziert bekommen, mehrere Bestrahlungen/Chemotherapien/Bestrahlungen und OP`s die Jahre über sich ergehen lassen. Er hat auch als Erholung eine REHA erleben dürfen und zwischenzeitlich ging es ihm auch mehrere Monate bis 2016 gut (bis auf die Durchfallprobleme aufgrund den Nebenwirkungen der Chemo), sodass wir auch gemeinsam Ausflüge unternehmen konnten.

Aber seit Dezember 2016 ging es ihm wieder schlechter, weil wieder etwas gewachsen ist.
Februar 2017 war er wieder oft stationär im Krankenhaus und gegen Ende wurden sogar Niere und Lunge angegriffen und er wurde auf die Palliativstation verlegt.
Im Grunde war es mir schon länger klar, dass es nicht mehr lange gehen wird und Ich habe ihn erst wieder als meinen Vater erkannt als er nicht mehr leiden musste und friedlich mit einem Lächeln da lag.

Ich habe ihn am 6.März 2017 gegen 16Uhr meinen Vater verloren.
Meine Mutter hat schon ihren zweiten Mann verloren. Ich glaube für meine Mutter ist es natürlich am schwersten, damit umzugehen.

Ich habe immerhin meinen Rückzug in meiner eigenen Wohnung und meine Arbeit als Ablenkung und Freundinnen. Aber Ich hab das Gefühl, Ich schaffe es nicht, alles unter einen Hut zu bekommen, da Ich jetz auch dauerhaft das Gefühl habe, jeden Tag bei meiner Mama vorbeizuschauen.
Wir müssen jetzt zusammen halten und füreinander da sein und alles gemeinsam managen. Aber Ich hab ja auch noch mein eigenes Leben und brauch Zeit für mich.
Manchmal habe Ich schon an mir gezweifelt, ob es mir egal ist, dass Papa tot ist, da Ich gegenüber meiner Mama keine Tränen zeige.
Aber wenn Ich alleine bin oder am Grab meines Vaters steh, kommen mir die Tränen, aber richtig.
Aber den richtigen Zusammenbruch kam noch nicht. Kann der noch kommen und wie?
Ich war und bin es immer noch voll das Papa Kind. Er war für mich und Mama der Fels in der Brandung, auch wenn Ich mit Mama in Streit mal geraten bin, hat er Frieden gestiftet, jetz müssen wir alles alleine schaffe.

Es ist sehr schwer trotz Ablenkung ohne ihn zu leben

 Hat jemand tipps, wie man ohne Zwang alles unter einen Hut bekommt und damit lernt umzugehen?

ganz, ganz liebe Grüße Steffi

Ich drücke in meiner Trauer alle, die ähnliches durchmachen/durchgemacht haben
 

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