Anzeige

Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Meine Freundin wurde vergewaltigt. Wie kann ich ihr helfen?

Letzte Nachricht: 4. September 2011 um 21:56
D
duilio_12323824
01.09.11 um 0:06

Hallo erstmal,
Ich bin hier neu und komme gleich mit einem großen Problem:
Meine Freundin hat mir erzählt, dass sie als Kind vergewaltigt wurde. Wir sind noch nicht allzu lange zusammen und sie hat das bisher auch kaum jemand erzählt, weshalb ihre Offenheit für mich sowohl ein riesiger Vertrauensbeweis als auch eine große "Bürde" bedeutet.
Wie ihr euch vorstellen könnt, überschattet das Thema sehr sehr vieles in einer Beziehung... Trotzdem bedeutet sie mir sehr viel und ich möchte sie unterstützen.
Mein Problem ist folgendes: Natürlich hab ich ihr versprochen niemandem davon zu erzählen, aber ich möchte ihr helfen und weiß nicht so recht was ich für sie tun kann... Sie macht seit einer Weile eine Therapie, spricht darüber im Alltag verständlicherweise nur sehr ungern und hat bisher auch nur sehr wenigen Leuten davon erzählt... Wenn das Thema aufkommt, wirkt sie einerseits realistisch, andererseits aber teils auch erschreckend pessimistisch. Wie kann ich ihr helfen die Kraft zu finden mit diesem ganzen "Warum soll ich eigentlich noch weiter kämpfen?"-Mist umzugehen? Fast alle meine "Lebensweisheiten" kommen mir angesichts ihrer Lebenssituation wie leere leicht daher gesagte Worthülsen vor. Sie sagt immer, dass sie letztenendes selbst damit klar kommen muss (was ja auch stimmt!). Nur fühle ich mich dadurch zum Zuschauer verdammt. Ich weiß irgendwie nur, dass ich stark sein und ihr Kraft geben will. Aber ich weiß nicht wirklich wie... Ich versuche momentan eben die guten Phasen mit ihr zu genießen und ihr in den schlechten zuzuhören... aber ihre dann oft sehr depressiven Ansichten machen mir teilweise schon etwas Angst..
Vielleicht habt ihr ein paar Tipps für mich... Wäre jedem dankbar der mir helfen kann, mit ihr einen Ausweg aus diesem ganzen Psychodreck zu finden!

Mehr lesen

D
duilio_12323824
01.09.11 um 10:30

Danke
Danke erstmal für die schnelle Antwort.
Was es genau für eine Therapie ist, weiß ich nicht. Wenn das Thema das nächste Mal aufkommt, kann ich sie das mal fragen. Aber ich will da wirklich momentan nichts aus ihr "herausfragen".
Im Grunde bestätigst du mir genau die Vorsätze, die auch ich mir genommen habe. Zu versuchen ihr einen "schönen Ausgleich" zu bieten ist wohl das wichtigste von allem!
Aber ich bin mir auch bewusst, dass ich auf mich selbst schauen muss. Ich hoffe nur dass ich die Kraft finde das alles mit ihr durchzustehen ohne selbst daran zu zerbrechen...

Schlimm ist auch, dass die Person, welche ihr das angetan hat, nie bestraft wurde und mittlerweile wohl auch nicht mehr bestraft werden kann (schon allein weil ein Prozess mit psycholog. Gutachten meine Freundin momentan völlig überfordern würde). Dadurch bleibt aber auch die Angst, dass die Person eines Tages wieder Kontakt zu ihr aufnimmt, was sie anscheinend auch schon seit Jahren versucht!

Ich bin dir wirklich erstmal sehr dankbar! Habe mir auch gleich mal zwei Bücher bestellt.
Würde mich aber auch noch über weitere Tipps und Anregungen freuen.

Gefällt mir

S
sindri_12305490
01.09.11 um 17:28

Hi
mit niemandem reden zu können kann eine sehr große last werden.
natürlich sollst du nicht am stammtisch darüber reden, aber schaue bitte, dass wenn es dir zuviel wird, du dich auch mal austauschen kannst.
tatsache ist einfach dass du keine stütze sein kannst, wenn du selbst überfordert bist. und dass ist keine schwäche wie ich lange zeit dachte, sondern nur zu verständlich, dass einen auch mal was überforndern kann.

ja diese lebensweisheiten sind in auch nur leere wordhülsen, wenn man nur noch schwarz sehen kann....
die tatsache dass wieder andere/bessere zeiten kommen ist an der stelle auch kein wirklicher trost.

den grund warum man weiterkämpfen sollte/muss, erkannt man mit der zeit. zu erkennen dass, das leben auch schön sein kann und das man als mensch einen wert hat ist manchmal gar nicht so einfach. schon gar nicht für menschen die so etwas erlebt haben.

sich nur als zuschauer zu fühlen ist eines der schwierigsten umstände, für den partner finde ich. man will helfen kann es aber nicht...
ABER, es ist nicht ganz richtig. denn der partnerin zu zeigen dass sie ein toller mensch ist und es wert geliebt zu werden. für sie da zu sein und ihr momente der freude und des lachens zu ermöglichen, ist mehr als man manchmal denkt!
dazu gehört auch ihr zu zeigen dass und wie du dein leben lebst, und sie es auch schaffen kann. der missbrauch muss nicht das leben bestimmen. sie kann sich ihr leben zurück erobern. das ist ein guter grund zu kämpfen.

wenn du noch fragen hast, einfach drauf los. gerne auf persöhnlich per nachricht.

Alles gute, viel Kraft und Ausdauer Dir und Deiner Freundin.
Jochen

1 -Gefällt mir

D
duilio_12323824
01.09.11 um 20:23
In Antwort auf sindri_12305490

Hi
mit niemandem reden zu können kann eine sehr große last werden.
natürlich sollst du nicht am stammtisch darüber reden, aber schaue bitte, dass wenn es dir zuviel wird, du dich auch mal austauschen kannst.
tatsache ist einfach dass du keine stütze sein kannst, wenn du selbst überfordert bist. und dass ist keine schwäche wie ich lange zeit dachte, sondern nur zu verständlich, dass einen auch mal was überforndern kann.

ja diese lebensweisheiten sind in auch nur leere wordhülsen, wenn man nur noch schwarz sehen kann....
die tatsache dass wieder andere/bessere zeiten kommen ist an der stelle auch kein wirklicher trost.

den grund warum man weiterkämpfen sollte/muss, erkannt man mit der zeit. zu erkennen dass, das leben auch schön sein kann und das man als mensch einen wert hat ist manchmal gar nicht so einfach. schon gar nicht für menschen die so etwas erlebt haben.

sich nur als zuschauer zu fühlen ist eines der schwierigsten umstände, für den partner finde ich. man will helfen kann es aber nicht...
ABER, es ist nicht ganz richtig. denn der partnerin zu zeigen dass sie ein toller mensch ist und es wert geliebt zu werden. für sie da zu sein und ihr momente der freude und des lachens zu ermöglichen, ist mehr als man manchmal denkt!
dazu gehört auch ihr zu zeigen dass und wie du dein leben lebst, und sie es auch schaffen kann. der missbrauch muss nicht das leben bestimmen. sie kann sich ihr leben zurück erobern. das ist ein guter grund zu kämpfen.

wenn du noch fragen hast, einfach drauf los. gerne auf persöhnlich per nachricht.

Alles gute, viel Kraft und Ausdauer Dir und Deiner Freundin.
Jochen

Danke
hi jochen!
kann gut sein dass ich mich demnächst auch mal per pn bei dir melde. habe auf jeden fall öfters den drang mit jemandem darüber zu sprechen, wobei mir aber ein versprechen ihr gegenüber im weg steht, welches ich nicht brechen möchte...
naja kleine zwickmühle halt.
aber auf jeden fall freut es mich zu hören, dass meine gedanken und vorhaben mit dem theam umzugehen scheinbar schon in die richtige richtung gehen.
vielen vielen dank!

Gefällt mir

Anzeige
D
duilio_12323824
01.09.11 um 23:13

...
mit "sie" meinte ich die person, welche ihr das angetan hat. er versucht anscheinend schon länger wieder an sie heran zu kommen und seit einem jahr oder so über dritte ihren momentanen wohnort herauszufinden. weiß gott warum...
was für eine kranke gestalt!
verjährt ist es laut ihr noch nicht. aber wie gesagt: ich glaube nicht, dass sie eine anzeige machen möchte bzw. einen prozess durchstehen würde. zudem ist das vertrauen in unser (in diesem punkt leider viel zu laschen) rechtssystem natürlich nicht sonderlich groß.

das ver-/misstrauen ist natürlich der nächste große punkt. der grund warum sie nicht möchte, dass ich anderen davon erzähle ist nicht eine schweigepflicht, die ihr eingetrichtert wurde, sondern die angst vor tratsch bzw. davor immer und überall mit dem thema konfrontiert zu werden. das verstehe und respektiere ich natürlich, da ich denke, dass gerade die von dem thema "freien" momente für sie momentan sehr wichtig sind.

ihr vertrauen mir gegenüber ist für unsere noch sehr junge beziehung sehr groß. wenn dann reden wir auch wirklich sehr offen darüber. dafür schätze ich sie auch sehr! anderen gegenüber ist sie dagegen sehr misstrauisch. gerade deshalb ist es mir aber auch wichtig ihr vertrauen in mich nicht zu erschüttern!

ich werde aber ihre therapie und mein gesprächsbedürfnis zu gegebener zeit ansprechen. mich interessieren allerdings auch tatsächlich eher die auswirkungen auf jetzt und auf ihre zukunftsperspektiven, welche wie gesagt leider oft sehr pessimistisch klingen...
an das ereignis selbst kann sie sich nicht mehr erinnern.

das mit dem geben und nehmen ist so eine sache... sie selbst sagt, dass sie momentan "nichts geben kann".
natürlich stimmt das nicht ganz. allein durch ihre (wie ich finde) starke art damit umzugehen und sich trotzdem auch um andere zu kümmern, gibt sie mir sehr viel. außerdem sehe ich die situation für mich als herausforderung, chance zu lernen und mich letztendlich auch selbst besser kennen zu lernen... aber das geht hier jetzt vielleicht auch zu weit.. im grunde geht es ja auch darum sich von unrealistischen erwartungen frei zu machen.
wir können die zeit gemeinsam auf jeden fall meistens sehr genießen, was wohl gerade auch das wichtigste ist.

Gefällt mir

D
duilio_12323824
01.09.11 um 23:20
In Antwort auf duilio_12323824

...
mit "sie" meinte ich die person, welche ihr das angetan hat. er versucht anscheinend schon länger wieder an sie heran zu kommen und seit einem jahr oder so über dritte ihren momentanen wohnort herauszufinden. weiß gott warum...
was für eine kranke gestalt!
verjährt ist es laut ihr noch nicht. aber wie gesagt: ich glaube nicht, dass sie eine anzeige machen möchte bzw. einen prozess durchstehen würde. zudem ist das vertrauen in unser (in diesem punkt leider viel zu laschen) rechtssystem natürlich nicht sonderlich groß.

das ver-/misstrauen ist natürlich der nächste große punkt. der grund warum sie nicht möchte, dass ich anderen davon erzähle ist nicht eine schweigepflicht, die ihr eingetrichtert wurde, sondern die angst vor tratsch bzw. davor immer und überall mit dem thema konfrontiert zu werden. das verstehe und respektiere ich natürlich, da ich denke, dass gerade die von dem thema "freien" momente für sie momentan sehr wichtig sind.

ihr vertrauen mir gegenüber ist für unsere noch sehr junge beziehung sehr groß. wenn dann reden wir auch wirklich sehr offen darüber. dafür schätze ich sie auch sehr! anderen gegenüber ist sie dagegen sehr misstrauisch. gerade deshalb ist es mir aber auch wichtig ihr vertrauen in mich nicht zu erschüttern!

ich werde aber ihre therapie und mein gesprächsbedürfnis zu gegebener zeit ansprechen. mich interessieren allerdings auch tatsächlich eher die auswirkungen auf jetzt und auf ihre zukunftsperspektiven, welche wie gesagt leider oft sehr pessimistisch klingen...
an das ereignis selbst kann sie sich nicht mehr erinnern.

das mit dem geben und nehmen ist so eine sache... sie selbst sagt, dass sie momentan "nichts geben kann".
natürlich stimmt das nicht ganz. allein durch ihre (wie ich finde) starke art damit umzugehen und sich trotzdem auch um andere zu kümmern, gibt sie mir sehr viel. außerdem sehe ich die situation für mich als herausforderung, chance zu lernen und mich letztendlich auch selbst besser kennen zu lernen... aber das geht hier jetzt vielleicht auch zu weit.. im grunde geht es ja auch darum sich von unrealistischen erwartungen frei zu machen.
wir können die zeit gemeinsam auf jeden fall meistens sehr genießen, was wohl gerade auch das wichtigste ist.

Ach ja..
was denke ich auch ein problem ist, bei der sache mit den büchern, gesprächen etc...
sie sagt, sie möchte mir bzw. anderen nicht mit ihrem problem zur last fallen. sie meint eben letztenendes muss sie selbst damit klar kommen... ich versuche ihr darum möglichst zu signalisieren, dass ich diese last gern für sie auf mich nehme.. aber wie gut sie das akzeptieren kann, weiß ich grad auch nicht abzuschätzen..

Gefällt mir

Kannst du deine Antwort nicht finden?

D
duilio_12323824
02.09.11 um 14:55

...
oje na da habt ihr mich auch falsch verstanden mit diesem "lasten tragen"
natürlich kann ich ihr die last nicht abnehmen! was ich meinte ist, dass es auch für mich eine belastung bedeutet, die ich aber auch annehme.

da unsere beziehung noch jung ist, denke ich mal, dass ich mir und ihr mit dem "nichtschweigen" einfach noch etwas zeit lassen. aber du hast schon recht. ich denke langfristig ist offenheit das beste. grundsätzlich reden wir ja auch sehr offen miteinander. aber ich glaub manches braucht einfach seine zeit. das forum hier ist mir für mich momentan aber auch sehr hilfreich. danke nochmal!

"pessimistische aussagen" wie z.B. "es wäre ein wunder wenn die beziehung funktioniert" oder "wenn jemand nicht mehr leben möchte, sollte er das recht haben zu gehen."
kann man sicher verstehen, dass sowas nicht schön zu hören ist... wobei sie sagt, dass sie über zweiteres nicht oft nachdenkt.

Gefällt mir

Anzeige
D
duilio_12323824
03.09.11 um 13:07

...
also dieses bedürfnis nach unabhängigkeit und die probleme mit nähe kenne ich mittlerweile auch sehr gut von ihr. das kann ich aber (denke ich) auch ganz gut akzeptieren.
leicht ist es natürlich nicht...
sie macht übrigens "psychoanalyse und psychotherapie".
war ja vorhin auch schon gefragt worden.
ich hoffe, dass wir das mit der offenheit so hinbekommen. aber ich glaube wir haben schon beide einigermaßen gute vorraussetzungen dafür, da wir beide menschen sind, denen ehrlichkeit sehr wichtig ist.

freut mich auch zu hören, dass du und dein partner es trotz dieser ganzen schwierigkeiten schon so lange geschafft haben. das gibt mut und hoffnung.
was habt ihr (vor allem auch er) denn dafür so an hilfen in anspruch genommen und getan?

Gefällt mir

W
willem_12081700
04.09.11 um 11:35

Hallo
Das wichtigste ist das du sie unterstuetzt.
Das sie jemanden hat mit dem sie reden kann wenn sie es moechte.
ABer sie soll nie zu etwas gezwungen werden was sie nicht will.
Ich wuensche deienr freundin alles gute.
Passt auf euch beide auf.

LG
Marian

Gefällt mir

Anzeige
D
duilio_12323824
04.09.11 um 21:56

...
also die therapie ist so zweigleisig analyse und therapie mit ein bis zwei sitzungen pro woche. sie sagt sie fühlt sich nicht überfordert und fühlt sich auch in guten händen. meint auch sie sei so stabil wie seit jahren nichtmehr, insofern muss ich da wohl mal drauf vertrauen, dass es für sie das richtige ist.

außerdem hatten wir heute noch ein ausführliches anstrengendes und ehrliches gespräch.das mit dem redeverbot hat sich dadurch erledigt. und über die selbstmordgeschichte haben wir auch nochmal gesprochen und sie hat mir versprochen, dass ich mich darauf verlassen kann dass sie keinen unsinn macht. für mich war das schon sehr befreiend. für sie natürlich anstrengend aber denke ganz ok. trotzdem hoff ich natürlich dass wir uns in nächster zeit solche gespräche erstmal sparen können... auch wenn mir klar ist dass wohl noch so einige folgen werden.

ich kann mich nur nochmal für eure tipps und anregungen danken. es hilft schon sich mit menschen austauschen zu können die erfahrungen mit dem thema gemacht haben.
DANKE!

Gefällt mir

Anzeige