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Mama´s Tod gestern um halb vier Uhr früh

14. Juli 2018 um 13:51 Letzte Antwort: 16. Juli 2018 um 18:12

Hallo,
ich mache das hier zum ersten mal. Nur wenn ich es nicht mache, werde ich noch verrückt.
Mama ist erst gestern früh um halb vier gestorben. Das sie sterben wird haben wir zwei gewusst. Mama hatte Bauchspeicheldrüsenkrebs metastasierend in Lunge, Leber und zum Schluss im Darm. Wir hatten noch 2 wundervolle Jahre zusammen. Haben Urlaub gemacht und viel gelacht, auch manchmal geweint, hauptsächlich ich, alleine in meinem Zimmer.
Mama hat nur 2 mal geweint. 
Eigentlich sollte es nicht so überachend sein, dass sie stirbt, aber das ist es. Es gab nichts vergleichbares bis jetzt. 
Habe schon viele Beiträge zum Tod von einem Elternteil gelesen und musste jedes mal losheulen. Wie jetzt auch.
Wir haben fast 18 Jahre zusammengelebt. Viele verstehen das nicht, sie sagen hast du kein eigenes Leben, das ist nicht normal.
Manchmal denke ich das auch, dafür schäme ich mich unglaublich. Diese Gedanken die willst endlich dein eigenes Leben und im nächsten Moment NEIN, du hast doch nur sie.
Wir haben keine Verwandten mehr, ich bin ein Einzelkind und Single.
Nur ein fast 14 Jahre alter kleiner Hund namens Betty ist jetzt noch mein einziger Halt.
Ohne sie würde ich noch wahnsinniger.
Viele schrieben auch nach 9 Monaten ist dieses riesige Loch aus Leere und Verzweiflung noch da. OH MEIN GOTT - ich dreh jetzt schon durch.
Wie soll ich noch 9 Monate durchhalten. Und dann ist auch noch Wochenende. Ich kann nichts organisieren. Keiner da.
Habe Mama ca. 6 Wochen zu Hause gehabt um sie zu pflegen. Das war schon sehr hart für mich, war darauf nicht wirklich vorbereitet. Musste sie letzten Freitag ins Krankenhaus bringen, das sie auf einmal Blut spuckte. Das war entsetzlich. Jeden Tag hab ich sie besucht und musste jeden Tag mitansehen, wie es weniger wird. Am Donnerstag konnte sie nicht mehr sprechen und man hat gesehen, wie sie die ersten Anzeichen bekommt. Ihr war ständig übel und sie musste immer wieder Erbrechen (Blut wie Kaffeesatz). Nachts bekam sie dann ein leichtes Narkosemittel um schlafen zu können. Aber sie war so stark, das es 3 Tage gedauert hat.
Für Mama ein unerträglicher Zustand. So selbständig und Stark und dann zu schwach um aufzustehen und zu sprechen, letztendlich mit Blasenkatheder und Aztisschlauch.
Und jetzt, anderthalb Tage ohne sie kann ich es immer noch nicht realisieren.
Glaube immer, musst heute noch in Krankenhaus fahren. Ach nein, brauchst du nicht mehr.
Mama hat es geschafft. Einerseits bin ich unglaublich erleichtert, Mama hat es geschafft, ich bin frei. Und andererseits - ich bin Mutterseelen allein.
Da ich sehr introvertiert bin, hab ich nur eine Freundin - 130 km entfernt. Sie hat ihr eigenes Leben und war schon einmal da, um Mama kennen zulernen. Wir telefonieren, aber für sie hört der Mensch auf, wenn das Gehirn tot ist.
Ich kann es auf einer Seite verstehen, aber andererseits - ich MUSS mit Mama´s Foto Zwiesprache halten. Wir sind - sorry - waren die besten Freundinnen, haben alles gemeinsam gemacht. Und jetzt diese unglaubliche Leere. Überall stehen Dinge, das Pflegebett, der Toilettenstuhl, selbst in der Badewanne ist noch der Badewannenlift.

Es tut unglaublich gut hier zu schreiben. Ich weiss nicht, ob es einige gibt, die auch so ein Mamatöchterchen sind. Es war auch meine Entscheidung. Ständig muss ich mich rechtfertigen - so auch jetzt. Niemand verstand und versteht es. Ich tu mir so schwer, Dinge von Mama zu entsorgen. Meine Freundin sagt und denkt, sie ist tot, jetzt bist du dran, du musst nicht alles so lassen, wie deine Mama es hatte. Finde deinen eigenen Stil.
Ich weiss, sie hat Recht, aber es ist so grausam. Ich fühle mich so schlecht, wenn ich doch etwas wegschmeisse oder wegräume. Möchte am liebsten alles so lassen. Weiss aber auch, dass es nicht geht. Es muss sein. Entweder jetzt oder später.  

Meine Gefühle schwanken zwischen absoluter Gefühllosigkeit, über Wut bishin zu völliger Verzweiflung. Ich sitze dann teilweise im Hundekörbchen und heule, mit meinem Hund zwischen den Beinen. Danach bin ich total fertig - und sooo müde, so unendlich müde.

Alle sagen (Radio) kein Grund zur Trauigkeit, es scheint die Sonne. Von wegen.

Werde jetzt wieder Gassi gehen. Sonne tanken gegen die Depressionen.

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15. Juli 2018 um 22:46

Hallo, es ist schlimm einen geliebten Menschen zu verlieren. Du hast nicht nur deine Mama verloren, sondern auch deine beste Freundin. Ich persönlich würde jetzt nicht direkt alles entsorgen, sondern erst einmal trauern und Stück für Stück versuchen ein eigenes Leben aufzubauen. Wenn du magst, kannst du mir ja privat schreiben. Lg Natalie

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16. Juli 2018 um 8:00

Guten morgen, dein Verlust tut mir sehr leid und ich würde mir für dich wünschen, dass dir wenigstens deine Freundin eine Stütze ist. Es ist ja  entsetzlich wie sie reagiert.es ist doch noch so frisch  es gibt trauergruppen, in denen du darüber sprechen kannst. Viele haben ein Riesen Loch durch einen Todesfall im Herzen. Auch als introvertierter Mensch lernst du womöglich jemanden kennen, der deine Gefühle versteht und du bekommst Hilfe, den Haushalt aufzulösen wenn du soweit bist. Das braucht halt seine Zeit. Der Schmerz ist höllisch.. gegen solche schlimmen Depressionen und lebenskrisen kann man ruhig zum Therapeuten gehen, Medikamente nehmen. Alles gute und möge die schwere Zeit schnell vorbei gehen. 

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16. Juli 2018 um 18:12

Ich möchte dir auf diesem Wege mein herzliches Beileid ausspechen.

Lass dir Zeit, du musst nicht jetzt sofort tätig werden und alle Sachen ausräumen. Es braucht eine Weile, sich zu verabschieden und nachdem du die Wohnung ja nicht räumen musst (du wohnst ja auch darin und bleibst da wohnen) hast du ja keine Eile! Mach es dann, wenn du bereit dazu bist.

Die Sachen deiner Mutter, die noch gut sind, könntest du auch spenden bzw. in Verschenkgruppen verschenken - das gibt dir das Gefühl, dass die Dinge gebraucht werden und sich jemand anders darüber freut. Mir hat es immer schrecklich weh getan, Dinge, die meinen Liebe viel wert waren einfach auf den Müll zu werfen. Das erschien mir immer so respektlos. Man kann aber nicht immer alles behalten und darum fand ich das Spenden/Verschenken eine gute Alternative.

Und was ich dir noch raten möchte: lass alle Familienangehörigen sich ein Andenken aus den Sachen deiner Mutter nehmen. Jeder soll sich eine Kleinigkeit aussuchen. So haben wir das immer gehandhabt und jeder hat sich über die Möglichkeit gefreut. Es geht nicht so sehr um den materiellen Wert, sondern um ein Andenken an einen geliebten Menschen.

Die Idee mit der Trauergruppe ist wirklich gut - probier es aus. Da findest du Menschen, die dich sehr gut verstehen, weil sie gerade in derselben Situation sind.

Alles Gute und viel Kraft.

LG
Elisabeth

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