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Leide ich an einer Depression?

1. April 2013 um 18:11

Liebes Forum,
normalerweise melde ich mich hier immer wegen ganz anderen, teilweise auch erfreulicheren Dingen zu Wort, aber schon seit Monaten plagen mich gewisse Sachen ungeheuerlich.
Ich bin jetzt 18 Jahre alt und gehe momentan in die 12. Klasse. Ich mache also in anderthalb Monaten mein Abitur. Seit Beginn des Schuljahres habe ich sehr große Konzentrationsprobleme und bekomme ständig schlechte Noten. Zugegeben, ganz zu Anfang des Jahres hatte ich garkeine Motivation. Nach den ersten schlechten Noten, hat mich dann die Angst gepackt. Ich habe tagelang auf jede Prüfung gebüffelt und habe mich dennoch um 0,5 Notenpunkte im Zeugnis auf 2,8 verschlechtert. Daraufhin habe ich im zweiten Halbjahr noch mehr gelernt (für mich als angehende Abiturientin ist dieses ja auch Ende April gelaufen) und trotz allem bin ich mit meinen Noten abgrundtief unzufrieden. Ich habe mich dann wegen dem Lernen und weil ich nebenher keinen Sport treibe sehr verspannt. (in der 5. oder 6. Klasse war ich monatelang beim Reiten, aber das hat sich aufgehört und seither hatte ich nie mehr die Möglichkeit, einen Sport zu beginnen. Meine Eltern haben immer gesagt "Konzentrier dich lieber auf die Schule, das ist sooo viel wichtiger! Sport kannst du danach immer noch machen"). Deshalb habe ich von meinem Hausarzt sechs Fango-Massagen verschrieben bekommen. Vor der dritten Sitzung hatte ich mit einem Mädchen meines Jahrgangs Probleme, die eigentlich nicht so tragisch gewesen wären, mich jedoch absolut und komplett aus der Bahn geworfen haben. So wurde ich auch in der Therapie wieder nach Hinten geworfen. Nach der letzten Behandlung jedoch habe ich mich dann doch ziemlich gut gefühlt. Das ist jetzt zwei Wochen her und jegliche Probleme sind schon zurück - Rückenschmerzen (um die Wirbelsäule, Schultern) sowie Nacken- und Kopfschmerzen sind wieder da.

Ich habe seit November eine Ausbildungsstelle zur Eurokauffrau sicher (ist für mich eine Riesenchance, da ich Fremdsprachen liebe und früher eigentlich immer gerne von Menschen umgeben und mit diesen zusammengearbeitet habe). Ich war extrem froh über die Stelle und meine Vorgesetzte ist wirklich super freundlich. Vor einem halben Monat habe ich ihr dann mein Halbjahreszeugnis schicken müssen. Da sie so überrascht von der Leistungsabnahme war, hat sie mich kurzerhand angerufen. Sie wolle nur sichergehen, dass ich mein Ziel (Abitur) erreiche, es ginge ihr dabei nicht um die Firma, sondern um mich selbst, da das Abitur meine Leistungen ja für immer irgedwie repräsentieren wird. Außerdem hat sie gesagt, sie glaubte schon sich in mir geirrt zu haben (so nach dem Motto: Ich hab die Stelle, meine Noten sind mir jetzt egal), und das obwohl ich mich so angestrengt habe! Ich hab ihr dann gesagt, dass ich private Probleme hatte (ich habe mich im ganzen ersten Halbjahr und auch schon letzten Sommer sehr extrem und oft mit meinen Eltern gestritten - das ging soweit, dass mir meine ältere Schwester geraten hat, dass ich doch am besten ausziehen solle) und diese jetzt geklärt seien, sowie dass mich eine Krankheit direkt vor der Klausurenphase beeinträchtigt hat (Ich hatte damals Grippe, sowie Kopfschmerzen, Blasenentzündung und musste zudem durch eine Magen-Darm-Spiegelung durch); und dass ich jetzt wieder besser dran bin. Ich mache mir jetzt unglaubliche Vorwürfe, ob ich den Job nicht ablehnen hätte sollen, und ihm jemand überlassen hätte sollen, der geeigneter dafür wäre und kein psychisches Wrack wie ich ist.

Im Sommer bin ich außerdem mit meinem Freund zusammengekommen - mein erster Richtiger -, mit dem ich eigentlich extrem glücklich bin. Als meine traurige Phase vor ein paar Wochen begonnen hat, hatte er nicht soviel Zeit (Stress in der Arbeit und im Sport), und weil ich ihn nicht zusätzlich beunruhigen wollte, habe ich ihm nicht alles von meinen Sorgen erzählt, außer, dass mich der Schulstress sehr erschöpft. Letzte Woche haben wir uns (obwohl ich Ferien habe) eigentlich garnicht gesehen, was mich selbst verwundert. Aber wegen Arbeit und Sport ging es halt nicht (außerdem musste ich sehr viel lernen und hab mich eben deshalb auch mit einer Freundin getroffen). Dieses Wochenende war es dann ganz komisch: Am Freitagabend war alles super, wir hatten Spaß, haben auch miteinander geschlafen und alles war wie immer! Samstagabend kam er dann wieder vorbei und ich hab kaum mit ihm gesprochen. Nicht weil ich nicht wollte - nein, weil ich so damit beschäftigt war, ungewollte und meiner Meinung nach unbegründete Tränen zu unterdrücken. Er hat mich gleich gefragt, was los ist, als ich ihn zur Tür reingelassen habe. Natürlich konnte ich dazu nichts sagen. Er ging dann zu meinem Bruder und hat mit ihm geredet, bevor er sich mit mir ins Bett legte. Er schlief nach kurzem Reden (das ich leider irgendwie verhindern wollte) dann ein und ich hab mich langsam und stundenlange in den Schlaf geweint. Am Sonntag ging er dann mit Freunden weg (in Bayern gehen Jungs am Ostersonntag Eiersammeln oder so und treffen sich bei Mädchen auf ein Paar Bier und etwas zu essen). Ich hatte natürlich keine Station, mich hat ja keiner gefragt, aber zum Fahren hat's ja dann doch gereicht und das hab ich auch gerne getan. Ich bringe mich grundsätzlich ja gerne ein, solange es auch irgendwie gewürdigt wird. Mein Freund (und mein Bruder, der auch dabei war) haben sich tausendmal dafür bedankt, dass ich sie und ihre Freunde von der ersten zur zweiten Station gefahren und abends abgeholt habe. Aber mich verletzt es trotzdem, dass ich keine Station machen durfte. Das gibt mir das Gefühl, dass mich seine Freunde eigentlich nicht dabeihaben wollten (obwohl ich sie schon länger kenne als meinen Freund) und ich war halt die Notlösung, weil sie keinen anderen Fahrer gefunden haben. Im Auto auf dem Heimweg hat mir mein Freund dann gesagt, wie froh er ist, dass ich endlich wieder lächle, dass ich ihm so viel besser gefalle wie am Samstag und Sonntagmorgen. Ich weiß, dass er mich liebt, was er mir auch oft sagt. Es tut mir so unglaublich leid, dass ich ihm gegenüber so abweisend bin (was er aber auch verneint), weil er etwas viel besseres verdient hat, als so jemand wie mich. Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich ihn mit meinen Launen irgendwann genau so runterziehe, wie ich mich selbst. Ich weine nur noch, was ich vor ihm aus irgendeinem Grund, den ich selbst nicht kenne verstecken will. Und langsam aber stetig reisst meine Fassade nun ein.

Hinzu kommt, dass ich mit einem Mädchen gut befreundet war, zu dem ich irgendwie über seinen Freund gekommen bin. Sie hat sich zu Beginn unserer Beziehung dafür interessiert wie es mir geht und so wurde sie für mich schnell eine wichtige Bezugsperson. Dann kommt wieder das Problem mit der Ausbildungsstelle. Sie wollte diese auch, aber ich kann doch meinen Traumjob nicht aufgeben, damit ihn eine andere bekommt? Ich habe natürlich die Chance angenommen und mich darüber gefreut, es ihr aber nicht unnötig auf die Nase gebunden. Seitdem ist der Kontakt zu ihr total passiv. Wir reden nicht mehr, bzw. nicht mehr als nötig und ihre Freundinnen wurden mir gegenüber teilweise richtig arrogant und gemein. Seitdem habe ich eigentlich alles wichtige außer meinem Freund verloren. Ich habe zwar 4 oder 5 Freunde im Jahrgang, aber alle oberflächlich. Ich habe kaum jemanden mit dem ich über Probleme reden kann. Und vielleicht erzähle ich ja meinem Freund nicht mehr alle Sorgen, weil ich ihn nicht mit allem zusätzlich belasten will.

Als er heute schon vor Mittag zu einem Freund und dann nach Hause gefahren ist, musste ich direkt weinen - schon als er die Tür zugemacht hat. Ich fühle mich so schlecht und ich vermisse ihn so unglaublich stark. Ja, ich vermisse ihn sogar, wenn wir nebeneinander im Bett liegen. Ich spüre einfach für mich, wie sehr ich durch mein Verhalten alles kaputt mache, auch wenn er es anders sieht. Gerade schreiben wir miteinander, weil ich mich nicht mehr auf die Schule konzentrieren kann. Er hat mir angeboten, ich könne zu ihm fahren und bis morgen früh bleiben (er arbeitet dann ja), aber ich bin so verheult, weil ich seit Mittag am weinen bin, und ich will ihm den Anblick nicht antun, weil ich mich irgendwie schäme und ihn nicht runterziehen will.....

Zu meinen Eltern ist noch zu sagen, dass sie mich früher immer nur auf die Schlue gezielt haben. Ich durfte mir das Gymnasium zwar selbst aussuchen, aber schon früher waren sie ja zB gegen Sport, weil die Schule/das Lernen so viel wichtiger ist. Ich durfte nichtmal Nachhilfe geben, weil ich lieber für mich lernen sollte (was ich dann vor einem Jahr trotzdem begann und kürzlich wegen dem Abi aufgegeben habe). Die ganzen Osterferien habe ich bisher durchgelernt, ich hab ja nichtmal meinen Freund gesehen und auf einer Party war ich sowieso seit Dezember nicht mehr. Jetzt habe ich gestern meinen Eltern erzählt, dass ich mir ein großes Puzzle bestellen will, um mich mal auf etwas anderes konzentrieren zu können. Einzige Antwort von meinem Vater "Bist du dir sicher, dass dir das nicht zuviel ist? Dann kannst du ja garnicht mehr lernen". Ich dachte, mein Schwein pfeift!
Mein kleiner Bruder schließt heuer die Realschule ab. Er ist seit September 16 und hat noch schlechtere Noten wie ich. Er darf aber jedes Wochenende (und in den Ferien sowieso grundsätzlich) durchgehend weggehen, betrinkt sich und hat seinen Spaß. Ich hab sie noch NIE zu ihm sagen hören "schränk doch mal das Weggehen ein und lerne ein bisschen mehr" oder "heute darfst du nicht weg". nein, sogar mein Vater fährt ihn zu Parties, bei mir war das so, dass ich daheimblieb, wenn meine Mutter nicht fahren konnte/wollte, weil mein Vater mich nicht zu parties fahren konnte (er geht normal immer früh ins bett, weil er den ganzen tag auf dem hof arbeitet). Zudem trifft er beim Weggehen Leute aus meinem Jahrgang, mit denen er sich super versteht und er ist öfter mit Leuten meines Alters unterwegs als ich es je war. Ich kann aber natürlich nichts zu meinen Eltern sagen, dass sie ihn mal einschränken sollten; ich versuche schließlich eine gute Schwester zu sein und gönne ihm ja grundsätzlich den Spaß, der mir ständig verwehrt wurde (ich durfte so gut wie nie mehr als einmal am Wochenende weg und weil mir meine Eltern immer eingetrichtert haben, dass ich nur daheimsitzen und lernen sollte, fühle ich mich jedes mal wenn ich nach der schule/am wochenende/in den ferien nicht lerne, gleich extrem schlecht, weil ich dadurch mein Abi riskiere. Ich hasse es aber hab keine Ahnung was ich noch tun soll....

Ich nehme außerdem seit knapp zwei Jahren Tabletten wegen einer Schilddrüsenunterfunktion und seit Juni die Pille (wegen meinem Freund). Ich hatte bisher aber keine Nebenwirkungen. Aber ich habe neben den ständigen Stimmungsschwankungen bemerkt, dass ich seit Beginn der 12. Klasse viel häufiger krank bin, als ich es jemals war.

Ich will meinen Freund nicht verlieren, ich muss mein Abi unbedingt schaffen und will so gut sein wie irgend möglich und danach endlich gute Freunde finden und wieder normal werden, aber ich weiß einfach nicht wie.

Ich habe auch grade vorher Dinge über Depressionen durchgelesen (was ich so seit Wochen mache..) und weinend festgestellt, dass ich beinahe alle Symptome hervorragend erfülle. Ich habe große Angst, wie ich damit umgehen soll, dass ich vielleicht "chronisch" depressiv bin. Soll ich da zuerst mit dem Freund drüber reden, oder zum Arzt, und wie verklickere ich ihm, dass die Probleme, die eigentlich nach nichts klingen, mich innerlich auffressen.
Ich brauche dringend Hilfe

Und sorry für den beinahe endlos langen Text!

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10. April 2013 um 20:17

Wow echt ein langer Text
Ich bin jetzt in der Q11 und mir geht es in vielen Punkten ähnlich wie dir...
Dass du einen Freund hast ist meiner Meinung nach echt eine gute Chance (:
Wenn er immer für dich da ist bin ich sicher dass er dich verstehen wird, und auch wenn er nicht direkt helfen kann, kann er dich unterstützen wenn du z.B. zum Arzt gehst (:

Ich hoffe ich konnte einigermaßen helfen... wenn nicht tuts mir leid ._.

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