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Kontakt zum Vater abbrechen

3. Januar 2018 um 18:26

Als ich 6 oder 7 Jahre alt war erzählte mir meine 4 Jahre ältere (Halb)Schwester, dass mein Vater sie angefasst hat. Im kopf wusste ich sofort, dass das nicht normal ist und meine Mutter rief im selben moment noch quer durch unsere Wohnung, dass meine Schwester lügt, dennoch dachte ich nicht viel darüber nach. (Meine Mutter ging mit Ihr deswegen zum Frauenarzt und ließ sie untersuchen, wo aber nichts bei raus kam)

-Zum weiteren Verlauf meiner Schwester:
Sie fing an Drogen zu nehmen, die Schule zu schwänzen, von zuhause abzuhauen, von meiner Mutter Geld zu klauen. Mit 18 zog sie aus, bekam mit 21 Ihr erstes Kind mit einem Mann der selber Drogen nahm und dazu noch Alkohol trank, welchem Sie auch verfiel. Heute mit 31 Jahren hat sie 3 Kinder, eine Therapie hinter sich und nunja, um ehrlich zu sein nicht wie es ihr geht.-

Im laufe der Zeit dachte ich, dass ich eine wirklich schlimme Schwester hatte, die nichts auf die reihe bekommt. Denn man beklaut seine Mutter nicht und warum nimmt man Drogen und schwänzt die Schule. Nur warum erzählte meine Schwester mir so etwas komisches  und was ist nun richtig oder falsch? Niemals wieder sprachen wir darüber. Fragen über Fragen standen im Raum aber niemand traute sich. Mein Vater wohnte weiterhin bei uns.
Ich kann mich nicht dran erinnern ob ich es selbst sah oder meine Mutter es mir erzählte: Mein Vater saß heulend von Schuldgefühlen vor ihr auf dem Boden und beteuerte ihr seine Liebe. Das einzige mal als ich Ihn weinen sah war, wo seine Mutter beerdigt wurde, ansonsten war er ziemlich gefühllos zu uns Kindern.

Mit 12 Jahren kam es zu einer Situation: Ich war im Bad duschen (wir hatten eine Wanne ohne Vorhang) und plötzlich hörte ich meine Mutter vor der Tür fragen ,,WAS MACHST DU DENN DA?". Ich drehte mich zur Tür und sah nur wie unten die Katzenklappe schaukelte.
Er meinte, dass es nicht das ist wonach es aussah... Ich stand gefühlt eine ewigkeit stocksteif in der dusche und hielt mir alles zu was man sehen konnte.
Das erzählte ich später meiner besten freundin... leider war daraufhin alles was passierte nur, dass sie nicht mehr bei mir schlafen durfte (verständlich). Das war alles.

Nunja seitdem spitzte sich alles nur noch weiter zu durch das "unausgesprochene", was jeden Tag um uns herum flog. Von dort an sind noch dinge passiert, wo er seine Wut nicht mehr unter Kontrolle hatte (ich fing an mich zu ritzen). Sexuelle übergriffe sind mir meines wissens nie passiert.
Mit 18 schmiss er mich dann raus, wo mein leben dann außer Kontrolle geriet. Durch meinen damaligen Freund probierte ich gras aber das bekam mir glücklicherweise nicht aber alkohol tat es.
Ein mal blieb mir sehr im Kopf hängen, wo wir uns stritten nachdem wir etwas getrunken hatten. Ich ging in seinen Keller, schnitt mir die Arme auf, schrieb meinem Kumpel er solle mich holen und sitzte mich dann betrunken mit blutigen armen vor die Haustür zum warten.
Ich wusste, ich wollte nur hilfe aber mir half niemand und ich wusste es nicht besser.
Irgendwann bekann ich dann eine Therapie, 3,5 Jahre ging die dann und mit dem Ende der Therapie lernte ich dann meinen jetzigen Partner kennen. Ich zog zu ihm 500km von zuhause weg. Die Hoffnung war, dass sich somit alles etwas legt, was diese Familiäre spannung betraf.
In Kontakt stand ich aber immer noch mit meinen Eltern, sie waren ja auch noch zusammen und inzwischen bauten sie sich ein Haus aus.

Inzwischen wohnen wir hier schon 3,5 Jahre (Ich bemerkte, dass ich dennoch sehr instabil bin und versuchte hier Therapien zu bekommen. Zwei fing ich an und brach sie wegen der fehlenden Symphatie ab).
Seit knapp einem Jahr habe ich kein Wort mehr mit meinem Vater gesprochen oder ihn gesehen, wenn wir mal in der Heimat waren.
Seit kurzem gibt es schlimmen Stress zwischen meinen Eltern, ich denke ein Teil habe ich dazu beigetragen und dann räumte mein vater das Gemeinschaftskonto leer, das Wort 'Scheidung' fiel und er ging. Ja 25 Jahre waren Sie verheiratet. Innerlich war es ein segen und ich dachte wir bekämen endlich unsere Mutter wieder.
Nun zum Neujahr schrieb mein Vater mir, dass es ihm leid täte, dass er die ganzen Jahre so ein schlechter Vater war. Ich reagierte nicht.. später am tag rief meine Mutter durch, ein wenig Smalltalk und zum schluss fragte sie mich, ob ich nicht meinen Vater sprechen will...
Sie wusste ja, dass ich momentan keinen kontakt zu ihm will aber Sie war immer so... Manchmal kam es mir so vor als würde Sie es nicht interessieren was passiert und lieber in einer Scheinwelt weiter leben).

Das Ende der Geschichte ist, dass beide nun eine Therapie machen wollen und er scheinbar wieder einzieht. Das einzig lustige ist, dass sie nie an diesen "Quatsch" glaubten.

Vielleicht fragt sich der ein oder andere: ,,Ja und was hat das mit dir zu tun?"
All die Jahre haben sich so tief in mich gebrannt, jeden Tag ging ich nach Hause und fühlte mich unwohl, gerade im beisein meines Vaters oder beim Filme schauen, wo sich jemand auszog oder küsste... dabei wurde mir so schlecht und in meinem Kopf war der Gedanke, was er mit meine Schwester wohl anstellte und ob mir auch noch etwas passiert oder damals schon gemacht wurde.
Ansonsten interessierte sich niemand für mich, keine umarmung, kein küsschen von Mutti oder ein "wie war die Schule", dann hätten Sie vielleicht auch gewusst, dass ich gemobbt wurde.

Entschuldigt, es tut gerade einfach so gut sich hier auszulassen und nicht zu heulen. Meine Anspannung geht nämlich momentan gegen 100%, da mein Partner und ich demnächst wieder in die Heimat fahren, wo seine Schwester groß feiert. Dort werde ich dann meinem Vater gegenüber treten und ihm persönlich sagen, dass ich keinen kontakt zu ihm haben kann, da seine Anwesenheit in mir unwohlsein auslöst.
Ich habe eine Scheiß angst davor, auch wenn man es per sms machen kann oder gar direkt ignorieren, ist es mir schon immer sehr wichtig gewesen, dass solche Sachen persönlich geklärt werden müssen.


Vielleicht hat ja jemand einen Ratschlag für mich, der ähnliches durchlebt hat.

Liebe Grüße

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