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Mit Verlust umgehen

5. Februar 2018 um 19:41

Vor knapp einem halben Jahr ist meine Mama plötzlich verstorben. Sie war schon ein ganzes Jahr lang angeschlagen- die Ärzte schoben es auf einen Virus. Eines Abends bekam sie beim Abendessen einen Schlaganfall und wenige Tage darauf war sie kaum mehr ansprechbar und wenn sehr verwirrt. Für mich waren diese Tage die schlimmsten meines Lebens, den stärksten Menschen der Welt in so einer Verfassung zu sehen. Nach einer Woche wurde sie ins künstliche Koma versetzt - die Ärzte meinten sie würden sie wieder aufwecken. Haben sie allerdings nicht. Es war schilddrüsenkrebs- ihre Mutter, also meine Oma ist im jungen Alter ebenfalls daran gestorben. Für mich ist es immer noch unvorstellbar wie das alles passieren konnte und ich zweifle seitdem an der Kompetenz der Ärzte, die ein Jahr lang Krebs mit einem Virus verwechselt haben. 
Ich habe ziemliche Schuldgefühle, da ich zwar die Chance hatte mich zu verabschieden - es aber nicht getan hab. Ich wäre gerne bei ihr gewesen als sie gestorben ist und ich nehme es meinem Vater auch sehr übel, dass er mich nicht dazu ermutigt hat auf der Intensivstation zu übernachten. Ich bin auf mich alleine gestellt und würde so gerne so viel rückgängig machen. Ich bin bei meiner Mama aufgewachsen, es gab immer nur sie und mich. 
Die ersten Wochen konnte ich kaum denken, war wie gelähmt. Erst jetzt - Monate später merke ich wie sehr mich das trifft. 
Hat jemand von euch Ähnliches erlebt ? Kann mir jemand sagen, ob es je besser wird ? Ich denke jede Sekunde daran und mir scheint es oft so als würden meine Freunde und generell Mitmenschen nichtmal bemerken wie schlecht es mir geht. Ich rede darüber auch sehr wenig, bin sehr beherrscht und habe seitdem auch nie vor Menschen geweint, nichtmal an der Beerdigung. Ich habe Angst, dass meine Freunde damit nicht umgehen können - sie sind ja auch noch so jung wie ich. Ich glaube ehrlich gesagt, dass man diese Sache erst versteht, wenn es einem selbst passiert ist. So eine Art Mitgliedschaft im „toten Mama Club“. Ich beneide jeden der nicht zu diesem Club gehört und kann ihm nur raten jede Sekunde zu genießen. Die eigene Mama ist das unersetzbarste und schönste was es auf der Welt gibt. 

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5. Februar 2018 um 22:12
In Antwort auf pfingstrose1997

Vor knapp einem halben Jahr ist meine Mama plötzlich verstorben. Sie war schon ein ganzes Jahr lang angeschlagen- die Ärzte schoben es auf einen Virus. Eines Abends bekam sie beim Abendessen einen Schlaganfall und wenige Tage darauf war sie kaum mehr ansprechbar und wenn sehr verwirrt. Für mich waren diese Tage die schlimmsten meines Lebens, den stärksten Menschen der Welt in so einer Verfassung zu sehen. Nach einer Woche wurde sie ins künstliche Koma versetzt - die Ärzte meinten sie würden sie wieder aufwecken. Haben sie allerdings nicht. Es war schilddrüsenkrebs- ihre Mutter, also meine Oma ist im jungen Alter ebenfalls daran gestorben. Für mich ist es immer noch unvorstellbar wie das alles passieren konnte und ich zweifle seitdem an der Kompetenz der Ärzte, die ein Jahr lang Krebs mit einem Virus verwechselt haben. 
Ich habe ziemliche Schuldgefühle, da ich zwar die Chance hatte mich zu verabschieden - es aber nicht getan hab. Ich wäre gerne bei ihr gewesen als sie gestorben ist und ich nehme es meinem Vater auch sehr übel, dass er mich nicht dazu ermutigt hat auf der Intensivstation zu übernachten. Ich bin auf mich alleine gestellt und würde so gerne so viel rückgängig machen. Ich bin bei meiner Mama aufgewachsen, es gab immer nur sie und mich. 
Die ersten Wochen konnte ich kaum denken, war wie gelähmt. Erst jetzt - Monate später merke ich wie sehr mich das trifft. 
Hat jemand von euch Ähnliches erlebt ? Kann mir jemand sagen, ob es je besser wird ? Ich denke jede Sekunde daran und mir scheint es oft so als würden meine Freunde und generell Mitmenschen nichtmal bemerken wie schlecht es mir geht. Ich rede darüber auch sehr wenig, bin sehr beherrscht und habe seitdem auch nie vor Menschen geweint, nichtmal an der Beerdigung. Ich habe Angst, dass meine Freunde damit nicht umgehen können - sie sind ja auch noch so jung wie ich. Ich glaube ehrlich gesagt, dass man diese Sache erst versteht, wenn es einem selbst passiert ist. So eine Art Mitgliedschaft im „toten Mama Club“. Ich beneide jeden der nicht zu diesem Club gehört und kann ihm nur raten jede Sekunde zu genießen. Die eigene Mama ist das unersetzbarste und schönste was es auf der Welt gibt. 

Ich kann es dir nachfühlen. Meine Mutter verstarb vor einigen Jahren. Sie war für mich das noch einzige nahestehende Familienmitglied, da mein Vater starb, als ich 13 Jahre alt war. Mein Bruder und meine Schwester starben ebenfalls bereits sehr früh. Dadurch hatte ich eine sehr enge Bindung zu meiner Mutter.

Du hast natürlich recht, wenn du schreibst:
[quote]und kann ihm nur raten jede Sekunde zu genießen. Die eigene Mama ist das unersetzbarste und schönste was es auf der Welt gibt. [/quote]

Ich kann dich nur bitten, verurteile deinen Vater nicht, für ihn ist bzw. war es vermutlich auch eine sehr schwierige Situation. Ich glaube, du musst auch keine Schuldgefühle haben, weil du dich nicht verabschieden konntest. Entscheidend ist doch, dass du und deine Mutter eine enge und liebevolle Beziehung hatten.

Ich konnte mich noch von meiner Mutter verabschieden, ich übernachtete auf der Station, meine Mutter lag jedoch nicht im Koma. Mutti hatte eine Herzinsuffizienz, ihr Herz konnte am letzten Tag nur noch einen Blutdruck von 50/30 aufbauen und ihr Todeskampf war vermutlich sehr schlimm und schmerzhaft für sie, trotz starker Schmerzmittel. Ich war dabei, als sie ihren letzten Atemzug machte und es hat mir das "Herz rausgerissen".

Meine Mutter war in den letzten zwölf Monaten vor ihrem Tod sehr häufig in der Klinik. Ich hörte ständig von den Ärzten, meine Mutter würde die nächsten Tage oder Wochen nicht überleben. Meine Mutter hatte anscheinend einen starken Lebenswillen und konnte das Krankenhaus immer wieder lebend verlassen und ich war jedesmal wieder unglaublich glücklich. Irgendwann habe ich den Ärzten nicht mehr geglaubt, sie würde bald sterben, vielleicht wollte ich es auch nur verdrängen. Sie wurde das letzte Mal an einem Samstag, spät abends, in die Klinik eingeliefert, am Mittwoch Nachmittag starb sie.

Da ich nicht dachte, sie würde jetzt sterben, habe ich sie am Sonntag und am Montag nicht in der Klinik besucht. Am Montag hatten wir noch kurz telefoniert, da war sie schon äußerst schwach. Erst am Dienstag ging ich in die Klinik, dort sagte man mir, meine Mutter würde die nächsten 24-48 Stunden nicht überleben.
Es war ein Schock. Richtig geglaubt habe ich es jedoch immer noch nicht, da ich diese Aussagen schon öfter hörte. Diesmal entsprachen die Aussagen der Ärzte jedoch der Realität.

Ich hatte mir auch Vorwürfe gemacht, dass ich am Sonntag und Montag nicht bei ihr war. Meine Mutter hätte jedoch nicht gewollt, dass ich mir deswegen mein Leben lang Vorhaltungen mache und deine Mutter wollte sicher auch nicht, dass du dir Vorwürfe machst. Sie hat dich, genau wie meine Mutter mich, geliebt und möchte dich glücklich sehen.

Um deine Frage zu beantworten, ob es besser wird. Ja, es wird besser, aber nur sehr langsam und es gibt auch heute noch Tage an denen ich meine Mutter unglaublich vermisse.

Ich wünsche dir viel Kraft und alles liebe und gute.
 

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5. Februar 2018 um 22:31
In Antwort auf isartal

Ich kann es dir nachfühlen. Meine Mutter verstarb vor einigen Jahren. Sie war für mich das noch einzige nahestehende Familienmitglied, da mein Vater starb, als ich 13 Jahre alt war. Mein Bruder und meine Schwester starben ebenfalls bereits sehr früh. Dadurch hatte ich eine sehr enge Bindung zu meiner Mutter.

Du hast natürlich recht, wenn du schreibst:
[quote]und kann ihm nur raten jede Sekunde zu genießen. Die eigene Mama ist das unersetzbarste und schönste was es auf der Welt gibt. [/quote]

Ich kann dich nur bitten, verurteile deinen Vater nicht, für ihn ist bzw. war es vermutlich auch eine sehr schwierige Situation. Ich glaube, du musst auch keine Schuldgefühle haben, weil du dich nicht verabschieden konntest. Entscheidend ist doch, dass du und deine Mutter eine enge und liebevolle Beziehung hatten.

Ich konnte mich noch von meiner Mutter verabschieden, ich übernachtete auf der Station, meine Mutter lag jedoch nicht im Koma. Mutti hatte eine Herzinsuffizienz, ihr Herz konnte am letzten Tag nur noch einen Blutdruck von 50/30 aufbauen und ihr Todeskampf war vermutlich sehr schlimm und schmerzhaft für sie, trotz starker Schmerzmittel. Ich war dabei, als sie ihren letzten Atemzug machte und es hat mir das "Herz rausgerissen".

Meine Mutter war in den letzten zwölf Monaten vor ihrem Tod sehr häufig in der Klinik. Ich hörte ständig von den Ärzten, meine Mutter würde die nächsten Tage oder Wochen nicht überleben. Meine Mutter hatte anscheinend einen starken Lebenswillen und konnte das Krankenhaus immer wieder lebend verlassen und ich war jedesmal wieder unglaublich glücklich. Irgendwann habe ich den Ärzten nicht mehr geglaubt, sie würde bald sterben, vielleicht wollte ich es auch nur verdrängen. Sie wurde das letzte Mal an einem Samstag, spät abends, in die Klinik eingeliefert, am Mittwoch Nachmittag starb sie.

Da ich nicht dachte, sie würde jetzt sterben, habe ich sie am Sonntag und am Montag nicht in der Klinik besucht. Am Montag hatten wir noch kurz telefoniert, da war sie schon äußerst schwach. Erst am Dienstag ging ich in die Klinik, dort sagte man mir, meine Mutter würde die nächsten 24-48 Stunden nicht überleben.
Es war ein Schock. Richtig geglaubt habe ich es jedoch immer noch nicht, da ich diese Aussagen schon öfter hörte. Diesmal entsprachen die Aussagen der Ärzte jedoch der Realität.

Ich hatte mir auch Vorwürfe gemacht, dass ich am Sonntag und Montag nicht bei ihr war. Meine Mutter hätte jedoch nicht gewollt, dass ich mir deswegen mein Leben lang Vorhaltungen mache und deine Mutter wollte sicher auch nicht, dass du dir Vorwürfe machst. Sie hat dich, genau wie meine Mutter mich, geliebt und möchte dich glücklich sehen.

Um deine Frage zu beantworten, ob es besser wird. Ja, es wird besser, aber nur sehr langsam und es gibt auch heute noch Tage an denen ich meine Mutter unglaublich vermisse.

Ich wünsche dir viel Kraft und alles liebe und gute.
 

Ich stimme dir in allem zu und denke der Schlüssel ist tatsächlich „Zeit“. An diesem dummen Sprichwort ist wohl doch was dran : alle Wunden heilt sie zwar gewiss nicht, aber der Schmerz wird weniger (hoffentlich) .Deine Worte haben mich sehr berührt. Danke für diese liebe Antwort und auch nur das beste für dich  ! 

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6. Februar 2018 um 1:47
In Antwort auf pfingstrose1997

Vor knapp einem halben Jahr ist meine Mama plötzlich verstorben. Sie war schon ein ganzes Jahr lang angeschlagen- die Ärzte schoben es auf einen Virus. Eines Abends bekam sie beim Abendessen einen Schlaganfall und wenige Tage darauf war sie kaum mehr ansprechbar und wenn sehr verwirrt. Für mich waren diese Tage die schlimmsten meines Lebens, den stärksten Menschen der Welt in so einer Verfassung zu sehen. Nach einer Woche wurde sie ins künstliche Koma versetzt - die Ärzte meinten sie würden sie wieder aufwecken. Haben sie allerdings nicht. Es war schilddrüsenkrebs- ihre Mutter, also meine Oma ist im jungen Alter ebenfalls daran gestorben. Für mich ist es immer noch unvorstellbar wie das alles passieren konnte und ich zweifle seitdem an der Kompetenz der Ärzte, die ein Jahr lang Krebs mit einem Virus verwechselt haben. 
Ich habe ziemliche Schuldgefühle, da ich zwar die Chance hatte mich zu verabschieden - es aber nicht getan hab. Ich wäre gerne bei ihr gewesen als sie gestorben ist und ich nehme es meinem Vater auch sehr übel, dass er mich nicht dazu ermutigt hat auf der Intensivstation zu übernachten. Ich bin auf mich alleine gestellt und würde so gerne so viel rückgängig machen. Ich bin bei meiner Mama aufgewachsen, es gab immer nur sie und mich. 
Die ersten Wochen konnte ich kaum denken, war wie gelähmt. Erst jetzt - Monate später merke ich wie sehr mich das trifft. 
Hat jemand von euch Ähnliches erlebt ? Kann mir jemand sagen, ob es je besser wird ? Ich denke jede Sekunde daran und mir scheint es oft so als würden meine Freunde und generell Mitmenschen nichtmal bemerken wie schlecht es mir geht. Ich rede darüber auch sehr wenig, bin sehr beherrscht und habe seitdem auch nie vor Menschen geweint, nichtmal an der Beerdigung. Ich habe Angst, dass meine Freunde damit nicht umgehen können - sie sind ja auch noch so jung wie ich. Ich glaube ehrlich gesagt, dass man diese Sache erst versteht, wenn es einem selbst passiert ist. So eine Art Mitgliedschaft im „toten Mama Club“. Ich beneide jeden der nicht zu diesem Club gehört und kann ihm nur raten jede Sekunde zu genießen. Die eigene Mama ist das unersetzbarste und schönste was es auf der Welt gibt. 

Das was du erlebst ist für viele nicht nachempfindbar. Was du wissen musst, es gibt mehr Dinge die uns herunterziehen als Dinge die uns aufleben lassen, daher verlernen es nicht auf die guten Dinge zu achten, sonst würdest du irgendwann unter gehen. 
wenn du schlechten Erfahrungen in deinen gedanken den Vortritt lasst, dann kommt es zu einer abwärtsspirale, wie ein gefährlicher Strudel.

naturbedingt müssen wir uns alle irgendwann von unseren Eltern verabschieden, den Zeitpunkt können und wollen wir nicht vorhersagen. 
Deine Mutter wünscht sich sicherlich, dass es dir gut geht. So arbeite daran, dass es dir gut geht, das ist das was du aktiv machen kannst.

ja, mit Krankheit wird heute viel Geld verdient und es ist ein lukratives Geschäft. Trotz dessen gibt es viele die den Job nicht nur des Geldes wegen machen, man möchte auch helfen, und manche Herausforderungen sind leider manchmal zu groß, da sitzt die Natur einfach am längeren hebel.

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