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Kontakt zu Mutter abbrechen?

22. April 2010 um 8:12

Hi,
ich bin neu in der Gruppe und kämpfe gerade wirklich mit mir.
Mich würde eure Meinung in Bezug auf meine Mutter interessieren, da man ja selbst selten objektiv ist.
Meine Mutter ist psychisch krank, erzählt mir seit ich denken kann, wie schrecklich ihre Kindheit war. Eine Therapie hält sie aus verschiedenen Gründen für unnötig. Mal ist sie mit 43 Jahren einfach zu alt, dann beweint sie, dass sie ihre Chance dafür längst verpasst hat oder, na ja, sie benötigt natürlich keine Hilfe, da sie in ihren Augen nicht krank ist.
Seit ich denken kann hat sie mich tyrannisiert (ich habe auch zwei Brüder, die auch unter ihr zu Leiden hatten), gedemütigt und ausgenutzt. Ob ich nun mitbekommen durfte, dass sie sich hat verprügeln lassen von ebenfalls psychisch gestörten Männern, sie mich schon immer mit ihrem Beziehungsmüll zugemüllt hat inklusive ihrem Sexualleben, mir des öfteren Geld abgezogen hat (ich habe seit meinem 13ten Lebensjahr mit meinem Schülerjob alles selbst bezahlt, von Kleidung über Schulmaterialien, habe ihr oft Geld geliehen, das ich selten zurück bekam) etc. Ich habe alle ihre Pflichten übernommen, ob es nun um Elternsprechtage meiner Brüder ging, das Aufmachen von Rechnungen oder anderes. Nächte lang lag ich als Kind/Jugendliche wach und sorgte mich darum, dass sie mal wieder keine Miete zahlt (Telefon hatten wir mehrere Jahre nicht) oder wieder mit irgendwelchen gestörten Typen ankommt. Auf Grund von Mietschulden lebten wir zwei Wochen in einem Obdachlosenheim, Tür an Tür mit Drogensüchtigen. Wenn es nicht um das bischen Existenzangst ging, demütigte sie mich. Sie hatte Freude daran, mich zu verletzen. Meinen Brüdern erging es ähnlich, sie wurden als fette ... bezeichnet, zuletzt zog auch sie ihnen mehrere Tausen Euro ab, die sie nur nach Bitten und Krieg wieder bekamen. Ich bin mit 18 ausgezogen, ich störte sie und ihren neuen Freund, mit dem sie heute verheiratet ist. Ich musste neben der Schule arbeiten gehen, um mein kleines Loch von Wohnung finanzieren zu können, von ihr kam in all der Zeit nie Unterstützung, weder in moralischer noch finanzieller Hinsicht. Die Krönung bestand darin, dass sie auf meinem Namen Sofas bei einem Versandhaus bestellte, als ich schon nicht bei ihr lebte. Meine Brüder sind auch alle mit 18 ausgezogen, ihrer Ansicht nach aus ganz anderen Gründen als ich.
Nun ja, trotz allem habe ich in der Zeit meine Hochschulreife gemacht und studiert, sogar ziemlich erfolgreich. Ich hatte drei Jahre nur Kontakt zu ihr, wenn ich den Bafög-Antrag stellen musste. Jedes Mal ein riesen Theater, in der Regel stand ich dann mehrere Monate ohne Geld da. Sie konnte meine Aufregung nie verstehen, sie fand das normal.
Was mich wurmt ist die Tatsache, dass meine Brüder, die es auch nicht leicht hatten, den Kontakt zu mir nicht aufrecht erhalten. Sie haben immer noch Kontakt zu ihr. Einer meiner Brüder begründete das damit, dass er nicht nochmal mit Alkohol und Drogen anfangen wolle, dass er sich lieber mit der Sutuation arangieren würde. Es wird so hingestellt, als ob ich das Problem sei, da ich ja nicht mit ihr auskommen würde und sie sich angeblich geändert habe. Das ist Blödsinn. Vor einigen Wochen habe ich mit ihr telefoniert, da ich das Ganze endlich mal abschliessen wollte. Sie hat mir zwei Stunden lang nur von ihren Problemen erzählt, davon wie toll sie mit ihren Söhnen auskäme (die beide beziehungsunfähig sind und auch nicht zu ihr zurückgezogen sind) etc. Einen Kontakt könne sie sich nur vorstellen, wenn ich sie in Ruhe lasse, wenn ich endlich mit ihr auskommen würde. ???
Was würdet ihr tun, was hat euch geholfen, um über diese Gesamtenttäuschung hinweg zu kommen? Was soll man da noch tun, diese Frau hält sich für vollkommen genesen (dabei hat sie meiner Oma vor kurzem rund 8000 Euro abgezogen, um Mietschulden zu begleichen). Sie hält sich nicht für krank, denkt dass nur ich nicht mit ihr auskommen würde und findet für jedes Fehlverhalten irgendwelche Ausflüchte.
Mich kotzt das Ganze furchtbar an, da ich ansonsten ein wunderbares Leben führe. Von Karriere über Beziehung, Freundeskreis und in der Familie meines Verlobten neu gefundene Familie, stimmt alles in meinem Leben.
Warum fällt es so schwer los zu lassen? Welche Taktiken kennt ihr? Was kann man in so einer Situation noch tun? Ich würde mich sehr über Nachrichten, Erfahrungsberichte etc. freuen, da ich diesen unterschwelligen Hass furchtbar finde.
LG

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22. April 2010 um 20:22

Hallo
Ich habe Deine Sache sehr aufmerksam gelesen, natürlich könnte ich vom Alter deine Mutter sein.
Ich habe so etwas ähnliches erlebt habe Jahrelang versucht meiner Mutter und leider auch meinem Vater alles recht zu machen in ständiger Angst gelebt bei nicht Einhaltung der gesagten Aufgaben und die waren reichhaltig wieder Schläge zu bekommeIrgendwann mit 17 konnte ich nicht mehr habe mir einen Mann gesucht und geheiratet zur damiligen Zeit war es nicht anders möglich eine Wohnung als alleinstehende jung Frau zu bekommen habe 3 Kinder bekommen und immer noch versucht denen alles recht zumachen Ich bin dann selber sehr krank geworden mußte dann einsehen das ich Hilfe brauchte mein Mann stand mir immer bei,aber das Problem war ich liebe meine Kinder über alles und sie konnten mir nicht helfen Nun ich bin zum Artz habe eine Therapie gemacht Dies solltest Du auch machen Es wird Dir wirklich gut tun.Der Therapeut sagte dann ich kann machen was ich will ich nie etwas richtig entweder sie leben mit ihrem Mann und KInder in Ruhe oder sie werden richtig krank. Ich kann Dir nur raten gehe zum Artz lerne zu reden denn Du willst auch eine Familie gründen Halte nur wenig Kontakt zu ihr es wird nicht besser zu gehst kaputt darann. Wenn Du mehr wissen wilst schreibe mir Moni

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24. April 2010 um 5:29

Abstand!
Ganz so schlimm wie Deine war meine Mutter zum Glück nicht. Sie hat zumindest niemandem Geld geklaut und auch lieber Alkoholiker gereiratet als selbst einer zu werden. Trotzdem hat sie uns in ihrer Depression schon als wir Kleinkinder waren ihre Selbstmordgedanken mitgeteilt.

Meine Mutter hat übrigens mehrere Therapien hinter sich. Das hat unser Verhältnis eher verschlechtert da sie ihre miese Kindheit und ihre Krankheit jetzt als Ausrede benutzen kann. Jemand der mehrfach in der Psychiatrie war kann ja keine Schud tragen an seinen Fehlern.

Inzwischen bin ich 30 und habe zu meiner Mutter oberflächlichen Kontakt. Ich bin gerade selbst schwanger und meine Mutter bemüht sich mit Tabletten und Selbstbeherrschung wenigstens eine gute Oma zu werden. Meinem Mann hat sie letzte Woche erzählt, sie würde nicht wollen dass ihre Enkelin sie so sieht. Schade dass sie das nicht schon bei mir bemerkt hat, aber anscheinend hat sie wenigstens etwas gelernt.

Deshalb darf sie gerne Oma sein und das Baby regelmäßig sehen, aber unser Verhältnis wird einfach nichts mehr. Ich habe nie gelernt ihr als Mutter zu vertrauen. Wir gehen miteinander um wie Bekannte, reden eher über Oberflächliches und vermeiden Reizthemen.

Mein Bruder hat übrigens auch noch ein ganz gutes Verhältnis zu ihr, sie telefonieren viel öfter. Er war aber schon als Kind viel anhänglicher. Wahrscheinlich reagiert jedes Kind anders auf eine solche Mutter. Manche lernen dass sie sich nur auf sich selbst verlassen können und andere klammern um so stärker und halten sich an jedem positiven Moment fest den sie bekommen können.

Irgendwann wirst Du hoffentlich gleichgültiger ihr gegenüber. Ich habe irgendwann einfach eingesehen, dass ich völlig umsonst auf Einsicht oder Entschuldigungen warte. Da versuche ich doch lieber, meiner Tochter eine bessere Mutter zu sein.

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24. April 2010 um 14:08

Ja, genau das würde ich tun.

D.h. ich habe es schon getan, nicht mit meiner Mutter, sondern mit meiner Schwiegermutter.
Wenn ein Kontakt nur noch unerfreulich ist, dann ist das Beste, man geht einfach auf Abstand.
Meist sind die Dinge, bei denen man selbst regelmäßig an die Decke geht, eigene Schwachpunkte, etwas, worauf man vielleicht Wert legt. Vielleicht musst du mal gucken, mit welchen Sachen sie dich besonders verletzt.
Die Sache mit deinen Brüdern ist zwar traurig, aber ich denke, dass kann man hinkriegen, wenn ihn euch darauf einigt, das Thema "Mutter" aussen vor zu lassen.
Männer haben meist nicht einen so emotionalen Abstand zu ihren Müttern wie Frauen.

LG

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24. April 2010 um 16:51

Ja,
ihr habt auf jeden Fall alle Recht. Es ist wirklich keine einfache Situation. Vor allem, da Kritik an den Eltern, auch wenn sie wirklich schlimm waren, immer noch ziemlich tabu ist.
Meine Mutter ist einfach ein psychisch kranker Mensch. Sie handelt immer noch vollkommen unlogisch, ist nicht belastbar und wird unvorhersehbar vollkommen unkontrollierbar und emotional. Ich kann und will ihr auch einfach nicht mehr helfen. Vor etwa einem Jahr habe ich es ja noch einmal versucht, ich bat sie darum, endlich eine Therapie zu machen, bei der ich sie auch unterstützt hätte. Sie sagte zu, ich sah Hoffnung, sie meldete dich dann einfach nicht mehr bei mir. Der letzte Kontakt bestand in einem Telefonat vor ein paar Wochen. Da vermittelte sie mir quasi, dass sie nur Kontakt zu mir haben wolle, wenn ich sie auf keine ihrer Mängel anspreche, ihr bescheinige, eine gute Mutter zu sein. Danach hat sie mir zwei Stunden lang nur von sich, ihren Problemen, ihrer Kindheit erzählt und indirekt über meine Geschwister/ihren Mann hergezogen. Keine Frage, wie es mir geht, sie gab an, mich öfters angerufen zu haben (obwohl das nicht stimmte) und warf mir quasi vor, dass ich nicht mit ihr auskäme. Das war dann wirklich zuviel für mich und ich habe wirklich ernsthaft über einen generellen Kontaktabbruch nachgedacht. Und es ist ja nicht nur sie. Es gibt in unserer "Familie" keine familiären Bindungen. Meine Mutter hasst ihre Mutter und ihre Geschwister. Mein Onkel ist Choleriker, einer meiner Tanten Alkoholikerin, eine andere leidet unter enormer Platzangst und kann werder Auto fahren noch in Aufzügen fahren, hat mehrere Therapien abgebrochen, da sie alle Therapeuten für ungeeignet hält. Ich bin nicht stolz auf meine Verwandtschaft, ich bin zusätzlich die einzige Akademikerin, die einzige mit normaler Beziehung, dieeinzige, die mit 18 nicht ihr erstes Kind bekam und die einzige, die nicht im näheren Umkreis von 25 km lebt. Was meine Brüder anbelangt: ich liebe sie und habe sie immer unterstützt. ein normales Verhältnis wird nie möglich sein, da ich mich immer eher als ihre Mutter begriffen habe. Heute lehnen sie mich ab, da sie sich nicht mit dem Thema Mutter auseinandersetzen wollen. Sie sind auch beide mit 18 ausgezogen, haben im Gegensatz zu mir "nur" mittlere Reife gemacht und sich für eine Ausbildung entschieden. das ist natürlich O.K., nur hätten sie auch mehr erreichen können. Einer meiner Brüder hat eine Zeit lang Drogen vertickt (was meine Mutter natürlich nicht glaubt), selbst Drogen und Alkohol konsumiert, um mit ihr als Mutter fertig zu werden. Er wies mich bei unserem letzten Telefonat auch darauf hin, dass sich ja alles geändert habe und es ja gut sei, wenn meine Mutter ein schlechtes Gewissen habe, da man dann mehr von ihr bekommen würde. So kalt kann und will ich einfach nicht sein, nicht für ein paar Kröten. Beide leiden zusätzlich an Bindungsangst. Der besagte Bruder hat in seinen "wilden Jahren" mehrfach beinahe ihm kaum bekannte Mädchen geschwängert, heute will er mit seiner festen Freundin auch nach Jahren nicht zusammenziehen. Ich kann ihr Verhalten nachvollziehen, ich kann keinen radikalen Bruch, wie ich ihn vollzogen habe, von ihnen erwarten. Fakt ist, dass ich glücklich mit mir, meiner Art und Weise und meinem Leben bin, ich bin nicht bereit, ihre Verdrängungstaktik mitzutragen, da ich nichts davon halte. Man kann Dinge nicht totschweigen, sowas geht nie gut. Für den Augenblick mag das funktionieren, aber ob nun morgen oder in 20 Jahren, es wirdin dieser "Familie" immer wieder zum Eklat kommen. Ausserdem möchte ich nicht, dass meine Kinder irgendwann mal mitkriegen, aus welchen Verhältnissen ich stamme. Ich möchte sie nicht der Unberechenbarkeit meiner Mutter aussetzen, darin sind mein Verlobter und ich uns einig. Um meine Mutter herum befinden sich nur Kälte, Selbstmitleid und Hass. Sie hat mir schon als Kind Angst eingejagt, mittlerweile ist sie noch runtergekommener.
Ich denke einfach, dass dieser Kreislauf nicht ewig weiterlaufen darf. Jeder hasst jeden, jeder hat Ausflüchte für sein Versagen, immer geht man den Weg des geringsten Widerstandes. Ich weiss nicht, ob ich einmal eine bessere Mutter werden werde. ich weiss nur, dass ich keinen Kontakt mehr zu meinen Verwandten haben möchte. Und das aus guten Gründen.
Puh, tut mir Leid, dass ich wieder so viel geschrieben habe. Ich rede oft mit meinem Verlobten über diese Dinge, der mir auch sehr viel Rückhalt gibt bei dieser Entscheidung. Aber es war auch schön, eure Meinung zu hören. Ich freue mich wirklich über eure Tipps und hoffe, dass wir uns alle nicht von unseren grauenvollen Müttern einschüchtern lassen. Ja, sie hatten lange Einfluss auf uns, mit zunehmenden Alter sieht man sie aber auch immer objektiver, aus einer immer größer werdenden Entfernung. Ich habe mir Jahre lang Vorwürfe gemacht, dachte, dass ich sie retten könne, dass wurde mir quasi von klein auf an eingeimpft. Es ist schwierig, aus dieser Rolle rauszukommen. Aber es ist auch befreiend zu sehen, was alles schönes auf einen wartet, wenn man es tut. Ich bin ohne sie besser dran, ich kann und will ihr nicht helfen, meinen Brüdern mittlerweile auch nicht mehr.
Ich sende euch ganz liebe Grüsse, bedanke mich bei euch und wünsche euch alles Gute!!!
P.S.: Sind wir doch mal ehrlich, so tolle Töchter wie uns haben die garnicht verdient!!!

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