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Kein Selbstvertrauen, kein Lebensziel

11. Oktober 2014 um 14:38

Hallo! Falls es irgendwie wichtig sein sollte, ich weiblich und 21.
Tut mir Leid, es ist doch etwas lang geworden.
Also,wie die meisten anderen hier hatte ich schon als kleines Kind kein Selbstvertrauen und keine Freunde. Kontakt hatte ich außerhalb der Schule mit niemandem. Meist hatte ich wenigstens eine Person in der Klasse an der ich mich kleben konnte aber redete trotzdem nicht viel.

Dann in der 7. Klasse war ich ganz allein und wurde von älteren gemobbt weil anscheinend meine Haut zu blass ist. Ich bekam Kopf-, Bauchschmerzen und ging unregelmäßig zur Schule. Weil meine Eltern und Lehrer über meine Probleme Bescheid wussten wurde ich zu einem Schulpsychologen geschickt. Auch wenn ich danach nichts an mir selbst änderte, hörte mithilfe meiner Lehrerin das Gemobbe auf und für paar Jahre wurde alles okay.

Als ich dann mit ca. 16 Jahren in die 11. auf einer anderen Schule kam war ich wieder allein, redete nicht, fühlte mich als ob ich die Schule nicht schaffen könnte. Ich wurde krank und machte blau, bis meine Eltern ein Brief bekamen, dass sie Strafe zahlen müssten wenn ich die Schule nicht besuche. Ich redete mit dem Schulpsychologen dort und durfte die Schule abbrechen um nächstes Jahr auf eine Informatikschule zu gehen. Das tat ich dann auch und hatte Freunde in der Klasse, trotzdem passierte im Winter wieder das Gleiche, ich dachte ich könnte die Schule nicht schaffen und brach ab.

Ich dachte ich müsste erstmal rausfinden was ich wirklich machen will und ging freiwillig in eine Maßnahme vom Arbeitsamt um verschiedene Praktika zu machen.
Als ich allerdings die anderen Teilnehmer sah, wurde mir schnell klar, dass das wohl eher ein Abschiebepunkt für hoffnungslose Fälle war, denn die meisten waren faul, unmotiviert oder einfach dumm.
Ich machte ein paar Praktika so weit die Busverbindungen es zuließen. Technisches Zeichnen gefiel mir sehr, aber der Ausbilder meinte wenn es zu einem Bewerbungsgespräch kommen würde, hätte jemand der mehr redet als ich, mehr Chancen und ich würde die Ausbildung nicht bekommen.
Also war ich weiter in der Maßnahme und die Sozialarbeiterin machte mir meine Tage dort zur Hölle. Sie meinte ich hätte sehr viel Potenzial und sollte unbedingt eine Therapie machen. Jeden Tag holte sie mich aus der Gruppe und machte mit mir Dinge wie zum Beispiel eine Linie entlang gehen, welche mein Leben darstellen sollte.

Bei einem Routinebesuch beim Arbeitsamt meinte ich dann, dass ich glaube dass diese Maßnahme für mich keinen Sinn macht und sie boten mir an, eine außerbetriebliche Ausbildung als Bürokauffrau zu beginnen.
Mit dem Gedanken von dieser schrecklichen Sozialtante wegzukommen sagte ich zu und fing die Ausbildung an.

Zu Beginn war alles recht langweilig und leicht, bis sie mir einen Betrieb für die Ausbildung gefunden hatten: einen Laden für Büroartikel.
Der Laden hatte einen Chef welcher recht ruhig und nett war, hinter der Theke waren 2 Tische, ein Computer, welcher der Chefin gehörte. Sie war für meine Ausbildung zuständig. Einen richtigen Arbeitsplatz hatte ich dort nicht.

Ich machte mich selbst immer runter, wenn ich Fehler machte, ärgerte ich mich darüber, wurde immer vergesslicher. Meine Chefin war für mich der Horror, sie wies mich auf jeden kleinen Fehler hin, wurde hysterisch, schaute mich manchmal an als ob ich bescheuert bin.
Wieder wurde ich krank und ging nicht zur Arbeit. Mein Chef meldete sich bei den Leuten welche meine Maßnahme leiteten und meinte er mache sich Sorgen um mich, weil er eine Nichte hat, welche so war wie ich und sich herausstelle, dass sie Depressionen hatte. Mir wurde angeboten in eine Klinik zu gehen und weil ich mittlerweile nicht mehr wusste was ich tun sollte tat ich das auch.
Weil ich bis dahin oft daran gedachte hatte mich umzubringen, auch wenn ich vorm Versuchen immer zu viel Angst hatte, bekam ich direkt einen Platz dort.
In der Klinik war ich anfangs oft allein auf meinem Zimmer und las ein Buch. Aber irgendwann kommt die Langeweile doch durch und meine Mitbewohner fragten mich oft ob ich etwas mit ihnen unternehmen wollte.
So wurde ich dann aktiver und irgendwie bei allen beliebt.
Drei Wochen in Folge wurde ich zum Patientensprecher gewählt, lachte viel, mir gings mit ein paar Ausnahmen recht gut.
Ich wusste, dass ich nachdem ich entlassen wurde, eine Therapie weiter machen sollte, aber ich hatte zu viel Angst davor, irgendwo anzurufen. Und dass meine Eltern mir immer erzählten ich müsste mich selbst in meinem Kopf ändern und dass eine Therapie gar nichts helfe, machte die Sache nicht gerade leichter für mich.
Nach 6 Wochen wurde ich entlassen und zu Hause ging es mir sofort wieder schlechter.
Weil ich inzwischen zu viel Fehlzeiten hatte würde ich sowieso nicht mehr zur Prüfung zugelassen werden und brach die Ausbildung ab.

Es ist schon etwas albern, wenn man wo anrufen muss um eine Verhaltenstherapie zu beginnen aber selbst das nicht auf die Reihe bekommt.
Ich meldete mich beim Arbeitsamt als ausbildungssuchend, die nette Frau dort allerdings meinte ich müsste arbeiten gehen, aber erst ein Test bei ihrem Psychologen machen um herauszufinden wie lange und als was ich arbeiten kann.
Zu dem Test kam es aber nie, weil das Wetter schlecht war und ich keine Möglichkeit hatte, dort hin zu kommen.
Ich machte einen neuen Termin, aber bald darauf bekam ich einen Brief vom Arbeitsamt, dass ich nicht arbeitsfähig wäre, und mir vom Arzt ein Atest für 6 Monate holen sollte.
Als Erklärung dafür meinten sie, dass ihr Psychologe sich Infos von meinem Hausarzt geholt hatte und sie damit ihr Ergebnis schon bekamen.
Ich holte mir also diese Bescheinigung vom Arzt und bekam bald darauf ein Brief, dass ich dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stände und deshalb abgemeldet werde.
Für mich hieß das, dass meine Eltern kein Kindergeld mehr für mich bekamen und weil ich nicht lange genug gearbeitet hatte um Arbeitslosengeld zu bekommen, bekam ich auch kein Krankengeld.
Seit ich 16 war hatte ich mir im Internet mein eigenes kleines Leben aufgebaut, weil meine Familie nicht grade das ist was man eine heile Welt bezeichnen könnte: Meine Schwester hatte Depressionen und bekam immer mehr Aufmerksamkeit, weil sie sonst mit Atemproblemen anfing, mein Bruder war schon immer ein Idiot, klaut, macht Dreck, hat einen Respekt vor irgendetwas.
Somit hatte ich, dank des Laptops, nicht viele Probleme damit, die Zeit rum zu bekommen. Als Sucht würde ich das aber nicht bezeichnen, weil ich nur am Laptop sitze, wenn ich sonst nichts mit mir anzufangen weiß.

Zwei Jahre saß ich nur zu Hause und wurde gerne als Problemkind dieser Familie bezeichnet, hatte oft Streit mit meiner Mutter.
Bis dann mein Cousin für zwei Tage zu Besuch kam und mich dazu motivierte mich zu bewerben.
Bald darauf bekam ich einen Anruf vom Betrieb, in welchem meine Schwester vor einigen Jahren ihre Ausbildung machte. Sie sagten sie würden mich auf jeden Fall nehmen, aber die Ausbildung sollte außerbetrieblich übers Arbeitsamt laufen. Da ich das schon kannte, klärte ich das mit dem Amt und mache momentan meine Ausbildung.
Der Betrieb ist wahrscheinlich das Beste das mir passieren konnte, alle sind nett und keiner beschwert sich darüber dass ich nicht viel rede. In der Schule komme ich soweit auch klar und bin nicht allein. Man könnte meinen mir geht es endlich gut, wenn da nicht diese Wünsche wären, die einen ständig in den Kopf schießen.

Seit einigen Jahren hatte ich mir gewünscht irgendwann mal Kinder zu bekommen und eine eigene Familie zu gründen, besser als meine jetzige es ist.
Ich dachte wenn ich diese Ausbildung anfange würde ich vielleicht mehr Selbstvertrauen gewinnen und offener mit Anderen umgehen.
Allerdings sind jetzt wieder ein paar Monate rum und ich denke nicht, dass ich mich noch großartig verändern werde.
Ich bin nicht in der Lage normale Freunde zu finden, bin schlecht im "Small talk" und kann kein Augenkontakt halten.
Das bedeutet auch, dass ich wohl niemals einen festen Freund haben werde und an Kinder sollte man schon gar nicht denken.

Im Moment stelle ich mir meine Zukunft so vor, dass ich die Ausbildung beende, mir einen Job suche und dann alleine so weiter lebe, bis ich irgendwann zu alt bin und wenn ich Glück habe in einem Heim lande.
Aber das ist es nicht wofür ich leben möchte und dann denke ich, dass ich vielleicht schon genug vom Leben hatte und gehen sollte.
Ich hatte vor im Winter einfach irgendwo zu erfrieren, aber einer meiner "Freunde" im Internet(ja ich hab ihn noch nie getroffen, er lebt in Amerika) ist von meinem Plan überhaupt nicht begeistert und meinte mein Leben ist nicht mehr nur mein Leben und ich sei wichtig für ihn. Er meinte ich soll wieder in eine Klinik gehen, damit ich mir selbst nichts antun kann, aber ich glaube ich würde mir sowieso nichts antun.
Und das ist im Grunde weshalb ich hier schreibe, weil ich tatsächlich glaube, dass es jemanden im Internet hart treffen würde wenn ich weg bin, weil es mir eigentlich gut gehen sollte, und ich nicht weiß was ich machen kann, damit ich mehr Selbstvertrauen gewinne und positiver denke.

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11. Oktober 2014 um 18:50

Du schaffst das! Gib nicht auf!
Hallo.
Mehr selbstbewusst sein zu bekommen ist ein langer und schwerer Weg und geht nicht von heute auf morgen. Du musst klein anfangen. Spreche zB einfach Leute auf der Straße an und frage wo was ist oder wie spät es ist. Am anfang wird es dich vielleicht es Überwindung kosten aber du wirst schnell merken, dass es dir mit der zeit leichter fällt. Versuche auch mit den Leuten Augenkontakt zu halten und trainiere es. Aber all das liegt an dir. Du hast die Macht deiner Gedanken. Versuche deine negativen Gedanken in positive Gedanken umzuwandeln. Und wenn es dir mal psychisch schlecht geht, versuche dich abzulenken, gucke zB einen lustigen Film, geh joggen oder dreh die Musik laut auf und tanze. Ganz egal was, denn nur darum zu sizten und nachzudenken hilft nicht, löst deine Probleme nicht und schafft vielleicht sogar, welche garnicht vorhanden sind. Versuche auch mit deinen Kollegen und Mitmenschen leichte Gespräche anzufangen. Dazu reicht am Anfang auch ein einfaches lächeln oder ein kurzes Hallo. Oder frage sie wie es ihr geht und was sie letztes Wochenende gemacht hat. Biete ihnen auch deine Hilfe an, das macht dich direkt sympatischer. Steiger das und wenn du merkst, dass ihr euch gut versteht kannst du sie ja auch mal nach einem Treffen fragen. Kino oder einfach in die Stadt Kaffee trinken oder was dir sonst noch einfällt.Schließe dich vielleicht auch jmd an der selber etwas ruhiger ist und nicht so super selbstbewusst, dann fällt es dir leichter. Setzte dir auch kleine Ziele, wie ich frage ihn jetzt wieviel Uhr wir haben oder ich jogge jetzt 15 min ohne Pausen. Und belohne dich dafür. Du wirst schnell merken, dass wenn du etwas wirklich willst du es auch schaffst.
Aber wenn du willst, dass dich andere mögen musst du dich erst selber mögen. Stell dich vor einem Spiegel und schau dich an. Was findest du an dir schön? Deine Augen? Deine Haare? Es gibt bestimmt etwas und steiger das, finde immer mehr was du an dir schön findest. Natürlich wirst du immer was an dir finden, was nicht schön ist das hat jeder. Ich kenne auch niemanden der sich selber als wunderschön und markellos bezeichnen würde. Und verurteile dich nicht selbst, wenn du zB Fehler machst, denn jeder macht Fehler, tagtälich, das ist ganz normal, es ist menschlich. Vielleicht hatte deine Chefin gerade private Gründe oder war einfach selber schlecht drauf. Nimm nicht alles persönlich, denn du kannst nichts dafür, wenn sie keine gute Laune hat. Lass dich auch sonst von niemanden runterziehen oder dir einreden, dass du etwas nicht kannst, denn keiner hat das Recht dir sowas zusagen und darf sich über dich stellen. Keiner!
Außerdem finde ich, dass du eine ganz starke und bewundernswerte junge Frau bist. Du hast schon soviel durchgemacht und bist immer noch da. das hätte bestimmt nicht jeder geschafft. Du bist auch auf einem sehr guten Weg und du bist noch sooo jung und hast noch dein ganzes Leben vor dir, wer weiß was noch kommt. Dein Traum Typ kommt noch, ganz sicher!
Ich hoffe, ich konnte dir helfen. du bist auf einen sehr gutem Weg, wirklich. Auch, dass du dich getraut hast, dass hier alles zu schreiben, finde ich sehr bewundernswert. Du schaffst das, gib nicht auf, Ich glaube an dich!
Viel Glück!

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10. Oktober 2014 um 21:43
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