Home / Forum / Psychologie & Persönlichkeit / Klassiker: Mangelndes Selbstbewusstsein

Klassiker: Mangelndes Selbstbewusstsein

21. Juni 2012 um 10:40 Letzte Antwort: 29. Juni 2012 um 22:46

Hallo liebe leute! Ich weiß, mein Problem ist keine Seltenheit und es gibt wahrscheinlich tausende Threads darüber, aber ich wollte trotzdem mal meine persönliche Situation beschreiben und hoffe auf hilfreiche Ratschläge!

Ich war eigentlich schon als Kind sehr schüchtern, aber im Volksschulalter (ca. mit 9, 10 Jahren) hat sich das schlagartig geändert. Ich war ein sehr aufgewecktes, selbstbewusstes Kind, habe mich für nichts geschämt und war auch bei allen Leuten beliebt, hatte viele Freunde.
Mit 13 fing dann das Mobbing in der Schule an, was ja auch keine Seltenheit ist. Ich war oft Opfer von Hänseleien, Beleidigungen, andere haben sich oft über mich lustig gemacht und das in einem Alter wo man mitten in der Pubertät ist, die Persönlichkeit bildet sich, man will dazugehören, was mir aufgrund der Hänseleien natürlich nicht gelungen ist. Ich hatte nur ein paar Freunde, sie selbst Opfer solcher Angriffe waren.

Ich bin jetzt 20 Jahre als und habe das Gefühl, diese Mobbing-Zeit noch immer nicht wirklich verarbeitet zu haben. Ich habe nie wirklich mit jemandem darüber gesprochen, wie sehr mich das belastet hat und noch immer belastet und an meinem Ego nagt. Ich denke seither pausenlos darüber nach, was andere über mich denken. Ich mag es nicht angestarrt zu werden, ich werde wegen jeder kleinsten Kleinigkeit nervös. Es kostet mich unsagbare Überwindung, Telefonanrufe an fremde Menschen zu tätigen. Vor vielen Menschen sprechen ist nahezu unmöglich. Ich bin sehr eitel, weil ich verhindern will, dass mich andere Menschen hässlich finden, obwohl ich viele Komplimente über mein Aussehen bekomme. Ich will oft meine eigene Meinung nicht sagen, weil ich Angst habe, die Leute könnten mich deshalb nicht mögen und schwimme daher meistens mit dem Strom.
Ich könnte noch endlos Beispiele aufzählen...

Natürlich war dieses mangelnde Selbstbewusstsein in der Zeit der Mobbingangriffe am stärksten. Mit 16, 17 als alle zunehmend reifer wurden, haben diese Angriffe auch aufgehört und mein Selbstbewusstsein hat sich seither verbessert, allerdings seeeehr langsam. Es könnte natürlich auch sein, dass meine Unsicherheit andere Ursachen hat, ich wüsste allerdings nicht welche, da ich sonst nie ernsthafte Probleme hatte.

Nun meine Fragen: Wie würdet ihr meine Situation beurteilen?
Wie kann ich mein Selbsbewusstsein und Selbstvertrauen stärken?
Hat vielleicht jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
Hilft es, Sport zu machen, sich Hobbys zu suchen? Wenn ja, was macht ihr?

Ich entschuldige mich für meinen wirklich langen Text und bedanke mich schonmal ganz herzlich bei allen, die sich die Mühe machen ihn zu lesen und mir zu antworten!

Liebe Grüße
Christina

Mehr lesen

21. Juni 2012 um 14:27

Du musst diesen Abschnitt abschließen
Ich kenn dein Problem wirklich sehr gut...Das was du gerade durchmachst, kann natürlich damit zu tun haben, was du damals erlebt hast. Du solltest auf jeden Fall mit jemandem darüber reden, am besten mit einem Arzt. Du musst verstehen, dass das was damals passiert ist, gehört zur Vergangenheit. Jetzt bist du eine ganz andere Person. Du musst diesen Abschnitt definitiv abschließen sonst wird das ewig belasten

Gefällt mir
22. Juni 2012 um 10:57
In Antwort auf layla_12273167

Du musst diesen Abschnitt abschließen
Ich kenn dein Problem wirklich sehr gut...Das was du gerade durchmachst, kann natürlich damit zu tun haben, was du damals erlebt hast. Du solltest auf jeden Fall mit jemandem darüber reden, am besten mit einem Arzt. Du musst verstehen, dass das was damals passiert ist, gehört zur Vergangenheit. Jetzt bist du eine ganz andere Person. Du musst diesen Abschnitt definitiv abschließen sonst wird das ewig belasten

Danke
für deine antwort.
meinst du ich sollte zu einem psychologen gehen, um mit jemandem zu reden, der eine objektive sichtweise hat? darüber habe ich schon sehr oft nachgedacht.

Hat sonst noch jemand Ratschläge für mich?
Wäre wirklich sehr sehr dankbar, da mich dieses Thema wirklich sehr belastet!

Gefällt mir
25. Juni 2012 um 8:30

Dein Selbstbewußtsein...
... hängt nicht davon ab, was Du kannst, sondern davon, was Dich die anderen können... (pardon)

Sorry, dass ich das so direkt sage, aber selbstsicher wirst Du erst dann, wenn Du Dich nicht mehr primär daran orientierst, wie andere Dich sehen (könnten), Dich beurteilen (könnten), dich mögen (könnten).

Wenn Dir "was werden die Leute dazu sagen" keine hochgezogene Augenbraue wert ist, bist Du arrogant, wenn es für Dich nicht mehr das Maß der Dinge ist, bist du selbstsicher.

Das ist ganz sicher nicht die Antwort, die Du jetzt erwartet hast - aber denk mal darüber nach.
Wie DU über etwas denkst sollte Deine Entscheidungen und Handlungen bestimmen. Das ändert kein Hobby, das ändert nur die Frage, warum Du andere mehr beachtest, als Dich selbst.

Gefällt mir
26. Juni 2012 um 11:54

Die Frage nach dem Hobby
klingt vielleicht blöd, aber ich habe durch das Reiten sehr viel an Selbstbewusstsen gewonnen. Pferde haben ein untrügliches Gespür für Menschen und ihre Stimmungen. Wenn du etwas von einem Pferd möchtest und nicht selbst hundertprozentig davon überzeugt bist, wird ein Pferd es nicht tun. Das hat mit ihrer Psychologie zu tun (leben in Herden mit selbstbewussten, erfahrenen Leittieren, denen der Rest der Herde bedingungslos vertraut. Als Mensch nimmt man diese Position ein und muss dann aber auch diese Eigenschaften besitzen). Will nicht zu weit ausholen. Aber man lernt sich durchzusetzen, sich klar zu machen, was man wirklich will und klare Ziele zu formulieren.

Abgesehen davon hat Reiten natürlich auch einen sportlichen Aspekt. Bewegung stärkt das Selbstbewusstsein. Und ja; Reiten ist anstrengend Und ein so großes, starkes Tier dann zu kontrollieren, im Einklang mit ihm zu arbeiten, ist ein fantastisches Gefühl! Was meinst du, was für eine Effekt es für dein Selbstbewusstsein hat, wenn du ein 500-600kg schweres Tier mit einem Finger zur Seite bewegen kannst oder ein Pferd dir rückwärts ausweicht, wenn du einfach auf es zugehst?

1 LikesGefällt mir
28. Juni 2012 um 16:56
In Antwort auf an0N_1197579499z

Die Frage nach dem Hobby
klingt vielleicht blöd, aber ich habe durch das Reiten sehr viel an Selbstbewusstsen gewonnen. Pferde haben ein untrügliches Gespür für Menschen und ihre Stimmungen. Wenn du etwas von einem Pferd möchtest und nicht selbst hundertprozentig davon überzeugt bist, wird ein Pferd es nicht tun. Das hat mit ihrer Psychologie zu tun (leben in Herden mit selbstbewussten, erfahrenen Leittieren, denen der Rest der Herde bedingungslos vertraut. Als Mensch nimmt man diese Position ein und muss dann aber auch diese Eigenschaften besitzen). Will nicht zu weit ausholen. Aber man lernt sich durchzusetzen, sich klar zu machen, was man wirklich will und klare Ziele zu formulieren.

Abgesehen davon hat Reiten natürlich auch einen sportlichen Aspekt. Bewegung stärkt das Selbstbewusstsein. Und ja; Reiten ist anstrengend Und ein so großes, starkes Tier dann zu kontrollieren, im Einklang mit ihm zu arbeiten, ist ein fantastisches Gefühl! Was meinst du, was für eine Effekt es für dein Selbstbewusstsein hat, wenn du ein 500-600kg schweres Tier mit einem Finger zur Seite bewegen kannst oder ein Pferd dir rückwärts ausweicht, wenn du einfach auf es zugehst?


Das unterschreibe ich

Gefällt mir
29. Juni 2012 um 22:46

Das klassische Thema mangelndes Selbstwertgefühl und seine Lösung
Wir lernen seit dem Beginn der Leistungsgesellschaft, unser Selbstbild und das damit verbundene Selbstwertgefühl aus den Ergebnissen unseres Tuns und Verhaltens abzuleiten. Das entspricht jedoch nicht unserem Wesen als Menschen und ist darüber hinaus anstrengend und versagensanfällig, denn unser Tun und Verhalten geht ja auch immer wieder mal nach hinten los. Und wie eine erstmals Schwangere, die plötzlich überall Mütter mit Babys sieht, fokussieren wir dann die Negativergebnisse, in dem Glauben, sie so vermeiden zu können. Doch was wir fokussieren, laden wir ja in unseren emotionalen Radius ein, egal, ob wir es haben wollen, oder aber vermeiden wollen, das kann unser Verstand nicht unterscheiden. Beispiel: "denk jetzt mal NICHT an eine lila Kuh!".
Auf diese Weise sammeln wir mehr und mehr Beweise dafür, dass wir ja "nicht okay" sind. Unser Selbstbild und das damit verbundene Selbstwertgefühl geht somit im Laufe unserer Entwicklung auf eine immer schneller werdende Talfahrt.

Interessanterweise haben Menschen, die sich hoch auf der Karriereleiter befinden, oft das ausgeprägteste "ich bin nicht gut genug", das dann zu "ich muss besser werden" führt, verbunden mit der Unfähigkeit, die eigenen Erfolge auf der emotionalen Ebene überhaupt noch wahrnehmen, geschweige denn wertschätzen zu können. Denn wenn ich nicht okay bin, kann mein Ergebnis ja auch nichts wert sein. Das führt dann langfristig leicht zu Burn Out, Depression etc.

Im Kleinen kennen wir das dahinter stehende Prinzip alle:
Freunde loben Dein leckeres Essen, und Du sagst sowas, wie: "ach komm, das Rezept war doch ganz einfach".
Anerkennung und Wertschätzung anzunehmen, fällt den meisten Menschen schwerer, als Kritik einzustecken.
Warum?
Wenn ich über mich selbst denke "ich bin nicht okay", dann wird jede Wertschätzung scheinbar unglaubwürdig.
Das hat dann gegenüber unseren Mitmenschen zusätzlich noch einen unangenehmen Nebeneffekt:
Deren ausgesprochene Anerkennung hab ich nun meinerseits gar nicht wertschätzen können, und so löse ich das entsprechende "ich bin nicht okay" auch noch bei meinem Gegenüber aus.

Es geht darum, die Ergabnisse unseres Tuns und Verhaltens aus ihrer Ursachenrolle für das Selbstwertgefühl herauszulösen und die Reihenfolge umzukehren:
Ich erschaffe mir ein förderliches Selbstbild, aus welchem ich dann mein Verhalten und die entsprechend gewandelten Ergebnisse kreiere.
Leider lernen wir das in unserem Bildungssystem nirgendwo, weshalb ich dafür eigens ein sehr erfolgreiches Seminarprogramm kreiert habe. Die Suchmaschine findet es unter lifecontext.

Unser Selbstbild ist die ursprüngliche Quelle für die Verhaltensweisen, die entweder negativerweise aus einem "ich bin nicht okay"-Glaubenssatz stammen, das im Laufe des Lebens eine erdrückende (scheinbare) Beweislast für seine Richtigkeit angesammelt hat, oder aber, wenn es bewusst als Quelle genutzt werden kann, als die eigentliche Ursache für konstruktive und erfüllende Verhaltensweisen dient.

Das Prinzip ist für alle Menschen das Gleiche:
die eigentliche Ursache für ein psychisch ausgeglichenes oder aber unausgeglichenes Leben ist das Selbstbild und die mit ihm verbundenen Glaubenssätze, wie im ungünstigen, aber weit verbreiteten Fall "ich bin nicht gut genug" etc.

Daher ist es ein anstrengender, langwieriger und versagensanfälliger Irrweg, nach "Ursachen für Störungen" in der Vergangenheit zu suchen. Sie sind definitiv nicht die WIRKlichen Ursachen, denn was da wirkt, ist nicht das, was wir erfahren haben, sondern die Schlussfolgerungen, die wir daraus für unser Selbstbild gezogen haben, und die wir mittlerweile für real halten, weil wir vor lauter Selbst-Interpretationsdenken das unterscheidende Denken verlernt haben

Beste Grüße
Christina
(Dipl. Psychologin)

Gefällt mir
Diskussionen dieses Nutzers