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Klinikaufenthalt...?!

20. November 2011 um 12:52 Letzte Antwort: 22. November 2011 um 19:07

Hallo,
hat jemand von Euch Erfahrungen mit einem Klinikauifenthalt gegen Angststörungen, oder Depressionen, oder etwas anderem?
Wie lange bleibt man dort und wie genau läuft was ab? Was wird dort genau gemacht?

Bitte um Erfahrungsberichte. DANKE!

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21. November 2011 um 17:11

Erfahrungsberichte
hallo rike,

erstmal möcht ich dir die angst nehmen dass da irgendwas passiert was du nicht möchtest. ich war bereits zweimal in einer psychosomatischen klinik, allerdings teilstationär. das bedeutet ich bin morgens um acht hingegangen und um halb fünf wieder nach hause gefahren ohne die nacht dort zu verbringen. ich weiß nicht wie es in der klinik abläuft in der du dich angemeldet hast oder anmelden willst, aber in der regel haben diese kliniken ähnliche therapieformen. also ich erzähl mal von meinen erfahrungen...

es gibt dort verschiedene therapieveranstaltungen die über den tag verteilt zur anwendung kommen. dazu gehören:

normale einzelgespräche mit einem therapeuten (meist auf gesprächstherapieform oder verhaltenstherapieform)

gestaltungstherapie (hier wird gemalt, mit ton gearbeitet oder ähnliches. manchmal gibt es ein thema, oft soll der patient sein thema selbst mitbringen und drauf losmalen. im anschluss wird über das erarbeitete gesprochen in der gruppe und analysiert)

kleingruppe (in einer kleinen gruppe, bei uns waren es 10leute, wird über alles gesprochen was den patienten grade einfällt. es gibt kein vorgegebenes thema und der anwesende therapeut greift selten ins gespräch ein)

großgruppe (in einer gruppe von 20 leuten, das war bei uns die komplette station, werden verhaltenstherapeutische rollenspiele gemacht und man soll lernen in der gruppe zu sprechen)

konzentrative bewegungstherapie (mein horror, aber das muss für dich ja nicht so sein tja wie soll man das beschreiben... es geht darum seinen körper zu spüren, sich bewusst darüber werden warum man wie regiert, ein bewusstsein zu entwickeln was der körper braucht. alles sehr emotionsgeladen. rhythmisches tanzen, fantasiereisen, einsatz von gymnastikgegenständen wie bälle und co. kontaktaufnahme zu anderen über mimik, gestik und berührungen. nähe zulassen und grenzen ziehn...sowas alles)

musiktherapie (das gleiche wie gestalttherapie nur mit musikinstrumenten)

entspannungsgeschichten wie autogenes training, muskelrelaxation oder atemtherapie

mehr hatte ich nicht. zu beginn des aufenthalts wird dir blut abgenommen, du wirst körperlich untersucht, es wird ein EKG gemacht und du musst eine urinprobe abgeben. deine vitalfunktionen, sprich puls, blutdruck und auch gewicht, werden wöchendlich festgestellt. das gemeinsame essen spielt eine große rolle. auch weil viele mit essstörungen in eine klinik gehen. zwischen den therapiestunden sind oft große pausen von 1-3stunden. es geht also auch darum eine beziehung zu den mitpatienten aufzubauen. ich habe damals medikamente verschrieben bekommen. allerdings bekommst du nichts wenn du das nicht möchtest. keiner zwingt dich zu etwas! es ist keine geschlossene anstalt! das ganze kann bis zu 3monaten gehn. die meisten krankenkassen versuchen jedoch aufgrund der hohen kosten den aufenthalt so gering wie möglich zu halten sodass es nach 3 wochen eine erneute begutachtung benötigt um zu verlängern, wenn nötig.

ich war wie gesagt zweimal in einer klinik. meiner erfahrung nach spielt die gruppe der patienten eine ausschlaggebende rolle ob es eine schöne zeit wird oder nicht. zumindest ist das bei mir so. wobei eine therapie natürlich nie leicht ist und es ans eingemachte geht aber nette mitmenschen machen es einem doch viel leichter. es ist anstrengend aber lohnt sich in eine klinik zu gehn.

ich hoffe ich konnte dir helfen. sorry für den langen text aber ich denke du wolltest es auch detailiert wissen?! wenn du noch fragen hast, frag mich ruhig. ansonsten wünsch ich dir alles gute.

lg

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21. November 2011 um 18:12
In Antwort auf henda_11954970

Erfahrungsberichte
hallo rike,

erstmal möcht ich dir die angst nehmen dass da irgendwas passiert was du nicht möchtest. ich war bereits zweimal in einer psychosomatischen klinik, allerdings teilstationär. das bedeutet ich bin morgens um acht hingegangen und um halb fünf wieder nach hause gefahren ohne die nacht dort zu verbringen. ich weiß nicht wie es in der klinik abläuft in der du dich angemeldet hast oder anmelden willst, aber in der regel haben diese kliniken ähnliche therapieformen. also ich erzähl mal von meinen erfahrungen...

es gibt dort verschiedene therapieveranstaltungen die über den tag verteilt zur anwendung kommen. dazu gehören:

normale einzelgespräche mit einem therapeuten (meist auf gesprächstherapieform oder verhaltenstherapieform)

gestaltungstherapie (hier wird gemalt, mit ton gearbeitet oder ähnliches. manchmal gibt es ein thema, oft soll der patient sein thema selbst mitbringen und drauf losmalen. im anschluss wird über das erarbeitete gesprochen in der gruppe und analysiert)

kleingruppe (in einer kleinen gruppe, bei uns waren es 10leute, wird über alles gesprochen was den patienten grade einfällt. es gibt kein vorgegebenes thema und der anwesende therapeut greift selten ins gespräch ein)

großgruppe (in einer gruppe von 20 leuten, das war bei uns die komplette station, werden verhaltenstherapeutische rollenspiele gemacht und man soll lernen in der gruppe zu sprechen)

konzentrative bewegungstherapie (mein horror, aber das muss für dich ja nicht so sein tja wie soll man das beschreiben... es geht darum seinen körper zu spüren, sich bewusst darüber werden warum man wie regiert, ein bewusstsein zu entwickeln was der körper braucht. alles sehr emotionsgeladen. rhythmisches tanzen, fantasiereisen, einsatz von gymnastikgegenständen wie bälle und co. kontaktaufnahme zu anderen über mimik, gestik und berührungen. nähe zulassen und grenzen ziehn...sowas alles)

musiktherapie (das gleiche wie gestalttherapie nur mit musikinstrumenten)

entspannungsgeschichten wie autogenes training, muskelrelaxation oder atemtherapie

mehr hatte ich nicht. zu beginn des aufenthalts wird dir blut abgenommen, du wirst körperlich untersucht, es wird ein EKG gemacht und du musst eine urinprobe abgeben. deine vitalfunktionen, sprich puls, blutdruck und auch gewicht, werden wöchendlich festgestellt. das gemeinsame essen spielt eine große rolle. auch weil viele mit essstörungen in eine klinik gehen. zwischen den therapiestunden sind oft große pausen von 1-3stunden. es geht also auch darum eine beziehung zu den mitpatienten aufzubauen. ich habe damals medikamente verschrieben bekommen. allerdings bekommst du nichts wenn du das nicht möchtest. keiner zwingt dich zu etwas! es ist keine geschlossene anstalt! das ganze kann bis zu 3monaten gehn. die meisten krankenkassen versuchen jedoch aufgrund der hohen kosten den aufenthalt so gering wie möglich zu halten sodass es nach 3 wochen eine erneute begutachtung benötigt um zu verlängern, wenn nötig.

ich war wie gesagt zweimal in einer klinik. meiner erfahrung nach spielt die gruppe der patienten eine ausschlaggebende rolle ob es eine schöne zeit wird oder nicht. zumindest ist das bei mir so. wobei eine therapie natürlich nie leicht ist und es ans eingemachte geht aber nette mitmenschen machen es einem doch viel leichter. es ist anstrengend aber lohnt sich in eine klinik zu gehn.

ich hoffe ich konnte dir helfen. sorry für den langen text aber ich denke du wolltest es auch detailiert wissen?! wenn du noch fragen hast, frag mich ruhig. ansonsten wünsch ich dir alles gute.

lg


Hallo, vielen Dank für deinen tollen Bericht, du hast mir sehr geholfen. Da ich hauptsächlich Reiseangst (bzw Angst habe von hier weg zu sein) wäre Teilstationär auch ganz angebracht und das gibt es hier auch. ich hatte am Wochenende 4 tage lang starke Attacken und mein hausarzt wollte mich einweisen... ich hatte aber zu starke Angst und war heute bei meiner Psychologin, bei der ich erst seid ein paar Wochen in behandlung bin und Johanniskraut nehme. Sie hat erst mal nichts von Klinik gesagt und möchte auch erst mal nicht, dass ich Antidepressiver bekomme. ich habe jetzt ein Notfallmedikament und hoffe, dass das erst mal hilft bis das Johanniskraut anschlägt. Wenn es gar nicht besser wird, werde ich das mit der Klinik noch einmal überöegen.

Unter was genau hast du denn gelitten und in wie fern hat es sich verbessert?

lg und danke

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22. November 2011 um 11:57
In Antwort auf abla_12146957


Hallo, vielen Dank für deinen tollen Bericht, du hast mir sehr geholfen. Da ich hauptsächlich Reiseangst (bzw Angst habe von hier weg zu sein) wäre Teilstationär auch ganz angebracht und das gibt es hier auch. ich hatte am Wochenende 4 tage lang starke Attacken und mein hausarzt wollte mich einweisen... ich hatte aber zu starke Angst und war heute bei meiner Psychologin, bei der ich erst seid ein paar Wochen in behandlung bin und Johanniskraut nehme. Sie hat erst mal nichts von Klinik gesagt und möchte auch erst mal nicht, dass ich Antidepressiver bekomme. ich habe jetzt ein Notfallmedikament und hoffe, dass das erst mal hilft bis das Johanniskraut anschlägt. Wenn es gar nicht besser wird, werde ich das mit der Klinik noch einmal überöegen.

Unter was genau hast du denn gelitten und in wie fern hat es sich verbessert?

lg und danke

Hallo nochmal
freut mich dass ich dir helfen konnte.

ich leide unter einer sozialen phobie, depressionen und zwängen. ich kann deine angst vor langen wegen sehr gut nachvollziehen da ich selbst auch darunter leide. aus einem anderen thread habe ich erfahren, dass es bei dir die übelkeit ist bzw. die angst erbrechen zu müssen. bei mir ist es die verdauung und die angst durchfälle und blähungen zu bekommen. im grunde fühle ich mich auch nur wirklich wohl wenn ich zuhause in meinen eigenen vier wänden bin. alleine. na gut, mit katze ^^

in der klinik habe ich durch die vielen gespräche (auch mit den mitpatienten) gelernt dass es gar nicht so schlimm ist dieses problem zu haben und ich habe gezielt trainiert woanders aufs klo zu gehen und zu lernen dass ich deswegen nicht ausgegrenzt oder ausgelacht werde. eigentlich weiß man ja dass es etwas natürliches ist, aber nungut... eine stütze könnte dir diese gewissheit sein und ein kotzbeutel wie es sie in flugzeugen gibt. klingt erstmal gewöhnungsbedürftig, ich weiß, aber es geht ja mehr darum sich eine sicherheit zu verschaffen (was wäre wenn ich wirklich brechen müsste). ist nur eine idee. vielleicht bringt es dir ja was.

ansonsten ist dein ansatz eine ambulante therapie zu machen doch sehr gut. du bist gewillt das problem anzugehen, das ist eine gute basis. weiter so und wenn es mal schlimmer wird kannst du immernoch in die klinik gehn. mein arzt wünschte mir immer viel mut und das braucht man wohl auch als angstpatient. von daher....

VIEL MUT!

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22. November 2011 um 19:07
In Antwort auf henda_11954970

Hallo nochmal
freut mich dass ich dir helfen konnte.

ich leide unter einer sozialen phobie, depressionen und zwängen. ich kann deine angst vor langen wegen sehr gut nachvollziehen da ich selbst auch darunter leide. aus einem anderen thread habe ich erfahren, dass es bei dir die übelkeit ist bzw. die angst erbrechen zu müssen. bei mir ist es die verdauung und die angst durchfälle und blähungen zu bekommen. im grunde fühle ich mich auch nur wirklich wohl wenn ich zuhause in meinen eigenen vier wänden bin. alleine. na gut, mit katze ^^

in der klinik habe ich durch die vielen gespräche (auch mit den mitpatienten) gelernt dass es gar nicht so schlimm ist dieses problem zu haben und ich habe gezielt trainiert woanders aufs klo zu gehen und zu lernen dass ich deswegen nicht ausgegrenzt oder ausgelacht werde. eigentlich weiß man ja dass es etwas natürliches ist, aber nungut... eine stütze könnte dir diese gewissheit sein und ein kotzbeutel wie es sie in flugzeugen gibt. klingt erstmal gewöhnungsbedürftig, ich weiß, aber es geht ja mehr darum sich eine sicherheit zu verschaffen (was wäre wenn ich wirklich brechen müsste). ist nur eine idee. vielleicht bringt es dir ja was.

ansonsten ist dein ansatz eine ambulante therapie zu machen doch sehr gut. du bist gewillt das problem anzugehen, das ist eine gute basis. weiter so und wenn es mal schlimmer wird kannst du immernoch in die klinik gehn. mein arzt wünschte mir immer viel mut und das braucht man wohl auch als angstpatient. von daher....

VIEL MUT!

...
Naja ich habe eigentlich nicht die Angst zu erbrechen... mir ist zwar ständig schlecht aber nicht die Angst brechen zu müssen. Wo vor genau ich Angst habe, weiß ich gar nicht genau und leider auch keinen Auslöser... ich bekomme nur vor Tagesfahrten, Reisen, Lehrgängen, Festen usw Panikattacken und ein schlimmes Gefühl im Brustkorb und Magen und Heulattacken...
Ich versuche schon seid längerem einen Platz zur Verhaltenstherapie zu bekommen, was aber nicht egrade einfach ist... Aber meine Attacken werden immer schlimmer und haben immer kürzere Abstände und wenn es noch schlimmer wird, bleibt mir wohl nichts anderes übrig als Klinik...
ich hoffe, dass das hochdosierte Johanniskraut meiner Psychologin bald anschlägt und ein notfallmedikament, was ich gestern bekommen habe weil es am Wochenende so schlimm war, hilft, wenn es wieder sehr schlimm wird...

Aber die Verhaltentherapie ist halt wichtig und da ist momentan bei keinem hier in der Nähe ein Platz zu bekommen...

Lg

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