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OEG-Verfahren Opferentschädigung Termin

23. Januar 2012 um 1:28

Hallo erst mal zusammen,
nun, wo fange ich an? Ich bin nun 24 Jahre alt.
Im September 2007 bin ich vergewaltigt worden. Ich war betrunken auf dem Heimweg und saß im falschen Bus. Ich war zuvor mit einer Freundin feiern, war neu in der Stadt...naja, ein Junge stieg mit mir aus, er war deutlich jünger als ich und so fragte ich nach dem Weg.
Er sagte er kenne den Weg - er schien ein Kind zu sein. Aber statt dessen riss er mich an den Haaren zu boden, vergewaltigte mich und würgte mich. Ich redete auf ihn ein, wirres Zeug, woraufhin er von mir abließ und fragte "und du sagst wirklich niemandem was?". Daraufhin schnappte er meine Tasche und rannte davon.

Mein Shirt, mein BH waren durchgerissen, ich hatte keine Hose, keinen Slip an. Ich muss wohl so nackt auf die Straße gerannt und dann zusammengebrochen sein. Drei sehr junge türkische Jungen fanden mich, halfen mir in die Klamotten (oder was davon übrig war) und riefen Polizei etc.
Ich wurde untersucht und stundenlang befragt. Meine Freundin wurde geweckt und zu mir gebracht.

Jetzt wurde es erst richtig schlimm. Mir wurde gesagt dass es skandalös und wirklich unüblich sei und ich will auf keinen Fall, dass sich jemand hiervon abschrecken lässt - denn so etwas anzuzeigen ist ungemein wichtig.
Aber als ich ein paar Wochen später wieder zur Polizei musste, um meine Aussage abzugleichen wurde mir gesagt, es habe keine Spuren gegeben,. wie ich mir das erklären könnte? Ich wurde, obwohl ich weinte und weinte und es verneinte, viermal darauf hingewiesen, dass ich die Aussage noch zurückziehen kann, wenn ich lüge, mich sonst strafbar mache. Die Polizistin sagte, ich habe was von dem Jungen gewollt und er habe mich abblitzen lassen und nun wolle ich mich rächen und so weiter und so fort. So ging das vielleicht eine, zwei Stunden, wer weiß. Mein Gedächtnis war diesbezüglich so gut wie ausgelöscht, nicht mal an die Angaben, die ich gemacht hatte, konnte ich mich erinnern, nur ganz grob. Daraufhin musste ich mir 5000 Bilder von Vergewaltigern ansehen, auch wenn ich sagte, dass ich ihn nicht erkennen würde, selbst wenn ich ihm begegnete. Den Namen der Polizistin weiss ich leider nicht. Zu blöd, dass ich, dumm wie ich war, alles allein bewältigen wollte, sonst hätte man diese Frau evtl zur Rechenschaft ziehen können.

Ende letzten Jahres dann ein Brief, nachdem die Anzeige ins Leere gelaufen war, nachdem der Antrag auf Opferentschädigung, der bei der Polizei direkt bei Aufnahme der Anzeige gemacht worden war, abgelehnt wurde: Der Täter wurde gefasst. Ich hielt das für einen Irrtum: Wie sollte das denn gehen, ohne Spuren etc.?
Wie sich herausstellte gab es sehr wohl Spuren, wurde sehr wohl Sperma sicher gestellt. Ich fiel aus allen Wolken. Ich hatte bis dahin geglaubt, es sei vielleicht wirklich nichts weiter passiert als dass ich gewürgt wurde, ich erinnerte mich ja nicht. Auf einmal ging alles ganz schnell: Der Prozess solle bald stattfinden.
Der Junge war nur 14 Jahre alt, er habe mit mir den ersten und einzigen Sex gehabt und laut eigener Aussage bzw. auf die Frage "Warum?" sagte er, er wisse es nicht, er fand mich nett. Gestellt wurde er nur bzw. seine Tat flog nur auf, weil er ansonsten kleinere Diebstähle, davon aber einige, verübt hatte. Er hatte eine Bewährungsstrafe verhängt bekommen, jedoch gegen die Auflagen verstoßen. Deswegen wurde ein Haftbefehl erzwungen, bei dem standaqrdmäßig die DNS sicher gestellt und mit der Datenbank verglichen wird. So flog das auf. Nur ein dummer Zufall.

Nachdem ich zuvor behandelt worden war, als sei ich Abschaum, eine dreckige Lügnerin, war man nun sehr freundlich zu mir, da von meiner Aussage alles abhing. Im Endeffekt bekam er 3,5 Jahre (was nach Aussage der Staatsanwaltschaft viel sei bei einer Jugendstrafe) und darf im Gefängnis eine Ausbildung machen - wenn er rauskommt, ist er 20 oder 21 Jahre alt.

Meine Anwältin wollte daraufhin unbedingt den Antrag auf Opferentschädigung noch einmal aufrollen - pro bono (also gratis). Ich sagte zu, erhoffe mir aber nach wie vor nicht viel davon, wenn ich die STatistiken so sehe, wie wenige diesen Antrag bewilligt bekommen.
Nun habe ich am 31.01. einen Termin, bei dem ich von einem Psychodoc untersucht werde, bei dem eine Schädigung von mindestens 25 vorliegen muss, damit ich eine Entschädigung bekomme - was auch immer das heißen mag.

Weiss das zufällig jemand? Und hat jemand Erfahrungen mit einem solchen Termin?

Ich muss sagen, ich fühle mich bei dem Gedanken daran wirklich unwohl nach meinen Erfahrungen mit Behörden usw. Überhaupt geht es mir...gut. Ich habe eine Beziehung, habe mich ganz gut gefangen, würde ich sagen. Ich habe nie flashbacks gehabt o.ä. (Gott sei Dank) und habe mich immer gezwungen, normal zu leben, von Anfang an. Ich bin sicher nicht ganz gesund, aber ich mache eine Therapie und arbeite dran. Selbst meine Therapeutin sagt, dass es erstaunlich ist wie "gut" ich damit umgehe im Vergleich zu anderen und dass ich eine relativ stabile Psyche haben muss etc.
Das ist hier kein Lobgesang auf mich, was ich damit veranschaulichen möchte, ist: Ich möchte mir nicht vorhalten lassen, dass es mir zu gut ginge und warum ich mich beklage, wenn ich keinen größeren Schaden davon getragen habe.

Zugleich will ich diese Entschädigung. Nicht des Geldes wegen unbedingt, sondern weil mir damals mit dem Diebstahl meiner Tasche, meiner Papiere, meines Handys, meines Geldes usw. ein Sachschaden in Höhe von sicher 500 Euro zugefügt wurde, weil ich behandelt wurde wie Dreck, weil dieser ekelhafte Drecksack mit 3,5 Jahren davon kommt, weil mein Antrag damals mir nichts dir nichts abgelehnt wurde, weil mir keine der Behörden geglaubt hat, deren Aufgabe es normalerweise ist und die KEINEN GRUND hatten, mir nicht zu glauben aufgrund der Beweislage, weil ich von der Polizeibeauftragten damals schamlos belogen wurde.
Ich finde, mir steht wenigstens eine symbolische Entschädigung zu.

Vielleicht hat jemand bis hier gelesen...vielleicht hat jemand Erfahrung damit und kann meine Fragen beantworten...ich hoffe es.

Liebste Grüße...

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23. Januar 2012 um 10:44

Antworten: Nein, Mut machen: JAAAAAAAAA
Es tut mir fuchtbar leid, aber deine Fragen kann ich dir nicht beantworten.

Was ich aber sehr wohl möchte: Ich finde es toll, wie du damit umgehst. Ja, ich finde es richtig, dass du eine Entschädigung haben willst und die steht dir nach meinem Enpfinden voll und ganz zu. Der Diebstahl ist wohl nicht mitverhandelt worden? Warum nicht?

Dass Opfer von der Polizei schlecht behandelt werden, kenne ich. Aber es ist gut, dass es so mutige Frauen wie dich gibt, die eben nicht aufgeben. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich nicht mehr zur Verhandlung gegangen wäre. Also: tausendmal Hut ab und Respekt!!!!

Ich wünsche dir für den Termin aber auch für dein Leben alles Gute und ganz viel Kraft. Ich halte dich für ein Vorbild.
Nelly

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30. Januar 2012 um 20:23

Also..
Ich würde um Akteneinsicht bitten, da muss der Name der Polizistin drinstehen die deine aussage aufgenommen hat, die könntest du wegen "vorspiegelung falscher Tatsachen und versuchter beeinflussung eines zeugen(dir)" drankriegen- ob die formulierung stimmt bin ich mir net ganz sicher. Aber: " wer kämpft, kann verlieren, wer aufgibt hat schon verloren" !!!!

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30. Januar 2012 um 20:56
In Antwort auf jehiel_12308221

Also..
Ich würde um Akteneinsicht bitten, da muss der Name der Polizistin drinstehen die deine aussage aufgenommen hat, die könntest du wegen "vorspiegelung falscher Tatsachen und versuchter beeinflussung eines zeugen(dir)" drankriegen- ob die formulierung stimmt bin ich mir net ganz sicher. Aber: " wer kämpft, kann verlieren, wer aufgibt hat schon verloren" !!!!

Grundsätzlich richtig, aber in meinem Fall...
...leider nicht, da ich damals alleine vor Ort war, weil ich niemanden mitnehmen wollte. Das heißt es gibt niemanden, der das bezeugen kann.
Die Polizistin war es auch nicht, die mich als erstes vernommen hat, es handelte sich dabei um den zweiten Termin, bei dem die Aussage erneut mit der ersten abgeglichen wird. Wir waren auch zu zweit, sodass dabei sowieso Aussage gegen Aussage stehen würde.
Da meinte auch meine Anwältin, dass dies aussichtslos sei, weil niemand dabei war damals und es nun schon über 4 Jahre her ist.

Naja, die Polizistin ist mittlerweile eh nicht mehr an dieser Stelle tätig aus welchen Gründen auch immer. Man muss auch dazu sagen, dass ich während des Prozesses wirklich gut behandelt wurde und auch der Polizist bei der Erstvernehmung nicht unfreundlich war.
Also nicht, dass ich hier jemanden abschrecke oder so. Eine Aussage zu tätigen ist ungemein wichtig. Selbst wenn nichts dabei rumkommt wie bei mir erst einmal für Jahre, es kann sich immer noch was ergeben. Auch ein Verdacht genügt - wenn die Person erneut den Fehler machen oder ein völlig anderes Verbrechen begehen sollte sieht die STrafe schon anders aus.
Hinzu kommt, dass die Polizei mit einer völlig neuen Datenbank ausgestattet ist, als es noch 2007 der Fall war. Es müssen nicht mal Spermien gefunden werden - in meinem Fall z.B. waren es lediglich Zellen, von denen letztlich die DNA des für mich unbekannten Täters aufgespürt werden konnte.

Nun, heute war jedenfalls die Befragung. Ich bin unerwarteterweise ziemlich ausgeflippt, Panikattacke seit gestern Abend, Zittern, übergeben. Normalerweise bin ich sehr gefasst und kann auch relativ problemlos über das Thema reden. Aber wenn ich in so einer offiziellen Situation stecke, wird es irgendwie "real" vermute ich.
Naja, ich hab es zum Glück hinter mir und jetzt gehts mir auch wieder gut. Rauskommen wird dabei wohl eher nichts. Aber man sollte es immerhin versuchen, denke ich mal...


Liebste Grüße

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