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Kann es sein, dass ich an Asperger Autismus leide?

17. Juli 2015 um 18:27

Ich (w, 13 Jahre) habe seit Wochen den Verdacht an Asperger Syndrom leiden zu können. Schon mein halbes Leben lang suche ich nach einer Erklärung für mein Verhalten.
In meiner Familie bin ich das schwarze Schaf, weil alle eine hohe emotionale Intelligenz besitzen und extrovertiert sind. Ich war immer anders als alle anderen und wurde oft für komisch oder verrückt gehalten. Ich glaube, dass ich mal besser alles von Anfang an erzählen sollte.

Mein "Anders sein" fing schon in meiner frühen Kindheit an.
Ich lernte mit 8 Monaten laufen und sprach 3 Monate später meine ersten Sätze. Schon früh liebte ich es Geschichten vorgelesen zu bekommen und schaute mir gerne Bilderbücher an. Mit 4 Jahren lernte ich schließlich das Lesen und brachte mir auch das Schreiben selber bei. Ich war sehr lebhaft, stellte viele Fragen und redete gerne mit Erwachsenen über Gott und die Welt. Allen war klar, dass ich kein typischer Autist bin.

Trotzdem gab es diese Stereotypien (das sind in meinem Fall motorische Besegungsabläufe) die bei meinen Eltern für Verwirrung sorgten. Im Kindergartenalter entwickelte ich Verhaltensweisen, die von Außenstehen leicht als Tic intepretiert werden könnten. Tatsächlich handelte es sich bei mir aber um autistische Stereotypien. Mit 4 begann ich mit den Händen zu flattern und zu grimassieren. Später fing ich an auf den Zehen spitzen zu laufen und neue komplexe Stereotypien kamen hinzu, während viele wieder verschwanden. Ich liebte es z.B zu Schaukeln (stundelang) und auf und ab zu gehen (gerne auch im Kreis) Ich führte auch Selbstgespräche und hatte die verrücktesten Stereotypien. Ich dachte während ihnen immer über irgendwelche Themen nach oder stellte mir Sachen vor. In Autismusforen berichteten viele davon. Ich lernte die Stereotypien zu kontrollieren und machte sie nur, wenn mir langweilig war oder bei Reizüberflutung. Viele Stereotypien gingen mit der Zeit wieder weg und ich konnte sie auch unterdrücken. Zur Zeit habe ich nur noch eine Stereotypie und zwar das Auf und Ab gehen.

Meine Eltern deuteten mein Verhalten falsch, weil sie sich mit Autismus überhaupt nicht auskannten. Es gibt in unserer Familie auch keine Fälle von Autismus. Meine Mutter dachte, dass ich hyperaktiv wäre (sie hatte auch keinen Plan von ADS) und stellte mich mit dieser Frage auch bei meinem Kinderarzt vor. Der behauptete, dass eine Testung gar nicht nötig wäre, weil ich mich sehr gut konzentrieren könnte.


Mein Verhalten gab also immer noch Rätsel auf. Im Kindergarten sprach ich fast nur mit den Erzieherinnen, weil ich mich vor Gleichaltrigen und älteren Kindern fürchtete. Sie waren mir immer zu laut und albern. Mit jüngeren Kindern z.B mit meinem Bruder spielte ich aber sehr gerne und wollte immer die Anführerin sein. Ich erfand gerne Spiele für sie, an denen ich selbst nicht teilnahm. Mit Gleichaltrigen sprach ich fast gar nicht und ließ mir von ihnen alles sagen. Ich weiß bis heute nicht warum ich Gleichaltrige gemieden habe, aber ich war ihnen gegenüber sehr zurückhaltend und konnte nie so sein wie ich wirklich war. Das kann man meiner Meinung nach nicht mehr Schüchternheit nennen, weil ich mich gegenüber fremden Erwachsenen normal verhalten konnte.
Auch vor jüngeren Kindern hatte ich keine Angst.

Auffällig war, dass ich nie zu Kindergeburtstagen wollte. Da ich so ängstlich war und überhaupt keine Lust hatte meine "Freunde" zu treffen, musste meine Mutter mich immer dazu zwingen. Ansonsten hätte ich wohl nie Freunde gehabt bzw. sie schnell wieder verloren.

Ich hatte keine Spezialinteressen und würde das Lesen nicht dazu zählen. Ich las alles was ich in die Finger bekommen konnte und legte mich nie auf ein Thema fest. Fantasiebücher interessierten mich genauso wie Ratgeber. Mit 7 Jahren las ich z.B Gesundheits- und Erziehungsratgeber, aber auch ganz normale Kinderbücher. Mit 6 schrieb ich meine ersten Fantasiegeschichten und war sonst auch sehr kreativ.
Das spricht gegen Asperger.

Auch abnormal war meine Art zu kommunizieren. Ich hatte nie Schwierigkeiten damit Gesichtsausdrücke zu erkennen, fand es aber trotzdem nur lästig Menschen anzuschauen.
Nur vertrauten Personen schaute ich in die Augen.
Ich mag keine oberflächlichen Gespräche (Smalltalk) und bevorzuge Diskussionen bzw. tiefgründige Gespräche. Ich rede gerne über diesselben Themen und steigere mich in Gesprächen oft hinein. Ich will z.B immer Recht haben und alles zu Ende diskutieren. Bei Gesprächen halte ich oft lange Vorträge und erwarte von anderen das Gleiche. Mir macht es Spaß alle meine Gedanken zu einem Thema auf einmal aus zu sprechen. Meine Eltern habe ich mit meinen Bemerkungen oft verletzt. Meine kritische Art brachte sie zur Weißglut.
Auch diskutieren war mit mir nicht gerade einfach. Ich suchte mir Diskussionsthemen aus, die für mein Alter nicht geeignet waren und wollte bei Erwachsenen immer mitreden. Ich habe nie verstanden, dass ich mich Regeln unterwerfen soll oder Angst vor Erwachsenen haben muss. Voralem Regeln habe ich ständig in Frage gestellt und ständig nachgehackt, sodass meine Eltern immer wahnsinnig geworden sind. Meist wollte ich meine Regeln durchsetzen oder den Sinn aller Regeln erfahren. Ich war sehr anstrengend und wollte alles wissen.
Für mich waren Aussagen wie "Das lernst du später" völlig unakzeptabel gewesen. Schon früh fiel auf, dass ich ein freches, lebhaftes Kind bin, dass je nach Situation extro- oder introvertiert sein kann. Grundsätzlich bin ich introvertiert und brauche zu Hause meine Ruhezeiten. Eine weitere Eigenschaft von mir ist, dass ich sehr verträumt bin und viel nachdenke. Nicht nur über mich selbst sondern auch über viele andere Sachen und Menschen. Ich mache mir oft Sorgen und bereite mich auf Situationen gedanklich vor. Obwohl ich spontan handeln kann, fühle ich mich bei Planung besser.
Ich denke oft in Bildern und habe eine sehr gute visuelle Vorstellungskraft, weil ich früher gerne Mosaik und Puzzles gemacht habe. Das ändert natürlich nichts daran, dass ich nicht zeichnen kann und in Sachen, die etwas mit Feinmotorik zu tun haben (Schnürsenkel binden etc.) eine Niete bin.
Meine Stärken sind Sprache, Kreativität, visuelle/sprachliche Logik und Räumliches Denken. Zahlen mag ich nicht so gerne


Ich würde mich als sehr anpassungsfähig beschreiben. Obwohl ich eigentlich sehr eigenwillig bin, gelingt es mir,
mich in der Schule sehr normal zu verhalten. Das ich mich verstellen muss ist zwar blöd, aber ich habe mich daran gewöhnt.

Die Schule hat für mich immer nur eine Nebenrolle gespielt.
Ich habe dort vor allem in der Grundschule nie etwas gelernt und mich nicht für meine Noten interessiert. Sie waren immer gut bis mittelmäßig. In der Schule habe ich nur geträumt, gemalt, Geschichten geschrieben etc. und oft blau gemacht.
Im Unterricht habe ich mich auch nie beteiligt, aber wusste die Antworten, wenn man mich einfach so drangenommen hat. Ich kann mich nur erinnern, dass ich meine bisherige Schulzeit als seehr langweilig und sinnlos empfunden habe. HA gemacht habe ich auch nie geschweige denn gelernt. Dadurch bin ich komplett faul geworden und kann mich nicht anstrengen bzw. motivieren. Mittlerweile wird mir das in der 7. Klasse sehr zum Verhängis und ich muss die Klasse wiederholen.




Hört sich das für euch nach Asperger Syndrom an? ^^













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18. Juli 2015 um 10:45

Liebe princep ...
Das ist schwer zu sagen, weil Autismus nicht gleich Autismus ist. Um sicher zu gehen, müssten Tests durchgeführt werden.
Ich glaube es nicht so sehr. Aber WISSEN tu ich`s natürlich auch nicht. Was sagen denn Deine Lehrer dazu? Ist ihnen vielleicht aufgefallen, dass Du hochbegabt sein könntest? Du solltest das, auf jeden Fall, abklären lassen.

Viel Glück!

lib

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18. Juli 2015 um 13:00

Keine Ahnung
@lightinblack

Danke, für deinen Beitrag! Ich glaube nicht, dass es ihnen aufgefallen ist. Ich denke auch nicht, dass Hochbegabung die Erklärung für alles sein könnte. Ich persönlich verbinde hohe Intelligenz mit guten Schulnoten, einer hohen sozialen Kompetenz und vielen Talenten. Nur, weil ich mich für mein Alter sehr gut ausdrücken kann und alles sehr schnell gelernt habe muss ich ja nicht hochbegabt sein. Es gibt viel was ich nicht kann und ich passe irgendwie nicht in die Schublade "sehr intelligent"
Möglicherweise halten mich einige Menschen in meinem Umfeld doch für hochbegabt.
Mir wurde gesagt, dass ich begabt, intelligent, schlau und geistig sehr reif für mein Alter bin.. Wie soll ich das bitte interpretieren? Ich glaube wohl kaum, dass mir jemand das Wort Hochbegabung an den Kopf geworfen hätte. Dann könnte ich das ja als Ausrede für alles benutzen. Außerdem nennt man eine Person die NICHT offiziel getestet wurde ja auch nicht so.
Was sagst du dazu? Ich glaube, dass ich einfach autistische Züge habe. Doch mit welcher Krankheit/Störung etc. will man mein Verhalten erklären? Ich beschäftige mich viel mit Psychologie und finde nichts passenderes als Asperger.

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18. Juli 2015 um 14:57
In Antwort auf chesed_12664758

Keine Ahnung
@lightinblack

Danke, für deinen Beitrag! Ich glaube nicht, dass es ihnen aufgefallen ist. Ich denke auch nicht, dass Hochbegabung die Erklärung für alles sein könnte. Ich persönlich verbinde hohe Intelligenz mit guten Schulnoten, einer hohen sozialen Kompetenz und vielen Talenten. Nur, weil ich mich für mein Alter sehr gut ausdrücken kann und alles sehr schnell gelernt habe muss ich ja nicht hochbegabt sein. Es gibt viel was ich nicht kann und ich passe irgendwie nicht in die Schublade "sehr intelligent"
Möglicherweise halten mich einige Menschen in meinem Umfeld doch für hochbegabt.
Mir wurde gesagt, dass ich begabt, intelligent, schlau und geistig sehr reif für mein Alter bin.. Wie soll ich das bitte interpretieren? Ich glaube wohl kaum, dass mir jemand das Wort Hochbegabung an den Kopf geworfen hätte. Dann könnte ich das ja als Ausrede für alles benutzen. Außerdem nennt man eine Person die NICHT offiziel getestet wurde ja auch nicht so.
Was sagst du dazu? Ich glaube, dass ich einfach autistische Züge habe. Doch mit welcher Krankheit/Störung etc. will man mein Verhalten erklären? Ich beschäftige mich viel mit Psychologie und finde nichts passenderes als Asperger.

Ich
beschäftige mich auch sehr viel mit Psychologie. Nur. Ich finde das Wort "Asperger" deplatziert, unangebracht. Es ist ja so ähnlich, wie mit Depressionen. Jeder, der glaubt, unter Antriebsschwäche zu leiden, glaubt auch, es müsse gleich eine Depression sein! Ein Autist würde sich m. E. völlig anders verhalten, als Du Dich selber beschreibst. Und zur Hochbegabung: Meist wird ja die Hochbegabung eines Schülers oder auch einer Schülerin von den Pädagogen "verdrängt", weil es eben nicht sein kann und auch nicht sein darf, dass eine "kleine" Schülerin eine schnellere Auffassungsgabe hat, als der Pädagoge selber. "Ja, wo kämen wir denn da hin!? HA!" Ich glaube, Du solltest weiterhin so bleiben, wie Du bist, gute Noten schreiben und Dir einen netten Freund suchen. Einen, der zu Dir "passt und der Dich versteht. Das Leben kann auch ganz schön sein, wenn man den Anderen um 2 Schritte voraus ist!

Liebe Grüße,

lib

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18. Juli 2015 um 15:48

HB
@lightinblack

Bist du der Meinung, dass ich mir das Asperger Syndrom aus dem Kopf streichen und mich näher mit Hochbegabung beschäftigen sollte? Würdest du das bei mir in Betracht ziehen? Wenn ja, woran erkennst du das bzw. wie bist du darauf gekommen?


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18. Juli 2015 um 16:07
In Antwort auf chesed_12664758

HB
@lightinblack

Bist du der Meinung, dass ich mir das Asperger Syndrom aus dem Kopf streichen und mich näher mit Hochbegabung beschäftigen sollte? Würdest du das bei mir in Betracht ziehen? Wenn ja, woran erkennst du das bzw. wie bist du darauf gekommen?


Liebe princepscogi!
Meine Meinung ist natürlich nicht ausschlaggebend! Ja, Du solltest Dir dieses "Asperger" aus dem Kopf schlagen und Dich, in JEDEM Fall, mit Hochbegabung beschäftigen. Ich kann Dir nicht sagen, wie ich draufgekommen bin. Es ist so eine Art "Gespür", ich habe keine Ahnung, wie man des nennt.
Es gibt einen Film nach Stephen King, dessen Titel mir nicht einfallen will. Christopher Walken spielt die Hauptrolle. Macht nichts. Ich würde mit Deinen Eltern sprechen, mit einem Psychologen, Tests machen, denn, das ist die einzige Möglichkeit, diese Hochbegabung herauszufinden und ggf. zu fördern. Jedes Talent, das nicht erkannt wird, ist ein weggeworfenes Talent! Mach` das! 13 ist ein sehr gutes Alter!

LG.,

lib

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22. Juli 2015 um 22:45

Hallo
Am besten du besucht einen psychologen. Ein test auf hochbegabung schafet nicht und ganz ehrlich hört es sich auch für mich ein bisschen so an. Die nicht soo guten schulnoten könnten davon kommen dass dich der stoff einfach nicht fordert und interessiert. Hochbegabung tritt ja meines wissens auch nicht im generellen sondern im speziellen auf sprich in den bereichen die dich interessieren bist du hoch begabt und in den andren bereichen eben nicht. Lass dich auf jeden fall testen denn eine "unentdeckte" hochbegabung kann sich im schlimmsten fall im erwachsenen alter zu einer ausgewachsenen depression entwickeln. Natürlich kanns auch eine form von autismus sein, einige punkte erinnern dran aber ich kann mir gut vorstellen, dass ein mensch der vieles schneller durchschaut auch schneller von minder begabten menschen gelangweilt ist, ihn diese sogar anöden.

Auf jeden fall wünsche ich dir alles gute für das entdecken deiner wahren/verborgenen Persönlichkeit.

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24. Juli 2015 um 21:25

Hochbegabt sicher - autistisch ?
Ganz offenkundig bist Du hochbegabt und zwar vermutlich extrem hochbegabt. Hochbegabung geht gerne mit Autismus der verschiedenen Formen einher, mal weniger, mal mehr. Ich denke manchmal, das ist ein Schutzmechanismus, den Hochbegabte haben, um nicht durchzudrehen.

Ist es denn wirklich wichtig, was genau Du hast? Wichtig finde ich, dass Deine Eltern verstehen, was bei Dir besonders ist. Ich fände es toll, wenn Du ihnen mal zeigen würdest, was Du geschrieben hast. Das würde sie sicher interessieren und ihnen sicher auch einiges erklären.

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19. Februar 2017 um 12:02

Hey, ich weiß es ist einige Zeit her das du die Frage gestellt hast. Ich denke auch das du hochbegabt sein könntest, die schlechteren Noten erklären sich da durch nicht Interesse oder Langeweile.  Punkt zwei,  der Asperger ist eine komplizierte Sache.  Wenn du in das Spektrum gehörst ist eine frühzeitige Diagnose wichtig, da du sonst im Laufe deines Lebens vermutlich immer mehr Probleme bekommst. Asperger kann viele neben "Symptome" haben,  wie ADS, hochbegabung, Depressionen, konzentrationsstörung, zwangsstörung etc....
Außerdem  bestehen die Merkmale in der Fachliteratur hauptsächlich aus männlichen Merkmalen. Daher wäre mein Tipp,  such dir die weibliche merkmale, wie zum Beispiel in dem Buch "aspergirls - die welt der Mädchen und Frauen mit asperger" von ruby simone, wenn du dich darin wiedererkennst, such dir einen facharzt und lass dich diagnostizieren. Das Buch kann auch gut als Hilfestellung für deine Eltern und dein Umfeld dienen um deine Eigenheiten zu verstehen.
 

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