Home / Forum / Psychologie & Persönlichkeit / Mein Leben ist eine Katastrophe

Mein Leben ist eine Katastrophe

1. November 2007 um 9:39

Ich komme mit meinem Leben im Moment grad überhaupt nicht klar.

Keine Ahnung, ob ich eine leichte Depression habe, ob ich nahe dem Burn-out-Syndrom bin, ob ich einfach nur unzufrieden und überfordert bin. Ich weiß es nicht.

Fakt ist, ich habe keine Kraft mehr. Akku leer.

Ich befinde mich in einem Teufelskreis, aus dem ich nicht mehr rauskomme.

Angefangen hat es eigentlich vor 2 Jahre, mein Mann bekam eine Psychose, seine 3., die 1. in unserer Beziehung, grundsätzlich ist er manisch-depressiv, und es blieb alles an mir hängen.

Wir hatten gerade ein Haus gekauft, der Ausbau musste gemacht werden (und das war nicht wenig, da es absolut heruntergekommen gewesen ist), ich war hochschwanger mit unserem 3. Kind, hab es mitten im Ausbau entbunden.

Als er aus der Psychiatrie entlassen wurde war er noch für einige Monate krank geschrieben, aber selbst, als er wieder arbeiten ging, hatte er sich entweder nicht richtig erholt oder er wollte nicht.

Mittlerweile denke ich letzteres. Er drückt sich vor Verantwortung, wo er nur kann. Hilft mir nur mit, wenn ich darauf bestehe und die mindestens halbstündige Diskussion, ob er jetzt wirklich mithelfen muss und ihm gehts ja so schlecht, überstanden habe. Manchmal denke ich, selber machen statt mit ihm zu streiten wäre bedeutend leichter für mich. Aber wozu ist dann eine Partnerschaft überhaupt noch da?

Letzten Winter wurde es richtig schlimm mit mir, ich hatte mich eigentlich schon getrennt, Mitleid und - ja, auch Liebe, hielten mich zurück. Er kann ja so lieb sein.

Also wieder zusammengerauft, für ca. 2 Wochen war es auch ein angenehmes Leben mit ihm, dann ging es wieder los.

Okay, ich hatte ihm ja in einem Gespräch ein Jahr Zeit gegeben. Das hört sich jetzt echt fies an, war aber einfach nicht mehr anders machbar.

Ich schlug vor, zusätzlich zu seinen Besuchen beim Psychiater auch mal die Dienste eines Psychologen in Anspruch zu nehmen. Da er meines Erachtens eine vollkommen falsche Einstellung zu Leben selbst hat.

Alles ist belastend, alles ist nervig, deshalb wird es gemieden, selbst unsere Kinder, das einzige, was geht ist schlafen und zocken. Seine beiden Lieblingsbeschäftigungen. Und er empfindet sein Verhalten als normal, seinen Egoismus, seine Ignoranz. Er empfindet es als normal, dass wenn ich ihn um Mithilfe bitte, dass er diese dann ablehnt, eben mit der Begründung, er hat ja diese Krankheit. Er empfindet es als normal, dass ich alles mache, an alles denke und er macht sich ein schönes Leben mit seinen Lieblingsbeschäftigungen.

Aber er kümmert sich nicht um einen Psychologen, die Bücher, die er von seinem Psychater ausgeliehen bekommen hat, hat er nicht gelesen, die einzige, die darin las, war ich. Und selbst als ich ihm Textpassagen vorlesen wollte, hat er augenrollend abgewinkt....

Ich könnte noch Stunden so weiterschreiben. Fakt ist, er versteckt sich hinter seiner Krankheit und sie dient für alles als Entschuldigung.

Er ist einfach mein 4. und anstrengendstes Kind.

Aber ich habe schon 3 Kinder, und die 2 Kleinkinder trampeln mir auch gerade auf den Nerven rum. Was aber auch verständlich ist.

Das ist der Teufelskreis. Anfang Oktober konnte ich mal eine Woche lang überhaupt nicht einschlafen, ich lag bis morgens putzmunter im Bett, alle Versuche, alle Hilfsmittel schlugen fehl. Und so kam ich nur täglich zu ca. 2 Stunden Schlaf wenn es gut lief.

Dadurch war ich tagsüber natürlich überhaupt nicht ansprechbar. Den Haushalt konnte ich nur unter unglaublicher Kraftanstrengung erledigen, um die Kinder konnte ich mich so gut wie gar nicht kümmern, gerade mal, dass ich sie angezogen, gewaschen und gewickelt habe, ihnen Essen gegeben habe - aber mit ihnen spielen? Das hätte ich nicht geschafft. Das HABE ich nicht geschafft.
Gerade in dieser Zeit war mein Mann so schlimm wie nie zuvor, er ist immer besonders schlecht drauf, wenn es mir nicht gut geht. Alles, was ich an Krankheiten habe, hat er immer noch viel schlimmer.

Wenn ich sage "Ich habe Kopfschmerzen", dann hat er Migräne. Wenn ich sage, ich habe Migräne, hat er einen Gehirntumor. So in etwa müsst ihr euch das vorstellen.

In dieser Woche also war ich sehr sehr müde und auch unausstehlich, er war noch müder (trotz 10 bis 12 Stunden Schlaf die Nacht) und damit nahm er sich das Recht heraus, sich direkt nach der Arbeit auf die Couch zu legen, ich werds ja schon irgendwie schaffen. Ich hab ja immer noch Kraft, Energie, ich kann ja immer weiter machen selbst wenn ich am Boden krieche. Da wird dann wenigstens der Boden bei sauber. So in etwa lief das.

Und seit dieser 1. Oktoberwoche ist mein Leben wie letztes Jahr schon komplett aus den Fugen geraten.

Die Kinder klammern verständlicherweise, ich kann das nicht ertragen, werde dadurch oft laut, dann klammern sie noch mehr, stellen noch mehr Unsinn auf, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen, ich ärgere mich nur mehr über sie, aber so kommen sie wenigstens zu Aufmerksamkeit....usw.

Und mittendrin immer mein Mann, der mir die Ohren volljammert, das ist alles so stressig.

Ich könnte nur noch essen, hab ständig Hunger, besonders auf Süßkrams, so Kuchen und Kekse und so, ich bin dauermüde, obwohl mein Krümel jetzt langsam anfängt nachts ruhiger zu werden und ich so doch schonmal zu ungefähr 6 Stunden Schlaf komme die Nacht. Das ist eine deutliche Verbesserung zu den 4 bis 5 Stunden in den letzten knapp 2 Jahren seit seiner Geburt!

Ich kann mich kaum noch zu irgendwas aufraffen. Ich sitze den ganzen Vormittag hier, starre Löcher in die Luft, versuche mich zu überreden mich um die Kinder zu kümmern, mal mit ihnen spazieren zu gehen, zu spielen, versuche mich zu überreden den Haushalt zu machen und das verflixte ist ja, der Wille an sich ist da.

Aber wenn ich mich dann tatsächlich mal erheben kann, so mit einem Ruck und jetzt gehts los, sink ich im nächsten Moment wieder zusammen, weil ich einfach mal so kraftlos bin.

Und ich könnte heulen, wenn ich an die Kinder denke. Was die zurzeit gerade durchmachen. Der Papa eh nicht willens sich um sie zu kümmern und die Mutter zu kraftlos.

Sie hören nicht mal mehr auf mich. Wenn der kleine mal wieder auf den Tisch klettern will und ich sage nein, er guckt mich nicht mal mehr an sondern macht einfach weiter! Und dann werde ich wütend und dann weint er, und das macht mich noch wütender obwohl er mir so leid tut.

Ich könnte den ganzen Tag nur noch heulen. Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, zu viel Verantwortung, die auf meinen Schultern lastet. Zu wenig Unterstützung von meinem Mann, weil ich mach das ja schon.

Ich hab mit ihm geredet und geheult und geredet, und er sagt, er kann das verstehen, es ist wirklich ein wenig viel. Aber er ändert nichts! Okay, mal für eine Stunde, dass er sich dann anstrengt, aber das wars dann auch schon wieder.

Und ich bin es so leid ihn ständig auf meine psychische Verfassung aufmerksam machen zu müssen. Das sieht ein Blinder, dass es mir nicht gut geht. Mein Mann aber WILL es nicht sehen. Weil ER ja dann am Zug wäre, weil er mich ja dann unterstützen müsste. Und das will er dann auch wieder nicht, ist ja anstrengend.

Ich komme mir im Moment so nutzlos vor! Dabei dreht sich ständig alles nur um mich. Wenn jemand was will, kommt er zu mir, wenn sich jemand auskotzen will, ich bin ja da, wenn jemand was sucht, ich werde gefragt, wenn ich heulend in einer Ecke sitze und nur noch meine Ruhe haben will, stehen ALLE 4 um mich herum und starren mich an und wenn ich dann weggehe oder mich sogar im Bad einschließe, stehen sie da und klopfen und fragen, was ich denn habe und ich soll nicht so negativ denken, dabei will ich doch nur meine RUHE!!!! Ich könnte SCHREIEN!!!!! Ich bin so machtlos, so hilflos. Es will mich keiner verstehen. Weil ich darf ja nicht ausfallen. Was machen denn alle, wenn ich ausfalle???? Hilflos stehen sie dann da. Wissen nicht, was sie machen sollen.

Ich weiß es auch nicht. Ich weiß es auch nicht mehr, ich kann nicht mehr. Akku leer.

Mehr lesen

1. November 2007 um 13:03

So schwer es ist
Hallo,

ich bin depressiv und kann sehr gut nachvollziehen, was in dir vorgeht.

Bei euch denke ich, ist das Problem, dass beide (du letztlich bedingt durch deinen Mann) Hilfe braucht.

Sich auf der Krankheit auszuruhen (damit meine ich natürlich nicht dich) ist nicht der richtige Weg. Bei mir ist es auch nicht immer leicht, aber ich weiss, dass ich was tun muss. Mein Partner hingegen will mir garnicht beistehen, er meint, er sei ja kein Psychologe.

Letzlich musst du für dich entscheiden, ob du noch eine Zukunft siehst. Ich würde ihm ganz knallhart "die Pistole auf die Brust setzen" und ihm sagen, entweder geht er jetzt mit dir gemeinsam zu einem Psychologen oder es geht einfach nicht mehr. Ihr (leider ja derzeit nur du) habt die Verantwortung für drei kleine Kinder und das ist schon viel.

An deiner Stelle würde ich einen Termin ausmachen und ihn mit dahinnehmen. Wenn er nicht mitkommt, dann will er es scheinbar nicht einsehen.

Ich für meinen Teil würde mir wünschen, mein Partner wäre überhaupt bereit dazu. Leider gehe ich immer alleine und dadurch ändert sich hier nicht viel. Mein Partner ist nicht depressiv, aber er ruht sich halt auf der Einstellung aus, er sei eben kein Psychologe. Das schlimmste ist, dass er mich nicht in den Arm nimmt, wenn mir alles zuviel wird, die Erwartungshaltung gegen mich ist mehr als negativ.

Ich denke, dass es auch für dich wichtig ist, dass aufzuarbeiten. Deshalb solltet ihr natürlich grundsätzlich zu zwei verschiedenen Psychologen gehen. Aber eine gemeinsame Beratung zu Anfang wäre sicher nicht schlecht.

Oft gibt es Beratungsstellen (ich glaube Donum Vitae ist eine grosse, da gehe ich hier auch nächste Woche zum ersten Mal hin, alleine) die das kostenlos machen. Das sind unabhängige Berater und das finde ich grundsätzlich auch sehr wichtig.

Depressionen sind eine Sache, aber es muss der Wille da sein, da auch wieder rauszukommen. Wenn die Einsicht hier fehlt, dann kommt man da auch nicht raus. Bei dir sehe ich da einen guten Schritt, auch wenn es bei dir wohl durch Überlastung begründet ist.

Ein weiteres Problem sehe ich hier bei der Psychose. Mit dem Thema kenne ich mich sehr sehr gut aus, da ich zwar noch nie selber betroffen war, aber das hautnah miterlebt habe.

Es ist für die Angehörigen sehr schwierig. Ärzte sagten mir damals, dass eine Psychose nie wirklich geheilt wird, sondern man nur durch Medikamente erreichen kann, dass die Symptome nicht so im Vordergrund stehen. Ein Psychosepatient sieht nicht ein, dass er krank ist; im Gegenteil: alle anderen sind krank und er ist normal. Die Krankheit wird meist nur vorgeschoben, wenn Dinge unangenehm sind und das passt hier sehr gut. Meist sehen die Patienten auch nicht ein, dass sie evtl. Medikamente nehmen müssen. Alle anderen müssen was ändern, nur der Betroffene selber nicht. Das kann sehr belastend sein, da spreche ich aus eigener Erfahrung.

Letzlich gibt es nur die Möglichkeit, die "Flucht nach vorne" anzutreten. Entweder zieht dein Mann mit oder nicht, aber ich würde ihn vor vollendete Tatsachen setzen.

Und versuche positiv zu denken, egal, wie schwer das auch ist (das versuche ich doch gerade selber umzusetzen, klingt immer einfacher als es wahrlich ist.... )Versuche selber, etwas für dich zu tun und sei es nur der Kaffee in der Stadt mit einer Freundin. Hast du jemanden, der dir evtl. bei der Betreuung der Kinder behilflich sein kann? Also vielleicht die Oma, die mal einen Nachmittag in der Woche die Kinder abnimmt? Dann hättest du Zeit für dich und das ist sehr sehr wichtig für das innere Gleichgewicht.

Wenn du sportelst, ist das auch ein guter Ausgleich.

Und ganz wichtig: Setze dir selber Grenzen. Du musst nicht immer ansprechbar sein. Du musst nicht immer diejenige sein, die alles alleine meistert. Du bist du, daran musst die immer denken.

Sage deinem Mann, dass er ja auch schläft oder abschaltet, jetzt bist du auch mal dran. Gehe dann am besten raus, damit du wirklich abschalten kannst und nicht im Notfall ansprechbar bist.

LG

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

1. November 2007 um 13:50
In Antwort auf rocio_11964076

So schwer es ist
Hallo,

ich bin depressiv und kann sehr gut nachvollziehen, was in dir vorgeht.

Bei euch denke ich, ist das Problem, dass beide (du letztlich bedingt durch deinen Mann) Hilfe braucht.

Sich auf der Krankheit auszuruhen (damit meine ich natürlich nicht dich) ist nicht der richtige Weg. Bei mir ist es auch nicht immer leicht, aber ich weiss, dass ich was tun muss. Mein Partner hingegen will mir garnicht beistehen, er meint, er sei ja kein Psychologe.

Letzlich musst du für dich entscheiden, ob du noch eine Zukunft siehst. Ich würde ihm ganz knallhart "die Pistole auf die Brust setzen" und ihm sagen, entweder geht er jetzt mit dir gemeinsam zu einem Psychologen oder es geht einfach nicht mehr. Ihr (leider ja derzeit nur du) habt die Verantwortung für drei kleine Kinder und das ist schon viel.

An deiner Stelle würde ich einen Termin ausmachen und ihn mit dahinnehmen. Wenn er nicht mitkommt, dann will er es scheinbar nicht einsehen.

Ich für meinen Teil würde mir wünschen, mein Partner wäre überhaupt bereit dazu. Leider gehe ich immer alleine und dadurch ändert sich hier nicht viel. Mein Partner ist nicht depressiv, aber er ruht sich halt auf der Einstellung aus, er sei eben kein Psychologe. Das schlimmste ist, dass er mich nicht in den Arm nimmt, wenn mir alles zuviel wird, die Erwartungshaltung gegen mich ist mehr als negativ.

Ich denke, dass es auch für dich wichtig ist, dass aufzuarbeiten. Deshalb solltet ihr natürlich grundsätzlich zu zwei verschiedenen Psychologen gehen. Aber eine gemeinsame Beratung zu Anfang wäre sicher nicht schlecht.

Oft gibt es Beratungsstellen (ich glaube Donum Vitae ist eine grosse, da gehe ich hier auch nächste Woche zum ersten Mal hin, alleine) die das kostenlos machen. Das sind unabhängige Berater und das finde ich grundsätzlich auch sehr wichtig.

Depressionen sind eine Sache, aber es muss der Wille da sein, da auch wieder rauszukommen. Wenn die Einsicht hier fehlt, dann kommt man da auch nicht raus. Bei dir sehe ich da einen guten Schritt, auch wenn es bei dir wohl durch Überlastung begründet ist.

Ein weiteres Problem sehe ich hier bei der Psychose. Mit dem Thema kenne ich mich sehr sehr gut aus, da ich zwar noch nie selber betroffen war, aber das hautnah miterlebt habe.

Es ist für die Angehörigen sehr schwierig. Ärzte sagten mir damals, dass eine Psychose nie wirklich geheilt wird, sondern man nur durch Medikamente erreichen kann, dass die Symptome nicht so im Vordergrund stehen. Ein Psychosepatient sieht nicht ein, dass er krank ist; im Gegenteil: alle anderen sind krank und er ist normal. Die Krankheit wird meist nur vorgeschoben, wenn Dinge unangenehm sind und das passt hier sehr gut. Meist sehen die Patienten auch nicht ein, dass sie evtl. Medikamente nehmen müssen. Alle anderen müssen was ändern, nur der Betroffene selber nicht. Das kann sehr belastend sein, da spreche ich aus eigener Erfahrung.

Letzlich gibt es nur die Möglichkeit, die "Flucht nach vorne" anzutreten. Entweder zieht dein Mann mit oder nicht, aber ich würde ihn vor vollendete Tatsachen setzen.

Und versuche positiv zu denken, egal, wie schwer das auch ist (das versuche ich doch gerade selber umzusetzen, klingt immer einfacher als es wahrlich ist.... )Versuche selber, etwas für dich zu tun und sei es nur der Kaffee in der Stadt mit einer Freundin. Hast du jemanden, der dir evtl. bei der Betreuung der Kinder behilflich sein kann? Also vielleicht die Oma, die mal einen Nachmittag in der Woche die Kinder abnimmt? Dann hättest du Zeit für dich und das ist sehr sehr wichtig für das innere Gleichgewicht.

Wenn du sportelst, ist das auch ein guter Ausgleich.

Und ganz wichtig: Setze dir selber Grenzen. Du musst nicht immer ansprechbar sein. Du musst nicht immer diejenige sein, die alles alleine meistert. Du bist du, daran musst die immer denken.

Sage deinem Mann, dass er ja auch schläft oder abschaltet, jetzt bist du auch mal dran. Gehe dann am besten raus, damit du wirklich abschalten kannst und nicht im Notfall ansprechbar bist.

LG

Danke!!!
Ich heule hier grad rum, ich hätte nie gedacht, dass sich jemand meinen Roman durchliest und dann auch noch so lieb antwortet.

Mein Problem ist, dass mein Ausgleich das nähen gewesen ist. Das kann ich leider nur hier zu Hause. Aber seit einigen Wochen - ich weiß nicht, abends hätte ich die Zeit, aber ich kann mich nicht aufraffen. Ich bin dann einfach nur so erledigt und so weinerlich drauf und einfach nur bis auf die Knochen müde (physisch und psychisch), also fange ich gar nicht erst an. Dadurch fehlt mir aber wieder Bestätigung. Weil ich da wenigstens Erfolge sehen konnte, da hab ich was erschaffen, wenn du verstehst, was ich meine. Und was erschafft man schon bei Haushalt, Kinder, Mann? Nichts. Also keine sichtbaren Ergebnisse.


Die einzige Kinderbetreuung, die ich hätte, wäre meine Mutter. Aber auch sie hat in den letzten Monaten immer weniger Zeit, in den letzten Wochen eigentlich gar nicht mehr, von daher hab ich nicht mal mehr die Entlastung.

Ach mensch, das ist alles so schwer.

Aber mal ehrlich, die Ausrede von deinem Partner stinkt auch zum Himmel. Und somit sind unsere Männer sich doch sehr ähnlich: kein Interesse an uns, wenn es uns nicht gut geht.

Wenn wir gut drauf sind, dürfen wir gern in der Nähe unserer Männer sein, wenn wir ganz unten sind, sollen wir sie bitteschön nicht belästigen.

Ich find das so scheiße. Dein Partner hat sich zu kümmern. Man(n) darf auch mal geben. In guten wie in schlechten Tagen, oder?

Doch, selbst als nur Angehöriger kann man sich kümmern, soll man sich kümmern. Ich hab ja schon geschrieben, dass die Bücher gelesen habe, ich hab mich im Internet schlau gemacht, wie er lernen kann mit der Krankheit umzugehen, ich hab mit seinem Psychiater geredet, als er in der geschlossenen Abteilung war...und immer und immer wieder nehme ich ihn in den Arm wenn es ihm nicht gut geht, wenn ich denke, dass er es braucht, rede ich ihm gut zu, ich ermögliche ihm Auszeiten, ich motiviere ihn ohne zu fordern...aber er WILL nicht! Selbst als ich ihm Anfang des Jahres in einem furchtbaren Anfall von Ungerechtigkeit die Pistole auf die Brust gesetzt habe, hat es nicht angehalten.

Zum Glück ist er so einsichtig, dass er Medikamente nimmt. Aber da würde ich bei ihm auch nie das Problem sehen. Weil wie du sagtest, die Krankheit kommt ihm doch ganz günstig um sich vor Verpflichtungen zu drücken. Und Verpflichtungen hat er an sich wirklich nicht viel. Weil ich ihn nicht überlasten möchte, da er sonst wieder eine Psychose bekommt. Er ist nunmal für Stress sehr anfällig.

Aber selbst dieses Minimum mag er mir nicht geben. Weil er nicht auf eigenen Beinen stehen kann, sagt er, weil er nicht auf eigenen Beinen stehen will, sag ich.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Besonders mit Unterstützung. Und die hat er von mir. In guten wie in schlechten Tagen.

Leider kann ich ihn zu keinem Psychologen schleifen, weil ich ja niemanden habe auf die Kinder aufzupassen. Sonst hätte ich das schon längst getan. Und die Psychologin in der Institutsambulanz hat auch nur einen Tag die Woche bis 17 Uhr, ansonsten nur vormittags. Und einen anderen gibt es hier nicht, die sind wirklich rar gesät. Leider.

Aber das mit einer unabhängigen Beratungsstelle ist wirklich kein schlechter Ansatz. Da muss ich mal schauen, was geht. Zur Not muss ich die Kinder mitnehmen

Danke. Im Moment geht es mir ein wenig besser. Der Stein in meiner Brust hat sich wieder zu einem Herzen umgewandelt. Mal sehen, wie lange das anhält.

Alles Liebe

PS: kauf ein Buch über Depressionen für Angehörige. Ich hab leider grad keinen Titel parat, weil mir die Bücher ja immer nur vom Psychiater ausgeliehen wurden, aber es gibt wirklich sehr gute. Man(n) muss kein Psychiater sein um seine Frau in den Arm zu nehmen, wenn es ihr schlecht geht. Einfach nur füreinander da sein, ein Gleichgewicht von geben und nehmen, dafür ist doch eine Partnerschaft da. Ich arbeite auch daran, meinem Mann das klar zu machen.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

1. November 2007 um 14:45
In Antwort auf yukiko_11916529

Danke!!!
Ich heule hier grad rum, ich hätte nie gedacht, dass sich jemand meinen Roman durchliest und dann auch noch so lieb antwortet.

Mein Problem ist, dass mein Ausgleich das nähen gewesen ist. Das kann ich leider nur hier zu Hause. Aber seit einigen Wochen - ich weiß nicht, abends hätte ich die Zeit, aber ich kann mich nicht aufraffen. Ich bin dann einfach nur so erledigt und so weinerlich drauf und einfach nur bis auf die Knochen müde (physisch und psychisch), also fange ich gar nicht erst an. Dadurch fehlt mir aber wieder Bestätigung. Weil ich da wenigstens Erfolge sehen konnte, da hab ich was erschaffen, wenn du verstehst, was ich meine. Und was erschafft man schon bei Haushalt, Kinder, Mann? Nichts. Also keine sichtbaren Ergebnisse.


Die einzige Kinderbetreuung, die ich hätte, wäre meine Mutter. Aber auch sie hat in den letzten Monaten immer weniger Zeit, in den letzten Wochen eigentlich gar nicht mehr, von daher hab ich nicht mal mehr die Entlastung.

Ach mensch, das ist alles so schwer.

Aber mal ehrlich, die Ausrede von deinem Partner stinkt auch zum Himmel. Und somit sind unsere Männer sich doch sehr ähnlich: kein Interesse an uns, wenn es uns nicht gut geht.

Wenn wir gut drauf sind, dürfen wir gern in der Nähe unserer Männer sein, wenn wir ganz unten sind, sollen wir sie bitteschön nicht belästigen.

Ich find das so scheiße. Dein Partner hat sich zu kümmern. Man(n) darf auch mal geben. In guten wie in schlechten Tagen, oder?

Doch, selbst als nur Angehöriger kann man sich kümmern, soll man sich kümmern. Ich hab ja schon geschrieben, dass die Bücher gelesen habe, ich hab mich im Internet schlau gemacht, wie er lernen kann mit der Krankheit umzugehen, ich hab mit seinem Psychiater geredet, als er in der geschlossenen Abteilung war...und immer und immer wieder nehme ich ihn in den Arm wenn es ihm nicht gut geht, wenn ich denke, dass er es braucht, rede ich ihm gut zu, ich ermögliche ihm Auszeiten, ich motiviere ihn ohne zu fordern...aber er WILL nicht! Selbst als ich ihm Anfang des Jahres in einem furchtbaren Anfall von Ungerechtigkeit die Pistole auf die Brust gesetzt habe, hat es nicht angehalten.

Zum Glück ist er so einsichtig, dass er Medikamente nimmt. Aber da würde ich bei ihm auch nie das Problem sehen. Weil wie du sagtest, die Krankheit kommt ihm doch ganz günstig um sich vor Verpflichtungen zu drücken. Und Verpflichtungen hat er an sich wirklich nicht viel. Weil ich ihn nicht überlasten möchte, da er sonst wieder eine Psychose bekommt. Er ist nunmal für Stress sehr anfällig.

Aber selbst dieses Minimum mag er mir nicht geben. Weil er nicht auf eigenen Beinen stehen kann, sagt er, weil er nicht auf eigenen Beinen stehen will, sag ich.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Besonders mit Unterstützung. Und die hat er von mir. In guten wie in schlechten Tagen.

Leider kann ich ihn zu keinem Psychologen schleifen, weil ich ja niemanden habe auf die Kinder aufzupassen. Sonst hätte ich das schon längst getan. Und die Psychologin in der Institutsambulanz hat auch nur einen Tag die Woche bis 17 Uhr, ansonsten nur vormittags. Und einen anderen gibt es hier nicht, die sind wirklich rar gesät. Leider.

Aber das mit einer unabhängigen Beratungsstelle ist wirklich kein schlechter Ansatz. Da muss ich mal schauen, was geht. Zur Not muss ich die Kinder mitnehmen

Danke. Im Moment geht es mir ein wenig besser. Der Stein in meiner Brust hat sich wieder zu einem Herzen umgewandelt. Mal sehen, wie lange das anhält.

Alles Liebe

PS: kauf ein Buch über Depressionen für Angehörige. Ich hab leider grad keinen Titel parat, weil mir die Bücher ja immer nur vom Psychiater ausgeliehen wurden, aber es gibt wirklich sehr gute. Man(n) muss kein Psychiater sein um seine Frau in den Arm zu nehmen, wenn es ihr schlecht geht. Einfach nur füreinander da sein, ein Gleichgewicht von geben und nehmen, dafür ist doch eine Partnerschaft da. Ich arbeite auch daran, meinem Mann das klar zu machen.

Kopf hoch
Hallo,

es tut relativ gut, darüber zu reden. Oftmals tut auch ein Austausch gut, denn aus Erfahrungen anderer kann man immer profitieren.

Das Thema Psychose ist sehr weitgreifend. Ich wollte es eigentlich nicht sagen, aber mein Bruder ist davon betroffen und zwar eigentlich seit seiner Kindheit. Bei ihm ist sie bereits manifestiert. Er müsste immer Medikamente nehmen aber er sieht es leider nicht ein.

Ich habe früher immer Rücksicht auf ihn genommen, weil ich dachte, er ist ja krank. Irgendwann habe ich dann gelernt, dass man diese Rücksicht nicht immer nehmen kann. Er hat die Wahl: Will er sich helfen lassen oder nicht. So hart sich das auch anhört, aber man muss sie quasi auch mal auf sich alleine stellen.

Meine Oma war immer ein rettender Anker, sie hat alles für meinen Bruder getan, wirklich alles. Sie war diejenige, die ihn immer wieder in Schutz genommen hat, wenn der Rest der Familie gesagt hat, so geht es nicht mehr, er "nimmt" uns alle aus.

Vor zwei Jahren ist meine Oma an einem Gehirntumor gestorben und seither habe ich keinerlei Kontakt mehr zu meinem Bruder, er weiss nicht mal, wo ich bin. Das hört sich hart an, aber er wollte sich überhaupt nicht helfen lassen, nimmt nichtmal Medikamente.

Eine Psychose wird oftmals ja auch genetisch bedingt hervorgerufen. Der Botenstoff Dopamin wird in einer Überzahl produziert. Die Medis sollen diesen Botenstoff reduzieren und deshalb kommt es zu parkinsonähnlichen Nebenwirkungen, weil Parkinsonkranke ja zu wenig Dopamin haben. Mein Opa hat Parkinson gehabt und mein Bruder hat sogar geglaubt, dass sie ihn absichtlich krank machen wollen.

Wichtig ist, dass du einen Schritt nach vorne gehst. Dass dein Mann auch einsieht, dass er nicht nur an sich denken kann.

Versuche auch, mit deiner Mutter zu reden. Vielleicht hat sie auch nur Angst um dich und will dich nicht überfordern. Vielleicht blockst du auch unbewusst und sie weiss nicht, wie sie an dich rankommen soll.

Versuche auch, die Gefühle deinem Mann gegenüber nicht so zu zeigen. Du bist damit verletzlich. Lasse sie nur bei Menschen zu, die deine Gefühle verstehen.

Meine Therapeutin hat mir einen guten Tip gegeben:

Immer wenn man meint, etwas nicht mehr auszuhalten, zerrt man von positiven Erfahrungen. Das kann z.b. der Kinobesuch mit der Freundin sein. Nehme dir ein für dich angenehmes körperliches "Symbol" dafür. Z.b. in dem du mit der einen Hand den anderen Daumen festhälst. In dem Moment denkst du nur an die positiven Dinge und lässt die negativen nicht ran. Wichtig dabei ist, dass du diese positiven Energien natürlich auch von Zeit zu Zeit auffüllst, sonst sind diese Energien irgendwann aufgebraucht.

Fühl dich mal gedrückt, ich kann mir sehr gut vorstellen, was derzeit in dir vorgeht.

Aus welcher Gegend kommst du eigentlich?

LG

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

1. November 2007 um 16:05
In Antwort auf rocio_11964076

Kopf hoch
Hallo,

es tut relativ gut, darüber zu reden. Oftmals tut auch ein Austausch gut, denn aus Erfahrungen anderer kann man immer profitieren.

Das Thema Psychose ist sehr weitgreifend. Ich wollte es eigentlich nicht sagen, aber mein Bruder ist davon betroffen und zwar eigentlich seit seiner Kindheit. Bei ihm ist sie bereits manifestiert. Er müsste immer Medikamente nehmen aber er sieht es leider nicht ein.

Ich habe früher immer Rücksicht auf ihn genommen, weil ich dachte, er ist ja krank. Irgendwann habe ich dann gelernt, dass man diese Rücksicht nicht immer nehmen kann. Er hat die Wahl: Will er sich helfen lassen oder nicht. So hart sich das auch anhört, aber man muss sie quasi auch mal auf sich alleine stellen.

Meine Oma war immer ein rettender Anker, sie hat alles für meinen Bruder getan, wirklich alles. Sie war diejenige, die ihn immer wieder in Schutz genommen hat, wenn der Rest der Familie gesagt hat, so geht es nicht mehr, er "nimmt" uns alle aus.

Vor zwei Jahren ist meine Oma an einem Gehirntumor gestorben und seither habe ich keinerlei Kontakt mehr zu meinem Bruder, er weiss nicht mal, wo ich bin. Das hört sich hart an, aber er wollte sich überhaupt nicht helfen lassen, nimmt nichtmal Medikamente.

Eine Psychose wird oftmals ja auch genetisch bedingt hervorgerufen. Der Botenstoff Dopamin wird in einer Überzahl produziert. Die Medis sollen diesen Botenstoff reduzieren und deshalb kommt es zu parkinsonähnlichen Nebenwirkungen, weil Parkinsonkranke ja zu wenig Dopamin haben. Mein Opa hat Parkinson gehabt und mein Bruder hat sogar geglaubt, dass sie ihn absichtlich krank machen wollen.

Wichtig ist, dass du einen Schritt nach vorne gehst. Dass dein Mann auch einsieht, dass er nicht nur an sich denken kann.

Versuche auch, mit deiner Mutter zu reden. Vielleicht hat sie auch nur Angst um dich und will dich nicht überfordern. Vielleicht blockst du auch unbewusst und sie weiss nicht, wie sie an dich rankommen soll.

Versuche auch, die Gefühle deinem Mann gegenüber nicht so zu zeigen. Du bist damit verletzlich. Lasse sie nur bei Menschen zu, die deine Gefühle verstehen.

Meine Therapeutin hat mir einen guten Tip gegeben:

Immer wenn man meint, etwas nicht mehr auszuhalten, zerrt man von positiven Erfahrungen. Das kann z.b. der Kinobesuch mit der Freundin sein. Nehme dir ein für dich angenehmes körperliches "Symbol" dafür. Z.b. in dem du mit der einen Hand den anderen Daumen festhälst. In dem Moment denkst du nur an die positiven Dinge und lässt die negativen nicht ran. Wichtig dabei ist, dass du diese positiven Energien natürlich auch von Zeit zu Zeit auffüllst, sonst sind diese Energien irgendwann aufgebraucht.

Fühl dich mal gedrückt, ich kann mir sehr gut vorstellen, was derzeit in dir vorgeht.

Aus welcher Gegend kommst du eigentlich?

LG

Jetzt musste ich wirklich mal lächeln
Du hast ja geschrieben, ich solle an was positives denken, wenn mir alles zu viel wird. Da scheint ja der Instinkt zu funktionieren. Das VERSUCHE ich auch ständig, nur klappt es so gut wie nie, weil ja immer alle auf mich einreden...

Aber meine Gefühle nicht zeigen? Ich hab wirklich lange gebraucht, um überhaupt Gefühle so offen zuzugeben. Das war der Schwachpunkt in meiner Erziehung, meine Mutter ist eine wirklich liebevolle Mutter, die aber bis zum heutigen Tage nie wirklich Gefühle gezeigt hat. Also ihrem Mann gegenüber meine ich. Und irgendwie hab ich das so übernommen, obwohl ich wusste, so ganz richtig ist das nicht. Und so wohl hab ich mich dabei auch nie gefühlt, wenn ich mich versteckt und verstellt habe. Und ich empfand es als wirklich großen Fortschritt, dass ich nicht immer nur still eingesteckt habe, sondern eben auch mal rausgelassen habe.

Verletzlich macht mich das eher weniger. Oder doch? Schwieriges Thema.

Im Grunde genommen hast du schon recht, zeig ich nicht, was mich verletzt, kann er das nicht absichtlich tun, um mich zu verletzen.

Andererseits ist es so, dass ich dann weiter still vor mich hinleide und irgendwann der große Knall kommt, und er weiß gar nicht warum. So nehme ICH uns die Chance unserer Beziehung eine gute Wendung zu geben.

Zeige ich Gefühle, schiebe ich ihm den schwarzen Peter zu. Auch nicht ganz fair. Aber es fühlt sich richtiger an.

Weil ständig negative Gefühle zu verstecken (Wut und Trauer wegen der Langzeitwirkung der Psychose, Enttäuschung und allgemeines wehes Herz ob seines Verhaltens), bedeutet auch, dass mit der Zeit die positiven Gefühle auf der Strecke bleiben.

Zeig ich, was ich empfinde, bin ich nicht mehr Opfer, Märtyrer, der still vor sich hinleidet. Sondern ich gehe die Probleme offensiv an.

Verstehst du, was ich meine?

Gerade dem Partner gegenüber sollte man sich nicht ständig verstellen müssen.

Klar, es gibt Ausnahmen. Wenn es mir schlecht geht, und ihm geht es schlecht, und ich bin mir sicher, dass ich mich doch zusammenreißen kann ohne bis an die Grenzen zu gehen, ja, dann lüge ich ihn an. Dann zeig ich nicht, dass es mir ein bisschen schlecht geht. Damit er kein schlechtes Gewissen bekommt, wenn ich mache und er nimmt sich eine Auszeit.

Allerdings vermisse ich das halt andersrum. Und ich denke, dir wird es da wohl nicht anders gehen.

Das mit deinem Bruder tut mir leid, aber es war der richtige Schritt sich zu distanzieren. Der Bruder meines Mannes war ebenfalls bis vor ca. einem Jahr so. Mittlerweile ist er 29 Jahre alt und hat jetzt endlich begonnen, sein eigenes Leben zu leben, betreut zwar und mit arbeiten in einer Behindertenwerkstatt. Aber es kam jetzt endlich mal die Einsicht, dass er sich trotz Krankheit nicht alles erlauben kann. Und bei ihm war die Schizophrenie auch besonders heftig ausgeprägt und vor allem von Gewaltausbrüchen geprägt.

Heute ist es immer noch greifbar, aber er versucht sich im Griff zu behalten. Und das ist eine unglaubliche Leistung. Nur manche Menschen wollen anscheinend nie. Weil du ja schon richtig angemerkt hast, alle anderen sind krank, der Kranke selbst empfindet sich als normal.

Und das sehe ich im kleinen bei meinem Mann. Sein Verhalten empfindet er als normal, weil er ja krank ist. Da müssen halt andere für ihn sorgen, so denkt er.

Wobei halt ich immer und immer wieder im guten mit ihm rede, dass er sich nicht von der Krankheit beherrschen lassen muss. Dass er stark ist, dass ich hinter ihm stehe, dass er es schaffen kann der Krankheit zu trotzen bzw. sie in sein Leben zu integrieren. Aber eben auf die Art und Weise, wie ER das will, und nicht was die Krankheit ihm vorschreibt.

Aber da ist wieder die andere Seite, so wirklich will er nicht, es ist anstrengend, das kann ich wirklich verstehen, aber sie kommt ihm günstig. Und das kann ich wiederum nicht verstehen. Wer ist schon gerne krank?

Aber vielleicht hab ich ja auch nur gut reden, weil wie er immer so treffend anmerkt, ich hab ja die Krankheit nicht.

Bist du gern krank? Im Sinne von, dass du gern mal die Krankheit ausnutzt? Ach, das hört sich jetzt so blöd an. Weil mein Mann halt immer sagt, er kann nichts dagegen tun. Und ich bezweifle das irgendwie. Weil wie kann er im "Normalzustand", also außerhalb einer aktiven Psychose, seine Gedanken überhaupt nicht steuern? In einem Buch hab ich sowas noch nie gelesen. Aber ich hab ja auch festgestellt, dass in Büchern ja auch nicht immer alles steht.

Was ich allerdings immer wieder las, das sind die sekundären Krankheitszeichen, und als solches sehe ich das Verhalten an. Eben dieses Verstecken hinter der Krankheit.

Hm, jetzt wirds aber so richtig persönlich. Kann man hier irgendwo PNs schicken?

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

16. April 2008 um 0:04

Dies scheint Komplex
Hallo vijona
Ich vermute, nicht nur dass Deine Familie im Chaos ist, Du am sogenannten Eisenmangel-Syndrom leidest, der alle Deine Symptome verstärkt. Kraftlosigkeit, Müdigkeit, Nicht Belastbarkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit.
Liess mehr dazu auf www.eisenzentrum.org
und in meinem Blog
Dann lass Deinen Ferritinwert (wichtig Ferritin) im Blut bestimmen durch den Hausazrt. Liegt dieser unter 50ng/ml leidest Du an einem Eisenmangel.

Alle Psychopharmaka, alle Therapien werden nur anschlagen, wenn Dein Eisenspeicher gefüllt ist.

Natürlich leidest Du unter dem Stress und der Belastung der Familie und Situation, aber mit vollem Eisenspeicher lassen sich die Dinge angehen. die SYmptome, die Du beschreibst können auf mich zutreffen.
Ich habe jetzt meine Eisenspeicher in einem Zentrum auffüllen lassen und bin ausgeglichen wie noch nie in meinem Leben. Natürlich, die Probleme sind immer noch da, aber ich kann sie gelassener angehen.
Deine
Grace4you

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Du willst nichts mehr verpassen?
facebook

Das könnte dir auch gefallen