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Nichts, für das es sich zu leben lohnt

16. Januar 2012 um 20:53 Letzte Antwort: 31. Januar 2012 um 21:21

Hallo...

Ich bin erst 19 und habe ein sehr schwieriges und problematisches (kurzes) Leben hinter mir.
Als ich 10 Jahre alt war, ist mein Bruder an einer Krankheit gestorben. Ich, bis dahin kerngesund, dachte, schlimmer könne es nicht mehr kommen. Als bei mir dann 3 Monate nach seinem Tod (er war erst 15) dieselbe Krankheit diagnostiziert wurde, ist meine ohnehin schon zerbröckelnde Welt entgültig zusammengebrochen. Ich war 4 Jahre lang krank, musste schlimme Therapien über mich ergehen lassen, doch dann hab ich diese Krankheit besiegt - das liegt nun mittlerweile fast 6 Jahre zurück. Meine Mutter hat meinen kleinen Bruder zur Welt gebracht und ich dachte, nun würde es endlich mit mir bergauf gehen.

Doch falsch gedacht. Natürlich werde ich den Tod meines älteren Bruders nie verdrängen können, aber egal an was ich denke, er ist immer in meinem Hinterkopf. Und das macht mich so fertig... Ich werde nie damit klarkommen, dass er für immer weg ist.

Das ist nicht das einzige, was mir Kummer bereitet. Ich wollte nie so sein wie "die anderen", wollte mich schon immer auf irgendeine Weise von anderen Menschen abheben. Das tue ich auch, äußerlich als auch innerlich. Ich bin einfach anders, die einen lieben es, die anderen hassen es.
Nun, meine Eltern hassen es, insbesondere meine Mutter. Gerade weil sie mir mit so viel Intoleranz begegnen, kapsle ich mich immer mehr von ihnen ab. Ich habe nichts mehr mit ihnen zu reden, besser gesagt will ich es auch nicht. Wieso können sie mich nicht so akzeptieren wie ich bin? Ich muss auch anmerken, dass meine Eltern Moslems sind. Als sie gemerkt haben, dass ich mit Religion nichts am Hut haben will, haben sie mich noch mehr aus der Familie "ausgeschlossen". Ich bin ständig unter Menschen, und doch bin ich so allein... Meine Mutter will, dass ich so werde wie sie, sprich: Mich für Kochen, Putzen und Aufräumen begeistern. Doch ich kann es nicht. Als sie dann auch noch erfahren hat, dass ich rauche, ist bei ihr der letzte Funken Liebe zu mir erloschen. Ich kann ihren Ansprüchen nicht gerecht werden und will es auch nicht, dafür liebe ich meine persönliche Freiheit viel zu sehr.

Mein Bruder ist zur Zeit der einzige Mensch auf der Welt, der mich am Leben hält. Würde es ihn und seine kindliche Reinheit nicht geben, hätte ich mich schon längst vor einen Zug geworfen.

Bei allen Menschen in meinem Freundeskreis gelte ich als die "Spaßkanone", die Selbstbewusste und die Fröhliche. Nur ein Mensch kennt mein wahres Ich, und langsam merke ich, wie auch er sich immer weiter von mir entfernt.

Begeisterung empfinde ich seit Jahren für nichts mehr, mir ist entweder alles egal oder macht mich traurig. Ich wollte mich von selber aufrappeln, habe angefangen zu malen. Auch das erfüllt mich nicht, mich erfüllt rein gar nichts.

Psychologische Hilfe kann ich mir nicht leisten, weil ich Studentin bin und gerade mal genug für Miete, Essen und Zigaretten verdiene. Mein Leben fühlt sich so aussichtslos an, so leer...

Bitte, falls ihr produktive Vorschläge für mich hättet, helft mir, ich bin mit jedem Tag verzweifelter. Ich bin kurz davor, alles hinzuschmeißen.

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24. Januar 2012 um 20:40

Es gibt immer etwas,
wofür es sich zu leben lohnt. Und das sage ich nicht nur so daher, das glaube ich wirklich.
Ich kann verstehen, dass es dir zur Zeit schlecht geht, ich kenne das Gefühl, überall auf der Welt irgendwie fehl am Platz zu sein und dass alles so unglaublich bedeutungslos ist.
Aber auch wenn es sich vielleicht blöd anhört, du bist 19 Jahre alt und hast noch so viele wunderschöne Momente vor dir liegen...
Versuch, den Kopf nicht hängen zu lassen, aufrecht und aufmerksam durchs Leben zu gehen und du wirst sehen, dass es auf dieser Welt sehr wohl Dinge gibt, für die es sich zu leben lohnt, so klein sie auch sein mögen.
Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen helfen..
Viel Glück

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24. Januar 2012 um 20:43

Achja, fast vergessen:
Hier noch ein schönes Zitat von Albert Camus:

'Au milieu de l'hiver, j'ai découvert en moi un invincible été.'

(Im tiefsten Winter entdeckte ich in mir einen unendlichen Sommer)

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24. Januar 2012 um 22:49

Danke...
...für eure Antworten. Ich bin für jeden Rat dankbar.

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29. Januar 2012 um 19:59

Hilfe suchen
Hallöchen!
Es gibt überall kirchliche oder unabhängige Beratungsstellen die auch langfristig Psychologen zur Verfügung stellen. Arbeite erst einmal an dir selbst. Suche dir etwas das Spaß macht, räume dir selbst Erfolge ein und lerne dich kennen. Wenn das vollzogen ist, kannst du irgendwann das Verhältnis zu deinen Eltern bereinigen. Ihre Intoleranz zeugt möglicherweise von Unsicherheit, da sie dich offensichtlich nicht kennen und dir keine Wertschätzung entgegenbringen. Sie wissen nicht wie sie mit dir umgehen sollen. Setze dich einmal mit ihnen auseinander.

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30. Januar 2012 um 1:22

Gib nicht auf
hey ich bin bald 18, ich habe zwar nicht dasselbe durchlebt wie du, aber ich kenne das gefühl sehr sehr gut wenn man sich alleine fühlt und sich alles so leer und sinnlos anfühlt. Du denkst es wird immer so bleiben, ich habe auch nie geglaubt dass es eines Tages besser wird, aber das wird es. Hab nur Geduld

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31. Januar 2012 um 21:21

Gib nicht auf!
Hallo Iseparo,

ich steckte in einer ähnlichen Phase bzw. Depression, wie du. Seit einigen Wochen geht es ein wenig bergauf. Ich weiß ganz genau, wie du dich fühlst. Ich hatte auch selbstmordgedanken habe täglich damit gekämpft, die Lust am Leben wiederzufinden und nicht alles aufzugeben. Letztendlich war es mein kranker Vater, der mich braucht, weshalb ich nicht aufgegeben habe. Nach aussenhin hat man mir nichts angemerkt, aber gerade das ist ja das Schlimme. Man möchte nicht, dass andere das mitbekommen, man möchte nicht ausgegrenzt oder als krank dargestellt werden. Ich wollte, dass das aufhört aber umso mehr man sich damit beschäftigt, umso schlimmer wurde es, nur leider konnte ich einfach nicht aufhören mich damit zu beschäftigen. Schlafstöhrungen kamen hinzu. Ich war kurz davor alles aufzugeben. Es ist immernoch eine schwere Zeit, aber es wird von Tag zu Tag besser, gut manchmal habe ich Rückschläge und weine aber zum Glück nicht permanent. Was mir geholfen hat, war die Beziehung zu einem Jungen. Ich habe ihm zwar nichts erzählt, aber seine Zuneigung hat mir Hoffnung gegeben und der Gedanke daran, meine Familie in Stich zu lassen, der Gedanke daran, wie sie an meinem Grab stehen und wie ich sie verletzt hätte. Man zerstört nicht sein eigenes Leben, denn man selbst ist nicht mehr anwesend und bekommt nichts mehr mit. Man zertsört das Leben der Zurückgelassenen, die Menschen müssen damit leben und klarkommen, nicht man selbst. Es reizt einen dazu, einfach alles stehen und liegen zu lassen, aber was hilft ist, der Mut, der Gedanke daran, dass du nicht alleine bist, deine eigenen Kraft und Selbstakzeptanz. Du brauchst eine Verrauensperson, der du dich vollkommen öffnen kannst. Wenn du möchtest kannst du mir jederzeit schreiben, denn ich fühlte das gleiche wie du. Man ist verzweifelt und dass du dich an uns wendest, ist der erste Schritt zur Besserung, denn das zeigt dir selbst, dass etwas mit dir ist, was du eigentlich garnicht möchtest.

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