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Mache mir Sorgen um meine Freundin

20. Oktober 2008 um 14:43

Hi,

ich habe ein Problem und weiß nich wirklich, wie ich etwas tun kann, um es zu lösen. Ich bin mit meiner Freundin seit etwas mehr als einem Jahr zusammen. Wir führen eine Fernbeziehung. Ich werde in meinem Job noch bis zu 3 Jahre sein und sie wird noch 1,5 Jahre studieren. Unsere Beziehung fing an, als ich im Diplomstress war. Deshalb hatte ich kaum Zeit, zu ihr zu fahren, was ein Fehler war. Ich habe sie teilweise finanziell unterstützt, daß sie zu mir kommen kann. Mittlerweile fahre ich zu ihr, um ihr etwas mehr Ruhe für ihr Studium zu geben. Meinen anschließenden Job hatte ich bereits zugesagt, hatte Ihr allerdings gesagt, daß ich auch gerne was anderes mache, wenn sie es möchte. Ich hätte damit nie ein Problem gehabt, sie meinte aber, daßich eine solche Chance nie wieder bekommen würde und es machen sollte. Seit etwas mehr als zwei Monaten nun weiß ich, daß sie die Fernbeziehung nich aushält. Sie ist depressiv und versucht dieses Gefühl mit verschiedenen Methoden zu unterdrücken, um zu funktionieren. Welche Methoden das sind, möchte ich offen lassen. Einmal hatte sie zu mir gesagt, daß sie dieses tieftraurige Gefühl schon lange hat, auch vor mir, und dachte, daß die Beziehung zu mir Sie wieder davon befreien würde, daß dies aber nur der Fall sei, wenn ich bei ihr wäre.

Sie wirft mir nun vor, daß Sie viel mehr für unsere Beziehung getan hätte als ich und ich immer nur an mir interessiert sei. Sie sei so einsam und mir ginge es so gut. Ich würde sie belügen und ihr Vertrauen zu mir sei angeknackst.

Um das mal in das rechte Licht zu rücken:

Mein Tag besteht daraus, daß ich morgens auf Arbeit gehe, dann nach Hause, wo ich darauf warte, daß wir miteinander telefonieren, weil ich den ganzen Tag an sie denken muß und mir Sorgen mache und selbst einsam bin. Ich habe auch nach Stellen in Ihrer Nähe gesucht, aber dort gibt es nichts in meiner Branche und wie gesagt, ich bin eigentlich noch 3 Jahre gebunden.

Sie wirft mir weiterhin mein Verhältnis zu meinen Eltern vor, weil ich ein recht enges Verhältnis habe, was heißt, daß ich sie alles ein bis zwei Wochen innerhalb der Woche abends besuche, sie mir bei Umzügen usw geholfen haben und mich finanziell unterstützen. Sie bekommt Bafög und kann das nich nachvollziehen, weil sie ihren Eltern nich zur Last fallen möchte, auch mit ihren Problemen.

Sie meinte nun, daß sie es die nächsten 3 Jahre nicht aushalten würde und über kurz oder lang in die Psychatrie kommt. Leider sehe ich das auch so. Ich habe schon oft versucht, sie dazu zu bewegen, selbst zum Arzt zu gehen, weil sie diese Traurigkeit schon fast 2 Jahre hat. Ich hatte selbst Depressionen und von meiner Erfahrung her kann ich sagen, daß ich damals halb freiwillig aber halb auch gezwungen zum Arzt gegangen bin, aber jedes Mal, wenn ich sie soweit habe, daß sie möchte, findet sie am nächsten Morgen oder spätestens, am Tag bevor wir hingehen wollen, eine Ausflucht. Ich kann sie nich zwingen, wenn sie nich will, allerdings merke ich, wie es auch mir von Tag zu Tag schlechter dabei geht und ich sie nicht verlieren will. Sie hat auch keinen wirklichen Freundeskreis und die Freunde, die sie hat, sind entweder im Ausland oder haben selbst Probleme.

Was soll ich machen?

Ich bin ratlos, sie streubt sich gegen alles, was ich ihr vorschlage. Ich bin mir aber sicher, daß es nich damit getan wäre, daß ich kündige und zu ihr ziehe, weil meine Erfahrung gezeigt hat, daß Depressionen irgendwann ein Selbstläufer sind.

Danke für Eure Antworten.

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21. Oktober 2008 um 7:26

Schau doch
mal, ob es in ihrer nähe eine selbsthilfegruppe gibt, sprich dort mit jemanden, vielleicht kann man ein treffen "arrangieren", bei dem im eigenen vertrauten umfeld ihr jemand von seiner erfahrung erzählt..
vielleicht empfindet sie das anders, als wenn sie zu jemanden gehen soll und sich dort "outen" soll

weiß sie davon, dass es dir auch nicht so sonderlich gut mit der fernbeziehung geht?

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21. Oktober 2008 um 10:56

Hi
das mit dem Buch is ne gute Idee. Ich habe ihr oft gesagt, wie ich es geschafft habe und ich weiß, daß ich ihre Depression ihr nicht abnehmen kann. Leider fühlt man sich als Partner allerdings immer Kacke, wenn man denn mal konsequent sagt, daß man ihr nicht helfen kann, weil es dann heißt: "Du willst nur nicht." Meinen Weg zu gehen, ist für sie mal ok, mal nicht machbar, weil in ihrer Familie Depression eine Schande ist, obwohl so ziemlich alle näheren Verwandten bis auf ihre Eltern erwiesenermaßen mittelschwere bis schwere Depressionen hatten. Sie meint deshalb, sich ihren Eltern nich anvertrauen zu können, weil "die das eh nicht verstehen". Sie projiziert ihre Trauer eben auf mich, weil ich zu wenig für die Beziehung tun würde, weil ich zusehe, wie es ihr immer schlechter geht, weil ich mich nicht ändere, weil ich dieses und jenes nicht mache, weil meine Eltern mir bei der Ausstattung meiner Wohnung geholfen haben und und und. Letzte Nacht hat sie mir 3 Stunden gesagt, ws ich alles falsch mache, darunter Sachen, die einfach nicht richtig waren, was ich auch gesagt habe. Aber bei ihr eine falsche Äußerung zu widerlegen, ist eine Sache von 10-30 Minuten und meistens sieht sie es dann noch nicht ein. Ich fühle mich mittlerweile an dem Punkt, wo ich die Zukunft dieser Beziehung nicht mehr sehe. Für Silvester sind wir von einem Freund ihrerseits eingeladen worden. Da sie, wie glaube ich schon geschrieben, wenig Freunde hat und er sie als beste Freundin bezeichnet hat, fand ich die Idee, zusammen zu feiern, sehr gut. Aber er macht gerade ein Auslandssemester und will deshalb mit uns in Schottland feiern. De Facto hat sie mich vor die Wahl gestellt, entweder Schottland oder unsere Beziehung ist vorbei. Daß wir beide finanziell nicht wirklich auf Rosen gebetttet sind, sollte ich dabei noch erwähnen. Sie hält mir vor, daß ich das sage, weil ich ja nach Mietabzug ganze 100 Euro mehr habe als sie und sie sich eh alles vom Munde abspare und ich sie nicht unterstütze, dabei kaufe ich jedes Mal für sie ein, wenn ich bei ihr bin und mehr kann ich nicht. Naja, aber genug des Selbstmitleids. Ich werde mir auf jeden Fall mal die Bücher anschauen und sehen, ob ihr das helfen kann. Gestern Abend hat sie selbst zugegeben, daß sie ein Problem hat, aber im Moment ist es für sie besser, meine Unvollkommenheit und meine ganzen Fehler, die sicher nicht wenig sind, in den Focus zu stellen.

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21. Oktober 2008 um 11:20
In Antwort auf sri_11955996

Schau doch
mal, ob es in ihrer nähe eine selbsthilfegruppe gibt, sprich dort mit jemanden, vielleicht kann man ein treffen "arrangieren", bei dem im eigenen vertrauten umfeld ihr jemand von seiner erfahrung erzählt..
vielleicht empfindet sie das anders, als wenn sie zu jemanden gehen soll und sich dort "outen" soll

weiß sie davon, dass es dir auch nicht so sonderlich gut mit der fernbeziehung geht?

Hallo
Die Selbsthilfegruppe is ne gute Idee, wenn sie es denn machen würde, aber ich weiß nicht, ob sie dafür weit genug ist, weil sie sich darum windet wie ein Wurm. Also sie windet sich vor allen Therapie-artigen Ansätzen, weil das ja eine "Schande" wäre und man das nur machen kann, wenn das Umfeld einen stützt (sagt sie). Und ich sei nicht da, ihre Eltern verstehen sie nicht und Freunde hat sie auch kaum welche, also nix mit Umfeld.

Daß ich mit der Fernbeziehung nich glücklich bin, habe ich Ihr schon so oft gesagt. Sie ist auf dem Standpunkt, daß es viel einfacher für mich ist meinen Job zu kündigen und irgendetwas anderes zu finden, als für sie den Studienort zu wechseln. Für mich ist beides äquivalent. Sie hat schon einmal den Studienort gewechselt für ihren Ex und ist dann zurückgegangen, als sie sich getrennt haben. Mir wirft sie die Fehler in ihren letzten Beziehungen vor. Denn sie "mußte immer etwas aufgeben. Die Männer wollten nie etwas aufgeben" für sie. Jetzt soll ich für die Fehler in Ihren letzten Beziehungen gerade stehen, so kommt es mit zumindest vor. Ich liebe sie, aber sie sagt meistens selbst, daß es ein unvernünftiger Schritt sei. Ich hatte es ihr angeboten, bevor ich hier angefangen habe, aber da hieß es, daß ich hier diesen Job annehmen sollte. Jetzt, nach einem reichlichen halben Jahr ist das ganze Gegenteil der Fall. An einem Tag soll ich unbedingt den Job wechseln, weil das ja so ungeheuer einfach für mich sei und am nächsten Tag entschuldigt sie sich dafür. Dann sagt sie, daß es schon so ok ist, wie es ist und sie schon irgendwie damit umgehen wird. Sie sagt auch explizit, daß ich weitermachen solle. Ich melde mich häufig bei ihr. Wir telefonieren oft stundenlang und ich nehme dabei keine Rücksicht auf meinen Job und daß ich am nächsten Tag sprichwörtlich tot auf Arbeit gehe. Sie fehlt mir. Das zeige ich ihr doch damit, oder? Wenn ich nichts von ihr höre, mache ich mi Sorgen, ich rufe dann bei allen Menschen in ihrem Bekanntenkreis an, die ich kenne. Daß das für mich auch nicht einfach ist, das will sie nich einsehen, weil ich nach außen nix zeige. Wenn ich etwas gezeigt habe, was früher vorkam, dann hieß es irgendwann, daß sie sich so scheiße fühle, weil sie immer stark sein müßte, für mich, ihre Eltern usw. . Als ich dann angefangen habe, eben nicht alles nach außen zu zeigen, hieß es, daß sie viel mehr Probleme mit der Fernbeziehung hätte als ich.

Sie dreht sich die Wahrheit so hin, daß ich der Depp bin und sie das Opfer und das macht unsere Beziehung einfach nur noch zu einem Trauerspiel in den letzten Wochen.

Ich kenne viele Paare, die über 4-5 Jahre eine Fernbeziehung geführt haben und irgendwie damit umgehen können. Meine Eltern haben sich jahrelang nur Briefe geschickt, kein Telefon nix und die waren verliebt und miteinander zusammen. Dann haben sie sich alle 14 Tage gesehen. Wir sehen uns jedes Wochenende und ich telefoniere jeden Tag mit ihr lang und ausgiebig, aber das einzige, was kommt, sind Vorwürfe und Selbstmitleid. Die typische Einstellung, die ich auch lange hatte: "Warum ausgerechnet ich?". Ich habe versucht, ihr mit Engelszungen zu zeigen, daß es nicht nur uns so geht, aber das prallt an ihr ab und wir sind wieder dabei, daß ich ein Muttersöhnchen bin, das im Privatleben nix hinbekommt und nix für die Beziehung tut, nicht abnimmt, nicht dieses und nicht jenes macht, mit dem Geld knausert und sich darüber beschwert, wo es ihr doch viel schlechter geht.

Naja, tut mir leid, daß ich das jetzt geschrieben habe, aber es mußte raus. Ich habe ihr das auch schon ein paar mal ruhig gesagt, ist ihr aber egal.

Auf jeden Fall, danke ich Dir für Deine Ideen. ich schaue mal nach.

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23. Oktober 2008 um 11:24

Hi
Du sprichst mir ja aus der Seele. Vorgestern habe ich mit ihr geredet. Sie hat dann angefangen einzusehen, daß sie etwas unternehmen muß. Ich habe ihr versprochen, den ersten Schritt mit ihr zusammen zu gehen, worum sie mich gebeten hatte. Ich habe mir auch dafür Urlaub genommen, um morgen mit ihr auf Anlaufstellensuche zu gehen. Gestern Abend telefonieren wir und sie meint, es geht ihr wirklich gut, sie hätte einen neuen Zeitvertreib gefunden und eigentlich müßten wir gar nix mehr unternehmen, is doch alles super. Du kannst Dir vostellen, daß ich danach enttäuscht und sauer war. Sie ist sich nicht im Kklaren, daß sie unsere Beziehung riskiert. Ich muß ehrlich sagen, daß es mir reicht,. Und wenn es ihr wieder schlechter geht, wirft sie mir vor, sie nicht gezwungen zu haben, etwas zu tun. Dann kann ich mir aber keinen Urlaub mehr nehmen, um ihr beizustehen. Sie macht sich das alles so einfach manchmal, daß ich an ihr zweifel und manchmal verzweifel. Als ich ihr gesagt habe, daß ein Bekannter von mir sich von seiner Freundin getrennt hat, mit der er nur etwa ein halbes Jahr zusammen war, meinte sie: "Und Dir wird es zuviel? Anderen geht es viel schlechter." Das war ein Hammer. Naja, ich werde heute nochmal mit ihr reden und dann, mal schauen.

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