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Oma ging in der Nacht zum Heillig Abend

4. Januar 2007 um 15:27

Muss hier einfach mal schreiben, vielleicht geht es mir dann besser?!
Seit zwei Jahren lebte meine liebe Oma im Altenheim, da sie an Alzheimer litt. Meine Mutter kümmerte sich mit mir um sie, wir besuchten sie zweimal die Woche oder öfter und versuchten sie ins Leben mit einzubeziehen, indem wir mit ihr auf den Weihnachtsmarkt gingen, bummeln und und und. Sie konnte nach einem Oberschenkelhalsbruch nicht mehr selbstständig laufen und war im Rollstuhl. Sie litt vor einem Jahr an einem Tumor in der Blase, der entfernt wurde und man sagte er wäre nicht bösartig gewesen, seit dem hatte sie jedoch ständig Probleme so dass sie ins Krankenhaus musste. Im Krankenhaus gibt es leider nicht genug Personal, um mit Alzheimer-Patienten umzugehen, sie werden vernachlässigt. Am 14.12. musste sie wieder mal ins Krankenhaus, meine Mutter war zu dieser Zeit im Ausland. Sie hatte wiedermal nicht die Versorgung, die sie benötigte, ich ging wenigstens abends zu ihr, um ihr zu essen und zu trinken zu geben, was sie selbstständig vergisst. Leider musste ich zu dieser Zeit viel Arbeiten und hatte nicht viel Zeit für sie. Jeden Tag versuchte ich einen Arzt zu sprechen, aber da es Wochenende war, war es nicht möglich. Sonntags ging es ihr schon nicht gut, sie hatte Probleme mit der Atmung und die Hände waren geschwollen, eine Schwester versprach, den Artz am nächsten Tag darauf anzusprechen, wohl nicht, sie wurde Dienstags entlassen ins Altenheim, sie hatte ein Lungenödem, laut ihrer Ärztin (die war geschockt, wie man so einen Patienten entlassen kann) sie lachte mich noch an und war froh in ihrem zuhause zu sein, dann schlief sie. Am nächsten Tag rief die Ärztin mich an und teilte mir mit, dass meine Oma es nicht überleben würde und ob sie sie in ein Krankenhaus einweisen solle. Ich telefonierte mit meiner Mutter und wir entschieden, sie soll dort sterben, wo sie sich wohlfühlt und ihr seelisch beigestanden werden kann. Am nächsten Tag rief man mich auf der Arbeit an, es gehe ihr schlecht, man habe das Gefühl sie will sich verabschieden. Ich raste hin, sie lag nur noch mit geschlossenen Augen und offenem Mund im Bett, keine Reaktion mehr, nur meine Hand drückte sie noch leicht. Ich blieb bei Ihr, dann rief ich meine Mutter an, sie müsse kommen. Sie wollte erst nicht, sie meinte das könne sie sich nicht antun, ich habe viel geredet, dass Oma sich bestimmt auch von ihr verabschieden will und sie mich so nicht allein lassen könne. Sie kam am nächsten Tag. Oma konnte nicht mehr essen oder trinken, wir liessen den Notarzt kommen, der ihr eine Infusion legte, damit sie wenigst nicht verdurstete, der Gedanke brachte mich fast um. Ich hätte Tag und Nacht bei ihr bleiben wollen, aber ich hatte ja auch eine Familie und die Schwestern sagten, sowas kann sich lange hinziehen. Am 23.12. waren wir abends da, mittlerweile hatte sie keine Reaktion mehr. Ihre Augen waren ganz leicht geöffnet, als wollte sie uns nochmal sehen. Als ich sie drückte und ihr einen Kuss gab, ging ein merkwürdiger Geruch von ihr aus. Die Nacht kam der Anruf sie ist um 3.15 Uhr eingeschlafen. Es tut weh. Jedoch habe ich das Gefühl leer zu sein, es kommen keine Tränen, ich glaube ich will es nicht wahr haben, das sie nicht mehr da ist. Meine Gedanken kreisen nur noch um die letzten Tage, es ging alles so schnell. Sie geht lachend ins Krankenhaus und kommt sterbend raus. Hätte ich mehr machen können?? Kommt die richtige Trauer noch??? Hört es auf leer zu sein???
Sorry das es so lang wurde, aber vielleicht löst sich der Brocken, der irgendwie alles versperrt.

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4. Januar 2007 um 22:31

Sehr traurig
was Du da schreibst. Ich kann Dir auch keinen Rat geben ausser reden reden und nochmals reden. Du konntest Dich von Deiner Oma verabschieden und sie sich von Dir, das finde ich sehr wichtig.
Mein Opa kam auch lebend ins Krankenhaus, aber nicht mehr raus. Ich habe ihn das letzte mal 5-6 Jahre vor seinem Tod gesehen, da ich mit ihrem Sohn, sprich meinem Vater total verkracht war. Mir liegt das alles heut noch schwer im Magen, da laut meiner liebsten Omi er mich gerne nochmal gesehen hätte. Ich mach mir da echt immer och Vorwürfe. Ich find auch traurig, dass er nie seine Urenkelin kennenlernen durfte, aber den Fehler mach ich nicht mehr, zu meiner Oma halt ich jetzt den Kontakt, egal was passiert.

Wie gesagt, ich wär froh, hätte ich meinen Opa in seinen letzten Tagen begleiten können, so schwer es auch sein mag...

LG Kerstin

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5. Januar 2007 um 7:31

PN- Funktion ist außer Beetrieb.
Bitte schick mir eine Mail. Ich möchte Dir schreiben. PN funktioniert nicht. pitti13
petrafloeter@yahoo.de

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5. Januar 2007 um 20:55

Knuffelchen,
ich bin wieder hier. Ich hoffe, meine Zeilen konnten Dir insofern etwas helfen, daß Du weißt, Du bist nicht allein mit Deinem Kummer. Liebe Grüße! pitti13

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6. Januar 2007 um 15:46
In Antwort auf olyvia_12673690

Knuffelchen,
ich bin wieder hier. Ich hoffe, meine Zeilen konnten Dir insofern etwas helfen, daß Du weißt, Du bist nicht allein mit Deinem Kummer. Liebe Grüße! pitti13

Danke pitti13
für deine zeilen
lg knuffelchen36

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6. Januar 2007 um 19:17
In Antwort auf sunshine280106

Sehr traurig
was Du da schreibst. Ich kann Dir auch keinen Rat geben ausser reden reden und nochmals reden. Du konntest Dich von Deiner Oma verabschieden und sie sich von Dir, das finde ich sehr wichtig.
Mein Opa kam auch lebend ins Krankenhaus, aber nicht mehr raus. Ich habe ihn das letzte mal 5-6 Jahre vor seinem Tod gesehen, da ich mit ihrem Sohn, sprich meinem Vater total verkracht war. Mir liegt das alles heut noch schwer im Magen, da laut meiner liebsten Omi er mich gerne nochmal gesehen hätte. Ich mach mir da echt immer och Vorwürfe. Ich find auch traurig, dass er nie seine Urenkelin kennenlernen durfte, aber den Fehler mach ich nicht mehr, zu meiner Oma halt ich jetzt den Kontakt, egal was passiert.

Wie gesagt, ich wär froh, hätte ich meinen Opa in seinen letzten Tagen begleiten können, so schwer es auch sein mag...

LG Kerstin

Hallo Knuffelchen
mir geht es da genauso wie Dir. Mein Cousin ist im November verstorben und ich war die ganze Zeit bei Ihm - bis er ging. (Text steht hier im Forum unter: mein Cousin starb mit 41.)

Ich weiß genau wie Du dich fühlst. Vorgestern war nun seine Beerdigung und ich kann nicht sagen wie es mir geht, denn ich könnte kaum weinen - die ganze Zeit nicht - ich fühle mich hohl und irgendwie sehr hilflos. Ich habe auch noch nicht das Gefühl, dass es Ihn jetzt nicht mehr gibt. Es ist als ob er noch im im KH liegt und ich ihn jederzeit besuchen kann. Obwohl ich ja ganz genau weiß dass er nicht mahr lebt: war bei seinem sterben dabei, war auch in der Pathologie und auch bei seiner Beerdigung doch trotzallem ist mir nicht so zumute als ob er tot ist.

Ich kann es nicht beschreiben - ich bin auch nicht traurig, da ich es wohl nicht wahrhaben möchte - vermute ich mal. Es ist irgendwie wie ein Schockzustand.
Oder weil ich weiß, dass er jetzt keine Schmerzen mehr hat. Wenn Du dich austauschen möchtest schreib mir einfach. Drücke dir die Daumen, damit Du einen Weg findest damit auf Deine Art und Weise fertig zu werden.

LG

Netti

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7. Januar 2007 um 14:23
In Antwort auf julie_12281301

Hallo Knuffelchen
mir geht es da genauso wie Dir. Mein Cousin ist im November verstorben und ich war die ganze Zeit bei Ihm - bis er ging. (Text steht hier im Forum unter: mein Cousin starb mit 41.)

Ich weiß genau wie Du dich fühlst. Vorgestern war nun seine Beerdigung und ich kann nicht sagen wie es mir geht, denn ich könnte kaum weinen - die ganze Zeit nicht - ich fühle mich hohl und irgendwie sehr hilflos. Ich habe auch noch nicht das Gefühl, dass es Ihn jetzt nicht mehr gibt. Es ist als ob er noch im im KH liegt und ich ihn jederzeit besuchen kann. Obwohl ich ja ganz genau weiß dass er nicht mahr lebt: war bei seinem sterben dabei, war auch in der Pathologie und auch bei seiner Beerdigung doch trotzallem ist mir nicht so zumute als ob er tot ist.

Ich kann es nicht beschreiben - ich bin auch nicht traurig, da ich es wohl nicht wahrhaben möchte - vermute ich mal. Es ist irgendwie wie ein Schockzustand.
Oder weil ich weiß, dass er jetzt keine Schmerzen mehr hat. Wenn Du dich austauschen möchtest schreib mir einfach. Drücke dir die Daumen, damit Du einen Weg findest damit auf Deine Art und Weise fertig zu werden.

LG

Netti

Hallo netti
genau so, wie du es beschreibst ist es. Ich verdränge es wohl auch, wobei ich weiss das es so ist. Vielleicht baut die Seele von allein ein Schutzschild auf, um es besser verarbeiten zu können, den Schmerz. Ich denke der Schmerz wäre zur Zeit zu gross und somit ist wie eine Mauer da. Sonst kann ich mir es nicht anders erklären, dass ich zur Zeit nicht mal in Gedanken das Bild von ihr in guten oder auch zum Zeitpunkt ihres sterbens vor Augen bekomm. Aufjedenfall dank ich dir für deine Zeilen, tut gut zu wissen, es gibt Menschen denen geht es genauso und man ist nicht anormal. Auch dir drück ich die Daumen und wünsche dir viel Kraft für die Zeit, in der die eigentliche Trauer anfangen wird.
lg knuffelchen

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11. Januar 2007 um 21:26

Liebes knuffelchen,
ich kann deine gedanken so haargenau nachvollziehen, wirklich!
meine oma starb eine woche vor weihnachten. sie bekam 2 monate davor die diagnose "magentumor". 3 jahre wütete dieser sch*** krebs in ihrem körper, ohne dass sie davon mitbekam!
sie brachte eine operation hinter sich, obwohl schon feststand, dass sie sterben wird... sie brachte eine chemotherapie hinter sich, die sie nur noch fertiger machte...
in den letzten wochen ging es ihr nur noch schlechter und schlechter. jedes mal, wenn ich sie im krankenhaus besuchte, sah ich, wie sie magerer wurde... wie sie sich immer mehr mit dem gedanken anfreundete, bald sterben zu müssen.
diese zeit war einfach nur belastend für mich, ich wusste nicht, was ich machen sollte. wenn ich bei ihr war und sie reden konnte, redete ich kurz mit ihr... wenn nicht, hielt ich einfach nur ihre hand.
nach ihrem tod (und auch jetzt noch) war/ist die volle leere in mir. es gab momente, in denen konnte ich nicht mal drüber weinen... ich begreife es jetzt immer noch nicht, dass sie einfach weg ist. es ist einfach alles so unglaublich...
ich kann dir deine frage leider nicht beantworten, ob die richtige trauer noch kommt. doch die frage ist doch auch: was ist schon "richtige trauer"? vielleicht ist genau DAS, was du jetzt empfindest, DEINE richtige trauer. vielleicht bist das einfach du, dass du so damit umgehst, auch wenn du gar nicht willst...
ich machte mir eine zeit lang auch tierische vorwürfe, dass ich keine richtige trauer empfand, doch irgendwie lernte ich, damit umzugehen. rede mit jemandem drüber... das hilft wirklich. auch wenn dieser jemand deine situation nicht richtig nachempfinden kann: ES HILFT DIR SELBST!

liebe grüße und alles gute, alexandra

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