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Konsequenzen für Sexualität

Letzte Nachricht: 13. Juni 2012 um 14:50
A
ankur_11932310
11.06.12 um 1:48

Langjähriger Missbrauch kann viele Spuren hinterlassen. In meinem Fall habe ich mich über die Jahre mit einigen von diesen erfolgreich ausseinendersetzen können.

Es gibt Methoden die ausgearbeitet wurden die mit Trauma helfen, mit Konsequenzen einer Vergewaltigung oder des langjährigen Missbrauchs, und das tat es auch. Mit Perspektive, Verstand, Gedult und ... nun, Mut über Schatten zu springen, kann man es schaffen tatsächlich zu heilen.

Meine Vergahenheit macht mich leider zu einer Minderheit. Es ist ganz selten das Missbrauch auf diese Art passiert, ganz selten das es so extrem wird, so lang andauert, und noch seltener das es sich auf diese eine bestimmte Art und Weise dann auf das Opfer auswirkt. Das hat es für mich bis jetzt unmöglich gemacht irgendjemanden finden zu können die oder der mir wirklich weiterhelfen konnte. Jemanden der wirklich Verstand wie es ist und zu einem Punkt gekommen ist wo sie auch Heilung wollten. Ich bin ein sexueller Sadist. Ihr kennt vielleicht den Mythos von dem Opfer das zum Täter wird. Teil meines Missbrauchs war es das ich zu einem Täter trainiert und konditioniert wurde. Unter anderen Umständen hätte ich auch einer werden können. Ich will nicht lügen, es gab da eine Zeit, da bin ich haarscharf daran vorbei geschossen. Es war innerhalb der ersten Beziehung die ich "dannach" hatte. Es war ein Krieg in mir: Ideale auf einer Seite, Triebe auf der anderen. Ich kann dankbar sein das es damals Menschen in meinem Leben gab die mir Perspektive geben konnten, geduldig und verständnisvoll genug waren das ich mich ihnen auch öffnen konnte.

Ein sexueller Sadist, also. Das bedeutet was mich erregt ist echter Schmerz, und echte Angst, Erniedrigung, wobei das auch nur Mittel zum Zweck ist. Wenn ich jemandem Schmerz bereiten kann heisst dies das ich Macht über diese Person habe, und darum geht es eigentlich. Um Macht. Und es gibt tatsächlich Menschen die diese abgeben wollen, freiwillig. (Und Menschen die sich sehr leicht dazu überreden lassen es freiwillig zu tun - weswegen ich zweifel daran habe das Einverständnis wirklich den Wert besietzt den man ihm zuspricht, aber das ist ein anderes Thema.)

In der Psychatrie hat man noch keine Ahnung was der Auslößer ist. Man ist sich uneinig. Gehirnschaden, Genetik, Erfahrung, niemand ist sich sicher. Ein Author den ich schätze und der sich mit dem Thema Jahrzehntelang auseinandergesetzt hat ist überzeugt davon das es keine funktionierende Therapieform gibt.

Das macht Hoffnung.

Wie es dazu kam, da kann Ich nur meine Perspektive anbieten, subjektiv wie sie sein mag. Wie schützt man sich am besten vor dem Monster unter dem Bett? Einfach, man wird zum Monster unter dem Bett. Meine Vermutung ist das diese Entwicklung darauf zurück führt das dies mir die einzige Möglichkeit erschien vor Missbrauch sicher zu sein. Wenn ich die Macht habe, dann hat niemand Macht über mich.

Es mag vielleicht hier nicht so rüberkommen, aber Ich rede nicht gern darüber. Ein Potential macht keinen Menschen aus, und erwachsene, >kriminelle< Sexuelle Sadisten sind die wahren Monster in Menschengestalt. Sie tun böses weil sie es selbst als böse erachten und deswegen tun wollen. Ich werde nicht gerne mit diesen gleichgestellt. Nur weil ich das Potential dazu gehabt hätte das zu werden heisst es nicht das ich das bin, und vorschnelle Verurteilungen habe ich satt. Selbst wenn meine Fantasien vielleicht Alpträume sind so habe ich noch nie einem Menschen ein Haar gekrümmt. Zumindest keinem der dies nicht auch wollte.

Und ich habe es auch satt ein nicht-krimineller Sexuelle Sadist zu sein. Jahrelang habe ich versucht das in sichere Bahnen zu lenken, dachte wenn ich mich auf BDSM beschränke funktioniert das ganze vielleicht, aber was dabei auf der Strecke blieb war etwas das ich mir in der zwischenzeit sehr wünsche. Gleichberechtigte Partnerschaft. Menschen die bereit sind Selbstverantwortung an mich abzugeben nicht unbedingt Menschen die mit Verantwortung gut umgehen können. Nicht unbedingt verlässlich, und nicht das was ich mir in einem Partner wünsche. Menschen für die man Säule ist sind nicht Menschen an denen man sich anlehnen kann. So meine Erfahrung zumindest.

Jahrelang habe ich fortschritte gemacht, Erfolge verzeichnen können wenn es um PTSD ging, oder Sex Sucht, konnte nach meine Gefangenschaft wachsen, aber an diesem Stolperstein komme ich nicht vorbei. Es ist egal was ich weiss, egal was ich verstehe, egal was ich denke, mein Körper reagiert nicht darauf und lernt nichts dazu. Manchmal gebe ich auf und gebe dem Author recht, es geht zu tief, und Resignation macht sich dann breit.

Vertrauen, Intim sein, das kann ich inzwischen und rationel gesehen hat der Sadismus keinen Platz mehr in meinem Leben. Ich brauche diese Macht nicht mehr. Der Grund für das Entstehen dieses Triebes wurde so ziemlich ausgelöscht, aber Pustekuchen. Es scheint ich werde diesen Aspekt meiner Sexualität genau so wenig los wie ich einer Suppe das Salz entziehen kann.

Ich sehe also nur noch 2 Möglichkeiten für mich

1) Ich finde mich damit ab und bleib bei dem was "funktioniert". Machtaustausch, selbst wenn es wirklich einsam sein kann, es scheint besser zu sein als nichts. Meistens.

2) Nichts. Aufgeben. Mich damit abfinden das ich und sexuelle Intimität keine gemeinsame Zukunft haben.

Ich bin in letzter Zeit deswegen ziemlich depremiert. Beide Möglichkeiten erscheinen mir als nicht akzeptabel. Ich habe keine große Hoffnung auf Rat. Aber, wer weiss. Ich bin für eure Erfahrungen, eure Erfolgsgeschichten und auch Vorschläge offen.

Was mir helfen würde jeddoch ist jemand der es geschafft hat seinen (oder ihren) sexuellen Sadismus zu überwinden, und sich hier meldet. Auch da fehlt mir die Hoffnung, aber wie gesagt, wer weiss.

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E
ethna_12357793
11.06.12 um 21:04

Oje
da kann ich Dir wirklich nicht weiterhelfen, aber ich habe grossen Respekt vor Dir, weil Du Dich immer im legalen Rahmen bewegt hast. Ein Tipp: Kauf Dir das Buch TROTZ ALLEM. Ich hab es gerade durchgelesen, vielleicht hilft es Dir auch. Mehr kann ich leider nicht sagen, ich weiss nicht was Dir passiert ist aber es muss furchtbar gewesen sein.

Liebe Grüsse und viel Kraft wünsch ich Dir

Dani

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A
ankur_11932310
13.06.12 um 4:13

Schwierigkeiten
Ich tauschte mich mal mit einigen Frauen aus die langjährigen and mit Manipulation gespickten Missbrauch hinter sich hatten. Ich konnte damit zwar was anfangen, mich einigermaßen damit identifizieren, nachvollziehen und mitfühlen, und sogar etwas Perspektive geben wenn es darum ging was solche Männer antreiben mag, aber ich kam mir trotzdem immer wie ein Wolf in einer Rotkäppchen Support Gruppe vor. Man teilt sich zwar den Märchenwald, aber an einen Tisch zu setzen, das geht nur mit sehr viel zurückhaltung gut.

Ich versuchte mich dann in einer Gruppe die nur für Männer war, konnte mit denen aber wenig anfangen. Bei denen war es meistens ein einmaliger und gewaltätiger Übergriff, und es war ihnen wichtig noch als Mann gesehen zu werden. War man jetzt vielleicht schwul, oder doch nicht? Nichts womit ich hatte was anfangen können. Es gibt wohl nicht sehr viele psychopatische Frauen in der Welt die einen Eindruck hinterlassen. Heh, oder Zeugen zumindest.

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A
ankur_11932310
13.06.12 um 12:05

Trigger Warnung
Da habe ich 2 Erfahrungen. Die eine Erfahrung hatte damit zu tun das ich es akzeptieren sollte als Teil von mir. Es nicht bekämpfen und stattdessen sicher ausleben sollte, irgendwie. Ein rießen Schritt damals weg vom Selbsthass, und gut gemeinter Rat, aber man hätte genau so gut einem Heroinjunky sagen können das er immer nur ein bisschen Heroin nehmen soll, und dann läuft das. Es war ein fantastisches Gefühl es auszuleben, ich hatte mich noch no so befreit gefühlt, aber es eskalierte dann ziemlich schnell. Das war es wo ich Haarscharf an einem Punkt ohne wiederkehr vorbei schrammte. Gute Motivation zu lernen mit nur einem bischen Heroin zufrieden zu sein.

Und wie gesagt, ich versuchte es dann eine Zeitlang weiter, aber der Typ Frau mit dem ich das ausleben konnte, nun... was ich immer wieder erlebte war das negative Aufmerksamkeit meinerseits besser war als keine. Als hätte man es mit Kindern zu tun. Wenn ich mal gestresst war, wenn ich mal Zeit für mich brauchte, dann bei Gott würde irgend ein Grund gefunden werden mit dem man einen Streit anzuzetteln konnte. Am besten war es wenn ich so wütend gemacht werden konnte das ich getriggert wurde und "der Wolf seine Zähne zeigte". Frauen die nass wurden und aufgeregt waren wenn mir der Kragen platzte, als wär es ein Abenteuer. Irgendwann hatte ich davon einfach genug. Es laugte mich aus.

Der nächste Paragraph ist nicht einfach zu lesen. Es war nicht einfach zu schreiben. Sensible Menschen wären wohl gut beraten ihn zu überspringen.

Was vielleicht sehr schwer zu verstehen ist, das ist wie subversive der Prozess ist. Ich lernte einen Mann kennen der mir wie eine 20 Jahre ältere und erfahrenerer Version von mir selbst vorkam. Wir sahen mit der selbe Sorte Augen. Er hatte keine Freundin, sondern "Eigentum", und schaffte das irgendwie ohne die Komplikationen die mir immer Kopfschmerzen bereiteten. Die beiden schienen glücklich und Ich dachte vielleicht kann ich ja von ihm etwas lernen das mir weiterhilft. Was wichtig zu verstehen ist, wenn man erst einmal den Fuß in der Tür hat dann hält einem nichts zurück ausser das eigene Gewissen. Ich weiss instinktiv wie ich jemanden dazu bringen kann den eigenen Willen als das zu sehen was zwischen einem Selbst und dem Glück steht, wo und wie man einem Hebel ansetzt damit ich meinen Willen bekomme. Er hatte den selben Instinkt, und bei den beiden funktionierte es auf ihre Kosten. Es funktionierte weil er kein Gewissen mehr hatte das ihn zurückhielt. Anstatt ihr Selbstwertgefühl zu nähren hatte er es zerstört. Sie musste vor einem Spiegel immer wieder wiederholen das ihre Genitalien hässlich waren, bis sie zu einem Punkt kam wo sie sich als hässlich empfand, und die Entfernung ihrer inneren Schamplippen und Klitorisvorhaut als die einzige Möglichkeit sah schön zu sein. Sie war ihm gegenüber dankbar weil er sie schön gemacht hatte. Ich bin bis heute noch entsetzt darüber. In meinen Augen war das eine Verstümmelung ihres Geistes. Die Verstümmelung ihres Körpers war nur ein Symptom dessen.

Ich versuchte es dann nochmal mit Therapie, und man schlug mir chemische Kastrastion vor. Das Unkraut mitsamt der Wurzel und dem ganzen Garten noch dazu also aussreissen. Das war es dann mit Ts für mich.

Was ich mir erhoffe, nun, Ich könnte eine Erfolgsgeschichte gebrauchen. Ich brauche keine Anleitung, aber ein bisschen Hoffnung tät mir gerade sehr gut. Ich kenne keine einzige Geschichte wo der Sadismus etwas war das überwunden wurde. Kontrolliert, ausgelebt, ausgeufert, aber nicht aufgelößt. Wenn es ein Mensch geschafft hat, egal wie, dann ist es möglich, und kein Versuch meinerseits verschwendete Liebesmühe.

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ankur_11932310
13.06.12 um 14:50

Ich glaube nicht
Mit geistiger Basis meinst du spiritueller Basis, oder? Buddhistische Philosophie zum Beispiel? Es ist schon sehr lange her das ich mich dafür interessiert habe. So lange das ich mich schon garnicht mehr daran erinnern kann was genau mich daran reizte.

Ich muss jetzt erstmal deinen Beitrag verdauen.

Schon mal "A Beautiful Mind" gesehen? Das Bild geht mir gerade durch den Kopf. Es geht um einen Mathematiker der unter einer Schizophränen Psychose litt, und sich dann, weil nichts anderes half, mit Willenskraft wieder in die Realität rang. Er schaffte es zu funktionieren, zu lehren, aber es ließ ihn nie los. Obwohl er durch rationelles denken geleitet seine Wahnvorstellungen ignorieren konnte begleiteten sie ihn bis an sein Ende.

Ich erinnere mich gerade daran warum ich aufhörte mich für den Buddhismus zu interesieren. Damals erschien es mir als wäre es auf einem Fundament der Fairheit aufgebaut. Das ein Mensch das bekommt was er säht. Vielleicht verstand ich es damals nicht richtig, aber so dachte ich damals darüber, was die Philosophie für mich zu einer Fiktion machte.

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