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Muss man alles tun was der Therapeut verlangt, um zu genesen?

30. Juli 2012 um 11:43

Eigentlich ist es eine Frage über Psychotherapie und deren Sinn und Zweck ansich. Bin seit etwa 6 Jahren in psychotherapeutuscher Behandlung, da ich seit meinem 23. Lebensjahr unter einer massiven Angststörung leide, die ich ebensolange versuche endlich hinter mir zu lassen. Ist mal besser, mal schlechter, aber wirklich weg ist die Panik nicht. Hatte mich damals ein wenig beslesen, dass es bei Panikstörungen hilfreich sein kann, sowohl medikamentös, als auch psychotherapeutisch zu behandeln. Nach einigen Jahren mit Pillen, bin ich jetzt nur noch einmal im Monat zur Psychotherapie. In den letzten beiden Sitzungen hatten wir wohl einen kleinen "Durchbruch" und sind zu einer Art Kerntrauma gelangt, das mich sehr belastet hat und auch Auslöser für andere DInge gewesen ist, die ich mir damals angetan habe, mit dem ich eigentlich schon abgeschlossen hatte, innerlich. Jetzt wird das natürlich alles wieder hochgewühlt und mir geht es schlechter.

Nun so die Geschichte, mein Stiefvater hat mich etwa 8 Jahre lang, solange ich noch bei meiner Mutter lebte (von 16-24), sexuell kontinuierlich belästigt, angefasst, ständig in ihrer Abwesenheit irgendwelche anzüglichen Bemerkungen gemacht, um mich mürbe zu bekommen.(nur nicht vergewaltigt-damit wäre er nicht davongekommen). Meine Eltern haben sich scheiden lassen als ich 10 war, ihre Ehe war ein Reinfall, nach 7 Jahren allein mit mir, lernte meine Mutter dann endlich ihre "große Liebe" kennen, jenen Mann, der seine dreckigen Finger nicht von seiner Stieftochter lassen konnte und zu dem noch hin und wieder zu viel Alkohol trank und dann noch ekliger wurde. Ich hatte immer gehofft meine Mutter gekommt mal von selbst mit, dass ihr Freund nicht so toll ist, wie sie glaubte, war aber nicht der Fall, sie hat ihn immer in Schutz genommen und meine leisen Andeutungen nicht verstanden Wenn ich mich mal nicht so positiv über ihn geäußert hab, hat sie mich noch zur Versöhnung getrieben. Da der Stiefvater die Annäherungen immer als Spiel verpackt hat, nach dem Motto, ich soll mich nicht so haben, ist doch nichts dabei und meine Mutter das anscheinend auch nicht ernst genommen hat, hatte ich mich damit begnügt, es auf sich beruhen zu lassen und einfach zu gehen. Ich hatte immer einen sehr innigen Kontakt zu meiner Mutter, der auf absolutem Vertrauen basierte, sie hat alles für mich getan, mir jede Schwierigkeit aus dem Weg geräumt. Das Verhältnis zwischen meinem Stiefvater und meiner Mutter ist inzwischen auch nicht mehr so eng, er ist wieder in seinem Heimatland und sie besuchen sich ab und zu. Dabei laufe ich ihm auch über den Weg, aber von meinem Gefühl her, kann er mir nichts mehr anhaben, außerdem ist er inzwischen 65 und ich bin nicht mehr der unsichere kleine Teenager, der sich alles gefallen lassen muss.

Meine Mutter hängt immer noch sehr an diesem Mann, lobt ihn, wie toll und liebenswert er ist und was er alles für sie tut, ich verziehe dabei zwar das Gesicht, aber das merkt sie nicht oder ignoriert es. Er war schließlich der "einzige" Mann in ihrem Leben. Nun verlangt meine Therapeutin, dass ich meiner Mutter sage wie ihr toller Mann wirklich ist und dass mein damals selbstverletzendes Verhalten auch auf diesen Konflikt zurückzuführen ist. Meiner Mutter würde es das Herz brechen, sie macht sich so schon immer Vorwürfe, würde ich damit ankommen, würde sie ihr Leben lang nicht mehr froh werden, da bin ich mir sicher. Ich wollte, dass sie das niemals erfährt, da sie nicht selbst drauf kommt. Ich kann ihr das einfach nicht antun und glaube auch nicht das es mir helfen würde, ihr das zu sagen.

Wenn ich es ihr nicht sage, kann ich die Therapie wohl abbrechen, dann bringt das ja nichts mehr?
Weiß nicht was ich tun soll.

Gibt es jemanden, der einen ähnlichen inneren Konflikt ausbaden muss??

LG,Mamboo

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4. September 2012 um 14:23

...
Ich bin zwar keine Expertin, aber ich denke, dass es auch nicht so gut für dich sein kann etwas zu tun, gegen das du dich so sträubst.
Hast du deiner Therapeutin das denn mal so gesagt, wie du es hier geschrieben hast?

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30. September 2012 um 20:47

Muss man nicht!
Denn eine Therapie soll in erster Linie dich stützen und dir helfen. Das ist das oberste Zeil. Es mag sein, dass deine Therapeutin diesen Schritt theoretisch für richtig erachtet und auch versucht, dich von dem Nutzen zu überzeugen - zwingen aber kann sie dich definitiv nicht! Hat sie wirklich gesagt, dass sie bei "nicht-gehorchen" die Therapie nicht fortführen wird? Hast du mit ihr über deine Ängste gesprochen? Ich kann sie nämlich total nachvollziehen, ich könnte das auch nicht übers Herz bringen.

Nichtsdestotrotz: Ich denke früher oder später ist eine Konfrontation wirklich gut und wichtig. Einfach auch, um mit sich selbst ins Reine zu kommen und vielleicht ein befreiendes "Es tut mir so Leid, dass ich dich nicht schützen konnte" zu hören. Mir zumindest geht es so, dass ich es meiner Mutter negativ anlaste, mich nicht geschützt zu haben und alles toleriert zu haben. Ich sehe sie als schwache Person und habe den Kontakt abgebrochen. Und ich glaube, gegen diese Gefühle würde eine Aussprache sehr helfen. Vielleicht ist es ja bei dir ähnlich. Ich stelle mir das wirklich unglaublich befreiend und erleichternd vor. Auch wenn ich es mich niemals trauen würde....

Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Kraft!

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1. Oktober 2012 um 1:18

Bestimm dein Tempo und deinen Zeitpunkt....
Erst einmal möchte ich sagen dass ich das sehr gut nachvollziehen, kann das ein Ansprechen bzw. ein Aufrollen von lang zurückliegendem und traumatischem ein sehr anstrengender und belastender Prozess sein kann. Gerade in einer Therapie darf es nihct so sein, dass du dich gezwungen fühlst etwas zu machen bzw. angst hast, dass wenn du dazu nichtbereit bist die therapie die dir ja vermutlich gut tut, abbrechen musst. Das ist nicht der Fall und Du solltest Deine Zeit selbst wählen wann Du dieses Thema mit Deiner Mutter besprichst bzw. ob du es mit ihr besprichst....

aber ich denke auch, dass es sicher wichtig wäre diesen konflikt auch mit deiner mutter zu besprechen, denn eine aufarbeitung von geschehnissen beinhaltet ja auch eine konfrontation in der realität bzw. mit den involvierten Personen. Deine Mutter hat da wohl eine tragende rolle, da sie es war die dir nicht gehör geschenkt hat, vielleicht auch weil sie es nicht wahrhaben wollte. Wichtig ist das es hier um dich geht und du nicht für das wohl deiner mutter verantwortlich bist in dieser hinsicht, sondern frü dein eigenes. und eine offen ehrliche beziehung ist meistens besser, als ein schein. Deine therapeutin soll dich ja hinführen zu einem punkt wo es dir besser geht und du selbst in der lage bist mit deiner geschichte und dir umgehen zu können und wie lange das dauert und wie das passiert hängt stark von dir ab und da musst du deine zeit selber wählen. Lass dich nicht zu sehr verunsichern, denn in einer therapie ist es ganz "normal" das es unangenehme sachen gibt die geklärt werden, das ist ja der sinn dabei und lass dich von deiner therapeutin in dieser hinsicht stützen bzw. sollte sie deine bedenken und deine bereitheit in die therapie berücksichtigen, was sie vermutlich auch tut. Dräng dich nicht aber versuch eben auch dich sachen zu stellen, in dem tempo, welches für dich ertragbar und hilfreich ist.....

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