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Mobbe ich meinen Mitarbeiter? Bitte um Meinungen

11. Januar 2016 um 22:18

Liebe Mädels,
ich bin 27, weiblich und bin in einem Großraumbüro eines CallCenters tätig, in einer Abteilung von ca. 15 Kollegen, wo alle nicht länger als 6 Monate in der Konstellation zusammenhocken. Ich bin seit 4 Monaten dort und zu Beginn saß ich in einer Reihe mit nur männlichen Kollegen. Am Anfang hatte ich Angst vor der Bewältigung der Anforderungen, da ich aus einer anderen Branche komme. Ein Kerl, 54 Jahre alt, hat meine Unsicherheit bemerkt und auf ganz lieb und verstaendnisvoll getan. Beim Plaudern in den Raucherpausen wollte er dann Details zu meinem Beziehung status wissen und ob ich mit meinem Freund zusammenwohne. Am naechsten morgen kam er mit einer frischen Alkoholfahne dicht an meinen Arbeitsplatz und fragte, ob wir zusammen eine rauchen gehen, ich sagte, meine Pause sei schon vorbei, was auch so war. Er kam wenige minuten spaeter wieder dicht an mich heran und sagte, ich solle ihm das genauer erklaeren, warum meine Pause vorverlegt war, was ich als Belastigung ab diesem Tag empfunden hatte. Ich begann ihn voellig zu ignorieren. Er war 1 Monat länger im Betrieb als ich, aber er wüsste angeblich nicht, wie man einen Anruf weiterleitet, was ich nach 2 h Einarbeitung schon wusste als Branchenfremde, und er kam im Laufe der Woche wieder dicht an mich, als alle anderen Kerle aus der Sitzreihe Feierabend hatten, um zu sehen, wie man denn weiterleitet. Nach einigen Wochen im Betrieb erfuhr ich, dass sich eine relativ huebsche Kollegin von ihm weggesetzt hatte, da sie sich belaestigt gefuehlt hatte und kurz darauf auch noch, dass der Kerl seinen alten Job wg sexueller Belaestigung verloren hat. Meine Verachtung kannte keine Grenzen. Dann bekamen wir eine neue Kollegin, die eines Tages im ganzen Team bekannt gab, dass der Kerl ihre Daten in einem Kernbanksystem grfunden hat und ihr das auf Facebook geschrieben hat, dass er jetzt alle Daten von ihr kennt. Das System brauchen wir fuer die Arbeit, da bei uns Kunden einer Bank anrufen, und die Kollegin hat dort mal ein Konto gefuehrt. Meine Verachtung und Kleinkriegslust potenzierte sich ins unermessliche. Ich ignorierte ihn voellig und schuf Situationen, in denen die anderen Kerle nur mit mir redeten und er aussen vor blieb. Dazu hatte ich ein immer schlimmer werdendes schlechtes gewissen am 2.01.2016, Samstag, mussten wir die letzten 4 h mur zu zweit arbeiten. Er fragte, was die letzten Wochen sei, ich sagte ihm einige Punkte, er bestritt den Datenklau, was im CallCenter logischerweise ein Kündigungsgrund ist. Ich machte ihn in seiner Abwesenheit vor dem Team schlecht, einige sahen alles genauso wie ich. Diejenige, deren Daten geklaut wurden, fuhr mit dem Kerl inzwischen im Auto mit und hatte Verständnis dafür, dass er ihren Datenklau verschweigt, da er Angst hat, dass er den Job auch verliert. Ich setzte mich Ende letzte Woche komplett weg, 2 Reihen weiter, machte aber gerade heute wieder schlechte Kommentare über den Kerl in seiner Abwesenheit. Ich bin nun geplagt von schlechtem Gewissen, da Mobbing grausam ist und ich weiß aus der Pubertaet was das ist. Andererseits habe ich Rachegefuehle und Verachtung ihm gegenüber. Um weitere böse Worte uns schlechte Erfahrungen zu vermeiden, sitzt ich ja 2 Reigen entfernt. Wenn ich ihn aber sehe, dreht sich bei mir alles innerlich um und Rachelust und Mobbingverhalten will foermlich aus mir raus. Was koennt ihr dazu sagen? Parallel hab ich auch noch Mitleid mit ihm, dass ich ihn ausgrenzen wollte und es weiterhin wollen wuerde, wenn ich in seiner Naehe sitzen geblieben waere. Sorry fuer den Roman. lg

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