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Meine Leidensgeschichte

24. September 2012 um 3:26 Letzte Antwort: 24. September 2012 um 23:57

Hallo ihr Lieben,

ich bin gerade ziemlich verzweifelt. Es gibt einen Mann in meinem Leben, für den ich mich sehr interessiere. Ich würde ihm gerne meine Gefühle gestehen und mich auf ihn einlassen. Allerdings wurde ich vor einem Jahr vergewaltigt und fühle mich seitdem oft deprimiert, ängstlich, kompliziert, beschmutzt und allgemein wertlos. Im letzten Jahr habe ich alles in meiner Macht stehende getan, mit diesen Gefühlen umzugehen und ein steiler Weg der Besserung/Heilung liegt bereits hinter mir, aber jetzt, da ich ihn date, ist besonders das Gefühl der Wertlosigkeit wieder über alle Maßen stark. Ich habe einfach das Gefühl aufgrund dessen was mir passiert ist, wäre ich es nicht wert eine gleichberechtigte Beziehung mit jemandem einzugehen und geliebt zu werden und er hätte etwas Besseres verdient. Diese Gefühle sind grausam, weil ich natürlich weiss, dass sie falsch sind und trotzdem stellen sie sich immer wieder ein. Wie soll ich damit umgehen?


Das Dumme ist, dass er mit der Geschichte, die mir zugestoßen ist verbunden ist. Damit ihr mich besser versteht, erzähle ich hier einmal die ganze Geschichte. Ich weiss, auch wenn ich mich kurzfasse, bedeutet das viel Text, aber ich hoffe, ihr folgt mir trotzdem: Ich brauche wirklich Rat!


Ich werde alles nüchtern erzählen, nicht weil ich abgebrüht wäre, sondern weil es mir hilft.


Ich nenne ihn der Einfachheit P. Wir haben uns im Herbst 2010 kennengelernt. Ich war als Ausstauschstudentin an einen anderen Ort gekommen, traf ihn am ersten Tag an der Uni und PENG war verliebt in ihn. Zu dem Zeitpunkt hatte ich aber noch einen anderen Freund. Ich habe mich aus Schuldgefühlen für die alte Beziehung entschieden und P. hat dummerweise (mein Fehler!) über Facebook davon erfahren, dass ich vergeben war, nachdem wir uns aber bereits einmal getroffen hatten. Er war verständlicherweise sauer und hat monatelang nicht mit mir geredet. Nach einer Zeit habe ich mich von der alten Beziehung getrennt und noch eine Zeit später bekam ich dann auch wieder Kontakt zu P.
Ich entschied mich es noch einmal zu versuchen, denn so unglücklich die Dinge auch gelaufen waren, so war es doch immer P. um den sich meine Gedanken drehten. Ich schrieb ihm einen Brief mit einer Liebeserklärung. Er freute sich darüber und wir machten ein Date aus.
Dieses Mal wollte ich alles richtig machen, denn es tat mir wirklich Leid, wie die Dinge gelaufen waren.

Zwei Tage nachdem ich ihm diesen Brief geschickt hatte, wurde ich jedoch von meinem besten Freund auf einer Feier mit Drogen im Glas vergiftet und anschließend in meiner Wohnung vergewaltigt.
Ich habe P. ein paar Tage später kurz gesehen. Es war jedoch kein Date und ich stand sehr unter Schock und fühlte mich beschmutzt und ihm gegenüber beschämt. Es hat bei diesem Treffen nicht zwischen uns gefunkt. Ein paar Wochen später habe ich mich auf jemand anderen eingelassen, den ich nicht geliebt habe. M.
Ich würde unsere Verbindung als gegenseitiges Zweckbündnis bezeichnen und ich bin es eingegangen, während ich noch völlig unter Schock stand. Für mich war nur klar, ich würde nicht mit meinen Eltern darüber reden wollen. Gleichzeitig lebte ich aber allein in einem fremden Land, dass sich für mich plötzlich von einer völlig anderen, brutalen Seite gezeigt hatte. M. war sehr groß und stark, ich hoffte Schutz bei ihm zu finden.
(im Nachhinein war das eine dumme Entscheidung, aber das ist eine andere Geschichte... )
Ich machte eine Therapie und zeigte den Täter an, leider jedoch aufgrund von Beweismangel erfolglos. Irgendwann habe ich mich meinen Eltern dann doch anvertraut und das war sehr heilsam. Besonders meine Mutter unterstützt mich sehr.
P. war wie aus meinen Gedanken gelöscht. Ich hatte einfach nur das schmerzhafte Gefühl, dass mich sein Verlust zum zweifachen Opfer machte. Es war das erste Mal gewesen, dass ich mich getraut hat, mich frei für einen Mann zu interessieren und ihm meine Gefühle zu gestehen.

Die Geschichte von 2010 wiederholte sich, denn wieder erfuhr P. über facebook von der Änderung in meinem Beziehungsstatus nur wenige Wochen nach diesem Brief.

Ich dachte einfach nur, ich habe ihn endgültig verloren.
Schluss mit M. Eine lange Zeit später traf ich durch Zufall P. Meine Gefühle waren sofort wieder da. Auch er wirkte interessiert. Seitdem treffen wir uns wieder, das geht aber eher von mir aus. Ich würde mich gerne in aller Form bei ihm entschuldigen und ihm erklären, was passiert ist. Ich weiss aber nicht, ob das mein generelles Schuldgefühl ist, was ich seitdem empfinde und ob es überhaupt klug ist, ihn weiterhin zu treffen, denn damit bleibt ja auch ein Teil der Leidensgeschichte immer präsent.

Ab wann wart ihr bereit, euch wieder auf jemanden einzulassen und wie sind eure Meinnungen und Ansichten?

Ich bin gerade total müde und habe schon die Hälfte meiner Fragen wieder vergessen. Dieses Thema quält mich seit mittlerweile vier Wochen. Wenn mir die Fragen wieder einfallen, schreibe ich sie einfach in einer neuen Nachricht. BITTE STEHT MIR IN DIESER SACHE MIT RATSCHLÄGEN BEI!

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24. September 2012 um 23:57

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Hey danke für deinen Beitrag, jasieblume.

Die Beispiele aus meinem Beitrag sind als Indikatoren vielleicht nicht besonders gut gewählt, aber es stimmt dass ich in der Vergangenheit oft Probleme damit hatte, Entscheidungen für mich und nicht für die anderen zu treffen. Durch die Ereignisse des letzten Jahres ist mir aber bewusst geworden, wie wichtig es ist "nein" zu sagen und ich habe sehr stark daran gearbeitet.

Und natürlich hängt das Selbstwertproblem auch mit früheren Erfahrungen zusammen, das ist auch etwas wo ich viel drüber nachgrübel. Was mir außerdem immer hilft, ist diese Dinge aufzuschreiben.

Die Situation mit P. (2010) habe ich vielleicht nicht richtig geschildert: Da war die blitzartige Verliebtheit, die ich mir aber nicht eingestehen wollte, weil ich ja meinen Freund hatte. P. war ebenfalls an mir interessiert und wir trafen uns (ich redete mir ein, es wäre freundschaftlich, doch eigentlich war es ein Date). Am Ende dieses Tages konnte ich nicht mehr vor mir verheimlichen, dass ich in ihn verliebt war. Gleichzeitig hatte ich ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Freund und wollte die Beziehung mit ihm unbedingt retten. Ich änderte also meinen Beziehungsstatus bei Fb auf in einer Beziehung als P. zufällig gerade online war. Er muss sich ziemlich verarscht vorgekommen sein, schließlich hatten wir uns ja noch am gleichen Tag gedatet.........
Ich vermute, dass er enttäuscht war und wütend. Deswegen hat er dann zunächst nicht mehr mit mir geredet (kann das gut verstehen, die Situation war unglücklich.....)
Warum würdest du hieraus schließen, dass er keine reife Persönlichkeit ist?

Das nur am Rande. Was mir an der Situation Unbehagen bereitet ist: 1. wie bereits beschrieben, dass die gesamte Leidensgeschichte Teil der Kennlerngeschichte wäre, sollten wir jemals zusammen kommen (das fühlt sich nicht gut an, die so auf ewig weiter präsent zu haben) und 2. da P. nicht von der Vergewaltigung weiss, muss er zwangsläufig von mir denken, dass ich nur mit ihm gespielt hätte und jeder Versuch, Nähe zwischen uns herzustellen, müsste von mir ausgehen - damit hätte ich eine Büßerrolle für etwas, für das ich nichts kann.... 3. sollten nicht wenigstens das Verlieben und der Anfang einer neuen Beziehung leicht sein? Kann sich auf dieser Geschichte überhaupt noch eine gesunde Beziehung aufbauen?

Und das ist wirklich ein Grundproblem: Nach der Vergewaltigung habe ich mich wie von einer Mauer eingeschlossen gefühlt. Ich war so schockiert, dass es mein bester Freund war! Vorher war ich ein recht naiver Mensch.
Ich verstummte, konnte nur noch Worte finden, nachdem ich meinem Gegenüber zumindest im Ansatz von der Gesichte erzählt und somit den Bann gebrochen hatte. Nach ein paar Monaten ließ das nach und mittlerweile kann ich wieder ganz normal mit Menschen reden, auch mit denen die gar nichts wissen - bloß bei P. spüre ich diese Mauer. Und ich vermute, dass sie auch bei jedem weiteren potenziellen Partner da wäre. Wie soll ich damit umgehen?

Dein Ratschlag ist sehr gut. Ich verfolge diesen Gedanken schon eine ganze Weile und habe schon vieles geändert in meinem Leben. Ich weiss, dass ich auf keinen Fall in die Abhängigkeit gehen möchte, deswegen bin ich ja in der Sache mit P. auch so vorsichtig. Andererseits denke ich aber, dass mir eine gesunde Beziehung gerade vielleicht gut tun könnte, weil ich mich wieder öffnen möchte und in erster Linie war ich einfach völlig überrascht davon, dass ich immer noch Gefühle für P. hatte und darüber, dass er mir nach den zwei gewesenen Anläufen noch eine Chance gibt. Bin aber auch für KBT angemeldet.

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