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Juraexamen - zwei Kinder - Krise

21. März 2007 um 16:17

Hi,
ich bin eine 37-jährige zweifache Mutter (drei Monate, sechs Jahre) und schreibe in ca. drei Wochen mein erstes Examen in Jura. Diese werde ich nicht bestehen, da ich nicht ausreichend gelernt habe.
Den nächsten und letzten Versuch habe ich in einem Jahr. Man müsste fürs Examen zwischen 6 und 18 Monaten täglich 4-6 lernen. Mein Problem: ich weiss, dass ich diese Zeit nicht zur Verfügung habe. Dies führt bei mir dazu, dass ich in der Zeit, die mir zur Verfügung steht auch nicht lernen kann, da dieses Wissen mich blockiert. ich bekomme auch Fressanfälle, obwohl ich abnehmen müsste (Grösse 1,54, 70kg). Ich habe zwar eine Mutter, die auf mein Baby aufpassen könnte und auch möchte. Das kommt jedoch für mich nicht in Frage, weil einerseits Babys nicht so viele Bezugspersonen haben sollten und andererseits gefällt mir der Erziehungsstil meiner Mutter nicht (sie hatte damals auf meinen Sohn aufgepasst, wir haben und sehr oft in die Haare bekommen). Zusätzlich zu alldem habe ich noch den ganzen Behördenkram für meine Eltern zu erledigen. Mit meinem Sohn muss ich mich auch ab und zu mal beschäftigen; wenn ich ihn abhole, muss ich die Hausarbeit erledigen (Wäsche, bügeln, einkaufen usw.). Mein Mann hat eine leitende Stelle, und ist, wenn er nach Hause kommt schon fertig mit seinen Nerven, so dass er mir nicht viel abnehmen kann. Die Beziehung zu meinem Mann leidet natürlich auch. Aufgeben möchte ich nicht, ich weiss aber nicht wie ich es schaffen soll den zweiten Versuch zu bestehen. Ich bin sehr gereizt, mir macht gar nichts mehr Spass, könnte die ganze Zeit auf der Couch liegen und Fernsehen gucken, und dabei natürlich auch essen. Oft mache ich das auch. Bei allem, was ich mache habe ich schlechtes Gewissen. Wenn ich was für meine Kinder mache, denke ich, du müsstest jetzt lernen und umgekehrt. Ich habe das Gefühl, nicht atmen zu können. Hyperventilieren tue ich auch ab und zu. Meine Sorge ist, dass meine Psyche unter diesem Druck noch mehr leiden wird. Einerseits denke ich, dass ich auf jeden Fall, die Prüfung bestehen muss, da ich schon so viel Zeit und Energie für die Scheine investiert habe, andererseits denke ich, dass meine Kinder und Ehe Vorrang haben sollte und ob es sich überhaupt in diesem Alter noch lohnt, Rechtsanwältin zu werden.
Ist denn jemand in einer ähnlichen Situation? Kann mir jemand Tipps geben, wie ich aus dieser Klemme unbeschadet rauskommen kann?



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27. März 2007 um 17:50

Examen, Kinder Haushalt
Inselrose, habe mich gerade extra wegen dir angemeldet. Ich war vor ein paar Jahren genau in der selben Situation (Examen, Kinder, Mann Haus)und hatte diverse Nervenzusammenbrüche in dieser Zeit.

Die wirst du auch haben, wenn du nicht einen Teil abgibst. Ich habe mich damals irgendwann aufs Examen konzentriert, gnadenlos alles andere liegen lassen. Das ist meiner Meinung nach der einzige Weg. Da mein Mann mir nicht geholfen hat, sah es haushaltsmäßig manchmal echt schlimm aus. Aber das habe ich erst lernen müssen, das ertragen zu können. Du bist nicht Superwoman!!! Du kannst nicht alles schaffen. Wenn du das versuchst, geht ALLES den Bach runter. Die Kinder brauchen in erster LInie eine zufriedene Mutter. Glaub mir, sie werden dir das nicht übelnehmen, wenn deine Mutter dich entlastet!!!! Ich wollte damals das Studium schmeißen und bin heilfroh dass ich es nicht getan habe. Heute bin ich nämlich geschieden und wäre sonst nicht fähig auf eigenen Beinen zu stehen

Gib nicht auf, gib etwas ab von der ganzen Verantwortung, die auf dir lastet. Das hört sich jetzt so einfach an, aber das zu lernen, dazu habe ich lange gebraucht. Ich lag zwei Wochen mit der DEcke überm Kopf im Bett, bevor ich mich aufrappelte.
Du schaffst das!!!!!!

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28. März 2007 um 18:02
In Antwort auf vanamo_12439863

Examen, Kinder Haushalt
Inselrose, habe mich gerade extra wegen dir angemeldet. Ich war vor ein paar Jahren genau in der selben Situation (Examen, Kinder, Mann Haus)und hatte diverse Nervenzusammenbrüche in dieser Zeit.

Die wirst du auch haben, wenn du nicht einen Teil abgibst. Ich habe mich damals irgendwann aufs Examen konzentriert, gnadenlos alles andere liegen lassen. Das ist meiner Meinung nach der einzige Weg. Da mein Mann mir nicht geholfen hat, sah es haushaltsmäßig manchmal echt schlimm aus. Aber das habe ich erst lernen müssen, das ertragen zu können. Du bist nicht Superwoman!!! Du kannst nicht alles schaffen. Wenn du das versuchst, geht ALLES den Bach runter. Die Kinder brauchen in erster LInie eine zufriedene Mutter. Glaub mir, sie werden dir das nicht übelnehmen, wenn deine Mutter dich entlastet!!!! Ich wollte damals das Studium schmeißen und bin heilfroh dass ich es nicht getan habe. Heute bin ich nämlich geschieden und wäre sonst nicht fähig auf eigenen Beinen zu stehen

Gib nicht auf, gib etwas ab von der ganzen Verantwortung, die auf dir lastet. Das hört sich jetzt so einfach an, aber das zu lernen, dazu habe ich lange gebraucht. Ich lag zwei Wochen mit der DEcke überm Kopf im Bett, bevor ich mich aufrappelte.
Du schaffst das!!!!!!

Nochmal ich
Hallo Inselrose!
Hab mir gerade nochmal deine Nachricht und meinen meinen post von gestern durchgelesen.

Vielleicht sehe ich es sehr einseitig, da mein Studium mir im Nachhinein die Existenz gesichert hat. Vielleicht steht bei dir die Ehe und Familie im Vordergrund. (Ich drücke dir auf alle Fälle die DAumen dafür!)

Was ich dir eigentlich sagen wollte... Dieses Gefühl, des nicht mehr agieren wollens, stundenlang sinnlos auf dem Sofa liegen, mit allem unzufrieden sein..die TRaurigkeit... das alles kam bei mir daher, dass ich die ganzen Rollen, die ich zu erfüllen hatte irgendwann nicht mehr schaffte. Vor allem in der Perfektion nicht, die ich für jede einzelne in Anspruch nahm....

Deshalb mein Rat. Versuche EINE Rolle gut zu machen und erlaube dir sonst auch mal zu schludern und nicht perfekt zu sein. SEit ich dass begriffen habe geht es mir besser, auch wenn ich mich heute mit Job und Kind immer noch manchmal total überfordert fühle. Ud nimm dir kleine Auszeiten, geh mal spazieren und hab KEIN schlechtes GEwissen dabei, die liegenbleibende Arbeit schaffst du danach viel schneller.
Liebe GRüße an dich
Schneeflocke

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28. März 2007 um 21:56
In Antwort auf vanamo_12439863

Nochmal ich
Hallo Inselrose!
Hab mir gerade nochmal deine Nachricht und meinen meinen post von gestern durchgelesen.

Vielleicht sehe ich es sehr einseitig, da mein Studium mir im Nachhinein die Existenz gesichert hat. Vielleicht steht bei dir die Ehe und Familie im Vordergrund. (Ich drücke dir auf alle Fälle die DAumen dafür!)

Was ich dir eigentlich sagen wollte... Dieses Gefühl, des nicht mehr agieren wollens, stundenlang sinnlos auf dem Sofa liegen, mit allem unzufrieden sein..die TRaurigkeit... das alles kam bei mir daher, dass ich die ganzen Rollen, die ich zu erfüllen hatte irgendwann nicht mehr schaffte. Vor allem in der Perfektion nicht, die ich für jede einzelne in Anspruch nahm....

Deshalb mein Rat. Versuche EINE Rolle gut zu machen und erlaube dir sonst auch mal zu schludern und nicht perfekt zu sein. SEit ich dass begriffen habe geht es mir besser, auch wenn ich mich heute mit Job und Kind immer noch manchmal total überfordert fühle. Ud nimm dir kleine Auszeiten, geh mal spazieren und hab KEIN schlechtes GEwissen dabei, die liegenbleibende Arbeit schaffst du danach viel schneller.
Liebe GRüße an dich
Schneeflocke

Danke für die Mühe
Hallo Schneeflocke,

erstmal danke dafür, dass Du Dich wegen mir angemeldet hast.
Es tut gut, zu erfahren, dass jemand, die in einer ähnlichen Situation war, das Examen bestanden hat.

Wie alt waren denn deine Kinder, als Du Dich vorbereitet hast?
Wie hast Du geschafft Dich zu motivieren?
Wieviel Stunden pro Tag hast Du gelernt, wie viel Monate? Wie alt warst Du?
Was mich am meisten demotiviert ist, dass die Durchfallquote so hoch ist. In Berlin sind beim 1. Versuch 38%, beim 2. Versuch (endgültig) 17%. Einerseits weiss ich, dass diese Zahlen wenig zu sagen haben, aber andererseits sind es größtenteils Studenten, die täglich mehr als 4 Stunden lernen, keine Verpflichtungen dieser Art haben und dennoch durchfallen. Wie viel Chancen habe ich? Es ist mir bewusst, was für ein Fehler ich mache, aber ich habe keine Kontrolle mehr über mein Verhalten bezüglich Jura. Es gibt auch Tage, an denen ich sehr motiviert bin. Sobald jedoch ein Problem auftaucht (Kind wird krank, Baby schläft nicht durch, ich habs nicht geschafft, zu lernen), schmeiße ich wieder alles. Ich fühle mich dann richtig schlecht. Meine Rücken-Nacken-Schulter-Kopf-schmerzen werden auch immer mehr. Dann wäge ich ab. Was riskiere ich wofür. Meine Gesundheit, das Familienleben, gegen eine Prüfung, die ich nicht mal mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bestehen werde. Die hohe Arbeitslosenquote und der niedrige Verdienst als Jurist ist zwar kein Grund für mich Jura aufzugeben, aber es motiviert mich auch nicht gerade.

Ich wäre Dir sehr dankbar (natürlich, wenn Du die Zeit hast und auch möchtest), wenn Du mir schreibst, wie Dein Alltag damals ausgesehen hat, was Du jetzt machst.

Wir könnten uns auch E-Mails schreiben, falls Dir das angenehmer ist.

Ansonsten vielen Dank nochmals und liebe Grüsse.

Inselrose

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30. März 2007 um 22:36
In Antwort auf corona_11841915

Danke für die Mühe
Hallo Schneeflocke,

erstmal danke dafür, dass Du Dich wegen mir angemeldet hast.
Es tut gut, zu erfahren, dass jemand, die in einer ähnlichen Situation war, das Examen bestanden hat.

Wie alt waren denn deine Kinder, als Du Dich vorbereitet hast?
Wie hast Du geschafft Dich zu motivieren?
Wieviel Stunden pro Tag hast Du gelernt, wie viel Monate? Wie alt warst Du?
Was mich am meisten demotiviert ist, dass die Durchfallquote so hoch ist. In Berlin sind beim 1. Versuch 38%, beim 2. Versuch (endgültig) 17%. Einerseits weiss ich, dass diese Zahlen wenig zu sagen haben, aber andererseits sind es größtenteils Studenten, die täglich mehr als 4 Stunden lernen, keine Verpflichtungen dieser Art haben und dennoch durchfallen. Wie viel Chancen habe ich? Es ist mir bewusst, was für ein Fehler ich mache, aber ich habe keine Kontrolle mehr über mein Verhalten bezüglich Jura. Es gibt auch Tage, an denen ich sehr motiviert bin. Sobald jedoch ein Problem auftaucht (Kind wird krank, Baby schläft nicht durch, ich habs nicht geschafft, zu lernen), schmeiße ich wieder alles. Ich fühle mich dann richtig schlecht. Meine Rücken-Nacken-Schulter-Kopf-schmerzen werden auch immer mehr. Dann wäge ich ab. Was riskiere ich wofür. Meine Gesundheit, das Familienleben, gegen eine Prüfung, die ich nicht mal mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bestehen werde. Die hohe Arbeitslosenquote und der niedrige Verdienst als Jurist ist zwar kein Grund für mich Jura aufzugeben, aber es motiviert mich auch nicht gerade.

Ich wäre Dir sehr dankbar (natürlich, wenn Du die Zeit hast und auch möchtest), wenn Du mir schreibst, wie Dein Alltag damals ausgesehen hat, was Du jetzt machst.

Wir könnten uns auch E-Mails schreiben, falls Dir das angenehmer ist.

Ansonsten vielen Dank nochmals und liebe Grüsse.

Inselrose

Keine Ursache..
Hallo Schneeflocke!

Mein Sohn war damals schon im frühen Teenageralter (machte das Ganze natürlich leichter), ich war Mitte 30 und die Motivation war bei mir eigentlich kein Problem. Bei mir war es schon ziemlich sicher, dass ich nach dem Examen einen sicheren, gut bezahlten Job in der Tasche hatte und die Durchfallquote war auch relativ gering. Mmmh, aber wenn das bei dir anders aussieht, leidet da schon wahrscheinlich die Motivation... Und ein noch Baby dabei, puh, das ist wirklich hart. UNd wenn du den Abschluss verschiebst???

Gelernt habe ich vor dem Examen im Schnitt um die 8/9 Stunden, ca 4/5 Monate. Hatte aber auch einen sehr guten Abschluss. Organisatorisch lies sich das nur lösen, indem er einige Zeit auch bei meinen Eltern verbrachte. Mit weniger hätte ich das nicht geschafft, muss ich ganz ehrlich sagen. Wenn ich rauslese, dass du nicht ungestört 4 Stunden am Tag zur Verfügung hast... dass wird wahrscheinlich haarig...

Wie der Alltag damals in der "heißen Phase" aussah? Morgens schnell Haushalt, dann an den Schreibtisch (meist von 10-19 Uhr), dann einkaufen wieder Haushalt, bügeln, waschen und meist bin ich relativ früh eingeschlafen. Treffen mit Freunden fanden nicht mehr statt, am Wochenende war ich froh, ich wollte nur meine Ruhe, wenn ich mal Zeit hatte.

Ich verstehe, dass du abwägst. Hast du sonst einen Beruf gelernt, oder würdest du bei einem Abbruch ganz ohne darstehen? Versteh mich nicht falsch, aber ich als gebranntes KInd (Scheidung) sehe gerade auch wenn man Kinder hat, die Existenzsicherung (auch der Frau!!!) als ganz wichtig an. Und gerade wenn du an deine Kinder denkst, musst du eigentlich kein schlechtes Gewissen haben, wenn du dein Studium für eine gewisse ZEit in den Vordergrund stellst. Das hat mir bezüglich schlechten Gewissens gegenüber meinem Sohn immer geholfen. Der Gedanke, dass diese "Horrorzeit" gottlob zeitlich begrenzt ist...

Ich denke, hohe Arbeitslosigkeit und geringer Verdienst in deiner Sparte, die GEdanken solltest du mal erst wegschieben. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, außerdem ist das Leben nicht berechenbar.

Ich lebe ja nun allein und die Zeitplanung ist auch heute nicht gerade einfach, da mich mein Beruf sehr fordert. Finanziell können wir trotz meines relativ guten Verdienst momentan auch noch keine großen Sprünge machen. Die Trennung war eine teure Angelegenheit. Trotzdem ist das nicht mit der Zeit im Studium vergleichbar, da war die nervliche Belastung viel höher und das Gefühl, dass man nicht weiß was wird, das fand ich am furchbarsten... Es gibt durchaus ein Leben danach )
LG
Schneeflocke

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12. Juni 2012 um 20:24

Leider wahrscheinlich viel zu spät
Kann dich verstehen, Finds toll dass jemand so offen Probleme beim handlen zwischen Alltag und Studium so offen thematisiert. Schreib selbst grad Staatsexamen (Lehramt), das geht seit nem halben Jahr. Hab insgesamt 15 Prüfungen, nebenher arbeiten, das zehrt an den Nerven! Kopf hoch! Hoff du hast es bis jetzt gemeistert!

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