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Kellerkind wider Willen

21. September 2016 um 1:47

Hallo,

ich möchte ein bisschen was von meinem Leben erzählen, weil ich sonst keine Möglichkeit dazu habe.
Ich bin 30 (m) und verpasse das Leben. Ich verbringe mein Leben vor dem Monitor, in einem Zimmer ohne Tageslicht weil die Rollos immer unten sind. Ich unternehme gar nichts mehr, obwohl ich will, obwohl ich verschiedene Projekte starten will und eigentlich auch Lust dazu habe. Trotzdem sitze ich hier, Tag für Tag, komplett ohne Bewegung!
Ich bin sehr übergewichtig (170cm / 120kg). Ich kann in relativ kurzer Zeit gut was abnehmen, das Gewicht habe ich also keiner Krankheit oder Fehlfunktion zu verdanken sondern meiner Ernährung. Was schnell weg ist, kommt schnell wieder zurück, diese Erfahrung habe ich einige Male machen müssen.
Ich habe keine Freunde in meinem Wohnort, mein bester Freund lebt mittlerweile in den Staaten und die anderen ziehen Kinder groß, alle schön weit weg von mir. Auch die Familie ist weit weg, ich bin gänzlich einsam.
Ob ich was sperriges zu tragen habe oder ob ich einfach nur Essen gehen will egal was ich mache, ich muss alleine zurechtkommen. Ich habe mich damit abgefunden und plane mein Leben auch dementsprechend.

Ich führe über den ganzen Tag hinweg Selbstgespräche, manchmal stelle ich mir vor eine Partnerin zu haben, ihr erzähle ich dann was. Oft sind es auch andere Menschen, mit denen ich kommuniziere. Mir fällt auf dass ich Selbstgespräche führe, breche diese Gespräche aber nicht ab um mir nicht eingestehen zu müssen was ich da gerade mache, dadurch fühle ich mich in der Regel aber noch armseliger. Es ist einfach niemand da, 2-3 Mal in der Woche telefoniere ich mit meiner Mutter, ansonsten herrscht Stille.

Um es konkreter zu formulieren: etwas mit anderen unternehmen sah dieses Jahr so aus; Abschiedsessen des Freundes, Abendessen mit einer Bekannten (weil sie eine ganze Woche (!) alleine war und das nicht ertragen konnte hat sie mich angerufen, war ein netter Abend).
Dabei möchte ich doch was unternehmen, ich will verreisen, eine schöne Route durch Europa zum Beispiel, oder einfach nur Brunchen am Sonntag, Theater, Kabarett, ich habe Lust auf so vieles aber NICHTS davon möchte ich alleine unternehmen.
Ich bin (noch) jung, habe jede Menge Zeit, keine finanziellen Probleme und der Wille ist auch vorhanden. Aber es ist niemand da!

Ich war nie der Frauenheld, hatte aber keine Probleme neue Menschen kennenzulernen. Meine letzte Beziehung hielt vier Jahre, ein Jahr davon in der gemeinsamen Wohnung. Wir haben uns vor fast fünf Jahren getrennt, seither schlafe ich jede Nacht alleine.
Einige Zeit nach dieser Beziehung habe ich versucht jemanden kennenzulernen, ohne Erfolg. Eine hat sich glaube ich sogar beleidigt gefühlt, dass ICH an ihr interessiert war. 3-4 negative Erfahrungen später habe ich es seien gelassen, weil ich mir auch immer mehr meiner bewusst wurde. Für mich war es ein Rätsel, was ich denn falsch mache. Immer mehr konnte ich dann beobachten, dass es nicht darauf ankommt WAS man macht/sagt, sondern WER das macht. Der Satz You have to look fuckable enough to be treated like a human being hat einfach seine Richtigkeit!
Wenn man den optischen Anforderungen nicht entspricht, wirkt so gut wie alles ein verzweifelter flirt versuch. Mit diesem Gedanken habe ich mittlerweile Frieden geschlossen Wider Willen schaue ich Menschen nicht länger als zwei Sekunden an, um sie nicht zu stören.

Seit Jahren erzähle ich nichts mehr über meine Probleme, Sorgen, Ängste. Immer wenn ich das versucht habe wurde ich unterbrochen und habe mir stattdessen die Sorgen von anderen angehört. Nur der Psychologe, bei dem ich vor drei Jahren (vier Sitzungen) war, hat mir zugehört. Ich bin nicht mehr hin, weil er mir immer das gesagt hat was ich hören wollte. Seither hört kein Mensch mehr was von meinen Sorgen, ich erzähle ihnen zwar sehr viel, aber eben immer nur wenn sie nicht anwesend sind. Ansonsten geht es mir immer bestens!, wenn ich danach gefragt werde, immer schön mit einem aufgesetzten Lächeln.

Da gibt es auch seit einiger Zeit Gedanken, die ich täglich erfolgreich verdränge weil sie selbst für mich noch etwas ungewöhnlich sind. Ich weiß einfach nicht wohin damit. Ich kann sie aussprechen, auch in Selbstgesprächen nicht.

Ich bitte sehr darum, mir keine Ratschläge zu erteilen. Darauf bin ich nicht aus. Ich möchte einfach nur etwas Neues ausprobieren: Menschen was von meinem Leben erzählen, auch wenn daraus ein langer, unsortierter Text entsteht.
Die Bitte ist mir wichtig, weil ich die gut gemeinten Ratschläge garantiert bereits versucht habe umzusetzen erfolglos! Jeder Rat wird mir einmal mehr das Gefühl geben nicht verstanden zu werden.

Vielleicht mache ich hier den einen oder anderen auf folgendes aufmerksam, das wäre mir auch schon Freude genug!
Der seltsame Typ, der selten spricht, die Blicke abwendet, sich nicht traut, nichts erzählt, eben der unheimliche Typ den du kennst, der wurde so gemacht! Seine Erfahrungen erlauben ihm kein normales Leben. Er ist aber trotzdem ein menschliches Wesen, hat Gefühle, Wünsche, Träume und so etwas ähnliches wie ein Leben. Wenn er mal die Wohnung verlässt und etwas Sonne abbekommt, lass ihn doch einfach nicht spüren wie unheimlich er ist. Du musst ihm nicht die Hand reichen oder versuchen ihn zu retten, lass das lieber. Du wirst ihm schon eine große Hilfe sein, wenn du ihn nicht anschaust als wäre er ein Alien.
Wenn er die Sonne sieht und sich trotzdem wie ein normaler Mensch fühlt, wird er einen sehr guten Tag gehabt haben, trage doch bitte was dazu bei.

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21. September 2016 um 9:16

Kellerkind of Heart
ich bin 41 (w) und ich bin sehr gern allein. Ich war in meinem Leben noch nie einsam, wenn ich allein war, Einsamkeit ist etwas, was ich nur erlebt habe, wenn ich mit anderen Menschen zusammen war.

Ich habe schon Menschen, die gern mit mir verreisen möchten - und ich finde es einfach nur stressig und unangenehm.

Ich bin überhaupt nicht schüchtern und zurückhaltend, eher im Gegenteil. Ich habe keine Probleme, Kontakt mit anderen zu knüpfen, aber ich mag es nicht. So ganz und gar nicht.
Meine liebsten Momente sind die, wo ich mich völlig allein zurück ziehen kann.

Ob ich so gemacht wurde? Keine Ahnung, da sollen sich die Fachleute streiten. Wahrscheinlich ja, ist wohl ein Überbleibsel der Kindheit, "schizoide Persönlichkeitsstörung" nennen es die Ärzte.

Eines jedoch habe ich in meinem Leben gelernt und daran halte ich mich eisern und verbissen fest: die Verantwortung für mein Leben trage ich. Und nur ICH. Was auch immer mir nicht passt, sollte ICH ändern statt anderen die Schuld zu geben. Ich bin der Dompteur meines Schicksals - und sonst keiner.

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23. September 2016 um 19:52

Re: 'Kellerkind wider Willen'
hi abspann,

ich weiß, du wolltest keine ratschläge, aber mich juckt es in den fingern, wenn ich deinen beitrag lese. er trieft ja förmlich vor selbstmitleid. ich will deine probleme nicht runterspielen, aber es stimmt einfach nicht, dass du in dieser welt gefangen bist.

"Ich unternehme gar nichts mehr, obwohl ich will"

und was hindert dich daran? warum buchst du nicht noch in diesem moment deine europareise, bei der du braun wirst und viele menschen unterschiedlicher kulturen kennenlernen kannst? man lernt nie so viele menschen kennen, wie wenn man alleine reist! was hält dich von der anmeldung in einem sportverein ab, in den du regelmäßig gehen kannst? wie wäre es noch mit anderer freizeitgestaltung, wie musizieren oder was anderem künstlerischen? es gibt doch so viele möglichkeiten!

es ist sehr einfach sich zu sagen "ich will nicht ohne begleitung". tja, das leben ist kein ponyhof und jeder ist seines glückes schmied. natürlich haben es einige leichter und andere schwerer. deswegen den kopf in den sand zu stecken löst aber nicht das problem!

so auch zum thema partnerin: das wichtigste ist, dass du dich leiden kannst. wenn du zufrieden bist, wirst du auch irgendwann die frau finden, die auf dich steht - auch mit blässe und kilos. wenn du dich selbst nicht attraktiv findest, dann ändere was dran. du hast selbst geschrieben, dass es nicht krankheitsbedingt zu sein scheint.

es ist viel leichter, sich über die umstände zu beschweren. du bist noch so jung und kannst das ruder schnell herumreißen. du könntest zb jedes wochenende anderer deiner verstreuten freunde besuchen. du telefonierst nur mit deiner mutter? dann ruf doch alte freunde auch mal an! wann hast du deine bekannte das letzte mal zum essen eingeladen?

also! a**** hoch und reise buchen! ich freue mich schon, genau an dieser stelle von deinen erlebnissen zu lesen!

lg lovely0435

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24. September 2016 um 21:26

Überschrift: Alles unklar
Also, deine Geschichte ist wirklich an einigen Stellen unklar (nicht direkt unsortiert), z. B. sagst du am Anfang du hast generell keine Probleme neue Leute kennenzulernen und dann später - du hast keine Freunde (die keine Kinder haben oder nicht in den Staaten leben) - und dass du dich aber schon allein fühlst - oder habe ich diesen Parrt nun falsch interpretiert?

Darum frag ich einfach mal:
Ist es so dass du keine Freunde haben möchtest oder dir keinen neuen Freundeskreis aufbauen möchtest, wenn ja, aus welchen Gründen? Hat es etwas damit zu tuen, dass du schreibst dir hört eh keiner zu und du kannst dann für andere den Zuhörer spielen oder was hält dich genau davon ab dir einen neuen Freundeskreis zu suchen?

Was bedeuten Freunde für dich, was hast du für Erwartungen gegenüber Feunden?

Dann sagst du noch du sitzt ausschließlich vor dem PC. Dir ist aber schon bewusst dass man am PC ganz schön den Kopf in den Sand stecken kann?

Das ist kein Ratschlag nur eine Feststellung. Im Umkehrschluss kann man ja auch ohne PC seine Probleme verdrängen - mit PC-Sucht klappt das aber um so besser

Axo, und dann beschreibst du, dir kommen so merkwürdige Gedanken im Moment - leider nicht welche das sind.

Liebe Grüße

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30. September 2016 um 19:55

Für mich wäre es schon ein kleiner Trost,
zu glauben, dass es Dich wirklich gibt.

Glaub ich aber nicht.

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2. Oktober 2016 um 3:13

Leiden ist manchmal leichter als Probleme lösen.
Erzähl doch bitte nichts von "Kellerkind wider willen".

Wenn du willst, kannst du. Vielleicht bist du sehr depressiv. Eingeschüchtert, Perspektivlos, aber du wirst nicht gezwungen, dich in deiner Wohnung zu mästen.

Auch wenn du keinen Rat willst.
Ich würde dir raten, mach eine REISE. Alleine. in die Fremde. Geh mal bewusst allein, weit weg. Betrachte alles, dein Leben, deine Person, aus der Entfernung. Du wirst feststellen, wie viele Möglichkeiten du hast. Du wirst neue Probleme haben. Die du Lösen musst!... und wer eine Reise tut, der kommt reifer und erfahrener wieder.

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2. Oktober 2016 um 15:00

Es gibt viele Auswege...
Aber es kostet Kraft und Zeit. Da du ganz offensichtlich ein Problem hast mit deinem Übergewicht (du erwähst es direkt im ersten Abschnitt), Würde ich das erstmal in den Griff bekommen. Denn diese Unzufriedenheit überträgt sich auf dein Umfeld. Du redest dir vielelicht sogar ein, dass du deswegen angeschaut wirst oder änliches. Dem ist in der Regel nicht so, man hat sich an Übergewichtige dank der USA längst gewöhnt
Ein Auswege den ich kenne und wobei ich schon Leute begleitet habe ist der Weg zu einem anderen Lebensstil. Es fängt bei der Ernährung an und hört bei der Bewegung und dem Sozialleben auf. Geh einfach mal in ein Fitnessstudio (ein vernünftiges) und fang an Sport zu treiben. Zwar sind die Leute oft selber zu ängstlich fremde Menschen anzusprechen, aber es gibt hin und wieder Leute mit denen man ins Gespräch kommt. Insbesondere wenn man ein Ziel verfolgt und es Schritt für Schritt erreicht. Du wirst am Anfang rasant abnehmen und das sollte deine Motivation steigern. Später in ca. 1-2 Jahren wird es immer schwieriger, aber ich persönlich habe dadurch Spaß daran gefunden mich immer weiter einzuarbeiten und verschiedene Sachen auszuprobieren. Mittlerweile bin ich Experte und das mit Erfahrung. Das Lesen macht man übrigens auch vor dem Monitor . Eine andere Methode ist, sich einer Gruppe anzuschließen: Crossfit und Freeletics Gruppen bestehen fast immer nur zu dem Zweck soziale Kontakte zu knüpfen und ich denke man wird dich gerne aufnehmen. Der Vorsatz "ich will fit werden und Gewicth verlieren" stößt hier immer auf Unterstützung in diesen Umfeldern. Du musst dich nur dazu aufraffen. Wenn du so große Scheu hast, dann nimm erstmal einen Verein weiter weg und teste es aus. Nahezu alle Menschen sind im Fitnessstudio, weil sie mit sich unzufrieden sind. Deswegen ist dort die Akzeptanz am größten! Ich war selbst lange Zeit Trainerin und kann dir das versichern. Jeder hat irgendwelche Probleme und in den Kursen ergeben sich oft Freundschaften, wie auch in Vereinen. Es gibt übrigens viele Leute die auch einfach nur einsam sind und quasi den halben Tag im Studio verbringen. Auch das ist legitim.
Und jetzt "LOS! Geh !"

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