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Forum / Psychologie & Persönlichkeit

Leben mit stark depressivem Pratner-wann sollte man aufgeben

Letzte Nachricht: 21. November 2012 um 23:56
R
rabab_11973792
16.11.12 um 10:49

Ich benötige dringend Rat. Da die Geschichte extrem lang ist möchte ich alles so kurz wie möglich halten. In dieser Geschichte dreht es sich um meinen Freund. Ich weiß mir keinen Rat mehr.

- Ich (28), er ist 40 und mein Kollege
- Vor zwei Jahren haben wir uns auf Arbeit kennengelernt, seit einem Jahr sind wir ein Paar
- Es hat sofort gefunkt und es beruhte auf Gegenseitigkeit
- Er hat sich für mich von seiner Frau getrennt (ich habe ihm intensiv davon abgeraten und über Wochen auf ihn eingeredet, aber er hat sich dennoch dafür entschieden)
- Mit seiner Exfrau war er 16 Jahre ein Paar, es gibt zwei Kinder (4 und10)
- Vor 5 Jahren haben sie sich das erste mal getrennt
- Vor 2 Jahren noch einmal
- Bei ihr geblieben ist er angeblich wegen der Kinder (hat mir seine Mutter erzählt)
- Vor 1,5 Jahren ist sie ausgezogen und es ging ihm blendend, er ist richtig aufgeblüht
- Hat mir stets beteuert das die Trennung für ihn der beste Schritt war (auch ohne mich)-ich war da immer etwas skeptisch
- Ich liebe ihn sehr, auf Arbeit haben wir vollste Anerkennung
- Ich habe immer gespürt das auch er mich liebt
- Der Altersunterschied war nie zu spüren, wir konnten uns Stundenlang unterhalten

Vor einem Jahr kam ein plötzlicher Einbruch-von heute auf morgen. Er wurde stark depressiv, trank, zog sich zurück, rief nicht mehr an, meldete sich tagelang nicht mehr, sagte das er mich nicht mehr liebt. Das änderte sich erst wochenweise dann bald täglich. Er sprach von Selbstmord. Ich habe gekämpft wie eine wahnsinnige. Ihm immer wieder Zeit gegeben, stundenlang bei ihm gesessen und ihn im Arm gehalten. Ihn getröstet. Ihm Freiraum gegeben wenn er ihn brauchte, Ihn darum gebeten zu ihr und den Kindern zurück zu gehen. Habe ihm gesagt das ich es verstehe wenn er es sich anders überlegt hat. Aber er beteuerte immer wieder das er seine Entscheidung nicht bereut und das es ihm ohne ihr viel besser geht. Er sagt er vermisst seine Kinder. Er kümmert sich absolut aufopferungsvoll um seine Kinder. Seine Frau erhält monatlich 1000 Euro Unterhalt von ihm. Hinzu bezahlt er ihre Miete, Handyrechnung, Autoversicherung, Klassenfahrten, alle Krankenversicherungen, kauft alle Sachen und bezahlt sogar das Essen. Jedes zweite Wochenende haben wir die Kinder. Er fährt mit auf Klassenfahrten, wir haben sie die ganzen Ferien. Er feiert mit ihnen Kindergeburtstag, ruft jeden Tag an. Betreut die beiden wenn sie krank sind und sie auf Party geht. Dazu holt er sie in der Woche noch zwei Tage extra. Und wir machen alles mit den Kindern gemeinsam. Er hat sich wirklich nichts vorzuwerfen. Er wollte sein Haus verkaufen und mit mir weg gehen. Jetzt will er es doch nicht-will bei seinen Kindern bleiben. Also habe ich ihm gesagt das ich zu ihm ziehen werde. Er hat sich riesig gefreut und blühte auf. Er ist zum Psychologen und hat Antidepressiva verschrieben bekommen. Nach einiger Zeit schlugen diese auch an. Er wurde fröhlicher, aufgeschlossener und wieder zu dem Mann den ich kennenlernte. Doch mit den Medikamenten kamen Nebenwirkungen, so dass er sie nach gut einem Monat absetzte. Von da an ging es wieder in ein Tal. Er freut sich nicht mehr mit mir zusammen zu ziehen. Sagt das er mich liebt und sein Herz ihm sagt er will nur mich, sein Verstand sagt ihm es kann nicht funktionieren. Ich wäre zu jung und hübsch, komme aus der Großstadt und würde mich niemals in seinem Ort wohlfühlen. So ist es auch. Ich fühle mich dort nicht wohl. Aber ich habe ihm gesagt das ich bereit bin diese Veränderung ein zu gehen. Natürlich kann ich ihm keine Garantie dafür geben das ich dort den Rest meines Lebens verbringen werde, aber das kann man nie. Und nach allem was wir gemeinsam durchgestanden haben kann er sich sicher sein, dass ich es mehr als ernst meine. Das habe ich ihm auch gesagt. Mein Verhältnis zu seinen Kindern und seiner Familie ist hervorragend. Vor drei Tagen hat er mir wieder gesagt das er keine Zukunft für uns sieht und das er nicht glaubt das er jemals wieder so glücklich wird wie er es noch mit ihr war. Das hat mir den finalen Gnadenstoß versetzt und ich bin völlig eingebrochen. Den nächsten Tag macht er mit mir Pläne wie wir das Kinderzimmer einrichten. Ich bin völlig verwirrt und er ist es offensichtlich auch. Ich habe ihn gefragt was los ist aber er kann es mir angeblich nicht erklären. Soll ich ihm glauben?

Ich denke er ist eigentlich noch gar nicht bereit für einen neue Beziehung. Er muss seine alte erst mal verarbeiten aber kann es nicht zugeben. Er liebt mich, vermisst aber die Vertrautheit seiner alten Beziehung. Ich weiß nur einfach nicht mehr wie ich mich verhalten soll und ich habe keine Kraft mehr. Ich bin 500km weit weg gezogen, habe hier keinen einzigen Freund, keinen Job der mich ausfüllt und mein Freund ist nur mit sich beschäftigt und ich bin wirklich völlig allein. Und ich kann nicht mehr. Ich gehe kaputt. Ich war lebenslustig, habe viel gelacht, voller Optimismus und nun bin ich am Ende meiner Kräfte. Seit einem Jahr kämpfe ich jeden Tag. Ich spreche mit niemandem über die Situation aber ich kann einfach nicht mehr. Er ruft nicht an und fragt nicht wie mein Tag war. Er hat kein Verständnis für meine Probleme und oft behandelt er mich sehr abwertend. Sagt ich sei ganz anders als sie und daran müsste er sich erst gewöhnen. Hinter meinem Rücken geht er an mein Handy und ich weiß auch das er mit anderen Frauen flirtet.

Wenn er das nächste mal eine Rückschlag hat werde ich es wohl nicht mehr verkraften und mich trennen, obwohl ich es eigentlich nicht will.

Was würdet ihr mir raten? War jemand von euch schon einmal in einer ähnlichen Situation?

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A
an0N_1196448699z
16.11.12 um 21:48

Hilfe
Hallo, ich finde es sehr traurig was da mit Dir ( euch ) passiert. Ich habe einen Ehemann mit Borderline und weiss genau wie du dich fühlst. In deiner Stelle würde ich ihm sagen das er im Moment seine Medikamente braucht. Eine Phychotherapie oder eine Phychokur könnte ihm auch helfen. Das geht aber nur wenn er auch dazu bereit ist. Leider kannst du ihm nicht helfen. Stell ihm ein Ultimatum, sag ihm das du an seiner Seite bist und für ihn da bist wenn er dich braucht. Sollte er nicht bereit sein sich helfen zu lassen, solltest du ernsthaft darüber nachdenken dich zu trennen. Du gehst kaputt in deiner Beziehung. Ich weiss es ist schwer, weil du ihn ja liebst, aber er wird dich ganz langsam auch depressiv machen. Vielleicht solltest du dir auch phychologischen Rat holen, damit du weisst wie du dich verhalten kannst. Fakt ist jedenfalls wenn nichts passiert, bist du auch bald krank und du solltest dich fragen ob es dss wert ist. Ich wünsche dir ( euch) alles Gute
Liebe Grüsse

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A
ambra_12351819
21.11.12 um 23:56

Wann sollte man aufgeben?
Hallo 27traurig,

ich glaube, die Antwort hast Du Dir schon selber gegeben. Ich habe auch einen Exmann mit Depressionen. Irgendwann ging es einfach nicht mehr. Aus puren Selbstschutz habe ich dann irgendwann den Riegel vorgeschoben und mich getrennt, nur um jetzt einen Freund zu haben der depressiv ist. Nun äußert sich ja jeder Depressive anders, aber eins haben sie gemeinsam...es ist manchmal sehr schwer auszuhalten. Und Du musst wissen, wo Deine Grenzen sind. Ich bin mit meinem Freund inzwischen auch an einem Punkt angelangt, wo ich merke, dass meine Liebe zu ihm zu bröckeln anfängt. Auch ich möchte mich mal anlehnen. Auch ich benötige einfach mal Verständnis und Trost. Und immer habe ich das Gefühl trösten und aufrichten zu müssen. Kommt bekannt vor, oder? Ich habe ihm nun eine Kur organisiert und hoffe darauf, dass sie ihm auch etwas bringt. Ansonsten sehe ich für unsere Beziehung auch schwarz.

Ich kann Dir nur raten - kümmere Dich um Dich selbst. Erst wenn es Dir gut geht, dann kannst Du Dich auch um andere kümmern. Und Partner von Depressiven haben ein enormes Risiko selbst daran zu erkranken. Wenn Du meinst, Du hälst es nicht mehr aus, dann trenn Dich. Wenn Du ihn trotz allem liebst und bei ihm bleiben willst - kümmer Dich um Dich. Geh alleine aus, such Dir eine Arbeit, die Dich erfüllt, leg Dir ein Hobby zu. Und zwar alles ohne ihn, denn das ist Deine "Tankstelle".

Übrigens bringt es einem Depressiven nichts, wenn Du ihn bemitleidest. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das ihn dann noch viel mehr runterzieht. Akzeptier es, wenn er wieder traurig ist, frag, ob er Deine Anwesenheit braucht und akzeptiere es, wenn er es ablehnt. Ebenso muss er auch akzeptieren, wenn Du Dich dazu mal nicht in der Lage fühlt. Helf ihm bei der Suche nach einem Therapieplatz - bei uns gibt es Wartelisten bis nach Uranda Burundi- vielleicht beantragt Ihr noch eine Reha-Maßnahme für ihn? Die muss man in der Regel auch gut durchcatchen.

Ich wünsche Dir viel Kraft.

LG Kerstin

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