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Missbrauch durch Einlauf?

8. Mai 2011 um 14:29

Ich muss hier etwas schreiben, das mich wirklich krank macht.
Als Kleinkind konnte ich einfach aus psychologischen Gründen nicht aufs Klo gehen und bekam immer wieder Verstopfung. Meine Mutter zwang mich immer wieder zum Einlauf, was ich einfach nicht haben wollte und es ging so weit, dass meine Familie mich an Armen und Beinen festhielt um das zu tun.
Wenn ich wieder nicht aufs Klo konnte fing die Odyssee an. Ich versuchte es zu verheimlichen, bekam schon Krämpfe und Zittern am ganzen Körper, wurde verdonnert aufs Klo zu gehen und erst wieder rauszukommen, wenn ich es geschafft habe und unter Zeitdruck gestellt, dass wenn ich es nicht schaffe, ich einen Einlauf bekomme. Zeitweise machten sich meine Geschwister auch darüber lustig, meine Mutter nahm es auch mit Humor. Tatsache ist, dass mich das seit 20 Jahren tagtäglich in meinem Kopf quält und ich das erste Mal hier darüber spreche. Ich glaube, dass ich deswegen eine Essstörung bekommen habe, und keine Beziehung eingehen kann. Ich finde, aber im Internet nichts über eine Traumatisierung deswegen. Ich hatte bis ich 12 war jede Nacht Albträume und kein Wort darüber gesprochen.
Was soll ich nur tun?


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11. Mai 2011 um 15:24


Liebes nachtlied,
das tut mir wirklich leid für Dich. Ich habe selbst eine Tochter die auch mal unter Verstopfung gelitten hat und im Krankenhaus einen Einlauf bekam. Ich weiß noch wie traumatisiert sie davon war. Zum Glück ist das nur 2 mal vorgekommen weil wir dann die Ursache herausgefunden haben und das in den Griff bekamen. Deine Eltern hätten versuchen sollen die psychologischen Gründe in Erfahrung zu bringen und zu beheben. Haben Sie das getan? Das ein Kleinkind immer wieder Einläufe bekommt, ist nicht normal und ich kann Deine Traumatisierung nachvollziehen. Nach dieser Geschichte hat meine Tochter auch erst nichts essen wollen, weil sie Angst hatte, dass der Kreislauf von vorne losgeht. Vielleicht wäre jetzt der Zeitpunkt erreicht einen Therapeuten aufzusuchen. Rede mal mit Deinem Hausarzt darüber, der gibt Dir sicher eine Überweisung. Und keine falsche Scham, Du musst das in Ordnung bringen.
lg

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4. Juni 2011 um 16:15

Spätfolgen bei Fehlern in der Erziehung
Ich würde dir empfehlen dich mal in Pädagogik einzulesen. Speziell in die thesen über anale phase etc. Du findest da auf jeden fall was zu und wenn du dich damit auseinandersetzt kannst du sicher auch eine lösung finden.Viele Eltern denken sich nichts dabei ihren Kindern Druck beim Toilettengang aufzulegen.Dabei ist grade dies ausschlaggebend für die spätere entwicklung und auch für die psychischen Probleme im späteren Alter.Da kann ich doch einmal der Schule danken das sie mir das alles mal beigebracht hat...hilft echt viel bei eigenen Problemen und auch die anderer zu verstehen

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8. Juli 2011 um 20:48


An dieser Stelle muss ich darauf hinweisen, dass der Akt sich nicht zwingend auf die Vagina allein beschränken muss und ein Einlauf ebenfalls zu sexuellen Handlungen gehören kann.

Zudem habe ich eine Aussage gefunden, welche ich an dieser Stelle passend empfinde:

"Wesentliches Merkmal des sexuellen Missbrauchs ist die Ausnutzung eines bestehenden Vertrauensverhältnisses sowie einer Macht- und Autoritätsposition und die systematische Planung der Taten durch den Täter oder die Täterin." (Quelle:http://www.helpline-sh.de/Missbrauch.html)

Und wenn in dieser wiederholten Tat je das Wohl des Kindes im Vordergrund stand, hätte man fachliche Hilfe in Anspruch nehmen sollen. Die Ursache heilen, nicht die Symptomatik abschwächen.


Was hier ganz klar zu erkennen ist, dass die Machtposition ausgenutzt wurde. Es ist selbstverständlich, dass ein Einlauf für ein Kind eine Vielfalt von negativen Gefühlen hinterlässt. So hätte es von Liebe gezeugt, dass man beruhigend auf das Kind wirkt und das ganze nicht auf spektakuläre und bloßstellende Weise von statten geht. Ganz abgesehen von den Schmerzen.

Diese Gefühle haben Auswirkungen auf Dein ganzes Leben, wie du selbst schon erkannt hast, Nachtlied. Somit rate ich Dir dringenst, für die Verarbeitung und Zuordnung des Erlebten Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Für die Verarbeitung ist es von enormer Wichtigkeit die Gefühle und Ursachen für Deinen Schmerz zu erörtern und zu verstehen. Es ist sehr, sehr anstrengend weil es ein Thema ist, welches man um im Alltag stehen zu können verdrängt. Aber Du kannst es schaffen, den Tätern ihre Macht zu entreißen, denn sie haben Macht. Macht, Dein Leben selbst noch 20 Jahre danach nachhaltig zu beeinflussen.

Vielleicht kann es Dir erstmal helfen mit einer kompetenten, einfühlsamen Person am Telefon zu reden, das Erlebte erstmals auszusprechen. www.wildwasser.de bietet die entsprechende Information und Anlaufstelle dafür.

Ich lege es Dir ans Herz und wünsche Dir viel, viel Kraft.

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