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Mein Vater ist vor 3 Monaten gestorben

13. Mai 2012 um 2:12

Hallo,

ich dachte mir, ich suche mir mal im Internet Rat und Tipps.....

Vor ca. 3 Monaten ist mein Daddy im Alter von 69 Jahren an Magenkrebs gestorben. Er war bereits 2009 daran erkrankt. Es begann mit mehreren Zyklen Chemotherapie die er anfangs total gut vertragen hat außerdem wurden ihm Magen, Teile vom Darm sowie die Milz entfernt. Darauf gabs wieder Chemo.... Er hat alles "relativ" gut vertragen und ich hätte nie gedacht das ein Mensch soviel mitmachen kann und überlebt... Auch Essen, was man ja ohne Magen schlecht kann, hat er trotzdem immer wieder versucht und auch teilweise geschafft. Er hat sogar seine künstliche Nahrung per Flugzeug mit in Urlaub genommen und ist sogar allein weggeflogen und hat sich dort Ärtze gesucht. Meine Stiefmutter hat sich um ihn daheim gekümmert, anfangs war er selbst noch Mobil und brauchte nur Hilfe mit dem Essen und den Medikamenten aber mit zunehmender Schwere der Krankheit wurde er auch körperlich schwach und hat 30 kg abgenommen. Am Anfang zeitgleich zu der 1. großen OP hatte ich mein Abi an der Backe, bald darauf mein Studium und zog aus, da ich 1. selbstständig sein wollte und 2. vllt auch teilweise weil ich dem Stress entgehen wollte. Ich kam natürlich so oft wie möglich zu Besuch und versuchte jeden Tag mind. mal jeden 2. vorbeizuschauen....Insgesamt lag mein Vater auch viel stationär im Krankenhaus anfangs wegen der Ops, dann wegen kleineren Sachen wie Abszessen oder einer Lungenentzündung. Auch dort besuchte ich ihn, konnte aber nie lange bleiben, erstens aufgrund von Zeitmangel aber auch weil ich es nie mit ansehen konnte ihn so leiden zu sehen. Für mich war er immer Vorbild und er war immer sehr zielstrebig und ja sehr kräftig und wurde auch gerne mal laut aber seit er so abgenommen hatte und schwach war hat er sich total verändert, er regte sich zwar immer noch manchmal zu schnell auf wie früher aber (was auch positiv war) er wurde viel offener und redete viel mehr mit mir und suchte viel mehr Nähe. Ich kannte das von meinem Vater von früher nicht das man sich so oft umarmt hat oder mal einen Kuss auf die Wange bekam...
Letztes Jahr ging es ihm zeitweise echt gut auch die Chemo zeigte eine positive Wirkung laut Ärzten... Trotzdem musste er oft ins Krankenhaus gegen Ende des Jahres immer öfter. Es folgten Abszesse an der Bauchdecke , Metastasen in der Leber und vieles mehr. Über Silvester lag er lange im Krankenhaus fast einen ganzen Monat auf der Palliativ zwischendurch kam er einen Tag wieder runter darauf folgte Gelbsucht und die Leber drohte zu versagen... Ende des Monats sagten die Ärzte er solle wenn er das wollte (und das wollte er unbedingt) nach hause und wir müssen ihn noch ein paar Tage pflegen, mehr würden es eh nicht mehr werden.. bis dahin lagen wir abwechselnd auf der Palliativ bei ihm sogar in der Nacht es war ohne Pause jemand bei ihm er war keine Minute alleine... Ich habe nie jemanden so stark gesehen wie meinen Vater obwohl es ihm sos chlecht ging und die Schmerzmittel ständig erhöht wurden und auch sein Kopf dadurch nicht mehr mitmachte wollte er immernoch wissen ob bei mir alles gut ist und hat mit uns Karten gespielt etc.... Wir holten ihn nach Hause denn es machte eh keinen Unterschied ob wir nun da die ganze Zeit sitzen oder im Krankenhaus... Die letzten 4 Wochen waren der Horror erst die Zeit im Krankenhaus, in der ich jeden TAg nen Anruf kam, er würde jeden Augenblick sterben hingesetzt bin und es war nix dann die Nächte die ich dort trotz Ausbildung verbracht habe (und die waren nicht erholsam, da er die ganze Nacht hustete, trinken oder pinkeln musste oder einfach eine starke Unruhe hatte und ständig aufstand), zuhause war das nicht anders ich bin dann sogar nicht mehr in meinen Unterricht gegangen um dort zu helfen und weil ich nicht wollte das ich weg bin und es passiert.... ich teilte mir zuhause auch den " wachdienst" mit meiner Stiefmutter es ging ihm einige Tage total gut, er tanzte durch den Raum empfing total viel Besuch etc. Ich hatte total die Hoffnung das nun alles wieder gut wird, aber gleichzeitig hab ich viel nachgelesen und wusste das es so eine positive Wende gibt, wenn Todkranke nochmal nach Hause kommen, die aber nur von kurzer Dauer ist.... Wir hatten auch einen tollen Pflegedienst der morgens und abends kam um Medikamente anzuschließen.... Nach und nach traten dann Symptome ein, die im Internet als Sterbeprozess beschrieben waren... er wurde immer unruhiger, halluzinierte, musste nicht mehr pinkeln, die Atmung wurde anders erst rasselte sie, dann wurde sie langsamer, wir wussten also dass es nicht mehr lange dauern würde.... Schon einige Wochen zuvor wollte mein Vater alles klären, hatte das TEstament geschrieben und wollte seine Beerdigung etwas mitplanen. Er traute das natürlich niemandem zu und wollte mitentscheiden, weshalb ich schon 1 Monat vor seinem Tot eine Pietät aufsuchte... Ich organisierte schonmal grob alles was man so aussuchen kann und organisieren kann, sodass ich wenn es passiert nix mehr machen muss.. Er schrieb auch an seiner Todesanzeige mit und gab zu allen Sachen noch seine Meinung ab... Nun war es nun soweit, in der letzten Nacht konnte man schon erahnen, dass es nur eine Sache von Stunden ist, es war dann ca. 10 Uhr morgens die Atmung war schon die ganze Nacht total langsam und er hatte schon 2 Tage durchgeschlafen, bis auf eine kurze SChreckminute am Vortag in der er aufschreckte und total wirr und zuckend da lag ... diese Bilder gehen mir heute nicht mehr aus dem Kopf, er schlief dann aber wieder ein und das war auch das letzte Mal das wir mit ihm sprachen. Selbst in dieser Situation , in der ich ihn beruhigte und einen kleinen Witz machte, lächelte er mich an... Ich hoffe, dass ich später falls ich auch mal krank werde nur halb so stark sein kann wie er....
Um 10 Uhr also am nächsten morgen als gerade jemand vom Pflegedienst da war machte er seinen letzten Atemzug, schlief einfach friedlich ein. Und trotzdem war ich total geschockt als es passierte obwohl wir wirklich viel Vorbereitungszeit hatten. Ich rief die Pietät an, Verwandte meinen Freund, wir hatten schon vorher beschlossen ihn einige Zeit im Bett liegen zu lassen damit sich einige Verwandte verabschieden können. 5 Stunden lag er da mein Freund, meine Oma, Onkel kamen noch vorbei wir verabschiedeten uns der schlimmste Moment kam, als er abtransportiert wurde...
Die Beerdigung war total schön und rießig wie er es wollte... Die Zeit danach ging eigentlich ich hatte Probleme durchzuschlafen ode rlange zu schlafen und war total am machen, hatte viel nachzuholen viel zu arbeiten und dachte das tut mir auch gut, aber so nach 1 Monat als auch der Stress etwas abklung wurden meine Schlafprobleme schlimmer ich schlafe schwer ein, komme nie zu Ruh, schlafe nie durch und auch nie länger als 7 Uhr... dadurch bin ich überall unkonzentriert und auch immer müde, ich hab ständig Hunger und nehme alles zu was ich schön vorher im Fitness abgenommen hatte, und hab ständig was Schnupfen , Ausschlag was ich vorher nie hatte... Ich weiss langsam auch nicht weiter ich such schon die normalen Ärzte (allgm) auf um das abzuchecken und überlege auch ob ich mal zu nem Psychologen gehe ob das was hilft, schaden kann es denk ich zumindest nicht aber vielleicht gibt es noch andere Tipps... Mein Freund fängt ziemlich viel auf und tröstet mich aber meine Gefühlsschwankungen und Heulattacken müssen net ständig sein und belasten ihn glaub ich auch....
Weiss langsam echt net was ich machen soll mich stresst alles total selbst Kleinigkeiten ich komm net mehr zu Ruh hab auch Baldriantropfen etc soviel bringt das nicht... ich heule ständig vor allem wenn ich allein bin ich nehme mir schon viel vor die ganze zeit wenn ich abgelenkt gehts auch aber ich kann auch nicht ständig was unternehmen.... Vielleicht hat jemand Tipps wie man besser mit klar kommt oder inwiefern ein Psychologe hilft etc.....

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4. Juli 2012 um 17:54

Schreibe einen Brief an deinen Vater
Hallo,
mein herzliches Beileid. Ich 28j. mache gerade auch eine Trauer durch. Meine Mutter ist im Februar mit 53 J.an Lungenkrebs gestorben.

Die ersten Monate waren furchtbar, habe versucht mich durch Arbeit abzulenken. Alles half nicht, war lange Zeit danach krank geschrieben. Ich hatte auch sehr oft Heulattaken.

Nunmehr geht es mir etwas besser. Die Trauer werde ich immer haben, da ich meine Mutter liebe und vermisse. Es geht halt nur darum, mit ihr umzugehen.

Mir hat es etwas geholfen, einen Brief an meine Muter zu schreiben und dabei eine ruhige Music wie z.B. Celtic Women zu hören.

Ich wünsche dir viel Kraft.

ela

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