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Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Meine Mutter ist tot und ich komme damit nicht klar!

Letzte Nachricht: 17. September 2018 um 13:06
A
an0N_1302580499z
17.09.18 um 13:06
In Antwort auf dumeni_11969650

ich erlebe grade das gleiche. Wie geht es dir mittlerweile?

Hallo liebe ohnemama2018,

ich vermute du meintest mich im Januar und wie es mir mittlerweile geht. Es tut mir leid dass ich dir erst jetzt antworten kann, ich komme erst jetzt in Ruhe dazu, hatte mir aber fest vorgenommen zu antworten und das tue ich hiermit nun.
Erst einmal möchte ich euch allen mein Beileid aussprechen!
Es ist traurig, aber auch irgendwo beruhigend zu sehen wievielen von uns es doch gleich geht.
Dir wollte ich noch mal sagen, du hattest weiter oben geschrieben dass du dich dumm und blöd fühlst, das brauchst du nicht! All das was ihr bzw. wir erleben ist normal und nur weil uns XY erzählen will dass dies und jenes normal ist und es bei der Personen so und so war, heißt es nicht dass es bei uns so sein muss. Wir sind Menschen und jeder denkt und fühlt anders und somit ist das alles normal. Ich kann dich verstehen. Ich weiß nicht wie alt deine Mutter war als sie starb, aber erfreue dich an deinem Leben und dass dein Kind dich noch hat und versuche dein Leben zu leben und zu genießen.
Inzwischen sind fast 9 Jahre vergangen. Es schockiert mich zu sehen wie schnell die Zeit vergeht. Meine ältere Schwester meinte vor kurzem für sie ist es immer noch als ob das alles gestern war. Für mich fühl es sich schon etwas länger her, trotzdem ist da noch Trauer und eine Lücke. Ich habe auch immer noch Tage da muss ich weinen weil ich meine Mutter vermisse. Wie habe ich geweint als meine Nichte zur Welt kam und meine Schwester mir sagte sie hätte soviele Fragen und sie kann sie ihr nicht stellen. Richtig wütend war ich auf meine Mutter nicht. Es gab Tage da ärgerte ich mich über sie, über ihre Sätze am Ende und wie alles kam. Heute denke ich sie wusste dass es so kommen würde und wollte vielleicht einfach nicht mehr. Das macht es nicht besser. Also die Frage warum alles so kam stelle ich mir immer noch. Ich habe Antworten, aber ich weiß nicht welche die richtige ist und vielleicht ist es auch gar nicht wichtig. Es kam so wie es kam. Ich glaube an Schicksal und das manches einfach so sein soll. Ich bin mir sicher dass unsere Verstorben noch bei uns sind und auf uns aufpassen. Wir müssen lernen damit klar zu kommen uns weiter zu leben. Damals ging für mich eine Welt unter. Für mich war es ein Schock dass die Welt sich einfach weiter dreht, so als ob ich nichts passiert sei. Heute denke ich zum Glück hat sie sich weiter gedreht. Das war das Einzige was mich aus diesem Loch der Trauer heraus geholt hatte. Die Arbeit und die Menschen um mich herum haben mich abgelenkt. Ja man wird empfindlicher und ärgert sich über andere die wenig Empathie zeigen/haben, aber auch das ist normal. Ich weiß die Menschen meinten es nicht böse. Es gibt Tage da werde ich auch traurig und denke kein Mensch erwähnt sie mehr, nur meine Schwester und ich. Mein Vater kann nicht gut darüber reden. Manchmal überkommt es ihn, aber auch das wird seltener. Ich bin nur froh dass er seinen Lebenswillen behalten hat, unabhängig davon wie traurig und schwer alles ist. Dann gibt es diese Momente, da treffe ich ihre alten Freundinnen auf der Straße die direkt mit Tränen in den Augen von ihr reden. Letztens sprach mit ein ehemaliger Nachbar von ihr auf meine Mutter an und erinnerte sich an ein Gespräch mit ihr das ihn beschäftigte. Ein süßer Mann. der mich am frühen Morgen mit dem Gespräch für die ganze Woche aufwühlte. Dann traf ich eine andere ehemalige Nachbarin mit meinem Vater beim Arzt, sie erzählte mir mit Tränen in den Augen dass sie ab und zu das Grab besuchen geht und es schön findet wie wir uns darum kümmern. Ich dachte in diesem Moment einer würgt mich und ich muss direkt anfangen zu weinen, doch zum Glück unterbrach eine Arzthelferin das Gespräch. Es gibt Menschen und Verwandte die sagen mir du lachst wie deine Mutter. Ich sah ein Foto meiner Cousine und war schockiert weil sie wie meine Mutter aussah, nur mit einer anderen Haarfarbe. Also es gibt noch immer aufwühlende Momente. Manchmal träume ich wochenlang nichts und dann wieder jeden Abend. Gerne träume ich von früher. Ich gehe zu meinen Eltern, alles ist wie immer und irgendwann klingelt mein Wecker. Damit möchte ich euch sagen das Leben geht weiter. Die Trauer bleibt. Jeder muss einen Weg für sich finden sie zu verarbeiten. Es wird besser, man lernt damit zu leben, ihr müsst es nur wollen und euch Zeit geben. Alles hat sich danach verändert, aber das ganze Leben verändert sich täglich. Ja man ist auf einmal kein Kind mehr. Das stimmt. Auf einmal hat man keine Mutter mehr und muss erwachsensein und für andere da sein. Es gibt immer noch Tage, wie z.B. der Muttertag, da will ich nichts hören von anderen was sie mit ihren Müttern machen. An dem Geburtstag und Todestag von ihr bin ich nur bedingt ansprechbar...Aber ich kann euch auch etwas lustiges erzählen. An ihrem Geburtstag vor 8 Jahren dachte ich wie scheiße das Leben und alles ist und wie traurig ist bin und mich nichts aufheitern kann. Ich war an ihrem Grab und ging noch zur Ablenkung shoppen da ich einfach nicht nachhause wollte, wo sowieso niemand war mit dem ich hätte reden können. Ich holte mir eine Zeitschrift und mir fiel dann ein dass ich ja Lotto gespielt hatte und tatsächlich hatte ich an diesem Tag zum 1.mal etwas gewonnen. Darüber muss ich heute noch lachen. Ich glaube nicht mehr an Zufälle...
Inzwischen habe ich einige ähnliche Fälle in meinem Freundeskreis erlebt. Heute denke ich jeder hat sein Schicksal und auch wenn wir gerne auf jeden geliebten Menschen aufpassen möchten, können wir es einfach nicht. Vielen ging es so wie mir. Irgendwo hat es mich beruhigt. Am Anfang dachte ich auch ich drehe durch und es beruhigt einen zu sehen, nein, anderen geht es genauso. Es hilft nicht über die Trauer hinweg, aber es beruhigte mich.
Ihr Tod hat mich sehr verändert. Inzwischen rede ich nicht mehr mit vielen darüber. Viele können es nicht nachvollziehen, was ich nicht nachvollziehen kann. Ich muss niemanden verloren haben umzu wissen dass diese Trauer nicht vergeht bzw. die Lücke nicht geschlossen werden kann. Ich versuche mich darüber nicht mehr zu ärgern. Ich habe bemerkt dass mir Gespräche mit solchen Menschen nichts bringen und deswegen lasse ich sie. Ich habe meine Familie und ein paar enge Freunde mit denen ich darüber reden kann und das reicht mir aus. Ich habe viel darüber geredet damals und auch in den 9 Jahren. Es gibt auch heute noch Tage da überkommt es mich.
Letztes Jahr verstarb ein Schulfreund von mir. Für mich war es das schlimmste seine Mutter so sehen zu müssen. Ich weiß nicht ob ich versteht was ich euch damit sagen möchte, aber ich hoffe es. Es hat mich fast zerrissen und ich kenne diese Frau nicht. Es brachte mich sehr zum nachdenken. Unsere Schicksale sind alle schlimm, aber es gibt immer noch schlimmere Dinge auf dieser Welt. Wir haben unsere Erinnerungen und auch Trauer in unserem Herzen, das kann uns niemand nehmen! Ich denke mir unsere Mütter würden nicht wollen dass wir uns hier quälen mit der Trauer. Es gibt gute und schlechte Tage. Ich kann euch nur sagen ihr werdet wieder lachen können, auch wenn sich alles verändert hat. Unsere Mütter wollen bestimmt alle dass es uns gut geht und wir unser Leben leben und genießen. Darum sollten wir uns täglich auf´s Neue bemühen und ich bin mir sicher dass sie immer noch an unserer Seite sind und auf uns aufpassen. Passt auf euch auf und fühlt euch gedrückt!

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