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Neuanfang in der Großstadt versuchen? Schöneres Leben in der Stadt - Realität oder Illusion

17. Juli 2011 um 13:39

Hallo,
schon immer bin ich fasziniert von den Möglichkeiten, die man als Mensch in der Großstadt hat. Aber ob ein Lebensalltag wirklich so toll ist kann ich leider nicht objektiv beurteilen. Denn immer dann, wenn ich für ein paar Tage in der City bin, hab ich halt Urlaub. Und Urlaub ist ja leider nicht vergleichbar mit dem Alltag.
Seit langer Zeit überlege ich, ob ich den Schritt gehen soll, in meinem alten Leben alles aufgeben und mein Glück woanders suchen.
Vielleicht ein bisschen was zu meiner Situation:
Ich bin 22 Jahre alt. Noch nicht alt, aber auch nicht mehr ganz jung. Ich habe das Gefühl auf dem Land die besten Jahre meines Lebens nicht voll auskosten zu können.
Jetzt bin ich jung, jetzt hab ich alle Möglichkeiten, mit dreißig will ich angekommen und zufrieden sein.
Ich wohne in nem Mini-Dorf mit 300 Einwohnern. Wenn du abends aus dem Fenster siehst, da ist niemand.
Ich stelle mir vor, in der Stadt viel mehr unternehmen zu können, viele Dinge zu machen, die ich hier nicht (oder nur mit mehr Aufwand) kann, z.B. Veranstaltungen besuchen, spontan ohne lange Fahrtwege nochmal zum shoppen, etc. ).
Ich bin unglücklicher Single. Dazu bin ich ein sehr ruhiger und schüchterner Mensch, und habe sehr wenige enge Bekannte. Ich würde mir auch erhoffen, in der Stadt neue Leute kennenlernen. Ich denke, dass es leichter ist, Freundschaften zu schließen und natürlich meinen Traumprinzen kennenzulernen.
Ich arbeite als kaufmännische Angestellte seit Beginn meiner Ausbildung vor 5 Jahren in der gleichen Firma. Die Arbeit ist ok, der Arbeitsplatz sicher, was toll ist, aber eine Entscheidung daher nicht leichter macht.
Was außerdem den vermutlich größten Hindernis-Punkt darstellt, ist dass meine Mama ohne Partner ist und ich für sie neben meiner Schwester der wichtigste Mensch bin. Wir unternehmen sehr viel zusammen. Das Gefühl, sie mit einem Umzug irgendwie alleine zu lassen, ist für mich sehr schwierig. Aber muss/soll ich wegen diesen Schuldgefühlen deshalb meinen größten Traum Traum bleiben lassen? Und nicht zumindest versuchen ihn zu leben.
War jemand von euch in einer ähnlichen Situation?
Ist jemand von euch vom Land in die Stadt gegangen, auch aus anderen Beweggründen?
Was sind eure Erfahrungen?
Meine Größte Angst ist nach ein paar Monaten City unzufrieden, was noch schlimmer wäre, alleine ohne neue Freunde, dazusitzen.
Am liebsten würde ich das ganze mal ausprobieren und wenn es nicht nach meinen Vorstellungen ist, einfach mal die Return-Taste drücken und in meinem alten Leben weitermachen. Denn dann wüsste ich zumindest, dass es, so wie ich es mir vorstelle, nicht funktioniert. Aber solange ich diese Erkenntnis nicht gespürt habe, stell ich mir eben vor, woanders glücklicher zu sein.
Ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich aus Bayern komme und meine Wunschstadt Nr. 1 München wäre.
Was könnt ihr mir als außenstehende Personen raten?
Noch eine Frage: Habt ihr Erfahrungen mit CouchSurfing? Ist das eine Möglichkeit, eine Stadt kennenzulernen, nicht unter dem Aspekt Urlaub, sondern unter dem Aspekt Leben/Wohnen/Arbeiten?
Freu mich über Antworten.
Sternschnuppe89

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17. August 2011 um 14:11

Größere Städte und co.
Hallo Sternschnuppe89,

ich kann Dich verstehen! Ich bin selbst im Alter von 24 nach 5 jähriger Tätigkeit in einem mittelständischen Unternehmen (ebenfalls als Kauffrau, komme ursprünglich aus einer 6.000-Seelen-Kleinstadt) für ein Studium in eine größere Stadt gezogen. Danach habe ich noch in mind. 5 anderen Großstädten gelebt und bin nun inzwischen in Berlin, wo es mir sehr gut gefällt.

Ich war früher auch extrem schüchtern und kann Dir sagen, dass man durch das Herumkommen reift und dazulernt. Natürlich ist es auch nicht immer Zuckerschlecken und arbeiten muss man überall, ob in München oder einem 300-Seelen-Dorf!

Heute blicke ich zurück und weiss, dass es für mich die richtige Entscheidung war fortzuziehen. Ich weiß auch, dass es aufgrund meines jetzigen beruflichen Hintergrundes so gut wie keine Chance auf Rückkehr gibt, weil es in meinem jetzigen Beruf auf dem Land einfach keine Stelle gibt.

Gibt es in der Nähe eures Dorfes nicht eine etwas größere Stadt? Von einem kleinen Dorf direkt nach München finde ich sehr extrem, zumal München von den Lebenshaltungskosten auch sehr teuer ist!

Ja, man kann in einer Stadt mehr unternehmen und hat mehr Möglichkeiten. Man kann aber auch dort einsam sein.
Wenn Du unternehmungslustig bist und rausgehst, kannst Du aber trotzdem nette Leute kennen lernen.

Bestimmt hast Du auch beruflich Ambitionen, oder? An Deiner Stelle würde ich mir Gedanken machen, welche größeren Städte es im Umfeld gibt und welche Arbeitgeber dort für Dich interessant sein könnten. Vielleicht gibt es dort eine interessante Stelle für Dich oder bewirb Dich einfach mal initiativ.

Mit Deiner Mutter solltest Du schon darüber sprechen, dass Du nicht auf eurem Dorf versauern möchtest. Es gibt bestimmt auch Städte die nicht so weit weg sind, so dass Du Stadtleben damit verbinden kannst, Deiner Mutter trotzdem nahe zu sein! Früher oder später wirst Du sicherlich zu Hause ausziehen und vielleicht ist es für Deine Mutter auch nicht so verkehrt, wenn Sie dazu angeregt wird auch eigenständig etwas zu unternehmen. Sie könnte Dich auch in der Stadt besuchen, dann kommt sie auch mal raus!

Allerdings muss ich Dich warnen, dass es meist keine "Return-Taste" gibt. Du solltest Dir also gut überlegen, wie groß Deine Schritte in die Zukunft sein sollen. Willst Du erst mal nur in die nähere Umgebung umziehen (also größere Stadt mit Nähe zu Deiner Mutter)? Willst Du gleichzeitig oder später den Arbeitgeber wechseln? Welche Arbeitgeber kämen für Dich in Frage?

Mit CouchSurfing habe ich bisher keine Erfahrungen gemacht, daher kann ich Dir dazu nichts sagen.










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22. August 2011 um 18:53

Dankeschön für eure Meinungen
Hallo,

zuerst mal dankeschön für die 2 Antworten, die beide ja doch in 2 verschiedene Richtungen gehen.
Hab mich sehr über eure beiden Meinungen gefreut, mit all euren Aspekten. Dankeschön dafür, auch wenn ich euch jetzt nicht auf jeden Punkt antworte. Sonst würds wohl ein bisschen zu lang werden.

Wolmin, deine Sicht der Dinge ist realistisch, vernünftig, und wahrscheinlich würde sogar ich einem außenstehenden Menschen genauso argumentieren. Aber ich steck wahrscheinlich schon zu sehr in diesem Gedanken drinnen, dass ich die ganze Sache nur noch von einer Seite her (nämlich ihren Vorteilen) sehen kann.
Zum Thema Familie: Auf der einen Seite bin ich sehr glücklich, dass es bei mir in der Familie so gut läuft, ich werde unterstützt, es geht mir einfach gut, und es wird nur das Beste für mich gewollt. Trotz all dem bezeichne ich meine Familiensituation als schwierig: Jeder will für den anderen das Beste, jeder kümmert sich um den anderen. Aber zu viel. Sollte nicht jeder trotzdem zuerst auf sich selber schauen? Jeder hat seine eigenen Probleme aber bei uns ist es fast schon so, dass jeden die Probleme des anderen belasten.

Blumarine77, schön eine Meinung von jemanden zu bekommen, der den Schritt gegangen ist.
Zum Thema "neuen Job finden" mache ich mir momentan keine Gedanken, da ich das Glück habe, einen relativ guten Lebenslauf und vernünftige Zeugnisse zu haben. Da bin ich mal so optimistisch, was geeignetes finden zu würden.
Meine Mutter kennt das Thema, dass ich gerne in die Stadt gehen würde. Trotz der langen Zeit wo ich schon drüber nachdenke, tut sie es immer noch als vorübergehende "Spinnerei" ab und glaubt, dass ich es nicht machen würde.

So wie du schreibst, hört es sich an als ob du deine Persönlichkeit sehr geändert hast. Das würde ich auch gerne. Selbstbewusst werden, wissen was ich will, wissen was wichtig ist im Leben, viele unterschiedliche Lebensentwürfe kennenlernen, (auch wenns nur der Künstler oder Musiker aus der Nachbarschaft ist). Sehen was das Leben bieten kann. Und nach 10 Jahren sagen können: Wow, was ich alles erlebt, gemacht und gesehen habe.

Ein großes Problem wäre sicher, das mit dem neuen Menschen kennenlernen. Ich will dort nicht alleine sein. Aber ich weiss nicht, ob ich unternehmunglustig/spontan/offen genug bin, neue Leute kennenzulernen bzw. auf sie zuzugehen.

Freu mich sehr über weitere Meinungen von euch.

LG

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24. August 2011 um 12:17
In Antwort auf kleinesternschnuppe89

Dankeschön für eure Meinungen
Hallo,

zuerst mal dankeschön für die 2 Antworten, die beide ja doch in 2 verschiedene Richtungen gehen.
Hab mich sehr über eure beiden Meinungen gefreut, mit all euren Aspekten. Dankeschön dafür, auch wenn ich euch jetzt nicht auf jeden Punkt antworte. Sonst würds wohl ein bisschen zu lang werden.

Wolmin, deine Sicht der Dinge ist realistisch, vernünftig, und wahrscheinlich würde sogar ich einem außenstehenden Menschen genauso argumentieren. Aber ich steck wahrscheinlich schon zu sehr in diesem Gedanken drinnen, dass ich die ganze Sache nur noch von einer Seite her (nämlich ihren Vorteilen) sehen kann.
Zum Thema Familie: Auf der einen Seite bin ich sehr glücklich, dass es bei mir in der Familie so gut läuft, ich werde unterstützt, es geht mir einfach gut, und es wird nur das Beste für mich gewollt. Trotz all dem bezeichne ich meine Familiensituation als schwierig: Jeder will für den anderen das Beste, jeder kümmert sich um den anderen. Aber zu viel. Sollte nicht jeder trotzdem zuerst auf sich selber schauen? Jeder hat seine eigenen Probleme aber bei uns ist es fast schon so, dass jeden die Probleme des anderen belasten.

Blumarine77, schön eine Meinung von jemanden zu bekommen, der den Schritt gegangen ist.
Zum Thema "neuen Job finden" mache ich mir momentan keine Gedanken, da ich das Glück habe, einen relativ guten Lebenslauf und vernünftige Zeugnisse zu haben. Da bin ich mal so optimistisch, was geeignetes finden zu würden.
Meine Mutter kennt das Thema, dass ich gerne in die Stadt gehen würde. Trotz der langen Zeit wo ich schon drüber nachdenke, tut sie es immer noch als vorübergehende "Spinnerei" ab und glaubt, dass ich es nicht machen würde.

So wie du schreibst, hört es sich an als ob du deine Persönlichkeit sehr geändert hast. Das würde ich auch gerne. Selbstbewusst werden, wissen was ich will, wissen was wichtig ist im Leben, viele unterschiedliche Lebensentwürfe kennenlernen, (auch wenns nur der Künstler oder Musiker aus der Nachbarschaft ist). Sehen was das Leben bieten kann. Und nach 10 Jahren sagen können: Wow, was ich alles erlebt, gemacht und gesehen habe.

Ein großes Problem wäre sicher, das mit dem neuen Menschen kennenlernen. Ich will dort nicht alleine sein. Aber ich weiss nicht, ob ich unternehmunglustig/spontan/offen genug bin, neue Leute kennenzulernen bzw. auf sie zuzugehen.

Freu mich sehr über weitere Meinungen von euch.

LG

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Hallo kleinesternschnuppe89,

das 'jemand das Beste für einen anderen' möchte, kenne ich! Ein ähnliches Problem habe ich gerade mit meinem Mann. Aber das ist ein anderes Thema ...
Ich kann verstehen, dass das 'sich kümmern' zu viel sein kann: Schlussendlich bin ich mir nicht sicher, ob ein anderer Mensch (selbst wenn es meine Eltern sind, die ich ja Zeit meines Lebens kenne) wirklich weiss, was das Beste für mich ist. Im tiefsten Inneren wissen wir selbst am besten, was gut für uns ist und wie wir unser Leben gestalten wollen.

Und ehrlich gesagt, halte ich auch nicht viel davon, mein Leben durch andere zu sehr bestimmen zu lassen. Klar nehme ich Tipps und Empfehlungen gerne an und wäge ab. Ich gehöre sicherlich nicht zu den Menschen, die Hals über Kopf alles über den Haufen werfen. Aber es ist auch wichtig, selbst Entscheidungen zu treffen. Denn dies ist Dein Leben und ich weiss aus eigener Erfahrung, dass man sich sonst ewig Vorwürfe machen kann: "Hätte ich doch damals dies und jenes getan ..."

Natürlich muss man auch mal mit einem Kompromiss leben oder Fehler wieder ausbügeln. Aber das kann einem auch passieren, wenn man auf dem Land bleibt.

Zum Thema Menschen kennenlernen: Wenn du hobby-mässig irgendetwas bestimmtes machst oder machen willst, kann es nützlich sein, in einen Verein (z. B. Sportverein) einzutreten. Da kommt man oft mit Leuten ins Gespräch, die das gleiche Hobby haben wie man selbst und das ist oft schon eine gute Grundlage.

Ich drück' Dir auf jeden Fall die Daumen - wie auch immer Deine Entscheidung ausfällt.








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3. September 2011 um 19:41


Hallo Sternschnuppe89,
mir geht es ähnlich wie dir.
Möchte mich auch verändern - mehr selbstbewusstsein, aus mir rausgehen, mein Leben einfach geniessen solange ich noch jung bin.
Hab dasselbe Problem mit meiner Mutter wie du. Einfach das gefühl, sie im Stich zu lassen.
Würde einfach das ganze gern mal für 3-4 Monate oder länger "ausprobieren". So wie ein AUslandsaufenhalt nur halt im Inland. Ich weiß natürlich, dass ich danach nicht mehr zuhause einziehen werde - sondern MEIN LEBEN leben werde - wie das dann auch immer aussehen wird.
WOhne auch in Bayern jedoch zieht es mich mehr in Richtung Berlin, am liebsten Potsdam. Mich reitzt dort die Filmwelt.
Vl. denk ich zu unrealistisch, aber ich würde mich dann erstmal mit nem Aushilfsjob durchschlagen. Dann so hoffe ich, habe ich genug Zeit, neue Kraft und Energie getankt um zu wissen wie`s weiter gehen soll.
Würd mich freuen von dir zu hören, wie du dich entschieden hast bzw. vl. kann man sich ja ein bisschen besser kennenlernen!
Gruß

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