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Meine Mama weiß nicht viel und das ist ihr bewusst

8. Oktober 2013 um 23:27

Hallo ihr lieben, mein Anliegen ist ein etwas trauriges und ich weiß auch nicht, ob jemand das Problem kennt...
Meine Mama ist zwar nicht dumm, aber sie hat in vielerlei Hinsicht Probleme ihr Alltagsleben.

Sie hat ihr erstes Kind (meinen Bruder) bekommen, als sie noch studierte und das Studium dann abgebrochen um zu arbeiten. Außerdem ist sie erst mit 20 nach Deutschland gekommen (aus Asien). Sie hat also einen Migrationshintergrund. Sie spricht perfekt Deutsch, ohne Akzent, allerdings hat sie manchmal Schwierigkeiten damit, Konversationen zu folgen. Gelegentlich versteht sie Fachberiffe nicht (wie Koversation, fiktiv, exzentrisch usw.) und meistens kann sie mit akademischen Themen nichts anfangen. Sie kennt sich kaum aus mit Geschichte, Politik, Wissenschaft oder Technik und hat eine eher geringe Allgemeinbildung.

Da es ihr schwer fällt einen Zugang zu diesen Themenbereichen zu finden, hält sie sich auch davon fern anstatt zu versuchen, sich darüber zu informieren. Es fällt ihr sehr schwer, Dinge die sie beispielsweise über ein Politisches Ereignis hört, einzuordnen und langweilt sich dann oft, wenn sie Nachrichten schaut.
Stattdessen sieht sie sich viele Serien im Fernsehen an und spricht meist nur über zwischenmenschliche Begegnungen, Filme, Serien oder Freunde/Familie.

Mir tut das sehr leid, weil ich mir sicher bin, dass ihr das sehr unangenehm ist. Sie hat niemals gesagt, dass sie sich dumm fühlt oder von wenig Dingen Ahnung hat, aber ich meine es ihr manchmal anzumerken, wenn der Rest meiner Familie und ich uns am Esstisch über etwas unterhalten und sie nicht folgen oder sich kaum einbringen kann. Es macht mich sehr unglücklich sie so aufgeschmissen und einsam zu sehen, denn durch die Wissensbarriere mag sie es auch kaum, sich mit anderen Menschen zu treffen.

Meine Frage an euch: Wie kann ich ihr dabei helfen, sich schnell und effektiv Wissen anzueignen? Bzw. wie kann ich sie dazu motivieren, es selbstständig zu tun? Manchmal bringe ich ihr spannende Bücher mit, aber zum lesen ist sie immer zu müde von der Arbeit sagt sie.
Ich habe ihr auch schon öfter mal gesagt, dass sie ihre Zeit nicht immer mit Fernsehen vergeuden soll, aber das ignoriert sie getrost.
Mein Papa hat diese Eigenschaft von ihr schon vor Jahren akzeptiert und hat es aufgegeben.
Wie schaffe ich es, ihr zum lernen zu helfen und sie dadurch selbstbewusst und sozialtauglich zu bekommen?
Und das ohne ihre Gefühle zu verletzen...
Vielleicht hatte jemand von euch ja schon mal ähnliche Probleme mit Freunden, Partnern usw.
Wenn jemand gute Ratschläge hat, wie ich ihr die akademische Welt zugänglich mache, dann bitte her damit! Ihr größter Wunsch war es nämlich immer, sich zu diesem Kreis dazuzählen zu können...

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10. Oktober 2013 um 1:36

Niemand?

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10. Oktober 2013 um 9:44

Studium
Also irgendwas hat deine Mama ja mal studiert. D.h. in zumindest diesem Gebiet sollte ein Interesse vorhanden sein und auch nicht die absolute Leere im Kopf.

Wie wäre es also, dort anzuknüpfen?

Da sie gerne Fern sieht: Es gibt über alles und jedes (naja fast ) Filme, Dokus, Reportagen.....also vielleicht kann man ihr das ein oder andere Thema besser visuell näherbringen, als über Bücher?

Außerdem gibt es Theater und Museen - da kann man auch rein visuell mit leben, ohne jedes Wort bzw. jede Erklärung verstehen zu müssen.

So würde ich ran gehen

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10. Oktober 2013 um 17:37

Mir gets genauso
Hallo
also studirt habe ich nicht und habe selber auch nur Hauptschule (mit einmal Nachsitzen). Ansonsten ists bei mir änlisch wo mansche bekannte dan fragen ob ichs net verstanden hab oder so.
Aber ich vermute das deine Mutter schlauer ist als ich weil sie ja abi hat und studirt hat. Ich war nie die Leuchte in der schule und hab auch schwirigkeiten mit schreiben und so.
Aber denk wenn deine Mutter trozdem zurecht kommt spielt es auch keine Rolle wen sie mansches net so versteht.

Gruß
Regina

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14. Oktober 2013 um 21:14

Hast Du schon mal überlegt ...
ob das Problem vielleicht gar nicht bei Deiner Mum liegt... ?

Ich denke ich habe Deinen Thread / Aufruf hier ziemlich genau gelesen und werde das Gefühl manchmal nicht los, daß die Erwartungen vielleicht gar nicht von Ihr kommen ... und es vielleicht eher Deine Wünsche oder Die Wünsche anderer Familienmitglieder sind?

Ich selber gehöre auf zu den Frauen die zwar - wie ich meine - nicht auf den Kopf gefallen sind, aber mit meiner Ausbildung kann mit Hauptschulabschluß und Berufsausbildung zur Servicekraft in der Gastronomie wirklich was hermachen .... und ich schwanke auch manchmal ob das alles so richtig war wie ich es gemacht habe... aber es ist nun mal so wie es ist, und ich akzeptiere es so und bin damit eigentlich auch ganz zufrieden und glücklich...
Allerdings muß ich auch dazu sagen, daß ich schon immer versucht habe mich auch tiefergehend mit bestimmten Themen zu beschäftigen, die "gebildete Menschen" interessieren, das kam aber ganz von alleine und vor allem über die Schiene wie es Deine Mum auch tut ... eben aus dem Interesse an Umgang mit menschlichen Gefühlen, mir selbst und aus Gesprächen über Beziehungen, was andere bewegt, etc, zuerst waren das Sachen die hauptsächlich mit mir selber und meinem näheren Umfeld zu tun hatten.
Später kam dann auch das Interesse dazu worüber andere Leute sich unterhalten oder auch jemand, der mir gefallen und mich beeindruckt hat sich interessiert ... und ich muß schon sagen, da hat sich eine Menge bei mir getan, wenn ich mal so in die letzten zehn Jahre zurückblicke. Das bekomme ich auch öfters mal bestätigt, so daß ich sagen kann meine Neugier mit mit Wissen und Problemen auseinanderzusetzen die alltäglich nichts bringen hat sich irgendwo gelohnt, ich habe eine gewisse Urteilsfähigkeit entwickelt, so daß mir eigentlich nicht jeder ein "X" für ein "U" vormachen kann... zumindest gehe ich davon aus. Ich nenne das eine solide Allgemeinbildung, und um die sollte eigentlich jede und jeder bemüht sein.
Da ich auf diesem Weg viel in Kontakt mit Menschen komme stelle ich allerdings auch in den letzten Jahren immer wieder verstärkt fest, daß ein förmlicher "Bildungskrampf" eingesetzt hat... und das seit dem vor allem die Ergebnisse der legendären "Pisa Studie" in politischen Kreisen und in der Öffentlichkeit zur Profilierung der dort aktiven Personen dient.
Es werden hier "Wahrnehmungsräume" für enorme Ansprüche an der intellektuelle Persönliche Leistungsvermögen gestellt und es so hingestellt als sei es verpflichtend diese alle erfüllen zu müssen. Gleichzeitig wird aber im Lebens- und Berufsalltag klargestellt, daß immer mehr Wissen und Qualifikation verfällt, zur Nebensache wird und eigentlich gar nicht gefordert wird, Gedächtnis und Erinnerung werden gar nicht mehr gebraucht und Vernachlässigt... weil das Wissen verfällt.
Beispiel : PC-Kenntnisse ( ich habe sehr spät damit angefangen, erst vor ca. 13 Jahren... ) , das Wissen ist mit dem Aufkommen neuer Programme und Benutzeroberflächen oder neuer Geräte sofort "für die Tonne" Du mußt wieder alles neu lernen... aber der Arbeitsalltag läßt dies entweder gar nicht oder nur bedingt zu... so daß es eigentlich eine Frage der Zeit ist, bis Du intellektuell "ausgelutscht" bist und nicht mehr gebraucht ... gekündigt wirst. In meinem Bekanntenkreis geht das ständig so, sogar mit Studium.
Ich habe es mit meinem "nicht studierten Beruf" noch relativ gut, da ich - wie ich meine - unmittelbar mit menschlichen Bedürfnissen zu tun habe und mich Menschen zuwende und dies auch gerne tue. Bildung ist zwar schön aber nur "Zusatz", wahre menschliche Werte liege ganz woanders und ich glaube das solltest Du bei Deiner Mum auch mal sehen. Ich denke nicht dass Ihr wisst was hinter Ihrer Stirn vor sich geht... und meine einfach Ihr solltet das mal respektieren... Verbessere mich, wenn ich da falsch liege.
Tipps für Deine Mum : Sollte es Ihr wirklich daran liegen sich weiter zu bilden kann ich folgende Tipps geben:
Bildung und Wissen hat etwas mit Sprache, Sprechen und Hören zu tun... wer keine Zeit hat etwas zu lesen ( das ist in der Tat sehr anstrengend und Zeitraubend ) sollte sich aus meiner Sicht Hörbücher zulegen oder vielleicht mal ein
Sendung aus dem Netz oder Radio aufnehmen und in einer entspannten Zeit einfach mal zuhören. Dann kommen Fragen und Interesse sicher im Laufe der Zeit ganz von alleine... und das solltet Ihr unterstützen. Es braucht vielleicht ein bisschen Geduld ... Ihr wisst Doch wofür Sie sich interessiert...

... und dann klappts vielleicht bald auch mit dem "Mitreden", durch Fragen stellen ( "Wisst Ihr ich verstehe Da was Ihr sagt nicht ganz, was bedeutet das denn ... usw. )
Ich glaube eure Mum ist viel intelligenter als Ihr denkt, viellicht versteckt sich Ihre Stimme nur deshalb, wie sie sich in der "Ich weiß was besser" - Konversation überflüssig fühlt...?
Könnte es so sein?

Viel Spaß beim einander Zuhören,

Silvia M.





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17. Oktober 2013 um 18:42

"Wie kann ich anfangen...?"
auch wenn Der wesentliche Tipp oder die Idee vielleicht schon gefallen sind, eine Bemerkung, wie Du Deine Mum vielleicht leichter animieren kannst "mit der Zeit zu gehen"....
( Gut finde ich dass Du es zugibst, dass es vorrangig DEIN Wunsch ist ! )...
Eine in der Pädagogik gängige Praxis - so wird das zum Beispiel in der Schule gemacht, wenn jemand die Schulform wechselt - ist das anknüpfen an vorhandene Stoffinhalte, an vorhandenes Wissen. Die Fachleute da nennen das "Herstellen von Kontinuität", ich finde es vielsagender zu sagen "Hole jemanden da ab wo sie/er steht" ( also mit Ihrem / Seinem Wissenstand ).
Konkret heißt das : Deine Mum hat ja auch eine gewisse Schulbildung, sie hat ja mal studiert und wusste damals auch bestimmt viele Sachen... und Deine Mum hat sicherlich auch einen Grund gehabt zu studieren... irgendwas hat sie ja umgetrieben das zu tun ... da würde ich mal anfangen.
Ein anderer Baustein sind auch "Erfolgserlebnisse" also Selbstbestätigungen, das ist schon schwieriger, insbesondere bei einem Neustart, da jemand der sich weiterbildet an den Selbstverständlichkeiten anderer vorbei muß... und die persönliche Anerkennung so meistens ausbleibt. Das schreibe ich jetzt hier hin, weil in Deinem Thread sehr deutlich wird dass es um äußere Anerkennung und Bestätigung geht.
Anders ist das mit der persönlichen, inneren Weiterentwickelung, auch die braucht etwas Zeit, aber irgendwann merkst Du auch, daß sich Dein Verhalten, dein Verständnis usw. gegenüber Deiner Umwelt verändert, es fallen Dir Sachen und Zusammenhänge auf die Dir früher nicht aufgefallen sind und Du fragst nach ob andere das auch gemerkt haben und kannst es vielleicht sogar begründen warum... Zur Motivation: Wenn Wissenschaftler einen Artikel schreiben und veröffentlichen tun die eigentlich nichts anders als das : Öffentlich ihren Wissenstand mitteilen und die Kollegen und alle die es lesen fragen : "Sagt mal, seht ihr das auch so...?" Mein Sprichwort dazu lautet : "Frag und es wird Tag..." ( stammt aus einem schönen Hörbuch ... )
Lernen durch Fragen und Zuhören ... das ist die Urmutter des Lernens und der Bildung durch Lernen... leider in unserer Zeit ( und bei den komischen Regeln des "Bildungsbürgertums" heute nicht mehr angesagt... und ich glaube das ist es auch, was es Deiner Mum eigentlich so schwer macht... "

Dein Thread beschäftigt mich sehr, Du bist nicht alleine damit annasiebenstein! Das kommt häufiger vor als Du vielleicht meinst... wird im Alltag nur geschickt... sagen wir mal versteckt und kaschiert...!

Grüße an Dich und Deine Mum alle anderen hier,

Silvia

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17. Oktober 2013 um 18:56

Ich persönlich würde eher...
... über etwas gehen, was zur Teilnahme Deiner Mum "aktiviert", leider gehören Fernsehen und visuelle Aufnahme aus meiner Sicht eher nicht dazu, sie machen eher Bequem ( Fernsehsessel (!), Kinder liegen häufig vor Ihrem Notebook oder dem PC oder dem Fernsehgerät ! ), es hat mit der Art Aufnahme durch unsere Augen zu tun, die keine Reaktion oder Rückmeldung der / des Lernenden erfordert...
Lesen ist da was anderes, aber im Alter auch problematisch, weil es anstrengt den Stoff aufzunehmen ( besonders wer schon nicht mehr so gut im Nahbereich sehen kann ... Brille etc., ) aber vor allem: Die Rückfrage ist nicht da - mit einem Buch kann man nicht sprechen aber über ein Buch... hört sich komisch an, ist aber sehr wichtig für die Praxis.

Ganz anders beim Zuhören : Da ist die Frage geradezu herausgefordert... versuchs doch mal damit.... ist nur ein Tipp, ihr wisst am besten wies geht...


Gruß,

Silvia

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13. Dezember 2013 um 18:54

Nett von dir, pass auf, dass du sie nicht verletzt...
Frag sie doch mal ob sie dir bei (zu Anfang leichteren) Hausaufgaben hilft, wo dein Problem dann aber nicht im fehlendem Hintergrundwissen sondern z.B. Textverständnis liegen muss.
Oder erzähl ihr mal begeistert etwas aus der Schule oder frag sie ob sie dich abfragen kann, oder du ihr ein Referat Probe vorhalten darfst.

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