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Ist diese Krise zu überwinden?

24. Februar 2013 um 22:09

Ich muss mir den Stress der letzten Wochen von der Seele schreiben und habe leider niemanden dem ich mich anvertrauen kann.
Es tut mir leid, dass ich soweit ausholen muss und mein Text vielleicht etwas zu lang wird.

Ich lebe seit fast 2 Jahren mit meinem Freund zusammen. Bevor wir uns kennengelernt haben hatte er einen kalten Entzug hinter sich - er war von Tilidin (so weit ich weiß ein Opiat, welches zur Schmerztherapie eingesetzt wird) abhängig und kiffte. Ich würde seinen damaligen Lebensstil als kriminell bezeichnen, damit konnte er sich seine Drogensucht finanzieren und konnte auch seine Spielsucht (meiner Meinung nach war es eine Sucht) befriedigen.

Ich bin eher ein Mauerblümchen und zu meinen größten Vergehen zählen Parken ohne Ticket.

Wie gesagt, als wir uns kennen und lieben lernten hatte er sein ganzes Leben verändert und war zu einem verantwortungsvollen und anständigen Mann geworden. Hat auch den Kontakt zu seinem sozialen Umfeld abgebrochen.

Wir wohnen seit 1,5 Jahren zusammen und da ich Studentin bin finanziert er mit seiner Arbeit eigentlich unseren ganzen Haushalt und das Leben.
Nach Weihnachten waren wir etwas im Minus und seit Weihnachten gingen wir uns nur noch auf die Nerven. Er war ziemlich aggressiv und fing ständig Streit an - ich war am Ende immer die Böse. Ich weiß, dass ich anstrengend sein kann - aber ich weiß auch wann ich zu unrecht beschuldigt werde und ließ das natürlich nicht auf mir sitzen.

Gegen Ende Januar hatte sein Vorgesetzter gemerkt, dass etwas nicht stimmt und meinem Freund mehrere Tage frei gegeben - damit wir mal etwas für uns tun können. Ich schaute mir die Stände der Konten an, da ich was schönes planen wollte. Und da habe ich gesehen, dass mein Freund seit dem 20.12. täglich mindestens 10 Euro vom Konto holte, es waren manchmal auch bis zu 30 Euro.
Bis Ende Januar waren es über 400 Euro - was für uns eine SEHR HOHE Summe ist! Am Telefon fragte ich ihn aus wo dieses Geld geblieben war - ich vermutete Spielautomaten und er bestätigte dies. Das Geld hatte er täglich nach der Arbeit an einem Bahnhof in Neukölln abgehoben.

Das war für mich ein schlimmer Betrug und ich sagte, dass ein nächster Fehltritt das Ende der Beziehung sein würde. Um ehrlich zu sein, war ich nur wütend, dass er das Geld nur ausgegeben hat, um sich zu schaden - hätte er sich von diesem Geld einen schönen Abend mit Kollegen gemacht, wäre ich nicht böse gewesen - denn er arbeitet viel und hart und hätte das verdient.

Natürlich hatte er mir versprochen, nicht mehr zu lügen und nicht mehr zu spielen. Ich nahm mir vor, dass ich seinen Kontostand regelmäßig kontrollieren würde - aber durch den Prüfungsstress ist das natürlich völlig in die Hose gegangen.

Nun habe ich am Freitag die Semestergebühr überweisen müssen und gesehen, dass er wieder an mehreren Tagen in der Woche Geld vom besagten Bahnhof abgehoben hatte. Er bestritt dies sofort und kam mit Ausreden. Ich habe sofort gemerkt, dass er lügt und so lange gebohrt, bis er endlich sagte "Ja, ich war wieder Spielen!". Es war natürlich die Hölle los und ich redete nicht mehr mit ihm - hatte überlegt meine Sachen zu nehmen und zu gehen. Am nächsten Tag brach er in Tränen aus und sagte mir, das mit dem Spielen sei gelogen - er ist wieder von Tilidin abhängig.

Seit er mir das gesagt hat weiß ich nicht wie es weitergehen soll. Ich bin völlig verzweifelt und weiß nicht, was ich nun machen soll. Er hat heute mit seinem Entzug begonnen und nimmt als "Ersatzdroge" und zum langsamen Entwöhnen Subutex, welches auch in Kliniken zur Entgiftung von Tilidin eingesetzt wird. Ich habe die Befürchtung, dass er einen kalten Entzug während seiner Arbeit nicht schaffen kann und scheitern wird.

Ich weiß nicht, ob hier jemand einen Rat für mich hat oder Ähnliche Erfahrungen hat - ich musste mich einfach nur mitteilen.... Ich danke jedem, der dies hier liest und vielleicht ein paar helfende Worte hinterlässt.

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7. März 2013 um 0:33

Guten Abend!
Also zum Ersten möchte ich zu meiner Verteidigung sagen, dass ich neben dem Kindergeld auch Bafög erhalte - also liege ich meinem Freund nicht auf der Tasche. Zur Klärung, falls das so rüber gekommen ist.

Vielleicht ist es in meinem Beitrag nicht deutlich geworden, dass er BEVOR wir uns kennen lernten schon über ein viertel Jahr keine Drogen mehr genommen hat. Daher bin ich auch nicht ins offene Messer gelaufen oder habe den Point-of-no-return verpasst.

Auch wenn für mich als Studentin 400,00 Euro viel Geld sind - muss ich sagen, dass mein Freund und ich ein sehr gutes Leben führen. Wir hungern nicht, können uns jederzeit neue Geräte oder Kleidung leisten und haben uns ein gutes Leben+tolle Wohnung aufgebaut. Es geht mir auch nicht um das Geld, sondern um ihn und seine Gesundheit und natürlich liebe ich ihn - möchte ihn nicht verlieren.

Ich danke dir für deinen Beitrag. Aber anscheinend habe ich wenig ausführlich die Situation beschrieben und ein falsches Bild von mir vermittelt.
Kontrolle kann ich soweit ausüben, dass ich mich um die Zahlungsein- und ausgänge kümmere; alles kalkuliere, um längerfristig Planen zu können (Urlaub, zweites Auto etc.). Es gab im letzten Jahr sogar Monate in denen wir weniger als Hartz IV für eine Person hatten - ohne meine "Kontrolle" der wenigen Euros hätten wir so Einiges zum Pfandleiher bringen müssen. Natürlich möchte ich, dass wir unser Leben genießen und wir leben nicht so knauserig - daher konnte er auch täglich Geld in der genannten Höhe verprassen.

Ich verlasse mich auf sein Gehalt, um die Miete bezahlt zu wissen - so wie er sich auf mein Bafög und Kindergeld verlässt, damit er seinen Tabak oder die Salami auf dem Brot hat. Wenn ich nur auf sein Geld aus wäre, dann würde ich sicher keine Sozialleistungen beziehen die ich dann später zurückzahlen muss wenn er mir vielleicht den Laufpass gegeben hat (soll jetzt nicht wieder falsch interpretiert werden: wäre ich nur auf sein Geld aus, so sollte er doch schnell dahinter kommen und sich nicht länger hinters Licht führen lassen).

Sofern der bisherige Verlauf jemanden interessiert:
Ich habe ihm nicht den Laufpass gegeben, da ich niemanden einfach fallen lasse, nur weil er gerade nicht richtig funktioniert. Zudem wäre es meiner Meinung nach falsch gewesen ihn gerade in diesem Moment allein zu lassen (damit meine ich ohne Familie, Freunde, Perspektive oder Unterstützung). Meine Befürchtungen haben sich zum Glück nicht bewahrheitet. Er hat die letzten Tage sein Lachen wiedergefunden und konnte trotz häufiger Doppelschichten standhaft bleiben. Unser Verhältnis hat sich nach diesen Vorfällen sogar wieder gebessert und er strebt eine Therapie an - leider hat er erst in wenigen Wochen den Termin und die Einrichtung ist auch bereit mich als Co-Abhängige bzw. Lebenspartnerin mit einzubeziehen.


mokusz ich danke dir nochmals aufrichtig, dass wenigstens du dich meiner Sache angenommen hast und wenigstens einen Kommentar hinterlassen hast.

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