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Missbraucht als Kind

22. Oktober 2014 um 2:36

Hey Liebe Forum-Nutzer,

es ist das erste Mal, dass ich darüber schreiben kann. Es ist tief in der Nacht und ein Glas Wein hilft mir dabei.

Letzte Woche habe ich es geschafft bei der Polizei eine Aussage zu machen wegen...ja meinem Missbrauch in der Kindheit.

Mich hat es eigentlich nie im Alltag begleitet. Ein paar Jahre sind vergangen und ich hab gelernt damit zu leben. Genau genommen 14 Jahre. Doch mit dieser Opferaussage werde ich damit konfrontiert. Seitdem weiß auch meine Mutter darüber Bescheid. Sagen wir ihre Reaktion war der Auslöser dafür, dass es nun zu dieser Aussage kam... Und diese Konfrontation löst unbeschreibbare Gefühle in mir auf.

Ich war 8 jahre alt, als ein Mann meinte mich sexuell missbrauchte. Ich war doch noch ein Kind und ich wusste nicht was mit mir damals passierte.... Und nun frage ich mich was ist seitdem mit mir passiert. Klar hatte ich Tiefpunkte in meinen Leben. Selbstmordgedanken, Alkoholmissbrauch oder über der Kloschüssel hängen. Aber letztendlich bin ich immer wieder aufgestanden. Und bin heute ein wirklich glücklicher Mensch und beruflich auf einen guten Weg.

Doch nun nach dieser Aussage fühle ich mich anders. Stärker aber auch schwächer. Was hat dieses Stück aus mir gemacht, ich halte nicht viel von Therapien. Alles scheint ja heute schon eine Therapie zu brauchen. Ich habe meine Kindheit immer für normal empfunden. Aber jetzt merke ich DAS war nicht normal. Es herrscht eine Verwirrung in mir. Und ich erhoffe mir mit mir mit diesem Eintrag mit anderen mich auszutauschen, die eine ähnliche Vergangenheit mit sich tragen. Mich beschäftigt es wirklich nicht jeden Tag. Aber ich merke es jetzt erst. Lernt man einen Mann neu kennen nach einer längjährigen Beziehung und hegt man vielleicht wieder neue Gefühle....Es fällt einen doch schwerer.

Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll aber ich kann keinen Vertrauen. Liegt es daran. ich versuche nur zu verstehen....langsam zu verstehen was es mit mir gemacht hat. Und ich habe Angst davor mich auf etwas Neues einzulassen...ist es wegen dieser Sache. Diese Aussage hat mich Kraft gekostetet. Aber danach bin ich an meiner Arbeit gegangen und habe es versucht zu vergessen...und nun sitze ich wieder hier und es beschäftigt mich erneut....Nie hab ich mich so damit auseinandergesetzt, als nach dieser blöden Polizeiaussage....eigentlich wollte ich da nie...

Wie geht ihr damit um? Habt ihr vielleicht Ratschläge oder Tipps? Oder einfach Erfahrungen...

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29. Oktober 2014 um 19:18

Ab zum Trauma-Therapeuten.
Und das meine ich so wie ich es schreibe. Ich kenne das Gefühl und auch jetzt während ich schreibe dreht sich meine kleine Welt. Ja, man KANN wegen jeder Kleinigkeit zum Therapeuten laufen und das machen auch mehr als genug Menschen. Ich hab diese Menschen kennen gelernt und dann sehe ich in den Spiegel und muss mir einfach nur bestätigen was ich schon weiß: ICH habe ALLEN Grund und jedes Anrecht darauf in Therapie zu gehen mit meiner Vergangenheit. Das ist mein Recht.

Ganz ehrlich, ich bin sechs Jahre damit rumgerannt, bis ich gemerkt habe was für eine tickende Zeitbombe ich bin. Ich habe aufgehört zu schlafen, zu essen. Mich eingeschlossen. Auf der Arbeit war ich zum Schluss fast gar nicht mehr, mein ganzes Leben fuhr Karussell und ich stand kurz davor mit dem Föhn in der Badewanne zu kuscheln. Dann bin ich in Therapie gekommen. Ich war jetzt ein Jahr lang nicht arbeiten, fühle mich immer noch völlig überfordert mit allem, aber ich sehe ein, dass ich allein daran zerbrochen wäre. Und der einzige Grund, warum ich nicht früher da hin gegangen bin war die Angst. Ich weiß was Trauma-Therapie bedeutet. Das steht mir immer noch bevor, dass ich mit dieser Situation konfrontiert werde, aber BEVOR das alles passiert werden wir nur sortieren und ordnen. Ich tanke jedes Mal Kraft und wir gehen alles durch. Mein Leben? Das war kein Leben mehr. Das war nur noch meine persönliche Folter und Bestrafung dafür, was man mir angetan hat.

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2. November 2014 um 22:24

RE
Hallo,
du sprichst mir aus der Seele.
Ich kann deine Empfindungen total verstehen. Ich wurde 11 Jahre meines Lebens von dem Freund meiner Mutter sexuell mißbraucht.
Du wirst diese Sachen, die dir angetan worden sind, nie vergessen, sie werden immer ein Bestandteil in deinem Leben bleiben. Es wird Phasen geben, in denen du verzweifelst, dir das Leben nehmen möchtest. Der Geist versucht immer wieder, dass du es nicht verdrängst, sondern dich immer wieder damit beschäftigst.
Doch aus jedem Tief geht man wieder gestärkt heraus, jedoch abhängig davon, ob du an dir arbeitest. Wenn du dich gehen lässt, hat dein "Ich" keine Chance.
Auch ich habe versucht, Therapien deswegen zu machen, aber ich wurde nicht für voll genommen, als Lügnerin hingestellt von meiner Mutter, verleugnet und bedroht....

Doch ich habe immer daran gearbeitet, diese Sachen in meinem Alltag zu integrieren, mit Angstsituationen umzugehen, mich gewissen Ängsten zu stellen usw..

Das dich das zzt . sehr beschäftigt ist eigentlich klar, ist bedingt durch deine Aussage bei der Polizei. Ich würde sagen, dass dein Verhalten zzt. in einer solchen Situation normal ist.

Du glaubst, niemandem zu vertrauen... Gebe dir doch nicht die Schuld daran. Höre endlich auf, dir die Schuld zu geben, du hast doch gar nichts getan. Für das was uns angetan worden ist, gibt es keine Rechtfertigung.

Wenn du nicht immer wieder versuchst, zu vertrauen, kommst du keinen Schritt weiter und bleibst stehen, bleibst immer das schüchterne .... Wesen, dass immer die gleichen Männergeschichten hat und immer die gleichen Männertypen kennen lernt. Abgesehen davon, merkt ein Mann, der sich wirklich für dich interessiert und Feingefühl hat, dass dir etwas schlimmes zugestoßen ist.
Versuche es "Step by Step" und "Slowly", dein Tempo. Lasse dir nicht reinreden, weder von Familie noch Freundin. Lerne dich kennen und gehe mit dieser Sache um, wie du es tun würdest.
Meine Devise ist, wenn ich am Morgen in den Spiegel schauen und mich anlächeln kann, dann weiss ich, es ist richtig.

Nur eines darfst du nicht tun, dich aufgeben. Dann hast du verloren.....

Das Leben hat auch viele schöne Seiten.
Kopf hoch.

Liebe Grüße Silke

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