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Müde, unendlich müde

25. Dezember 2011 um 11:29 Letzte Antwort: 10. Januar 2012 um 23:22

Hallo liebe Forengemeinde!
Ich möchte euch heute mich, meine Gefühlswelt schildern und bin mal gespannt, was ihr dazu sagt.
Also, eigentlich hätte ich alles, was einen zufrieden, wenn nicht gar glücklich machen sollte.
Ein Kind, das sich gut entwickelt, aber ohne den dazugehörigen Vater und das ist in dem konkreten Fall gut so.
Eltern, die mir wohl mal das Haus vermachen, also nicht arm im eigentlichen Sinne.
Einen Bekannten, der immer für mich da ist, mich unterstützt wo er kann.
Einen Arbeitsplatz, der zwar anstrengend und nervig ist, aber meine Existenz sichert.

Irgendwann mal, vor gut 5 Jahren unterhielten wir uns am Arbeitsplatz neben dem arbeiten so über das Sterben und mir kam spontan die Zahl 52 oder 55 in den Sinn und ich fand das tröstlich.
Nun, gerade die 40 erreicht, scheint es mir noch unendlich lange, diese 12 oder 15 Jahre noch auszuhalten.

Es ist aber definitiv nicht so, dass ich Wege ersinne um mein ableben zu beschleunigen. Dazu bin ich wahrscheinlich zu feige und mit meinem Talent bräche ich mir den Finger und das war's.

Ich habe das Leben einfach satt. Ich habe das Gefühl, ich habe alles schon gehabt, gesehen, genossen, erlitten.
Ich habe fertig.

Es ermüdet mich nur noch. Die Gesprächsthemen der meisten Menschen gehen mir am Hinterteil vorbei, ich halte meine Fassade aufrecht und versuche in das Bild zu passen, das man sich von mir gezeichnet hat. Den Erwartungen gerecht zu werden.

Die emotionalen Verzwickungen der Menschen um mich herum schaffen mich, ermüden mich kollosal. Mir anzuhören, was die Leute bewegt, grenzt schon an körperliche Schmerzen. Ich will einfach nur Ruhe und befürchte, die ultimative Ruhe kriege ich nur in der Holzkiste.

Ich habe auch schon online einige Depri-Tests gemacht (die mir schwerst depressive Phasen vorwarfen), aber ich finde mich, mein Gemüt nicht als verstimmt. Ich empfinde mich als eine der wenigen, die erkannt haben, wie sinnlos dieser Kreislauf des Lebens ist und das stetige Streben der meisten nach einer hohen Anzahl an Lebensjahren kann ich nur belächeln. Es wiederholt sich doch eh alles im Groben und ist nur kräftezehrend und ermüdend.

Natürlich gibt es die kleinen Augenblicke, in denen ich lachen kann, lächeln, grinsen. Aber dafür das ganze andere Paket? Nö, eher lieber nicht.

Ich empfinde mich ebenso nicht als suizidal gefährdet, da ich aktiv eher nichts tun würde um den Zustand zu beenden, schon alleine, weil ich meinem Kind die Trauer nicht antun wollen würde. Aber das ist auch schon der einzige Grund neben meiner Annahme, das sowieso zu versemmeln und mit einer Minimalverletzung da zu sitzen, während er Exitus geplant gewesen wäre.

Und nein, es gibt nichts, was mir als "Belohnung" so wertvoll erschiene, wieder Freude am Leben zu finden. Alles was mir evtl gefallen könnte, wäre eher eine Überbrückung der Wartezeit.

Ich will raus aus dem ewigen Prozess, dem ewigen Kreislauf. Ich will nix erleben, nirgends hinfahren, nix basteln, töpfern, erschaffen, verändern usw. Ich will nur Ruhe.

Manche Tage ist es schon fast schmerzhaft Laute jeglicher Art hören zu müssen.

Was ist also falsch mit mir? Und die Königsdisziplin: Was kann ich tun um das Leben wieder so erstrebenswert zu erachten, wie es die Gesellschaft tut und erwartet?

Ziemlich unsortiert und spontan gepostet, nachdem google-suche "lebensmüde aber nicht suizidgefährdet" nichts hergab.
LG
Müde

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4. Januar 2012 um 13:45

Kenne ich
Hallo Müde,
das was du da beschreibst kenne ich selbst sehr gut.
Ich bin gerade 20 habe einen tollen Mann und eigentlich gute Aussichten im Leben. Dennoch empfinde ich alles nur noch als ermüdend und überflüssig... Wie du schon sagst habe ich das Gefühl hier fertig zu sein... Das Leben ist ein ewiger Kreislauf der immer gleichen überflüssigen Dinge.
Was soll ich dir raten ich habe selber noch nichts gefunden was mir weiterhilft, bin noch am ausprobieren. Ärzte sagen es sind Depressionen und ich brauch nur Zeit und ne Therapie und so weiter und so fort xD. Aber im Moment versuche ich anderen zu helfen. Das Leben von anderen bereichern und es lebenswerter zu machen das versuche ich gerade. Wenn du etwas findest das dir hilft gib mir bescheid ansonsten bleibt uns beiden wohl echt nur abwarten und die Wartezeit bis zur Kiste zu überbrücken.
LG Sil

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10. Januar 2012 um 23:22

Ich
weiß noch , als ich sehr müde vom Leben war, wollte ich nur in ein Kloster, Frauenkloster...
Ich dachte, da werde ich sicher die Ruhe vor der Welt finden...die Wände, das alles kam mir sehr beschützend und zugleich berihigend vor...
Na ja ,vielleicht hilft es dir ja, als ein Rat.

LG

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