Home / Forum / Psychologie & Persönlichkeit / Ist es normal sich in seinen 20ern ziellos zu fühlen?

Ist es normal sich in seinen 20ern ziellos zu fühlen?

8. Oktober 2016 um 22:49 Letzte Antwort: 16. Oktober 2016 um 15:03

Liebe Community,

Für einige von euch wird sich das vielleicht anhören wie typische Pseudo-Probleme meiner Generation. Manchmal frage ich mich ob es tatsächlich einfach so ist, dass ich mir selbst immer etwas einrede. Trotzdem schreibe ich einfach mal was mich so bewegt, da ich im Moment ziemlich ratlos bin was mein Leben und meine Zukunft anbelangt.
Nicht etwa weil alles schlecht wäre. Im Grunde geht es mir gut. Ich bin im letzten Semester meines Studiums, habe eine eigene Wohnung, komme finanziell über die Runden und bin seit 2 Jahren in einer glücklichen Beziehung.
Trotzdem fühle ich mich irgendwie extrem unsicher. Ich habe keine Ahnung wer ich eigentlich bin, mal sein möchte und was ich vom Leben erwarte.
Zurückblickend kommt es mir so vor, als ich hätte ich mich seit ich 18 bin nicht nur nicht weiter- sondern sogar zurückentwickelt. Damals, kurz nach dem Abitur, war ich noch voller Motivation und Zuversicht jetzt endlich raus in die Welt zu gehen, zu lernen was mir Spaß macht, mich zu verwirklichen usw.
Davon ist mit Beginn des Studiums eigentlich nichts mehr geblieben. Stattdessen habe ich das Gefühl, dass ich seit 3-4 Jahren irgendwie mehr oder weniger ziellos in den Tag hinein lebe. Dabei bin ich meiner Leidenschaft gefolgt und habe Japanisch und Soziologie studiert. Das Studium ist an sich auch okay. Ich war ein Jahr in Japan und kam recht gut durch die Klausuren.
Trotzdem habe weiterhin nur vage Vorstellungen davon wo ich später mal arbeiten könnte (einen wirklichen Berufswunsch hatte ich schon früher nie wirklich), während meine Kommolitonen fast alle schon irgendwie super Praktika gemacht haben und tolle Kontakte ins Ausland und in die Berufswelt haben. Zumindest erscheint es immer so, als wüssten die genau was sie wollen und packen es an. Ich hingegen mache fast immer nur so viel wie nötig ist um bequem durchzukommen, mache ein paar Nebenjobs um meine Miete zu bezahlen, treffe mich ab und zu mit der gleichen kleinen Gruppe von Freunden und vergeude zugegebenermaßen die meiste Zeit die ich habe mit unwichtigen Dingen. Ich weiß gar nicht wieso.. Ich war schon früher eher faul aber doch recht erfolgreich und zumindest ehrgeizig. Ich glaube auch eigentlich nicht, dass ich später keinen Job finden würde. Bloß die Vorstellung in einem Jahr jeden Tag 8 Stunden zu arbeiten reizt mich irgendwie (noch) gar nicht. Ich habe das Gefühl, als müsste ich noch viel mehr ausprobieren und über mich erfahren bevor ich wirklich weiß was ich kann und machen möchte.

Ähnlich ist es mit meiner Beziehung. Wir sind zwei Jahre zusammen und das sehr harmonisch. Eigentlich sind wir beide wirklich glücklich miteinander. Und trotzdem frage ich mich häufig, ob das wirklich alles ist. Ich bin nicht so naiv zu denken, dass die Liebe sich nicht über die Jahre verändert. Ich glaube nicht daran, dass man nach Jahren noch so verliebt ist wie am ersten Tag. Und wie gesagt, ich bin ja eigentlich glücklich in der Beziehung und ich liebe meinen Partner. Und doch ist da manchmal dieser Gedanke - ob es da draußen nicht doch noch einen Menschen gibt, der besser zu mir passt. Dann wider rum ärgere ich mich über mein ewiges Zweifeln und fühle mich so unreif. Meine Mutter war zwei Jahre jünger als ich jetzt, da hat sie gearbeitet, war verheiratet und hatte ein Kind.

Ist es normal mit fast Mitte 20 noch solche Gedanken zu haben oder ist das Alles Nörgelei auf hohem Niveau? Manchmal komme ich mir so vor wie in einem Gemisch aus Pubertät und Midlife-Crisis.
Wenn es irgendjemandem genauso geht, lasst es mich wissen

Mehr lesen

8. Oktober 2016 um 22:49

Liebe Community,

Für einige von euch wird sich das vielleicht anhören wie typische Pseudo-Probleme meiner Generation. Manchmal frage ich mich ob es tatsächlich einfach so ist, dass ich mir selbst immer etwas einrede. Trotzdem schreibe ich einfach mal was mich so bewegt, da ich im Moment ziemlich ratlos bin was mein Leben und meine Zukunft anbelangt.
Nicht etwa weil alles schlecht wäre. Im Grunde geht es mir gut. Ich bin im letzten Semester meines Studiums, habe eine eigene Wohnung, komme finanziell über die Runden und bin seit 2 Jahren in einer glücklichen Beziehung.
Trotzdem fühle ich mich irgendwie extrem unsicher. Ich habe keine Ahnung wer ich eigentlich bin, mal sein möchte und was ich vom Leben erwarte.
Zurückblickend kommt es mir so vor, als ich hätte ich mich seit ich 18 bin nicht nur nicht weiter- sondern sogar zurückentwickelt. Damals, kurz nach dem Abitur, war ich noch voller Motivation und Zuversicht jetzt endlich raus in die Welt zu gehen, zu lernen was mir Spaß macht, mich zu verwirklichen usw.
Davon ist mit Beginn des Studiums eigentlich nichts mehr geblieben. Stattdessen habe ich das Gefühl, dass ich seit 3-4 Jahren irgendwie mehr oder weniger ziellos in den Tag hinein lebe. Dabei bin ich meiner Leidenschaft gefolgt und habe Japanisch und Soziologie studiert. Das Studium ist an sich auch okay. Ich war ein Jahr in Japan und kam recht gut durch die Klausuren.
Trotzdem habe weiterhin nur vage Vorstellungen davon wo ich später mal arbeiten könnte (einen wirklichen Berufswunsch hatte ich schon früher nie wirklich), während meine Kommolitonen fast alle schon irgendwie super Praktika gemacht haben und tolle Kontakte ins Ausland und in die Berufswelt haben. Zumindest erscheint es immer so, als wüssten die genau was sie wollen und packen es an. Ich hingegen mache fast immer nur so viel wie nötig ist um bequem durchzukommen, mache ein paar Nebenjobs um meine Miete zu bezahlen, treffe mich ab und zu mit der gleichen kleinen Gruppe von Freunden und vergeude zugegebenermaßen die meiste Zeit die ich habe mit unwichtigen Dingen. Ich weiß gar nicht wieso.. Ich war schon früher eher faul aber doch recht erfolgreich und zumindest ehrgeizig. Ich glaube auch eigentlich nicht, dass ich später keinen Job finden würde. Bloß die Vorstellung in einem Jahr jeden Tag 8 Stunden zu arbeiten reizt mich irgendwie (noch) gar nicht. Ich habe das Gefühl, als müsste ich noch viel mehr ausprobieren und über mich erfahren bevor ich wirklich weiß was ich kann und machen möchte.

Ähnlich ist es mit meiner Beziehung. Wir sind zwei Jahre zusammen und das sehr harmonisch. Eigentlich sind wir beide wirklich glücklich miteinander. Und trotzdem frage ich mich häufig, ob das wirklich alles ist. Ich bin nicht so naiv zu denken, dass die Liebe sich nicht über die Jahre verändert. Ich glaube nicht daran, dass man nach Jahren noch so verliebt ist wie am ersten Tag. Und wie gesagt, ich bin ja eigentlich glücklich in der Beziehung und ich liebe meinen Partner. Und doch ist da manchmal dieser Gedanke - ob es da draußen nicht doch noch einen Menschen gibt, der besser zu mir passt. Dann wider rum ärgere ich mich über mein ewiges Zweifeln und fühle mich so unreif. Meine Mutter war zwei Jahre jünger als ich jetzt, da hat sie gearbeitet, war verheiratet und hatte ein Kind.

Ist es normal mit fast Mitte 20 noch solche Gedanken zu haben oder ist das Alles Nörgelei auf hohem Niveau? Manchmal komme ich mir so vor wie in einem Gemisch aus Pubertät und Midlife-Crisis.
Wenn es irgendjemandem genauso geht, lasst es mich wissen

Gefällt mir
15. Oktober 2016 um 22:57
In Antwort auf an0N_1190524999z

Liebe Community,

Für einige von euch wird sich das vielleicht anhören wie typische Pseudo-Probleme meiner Generation. Manchmal frage ich mich ob es tatsächlich einfach so ist, dass ich mir selbst immer etwas einrede. Trotzdem schreibe ich einfach mal was mich so bewegt, da ich im Moment ziemlich ratlos bin was mein Leben und meine Zukunft anbelangt.
Nicht etwa weil alles schlecht wäre. Im Grunde geht es mir gut. Ich bin im letzten Semester meines Studiums, habe eine eigene Wohnung, komme finanziell über die Runden und bin seit 2 Jahren in einer glücklichen Beziehung.
Trotzdem fühle ich mich irgendwie extrem unsicher. Ich habe keine Ahnung wer ich eigentlich bin, mal sein möchte und was ich vom Leben erwarte.
Zurückblickend kommt es mir so vor, als ich hätte ich mich seit ich 18 bin nicht nur nicht weiter- sondern sogar zurückentwickelt. Damals, kurz nach dem Abitur, war ich noch voller Motivation und Zuversicht jetzt endlich raus in die Welt zu gehen, zu lernen was mir Spaß macht, mich zu verwirklichen usw.
Davon ist mit Beginn des Studiums eigentlich nichts mehr geblieben. Stattdessen habe ich das Gefühl, dass ich seit 3-4 Jahren irgendwie mehr oder weniger ziellos in den Tag hinein lebe. Dabei bin ich meiner Leidenschaft gefolgt und habe Japanisch und Soziologie studiert. Das Studium ist an sich auch okay. Ich war ein Jahr in Japan und kam recht gut durch die Klausuren.
Trotzdem habe weiterhin nur vage Vorstellungen davon wo ich später mal arbeiten könnte (einen wirklichen Berufswunsch hatte ich schon früher nie wirklich), während meine Kommolitonen fast alle schon irgendwie super Praktika gemacht haben und tolle Kontakte ins Ausland und in die Berufswelt haben. Zumindest erscheint es immer so, als wüssten die genau was sie wollen und packen es an. Ich hingegen mache fast immer nur so viel wie nötig ist um bequem durchzukommen, mache ein paar Nebenjobs um meine Miete zu bezahlen, treffe mich ab und zu mit der gleichen kleinen Gruppe von Freunden und vergeude zugegebenermaßen die meiste Zeit die ich habe mit unwichtigen Dingen. Ich weiß gar nicht wieso.. Ich war schon früher eher faul aber doch recht erfolgreich und zumindest ehrgeizig. Ich glaube auch eigentlich nicht, dass ich später keinen Job finden würde. Bloß die Vorstellung in einem Jahr jeden Tag 8 Stunden zu arbeiten reizt mich irgendwie (noch) gar nicht. Ich habe das Gefühl, als müsste ich noch viel mehr ausprobieren und über mich erfahren bevor ich wirklich weiß was ich kann und machen möchte.

Ähnlich ist es mit meiner Beziehung. Wir sind zwei Jahre zusammen und das sehr harmonisch. Eigentlich sind wir beide wirklich glücklich miteinander. Und trotzdem frage ich mich häufig, ob das wirklich alles ist. Ich bin nicht so naiv zu denken, dass die Liebe sich nicht über die Jahre verändert. Ich glaube nicht daran, dass man nach Jahren noch so verliebt ist wie am ersten Tag. Und wie gesagt, ich bin ja eigentlich glücklich in der Beziehung und ich liebe meinen Partner. Und doch ist da manchmal dieser Gedanke - ob es da draußen nicht doch noch einen Menschen gibt, der besser zu mir passt. Dann wider rum ärgere ich mich über mein ewiges Zweifeln und fühle mich so unreif. Meine Mutter war zwei Jahre jünger als ich jetzt, da hat sie gearbeitet, war verheiratet und hatte ein Kind.

Ist es normal mit fast Mitte 20 noch solche Gedanken zu haben oder ist das Alles Nörgelei auf hohem Niveau? Manchmal komme ich mir so vor wie in einem Gemisch aus Pubertät und Midlife-Crisis.
Wenn es irgendjemandem genauso geht, lasst es mich wissen

Hallo habe dir eine PN zum Thema geschrieben. Denke viele machen diese Phase irgendwann durch.

Gefällt mir
16. Oktober 2016 um 15:03

Unabhängig davon das hier keinerlei Fakten auf einen vorhandenen Leistungsbezug vorliegen, als Steuerzahler stören mich Mitbürger die überhaupt nichts machen wollen. Das ist mein/dein/unser verschenktes Geld. 

Das Problem liegt besonders im System der geisteswissenschaftlichen Studien. Mangelnder Praxis- und Wirtschaftsbezug führt automatisch zur Orientierungslosigkeit vieler Studenten. 

Ist es da nicht sinnvoller bei der Orientierung zu helfen als den pauschalen Kritikhammer zu schwingen? Ich persönlich würde mich freuen wenn aus dieser Investition am ende auch was sinnvolles herauskommt. Denn auch mit dieser Studien Kombination gibt es genügend spezialisierte Stellen. 

Gefällt mir