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Kann einen sowas umwerfen?

13. Juni 2010 um 14:19

Hallo!


Ich weiß nicht, ob ich das jetzt hier in die richtige Rubrik gestellt habe, aber nu'.... wird schon passen.

Ich hoffe, dass das jetzt alles nicht allzu blöd klingt, was ich jetzt aufschreibe, aber es beschäftigt mich eben.

Ich bin fast 30 Jahre alt, lebe in einer Beziehung, habe mich 15 Jahre lang ger*tzt (seit einem Jahr hab' ich mittlerweile durchgehalten), habe psychische Probleme, die ich aber nie groß habe behandeln lassen, auch wenn das alles manchmal richtig derb war (meine Familie möchte das nicht, ich bilde mir das ja alles nur ein, ich will mich ja nur wichtig machen).

Ich habe immer EIN Erlebnis im Kopf, wenn ich an den ganzen Mist denke.... für mich ist das der Auslöser von allem. Danach ging's immer nur abwärts.

Als ich so 11 war, war ich mal nachmittags zum Spielen draussen und bin da mit meinem Skateboard rumgedüst. In der Nähe meines Elternhauses hat mich dann ein Mann angesprochen, ob ich seinen Hund gesehen hätte. hatte ich nicht, ob ich nach dem Hund suchen könne. Na, ich hatte ja sonst nichts zu tun und da das alles in der Nähe von daheim war, überall Spaziergänger unterwegs waren etc. hab' ich das dann getan. Ich hab die Situation irgendwie völlig falsch eingeschätzt und letztendlich hat der Mann versucht mich zu betatschen. ich habe mir eine Ausrede einfallen lassen, bin schleunigst weggelaufen und wollte nach hause, weil die Situation so bedrohlich war. Dann habe ich gemerkt, dass er hinter mir her kam. ich bin komplett panisch da durch dieses Wäldchen gerannt, aber große Männer sind nun mal schneller als kleine Mädchen und er hat mich ja doch gekriegt. Den Moment bekomme ich nie nie mehr aus dem Kopf! Er hat mich versuch tin ein Gebüsch zu zerren, ich hab da eigentlich mit meinem Leben abgeschlossen gehabt, ich dachte, der vergewaltigt mich jetzt und erstickt mich oder was. Irgendwie habe ich ihm mein Skateboard in die Weichteile hauen können und bin wie um mein Leben gerannt.

Daheim war ich kaum zu beruhigen, hab' nur geschluchzt und war mit den Nerven runter. Mein Vater ist dann mit mir zur Polizei gefahren um da eine Anzeige aufzugeben. Wir fuhren zu zweit (meine Mutter ist aus einem mir unbeknnten Grund nicht mit) und während der Fahrt musste ich die ganze Zeit aus dem Fenster schauen, falls ich den kerl irgendwo sehe. In dem Fall wollte mein Vater ihn umbringen. ich habe mich nicht getraut, nicht rauszuschauen, hatte aber Panik, dass ich ihn irgendwo sehe, weil ich nicht wollte, dass mein Vater jemanden tot schlägt!

Letztendlich habe ich dann den Herren bei der Polizei dann auch noch minutiös alles beschreiben müssen (ich habe mich so geschämt, mir war das so unendlich peinlich), dnn hat's bei der Polizeipsychologin noch geheissen, ich sei ja auch ein besonders blödes Kind, wenn mir sowas passiert. Ernsthaft. das schlimmste war, dass meine Eltern abends Nachbarn zu einem Glas Wein eingeladen hatten und auf einmal die Polizei klingelte, weil ich irgendwas hätte unterschreiben müssen und das vergessen wurde. natürlich wurde den Nachbarn alles brühwarm erzählt. Ich habe mir nur immer das Weinen verbissen und habe mich noch nie in meinem Leben so geschämt.


Tut mir kleid, dass das so ausführlich geworden ist!! Aber das mal aufzuschreiben war irgendwie gut. jedenfalls ist es so, dass es mir seit diesem Erlebnis schlecht ging. Ich habe mir immer die Schuld daran gegeben. Daheim hat keiner mit mir darüber geredet, in de Schule bin ich deswegen gehänselt worden ("das hast du dir nur ausgedacht, du bist doch eh zu hässlich, als dass die ein Mann mag!", etc).

Ich hab mich dann irgendwie eingeigelt. Wenn ich mich an die Zeit erinner', erinner' ich mich eigentlich nur daran, dass ich einsam war, viel geweint habe und alles und jeder gegen mich war. ich war schlecht in der Schule (ich stand immer unter enormem Druck, meine Eltern haben viel verlangt und ich habe das nicht bringen können, wurde bei Klausuren immer nervöser.... logisch ), ich hatte keine Freunde (ausser meiner besten Freundin), ich bin die meiste zeit in der Schule derbe verarscht worden und ich kam dagegen irgendwie nicht an, ich hab' mich wehren können. dann haben meine Eltern sich noch ständig gezofft und ich stand immer zwischen den beiden.



Ich glaub', ich hab's da nicht so ganz leicht gehabt, aber wenn ich immer so lese, was anderen Menschen so alles schlimmes passiert, stell' ich mich ja total an!! Bin ich denn wirklich jemand, der sich wichtig macht? Ich kriege diesen Tag aber irgendwie nicht mehr aus meinem Kopf!! Der Moment, in dem der mich packt....und die ekligen Sachen, die er mir gesagt hat (ist mir ehrlich gesagt zu peinlich, das aufzuschreiben)....

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26. Juni 2010 um 17:09

Knackpunkt
danke für deine antwort!!!!!!!

glaub, dass das auch der knackpunkt ist: nicht, das, was andere denken oder meinen, sondern, was ich denke oder fühl'....

zu den eigenen emotionen zu stehen ist halt irgendwie schwer, weil mir das peinlich ist. keine ahnung, wieso! versuche, im alltag die meisten gefühle nicht zu zeigen, weil ich (wie ja viele leute) die erfahrung gemacht habe, dass das eben oft ausgenutzt wird.

mittlerweile versuche ich immerhin leute, die auf mich runterkucken oder so einen mist auch noch einreden, zu meiden, dafür ist die zeit dann doch irgendwie zu schade.

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6. August 2010 um 22:49

Hi
Ja, sowas kann einen umwerfen. Nicht nur alleine die Beinahevergewaltigung selbst, auch das sehr ungeschickte und unsensible Verhalten Deiner Eltern danach.
Wie heartbeat schon schrieb, ist eine Traumatisierung etwas sehr persönliches und nicht messbar. Wir denken bei Traumata immer an Menschen, die Opfer von Geiselnahmen, Unfällen, Kriegen o.ä. wurden. Aber ein Trauma kann auch durch wesentlich "harmlosere" Situationen ausgelöst werden-- und im Alter von 11 Jahren fast vergewaltigt zu werden , zählt ganz sicher nicht zu den harmlosen Erlebnissen.

Ich hatte auch Dinge erlebt, die von außen betrachtet nicht schön waren, aber nicht unter die "typische" Traumavorstellung fielen. Es endete in Depressionen und Suizidversuch. Als ich in Therapie war, meinte meine Psychologin irgendwann:" Was Sie erlebt haben, war traumatisch. Alleine die Tatsache, dass Ihre Psyche damit nicht fertig wird, ist Zeichen für eine Traumatisierung."
Dieser Moment, als jemand - auch noch ein "Profi"- anerkannte, dass ich Schlimmes durchgemacht hatte, hat mir wahnsinnig geholfen.

Heartbeat hat Dir ja schon gute Tipps zur Selbsthilfe gegeben.Ich würde an deiner Stelle doch mal überlegen, das Ganze mit einem Therapeuten aufzuarbeiten. 15 Jahre Ritzen (bei mir waren es knapp 1,5) ist eine Menge und zeigt sehr deutlich das Ausmaß Deiner psychischen Verletzung. Die Scheu vor einer Therapie mag groß sein, das versteh ich sehr gut. Aber Du hast lange gelitten- kein Mensch, der körperlich krank ist, würde so lange warten, bis er sich Hilfe holt! Versuch es- zu verlieren hast Du wahrlich nichts mehr!

Und dass deine Familie das nicht will, sollte dich nicht interessieren- Du bist volljährig, erwachsen und kannst -sollst!-selbst über Dich, Dein Leben, Deine physische und psychische Gesundheit bestimmen. Als Du elf warst, konntest Du das leider noch nicht, da warst Du nämlich eben dieser Familie und ihren Taten "ausgeliefert" , indem sie Dich zusätzlich verängstigten, Dich nicht ernstnahmen und vor Außenstehenden bloßstellten. Nun kannst Du selbst entscheiden- versuch es zu nutzen!

Alles Gute!

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17. August 2010 um 12:26

Ja kann es..
Hallo Du,

was ist so schlimm daran Dich hierzu mal mit einem Psychologen zu unterhalten und mal genauer hin zu schauen, was dieses ereignis und die damit verbundenen Folgen in Dir ausgelöst haben?

Scham?? Wozu, schämen sollten sich andere.. Schuldgefühle?? Schaff sie Dir vom Hals denn Schuld sollte man nur tragen wenn man Schuld hat und bei Dir sehe ich absolut keine!

Du hast die Verantwortung für Dein Leben es ist Deine Entschidung ob Du weiter "Opfer" sein willst, oder bereit bist es Dir mal konkret anzuschauen und Deine Meinung über Dich selbst neu zu gestalten.

Wenn Dich dieses Erlebnis immer noch so sehr beschäftigt und Du loskommen willst hol Dir dabei Hilfe, das geht leichter und ist oftmals effektiver als sich hinter Schuldgefühlen und Scham zu verstecken um nichts tun zu müssen.

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7. April 2011 um 18:26

Ganz ehrlich?
Ich finde alle die sagen dass du dich aufspielst nur weil du nicht "den letzten Kreis der Hölle" gesehen hast sondern nur die ersten sind solche Arschlöcher. Ich werde in der Schule aus weit weniger schlimmen Gründen gehänselt und mir macht das nichts aus ich hör nicht hin aber bei dir... ich kann mir vorstellen, dass jeder Tag dich daran erinnert was dir passiert ist. Und das viele Leute immer sagen es wäre deine Schuld du warst ja so dumm, dazu möcht ich sagen diese Leute sind inkompetent in Sachen Erziehung und Psychlogie,... Denn mein Bruder wurde vor 1,5 Jahren müsste es gewesen sein, da wurde er mit 16 von einem Pädophilen verfolgt als er Abends vom "Trinken" vom Bahnhof nach Hause ging. Er ging in ein Restaurant und lies sich abholen. Als er abgeholt wurde raste der Pädo wie ein Irrer weg was ein zeichen für seine Pädophilie war. Und jetzt das heftige, mein Bruder, seinerseits Links und zu der Zeit Punk, trug Springerstiefel hatte einen Bart und ist sehr stämmig und wurde verfolgt. Also bitte du hast keine Schuld der Kerl hätte dich wahrscheinlich auch verfolgt wenn du ihm nicht "geholfen" hättest. Du hattest eine schlimme Kindheit und allein sowas wünsche ich niemandem und wünsche dir noch viel Glück und Freude in deinem Leben

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16. Mai 2011 um 21:51

Du..
... bist jetzt erwachsen. Verzeih Dir, dass Du es als Kind einfach nicht besser wusstest und mit diesem Mann mitgegangen bist! Wie solltest Du wissen, was er vorhat?! Scheinbar waren Deine Eltern nicht in der Lage, Dich auf so ein Ereignis vorzubereiten bzw. entsprechende Verhaltensweisen konkret zu zeigen und durchzuspielen. Nur so können Kinder lernen, entsprechend zu handeln. Deine Eltern sind also ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen. Du trägst keine Schuld. Sie haben möglicherweise das getan, was sie für am besten hielten, es war aber nicht genug bzw. nicht das Richtige. Ebenso ihr Verhalten nach der Geschichte - sie waren nicht für Dich da und sind ihren Pflichten Dir gegenüber nicht nachgekommen. Du als Kind wusstest es nicht besser, also verzeih Dir. Du kannst auch Deinen Eltern verzeihen - sie sind nur Menschen. Das heißt nicht, dass Du ihnen Recht gibst, sondern einfach, dass Du ihnen vergibst, dass sie es nicht besser wussten. Auf die Art und Weise wirst Du das Gefühl los, Opfer zu sein.

Jetzt bist Du erwachsen und in der Lage, für Dich zu sorgen - materiell wie auch vor allem emotional. Wenn Du diese Pflicht ernst nimmst, wirst Du Dich besser fühlen und nicht mehr das Gefühl haben, von anderen abhängig zu sein und Dich vor allem nie wieder kleiner oder schlechter fühlen als andere!

LG

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