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Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Mein Mann wurde als Kind missbraucht und misshandelt - jetzt kommt alles wie hoch

Letzte Nachricht: 14. Dezember 2014 um 21:08
A
ayelet_981338
09.10.14 um 10:53

Hallo ihr Lieben,

ich wende mich nun an dieses Forum, weil die momentane Lage um mich herum mich total an meine Grenzen bringt.
Ich fange mal von vorne an: Mein Mann (jetzt 32) wurde als Kind seit dem 4. Lebensjahr bis zu seinem 17. Lebensjahr schwer misshandelt und die letzten Jahre auch missbraucht.
Er hat das alles verdrängt und sich eine Fassade aufgebaut gehabt, die immer fröhlich und gut gelaunt war.
Dazu muss ich noch kurz sagen, dass die Mutter meines Mannes das alles verschuldet hat. Sie hat sich nie um ihn gekümmert und immer solche "Bekanntschaften" nach Hause gebracht. Immer so zwielichtige Typen. Geglaubt hat sie meinem Mann nie wenn er ihr was gesagt hat. Ich denke sie war auch ein Opfer, aber sie hat nie was durchblicken lassen. Jetzt ist sie seit 8 Jahren weggezogen. Wir wissen nicht wohin und was sie jetzt macht. Sie meldet sich nicht mehr.
Weiter zur jetzigen Situation: Mein Mann hat auch Altlasten gehabt wie Geldprobleme usw. das hat sich alles seit diesem Jahr erledigt. Es ist alles bezahlt und wir sind durch Glück umgezogen in ein schönes zu Hause, wo unsere Kinder sich jetzt sehr wohl fühlen und er sich auch. So ein zu Hause hat er sich immer gewünscht. Er hat dieses Jahr auch eine neue Arbeitsstelle, die ihm angeboten wurde und er ist auch damit sehr glücklich.
Und nun seit ca. 2 Monaten wird er immer depressiver. Er ist in sich gekehrt. Er mag keine Nähe mehr. Also kuscheln und küssen usw. schon noch, aber nicht mehr so oft und er kommt auch nicht mehr so auf mich zu. Zu den Kindern (4 und 8) ist er ungeduldig und schimpft schnell. Er hat auch keine Lust sich mit ihnen zu beschäftigen. Seit ca. 3 Wochen hat er nun auch noch schlimme Alpträume. Er wird nachts wach und ist fix und fertig. Er ist ziemlich am Boden. In kürze hat er seine 1. Stunde bei einer Traumatherapeutin, die ihn schon kennt. Die Therapeutin sagte zu mir alles kommt wieder in Ordnung er muss jetzt die Vergangenheit aufarbeiten und dadurch, dass alle Probleme sich erledigt haben und er sich auf nichts anderes mehr konzentrieren kann, kommt jetzt das durch bei ihm.
Ich habe Angst. Ich bin selber ein etwas depressiver Mensch und muss oft durch so Phasen. Wie soll ich mich verhalten? Es geht mir alles selbst sehr nahe. Mein Mann hat mir ein bisschen was erzählt von früher (nur das was er wollte, ich habe nicht nachgefragt) und ich denke es tat ihm gut zu reden, aber ich bin kein Therapeut. Ich finde es wichtig, zu wissen was mit ihm los ist. Hatte schon Angst es hat mit mir zu tun, dass er mich nicht mehr liebt oder so. Das sagt er aber, dass es nicht ich bin.
Ich bin so verzweifelt. Ich bin nur noch ferngesteuert.
Wäre lieb wenn mir irgendjemand was dazu schreiben könnte oder einen Tip hat wie ich mich verhalten soll. Ich bin innerlich wie zerrissen.

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H
hans_12970676
09.10.14 um 20:00

Ich denke...
... dein Mann brauch eine Pause, in der er das alles ohne großen Druck aufarbeiten kann.
Ich meine keinen stressigen Urlaub. Einfach mal zuhause ein paar Tage ausspannen, im Herbstlaub spazieren gehen, ein bisschen (natur-)romantisch sein und alles sacken lassen.

Auf jeden Fall ist dann aber wichtig, dass er sich mit der Sache beschäftigt. Über die Traumatherapie (darin kann er auch vertrauen) oder eine zusätzliche Gesprächstherapie.

Dir selbst will ich sagen, dass Du seine Partnerin bist, nicht seine Therapeutin - auch wenn der Partner in so einer Situation Gold wert sein kann. Du kannst natürlich mit ihm reden, bzw. ihn eben das erzählen lassen, wozu er bereit ist. Wichtig ist, dass er über seine Gefühle bescheid weiß, dass er über diese auch mal sprechen kann. Dass er sich traut loszulassen und vielleicht auch mal in Tränen auszubrechen. Er sollte einfach wissen, dass Du nicht schlecht von ihm denkst, egal was ihm passiert ist und wie "schwach" er sich vor dir zeigt (da haben wir Männer oft nämlich die blanke Panik vor), und dass er in dir natürlich auch einen Freund hat, dem er seine Gefühlswelten und Erfahrungen berichten kann.
Es ist aber auch wichtig, dass er dann keine Erwartungshaltung in dich entwickelt. Also dass Du seine Therapeutin, seine "Lösung" oder gar seine "Gehhilfe" in dieser Sache wirst, meine ich.
Ich war jahrelang mit einer Frau zusammen (und verheiratet), die unter Bulimie litt, und mich machte es wirklich depressiv, dass ich ihr dabei nicht wirklich helfen konnte. Letzlich sollte ich in ihrer Vorstellung auch eine Art Therapie sein (wohl unterbewusst, ich mache ihr da keinen allzu großen Vorwurf). Unsere Ehe, die Zeit in einer gemeinsamen Wohnung - alles Therapiesuche für sie, und das war hart für mich, weil ich in dieser Zeit auch nicht für mich selbst eingestanden bin.

Man kann und soll es auch nicht komplett trennen. Das geht nicht. Du bist ihm so nahe, wie sonst niemand. Aber es sollte nicht auf deinen Schultern lasten (und wenn, dann nur so, dass Du selbst noch klar kommst, ansonsten verschenkst Du Kraft, die nötig wäre, als Begleiterin). Er muss sich da selbst neu finden und kann das mit ein wenig Unterstützung sicherlich auch schaffen.

Und auch hier nochmal: Er brauch sich für nichts zu schämen. Er ist Opfer einer verrückt gewordenen Welt geworden. Das war nicht sein Fehler, sondern eine Tragik, die heutzutage so gegenwärtig ist, dass man nie die Augen davor verschließen sollte (obwohl das die meisten leider tun).

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A
ayelet_981338
10.10.14 um 10:22

Hallo sadpat
erstmal vielen Dank für Deine Antwort! Das was Du mir geschrieben hast, baut mich bissl auf.
Mein Mann spricht mit mir darüber, aber nur das was er auch sagen möchte. Ein ganz große Rolle spielt seine "Mutter", die ihm nie eine war.
Ich versuch ihn so gut es geht abzulenken und ihn immer wieder aufzubauen. Aber es kostet mich Kraft, mich nicht in dieses "Loch" reinziehen zu lassen.
Mein Mann ist auch einer, der keine Schwäche zeigen möchte. Aber mittlerweile lässt er mich auch ein wenig hinter die Fassade schauen.
Ach es ist alles so schwer momentan.
Ich hoffe es geht ihm bald besser.

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H
hans_12970676
10.10.14 um 15:33
In Antwort auf ayelet_981338

Hallo sadpat
erstmal vielen Dank für Deine Antwort! Das was Du mir geschrieben hast, baut mich bissl auf.
Mein Mann spricht mit mir darüber, aber nur das was er auch sagen möchte. Ein ganz große Rolle spielt seine "Mutter", die ihm nie eine war.
Ich versuch ihn so gut es geht abzulenken und ihn immer wieder aufzubauen. Aber es kostet mich Kraft, mich nicht in dieses "Loch" reinziehen zu lassen.
Mein Mann ist auch einer, der keine Schwäche zeigen möchte. Aber mittlerweile lässt er mich auch ein wenig hinter die Fassade schauen.
Ach es ist alles so schwer momentan.
Ich hoffe es geht ihm bald besser.

Erlebnisse
Dein Mann hat natürlich gelernt, den Schmerz hinten anzustellen, der "Starken" zu sein (auch wenn das natürlich immer nur eine Maske ist, an die man dann fatalerweise auch noch selbst glaubt). Nur funktioniert das halt nicht für immer. Im Gegenteil, je länger man das zurück hält, desto schwerer trifft es einen später.
Es ist ja auch ein Heilungs- und Reinigungsversuch der Seele, dass das jetzt wieder auf ihn zurückfällt.

Er muss sich nicht daran kaputtdenken, aber es sollte Thema für ihn bleiben - vor dir (so weit es euch nicht zu sehr belastet) und in einer Therapie.
WIr Menschen ignorieren leider immer wieder vollkommen, dass unser Geist nicht stehen bleibt, sondern sich entwickeln möchte, Dinge erfahren und verarbeiten möchte. Und auf solche Erlebnisse nimmt er immer wieder zugriff, weil sie mit Emotionen verbunden sind.
Man könnte es so ausdrücken: Der Geist möchte sich selbst erleuchten (oder einfach "verstehen"). Und leider leben wir Menschen ein oft sehr inkompatibles Leben zu dieser Vorgabe, weil wir verdrängen, ignorieren und uns Masken aufsetzen. Besonders hart trifft das dann Menschen, die nach einer schlimmen Erfahrung der Aufarbeitung aus dem Weg gehen (was ja eigentlich nur "menschlich" ist, aber das reicht dem Unterbewusstsein einfach nicht - es möchte "mehr" aus uns machen).

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A
ayelet_981338
15.10.14 um 17:14
In Antwort auf hans_12970676

Ich denke...
... dein Mann brauch eine Pause, in der er das alles ohne großen Druck aufarbeiten kann.
Ich meine keinen stressigen Urlaub. Einfach mal zuhause ein paar Tage ausspannen, im Herbstlaub spazieren gehen, ein bisschen (natur-)romantisch sein und alles sacken lassen.

Auf jeden Fall ist dann aber wichtig, dass er sich mit der Sache beschäftigt. Über die Traumatherapie (darin kann er auch vertrauen) oder eine zusätzliche Gesprächstherapie.

Dir selbst will ich sagen, dass Du seine Partnerin bist, nicht seine Therapeutin - auch wenn der Partner in so einer Situation Gold wert sein kann. Du kannst natürlich mit ihm reden, bzw. ihn eben das erzählen lassen, wozu er bereit ist. Wichtig ist, dass er über seine Gefühle bescheid weiß, dass er über diese auch mal sprechen kann. Dass er sich traut loszulassen und vielleicht auch mal in Tränen auszubrechen. Er sollte einfach wissen, dass Du nicht schlecht von ihm denkst, egal was ihm passiert ist und wie "schwach" er sich vor dir zeigt (da haben wir Männer oft nämlich die blanke Panik vor), und dass er in dir natürlich auch einen Freund hat, dem er seine Gefühlswelten und Erfahrungen berichten kann.
Es ist aber auch wichtig, dass er dann keine Erwartungshaltung in dich entwickelt. Also dass Du seine Therapeutin, seine "Lösung" oder gar seine "Gehhilfe" in dieser Sache wirst, meine ich.
Ich war jahrelang mit einer Frau zusammen (und verheiratet), die unter Bulimie litt, und mich machte es wirklich depressiv, dass ich ihr dabei nicht wirklich helfen konnte. Letzlich sollte ich in ihrer Vorstellung auch eine Art Therapie sein (wohl unterbewusst, ich mache ihr da keinen allzu großen Vorwurf). Unsere Ehe, die Zeit in einer gemeinsamen Wohnung - alles Therapiesuche für sie, und das war hart für mich, weil ich in dieser Zeit auch nicht für mich selbst eingestanden bin.

Man kann und soll es auch nicht komplett trennen. Das geht nicht. Du bist ihm so nahe, wie sonst niemand. Aber es sollte nicht auf deinen Schultern lasten (und wenn, dann nur so, dass Du selbst noch klar kommst, ansonsten verschenkst Du Kraft, die nötig wäre, als Begleiterin). Er muss sich da selbst neu finden und kann das mit ein wenig Unterstützung sicherlich auch schaffen.

Und auch hier nochmal: Er brauch sich für nichts zu schämen. Er ist Opfer einer verrückt gewordenen Welt geworden. Das war nicht sein Fehler, sondern eine Tragik, die heutzutage so gegenwärtig ist, dass man nie die Augen davor verschließen sollte (obwohl das die meisten leider tun).

Da bin ich wieder, leider
Hallo nochmal,
Also mittlerweile hat sich die Situation verschlimmert. Mittlerweile haben wir eine riesen Krise. Mein Mann hat mir nun gesagt dass er keine Gefühle für mich hat. Es ist nicht mehr so wie früher. Er will keine Trennung weil ich bin seine Frau und die Mutter seiner Kinder und wir sind eine Familie und das ist richtig so. Aber auf eine gewisse Art liebt er mich noch aber es ist nicht mehr so wie es mal war. Wie es weiter geht - keine Ahnung.
Jetz bin ich in ein großes Loch gefallen. Das kam unerwartet.
Ich komm kaum klar. Ich dachte ich soll ihm helfen und er braucht mich aber stattdessen....
Ich bin total aus der Bahn geworfen. Wir haben gestritten und mittlerweile hab ich keine Hoffnung dass wieder alles gut wird.
Bitte helft mir.

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H
hans_12970676
15.10.14 um 19:02
In Antwort auf ayelet_981338

Da bin ich wieder, leider
Hallo nochmal,
Also mittlerweile hat sich die Situation verschlimmert. Mittlerweile haben wir eine riesen Krise. Mein Mann hat mir nun gesagt dass er keine Gefühle für mich hat. Es ist nicht mehr so wie früher. Er will keine Trennung weil ich bin seine Frau und die Mutter seiner Kinder und wir sind eine Familie und das ist richtig so. Aber auf eine gewisse Art liebt er mich noch aber es ist nicht mehr so wie es mal war. Wie es weiter geht - keine Ahnung.
Jetz bin ich in ein großes Loch gefallen. Das kam unerwartet.
Ich komm kaum klar. Ich dachte ich soll ihm helfen und er braucht mich aber stattdessen....
Ich bin total aus der Bahn geworfen. Wir haben gestritten und mittlerweile hab ich keine Hoffnung dass wieder alles gut wird.
Bitte helft mir.


... das tut mir sehr leid.

Er ist einfach selbst total in einem Loch, versteht vermutlich die Welt nicht mehr und brauch Distanz.
Viel zu lange hat er diese Geschichte seiner Vergangenheit vergraben, und das schlägt jetzt voll auf ihn (und damit leider auch auf die ganze Familie) zurück.

Ich kenne einen ähnlichen Fall, da hat sich die Familie an sich wieder gefangen, aber zwischen Mann und Frau ist es (bislang) nicht mehr wie früher geworden.

Brutal ist das Gefühl, von seinem Partner nicht mehr so geliebt zu werden, wie man sich das wünscht (und wie man ihn vielleicht selbst noch liebt).

Womöglich hat er das dir aber auch so gesagt, weil er dich mit seiner Geschichte nicht belasten möchte, und will dir auf diese Weise sagen, dass er es alleine bewältigen muss.
Ich glaube aber tatsächlich, dass er damit erstmal vollkommen überfordert ist.
Geht er denn in letzter Zeit zu einer Therapie? Häufig ist es so, dass Therapeuten den Patienten auch noch dazu bringen möchten, irgendwie "neu anzufangen", weil das oft der einzige, radikale Schritt ist, um mit dem alten Leben (also der Vergangenheit) klar zu kommen.

Es ist jetzt noch zu früh, um abzuschätzen, wie das weitergehen wird. Beinahe habe ich ein bisschen das Gefühl, dass es fast gut ist, wenn Du keine Hoffnung mehr deswegen hast (weil es dann entweder doch wieder gut wird, oder Du zumindest bereit für einen eigenen neuen Schritt wärst). Aber wie gesagt, dafür ist es noch zu früh. Das kann noch ein paar Wochen dauern.

In dem Fall würde ich jetzt gefühlsmässig eher von einer Paartherapie abraten und dir empfehlen, jemanden zu suchen, mit dem Du darüber sprechen kannst (nicht dein Mann und auch nicht unbedingt deine Kinder). Das könnte dann auch ein separater Gesprächstherapeut für dich sein.
Aber auch hier: Lass dir keine Antidepressiva oder andere Mittelchen verschreiben. Dinge lösen sich von selbst auf, wenn man sie lässt. Und dann wird es gut.
Ich glaube im Moment kannst Du gar nicht viel tun. Diese Leere tut sehr weh, ich weiß.

Patrick

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H
hans_12970676
16.10.14 um 20:24

Jemand mit ähnlichen Erfahrungen hier?
Gibt es hier niemanden, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat und cake79 ein bisschen unterstützen will?

Ich will mich da nicht anmaßen, groß was dazu zu sagen, wo mein Hintergrund eigentlich ein ganz anderer ist.

Pat

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G
gasper_12698929
20.10.14 um 9:00

Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht und kann deinen Mann sehr gut verstehen
Hallo cake79

Ich bin männlich, zwar erst 20 Jahre alt habe aber auch schon so einiges erlebt. Ich wuchs mit einem alkoholkranken Vater auf und wurde als Kind mit 11 Jahren von ihm sexuell missbraucht. Wurde auch mehrfach misshandelt körperlich und verbal habe mit 18 Depressionen bekommen war 1 Jahr glücklich und habe auch so eine Fassade aufgebaut wie dein Mann und dann kamen die Depressionen wieder.

Zu deinem Problem : Ich kann deinen Mann sehr gut verstehen, auch wenn jeder, der so etwas erlebt hat, es auf eine andere Art und Weise erlebt durch die Umstände. Leider kann ich dir keinen wirklichen Ratschlag geben wie du mit ihm umgehen kannst, denn bei mir haben sich alle anderen um mich herum fürsorglich verhalten und mich aufgebaut, aber wenn man an seine Vergangenheit erinnert wird, so wars bei mir zumindest, dann reißt einen das manchmal in ein Loch ohne Boden und man wird depressiv, jeden Tag wird es schlimmer und man denkt man wird nie mehr glücklich.
Alle um mich herum haben gemeint, das geht vorbei, das Leben geht weiter, aber ich habe nie auf die gehört. Für mich ist es jetzt wichtig auch mit solchen Menschen, die ähnliches erlebt haben in einer Therapiesitzung zu reden um meine Vergangenheit aufzuarbeiten, denn nur die, die so etwas erlebt haben können das wirklich verstehen was man jeden Tag durchmacht, das man nicht schlafen kann Alpträume hat schweißgebadet aufwacht, nicht mehr Leben will, depressiv wird, sich schuldig fühlt, ungeliebt uvm. Ich glaube eine Therapie braucht dein Mann auf jeden Fall !

Ich wünsche dir und deinem Mann alles Gute und viel Kraft
Wenn du noch fragen hast, schreib einfach Mfg ZuVielGesehen

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R
raik_12859960
14.12.14 um 21:08

Sofern noch aktuell
Hallo Cake
Dein Bericht hat mich sehr berührt, weil ich einiges von dem was Du hier berichtet hast aus ähnlicher Erfahrung kenne.
Also so von wegen super-scheiß Kindheit, deren Dimensionen mir viel zu lange nicht bewusst waren.
Erst Mitte 45 Jahren, nach Heirat und abgeschlossenen Hausbau. also eigentlich zu einer Zeit, in der ich endlich in meinem Leben zur Ruhe kam, stolperte ich eines Abends zufällig über einen Ai-Bericht, in dem ich mich von einem Augenblick zum anderen als frühkindliches Gewaltopfer wiederentdeckte.
Damit begann augenblicklich ein unglaublich zäher und über Jahre hinweg andauernder Aufarbeitungsprozess.
In dessen Anfangszeit ich genau so ähnliche Symptome entwickelte, wie Du sie zuletzt von Deinem Mann beschrieben hast.
Also auch extrem gereizt und launisch. Überschäumende Wut wechselte sich mit tiefsten Depressionen ab.
Im Gegensatz zu Dir verstand meine Frau anfangs noch nicht so richtig, wie schlimm diese Phase eigentlich war.
Zu dieser Zeit konnte ich kaum noch Berührungen ertragen, selbst nicht von meinen Kindern.
Wollte am liebsten einfach nur allein sein.
Selbst therapeutischer Hilfe war ich nicht wirklich zugänglich.
Hab zwar tatsächlich drei Anläufe probiert, doch war ich einfach zu misstrauisch und wütend, dass ich mich in einem normal gesetzten Alter einer für mich extrem beschämenden Zäsur aussetzen sollte, die eben in erster Linie mein desaströses Elternhaus zu verantworten hatte und nicht ich.
Habe nie eine professionelle Therapie gemacht und denke, dass ich sie inzwischen auch nicht mehr benötige, weil ich nach einiger Zeit in anonymen Foren all meinen erlebten Scheiß zur Sprache bringen konnte und mehrheitlich von gleichfalls Gewaltbetroffenen verständnisvoll aufgefangen wurde.
Wie gesagt, ein Prozess, der sich über bestimmt 5 Jahre und länger hinwegzog, um nun, nachdem ich zu einem völlig neuem Selbstbewusstsein gefunden habe, auch anderen Betroffenen mitteilen kann, dass so wie sie wie in Deines Mannes Fall, völlig normal reagieren.
Geradezu überlebenswichtig scheint mir in der heutigen Rückschau das anhaltende Gespräch mit Dir und anderen Betroffenen zu bleiben
Und zwar so lange, bis es Deinem Mann fast über ist, sich noch weiter mit dem leidigen Thema auseinanderzusetzen.
Denn meiner Überzeugung nach, wird es naturgemäß niemals gelingen, die einstigen Erlebnisse einfach zu vergessen, aber je öfter sich Betroffene immer und immer wieder mit ihrem Thema beschäftigen, verlieren die einst scham- und angstbesetzen Bilder ihre Schrecken. Man lernt quasi sie als Bestandteil der eigenen Biografie anzunehmen, ohne deshalb immer wieder das seelische Gleichgewicht zu verlieren.
Nichts anderes passiert in einer Therapie. Da geht es ja oft erst einmal darum, die Betrachtung des einst erlebten zuzulassen und zu ertragen, wie auch die daraus resultierenden Verhaltensauffälligkeiten als natürliche Reaktionen anzunehmen.
Wenn es dann im weiteren Verlauf der intensiven Auseinandersetzungen gelingt, die Gefühle der Angst und Scham den einstigen Verursachern zuzuschreiben, statt sich selbst mit Schuldzuweisungen zu kasteien, dann ist schon eine ganze Menge erreicht, um noch zu einem positiven Lebensgefühl zurückzufinden.
In der gegenwärtigen Akutphase würde ich Betroffenen nahe legen, so oft wie möglich mit vertrauten Personen wie Dir über alles zu sprechen, was sie bewegt.
Manches ist verständlicherweise so schmerzhaft, dass Dein Mann nicht einmal mit Dir darüber sprechen kann, weil er sich Dir gegenüber so extrem verletzlich fühlen wird, was so gar nicht in sein archaisches Weltbild eines gestanden Mannes passen wird.
Daher würde ich auch ihm/Euch den Rat geben, manche Gedanken in anonymen Foren aufzubereiten.
Parallel dazu kann er ja gern auch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.
Und ja, hilfreich ist auch alles erlebte aufzuschreiben.
Denn damit kann er jederzeit zu seinen eigenen Gedanken und Gefühlen zurückkehren, sich ihrer versichern, die er wohl auch zu lange Zeit verdrängen konnte/musste.
Wie gesagt dient die intensive Thematisierung einfach dazu, die Schrecken der Bilder zu verringern, oder gar völlig abzubauen.
Für Dich wird dieser begleitende Aufarbeitungsprozess gleichfalls eine extrem strapaziöse Zeit bleiben und kann Dir nur dringendst empfehlen gleichfalls intensive Gespräche mit Bekannten oder in Foren über Dein Gefühlschaos zu führen.
Woran einmal mehr ersichtlich wird, wie weitreichend die Folgen eines gewalttätigen Elternhauses nicht nur die direkt Betroffenen zeitlebens belasten, sondern uns auch gesamtgesellschaftlich enormst schaden.
Für mich Grund, um mich heute für tiefgreifende Bildungsrefomen einzusetzen, damit junge Menschen sich endlich ihrer selbst und ihrer Bedürfnisse bewusst werden.
Denn ein zufriedener Mensch wird es kaum mehr nötig haben, seinen Frust ungehemmt an wehrlosen Kindern abzureagieren.
Aufklärende Bewusstheit ist da der erste Schritt zu einer positiven Veränderung.
In diesem Sinne wünsche ich Dir, Deinem Mann und Deinen Kindern allen Erfolg und Unterstützung, um wieder zu einem harmonischem Ganzen zusammenzuwachsen.
Liebe Grüße

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