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Meine Mama starb am 02.09.2011

6. September 2011 um 16:57

Meine Mama äußerte letztes Jahr den Wunsch wenigstens einmal im Leben in den Urlaub fahren zu können. Sie war sehr arm und hatte kein schönes Leben gehabt. Erst verlor sie ihren 1.Mann durch Scheidung, später heiratete sie ein 2.Mal und nach vielen Jahren verunglückten meine Eltern und mein Stiefvater starb eine Zeit lang später an d. Unfallfolgen. Sie fand einen netten Mann und fing von vorne an. Er bekam Krebs und verstarb. Sie erholte sich nicht mehr davon. Trotz neuem Partner konnte ich sehen, dass es ihr nicht gut ging-gesundheitlich. Irgendwann sagte sie mir, dass sie sterben möchte.
Ich buchte für uns 1 Woche Türkei für dieses Jahr und wir flogen Ende März. Sie war total glücklich, hatte aber Angst, sie schafft es nicht. Ich wußte, dass sie irgendwie krank sei, aber nicht, was es war. Sichtlich war es durch ihre Finger-Trommelschlegelfinger. Sie genoss d. Urlaub, den Flug, dass Meer und musste mir versprechen, dass sie hinter zum Arzt ginge.
Als wir zurückwaren, war ich nur noch an Arbeit, hatte kaum Zeit, nach ihr zu sehen. Sie sagte, dass sie b. Hausarzt war und b. Röntgen und so. Die Testergebnisse o.Befund. Am 10.07. rief mich ihr Partner an, dass es ihr immer schlechter ginge und sie nur noch 38kg wiege, kaum was esse und furchtbare Schmerzen habe - sie nahm bis dato Dolormin Schmerztabletten.
Am nächsten Morgen ging ich zuerst zu ihrer Hausärztin, um mir d. Befunde geben bzw. sagen zu lassen. Es wäre alles i.O., sie kann nichts finden. Die Lunge, Blut, röntgen...Aber ich wies sie auf d. Finger hin u. sagte ihr, dass da was sein muss u. sie furchtbare Schmerzen habe und was sie wiegt. Sie meinte, dann solle sie am nächsten morgen eben kommen und dann gibt sie ihr ne Einweisung f. Klinik. Ich sagte ihr, daß sie es nicht mehr schafft bis zum Arzt...
Im Anschluss ging ich zu meiner Mama und bekam fast nen Schock-wie sie aussah. Gemeinsam mit ihrem Partner baten wir sie endlich ins Krankenhaus zu gehen. Widerstandslos willigte sie ein. Das war nicht ihre Art-sonst wehrte sie sich gegen Artzbesuche u.s.w.
Am 12.07. wurde sie schließl. per Notarzt eingeliefert. Die ganzen Untersuchungen...sie war fix und alle. Station B21 (6Tage) - Diagnose: re. Lungenflügel komplett verkrebst und bereits gestreut, Leber bereits infiziert, Metastasen im Gehirn - keine Chance mehr noch auf Heilung...
Sie bekam den Port. - Station C 32 (5 Tage) - danach auf d. Palliativstation - nun auch noch Katheter. Unser Hospiz stellte sich vor - wir beschlossen, dass sie dahin verlegt wird, sobald sie sie richtig mit Schmerzmitteln Morphin u.s.w. eingestellt haben. Mein 40. Geb. kam und ich bangte, sie möge nicht an diesem Tag sterben. Sie wollte, dass ich feierte u. ich tat es. Ein trauriger Geburtstag und alle gaben sich doch so viel Mühe, mich auf zu heitern. Ich wollte nur zu ihr.
Am nächsten Tag ging ich mit Geb.-kuchen auf Station und schloss mich entkräftet in ihre Arme und sagte, dass sie froh sei, mir noch gratulieren zu können....Tränen....
Am 01.08. verlegte man sie in ein Hospitz. Es gefiel ihr sehr gut dort und sie lebte noch mal auf. Sie wurde dort 58 J.! am 20.08. wagten wir einen letzten Ausflug mit ihr an einen See. Wir haben uns extra einen Kombi geliehen, wg. dem Rollstuhl, in d. sie schon längerer Zeit sass. Sie genoss es und schaute sich überall neugierig um. Wochen vergingen und sie musste an die Pumpe-dauerhaft Morphin. Sie hatte ständig Schmerzen und konnte nicht mehr! Ich hab nur noch geweint und gebetet, er soll sie doch endlich zu sich holen.
Am 29.08. war ich gleich morgens bei ihr - so ein Gefühl! Ich rannte fast ins Hospiz.
Ich war fürchterlich erschrocken über ihren starren Blick - sie wurde mir gerade im Gang entgegengeschoben von einer Schwester. Sie sagte mir, dass sie sehr schwach wäre und Haare waschen nicht möglich. Meine Mutti begann zu weinen und ich mit. Sie mussten uns auf Terrasse bringen, da weinten wir beide weiter und weiter. Sie tat mir so unendlich leid. Unter Tränen aß sie ihr Frühstück und sagte mir, dass sie nicht mehr kann! Wir redeten kaum miteinander - ich wollte nur bei ihr sein. Dann brachte ich sie in ihr Bett - von da starrte sie nur noch an mir vorbei. Ihr Blick hatte sowas endgültiges.
Am Abend bekam ich d. Nachricht, sie sei mehrfach gestürzt, wohl beim Versuch auf zu stehen. Sie hatte nun noch mehr Schmerzen. Am nächsten Morgen rief mich d. Hospitz, ich solle sofort in d. Notaufnahme, sie lassen sie röntgen. Ich hörte sie dort d. ganze Zeit schreien u. weinen - es war unerträglich. Aber ich konnte nicht zu ihr. Dann nach ca. 30min. schoben sie sie im Bett raus. Ich fühlte mich so hilflos. Sie weinte und stöhnte vor Schmerzen...Einfach furchtbar für mich! Sie hatte einen Oberschenkelhalsbruch erlitten. Station B 31. Jetzt wurde diskutiert: was tun? In ihrem Zustand, mit dem Gewicht. Wir entschieden uns für d. OP, sie konnten sie so nicht liegen lassen. Innerlich hofften wir, sie würde während d. Narkose einschlafen um endlich keine Schmerzen mehr ertragen zu müssen. Wir mussten uns nun von ihr verabschieden, da das Risiko sehr hoch ist.
Sie operierten und sie wachte wieder auf - unglaublich! Aber es tat mir für sie nur leid. Noch mehr Qualen, wozu, wofür? 1Tag auf Intensivstation, dann auf die Palliativ. Jetzt erst konnten wir zu ihr. Ihre Augen meist geschlossen, sie wollte sich bewegen. Aber sie durfte nicht. Am 01.09. gingen wir 13.00 in ihr Zimmer - sie brodelte, konnte nicht mehr sprechen, Augen blieben verschlossen - aber sie wußte, wir waren da. Mein Bruder und ich! Sie kämpfte! Stunden vergingen, bis wir nicht mehr konnten. Um 22.00 verabschiedeten wir uns wieder und sagten ihr, auch wenn wir jetzt gingen, so bleiben wir doch bei ihr. Es war einfach grauenvoll. Um 00.20 endete ihr Kampf - sie schlief ein!
Mit ihr bin ich auch irgendwie gegangen, ich kann es noch nicht begreifen, nicht glauben, nie wieder mit ihr einen Kaffee zu trinken, zu lachen, ihr meinen Alltag zu erzählen

- NICHTS - und NIE WIEDER!!!!

Am 20.09. findet die Trauerfeier statt, einen letztes Mal sich verabschieden.

Aber ich denke und glaube, wir sehen uns wieder. Sie ist trotzdem bei mir hier und überall.

Ich vergess dich nie - Dein Töchterchen

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7. September 2011 um 21:51

Trauer
Ich danke Dir! Das ist ein sehr schönes Gedicht! LG

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7. September 2011 um 22:01

Schmerz
Liebe loli!

Deine Zeilen schmerzten sehr beim Lesen. Es tut mir unendlich leid für deine Mutti und dich, was ihr habt mitmachen müssen. Und was du nun erleben mußt.

Ich wünsche dir für die nächste Zeit alle Kraft, und ich bin mir sicher, sie hat dich nie verlassen.

Alles Liebe *ich drücke dich*

(habe vor 1,5 Jahren meine Mutter an Krebs verloren)

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7. September 2011 um 22:18

Es tut mir sehr leid,
aber ihr habt noch eine Zeit gemeinsam gehabt und sie wird immer bei dir sein und sie möchte , dass es bei euch gut
weitergeht, also lebe ein Leben zu Ehren deiner Mutter weiter.
Du bekommst bestimmt Unterstützung bei der Trauerarbeit durch das Hospiz.
Lieben Gruß
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