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Im Leben versagt und nichts erlebt

27. Mai 2019 um 1:27 Letzte Antwort: 27. Mai 2019 um 20:26

Hallo,

Ich bin mitte 20 und kann nicht behaupten dass ich glücklich bin. Mein Selbstbewusstsein ist sehr am Boden. Ich habe nämlich folgendes Problem:
Als Kind fiel mir alles leicht, wir waren bodenständig aber wohlhabend und mein Vater war Unternehmer. Dies hat dazu geführt, dass ich durch das Lob von allen Seiten und dem Wohlstand immer dachte es wird alles ein Selbstläufer im Leben. Ohne eine Seite zu lernen schaffte ich dann auch mein Abi mit 2,2. Nicht besonders gut aber okay. Ich bin auch sehr intelligent, das merke ich immer wieder.
Mit meinem naiven Selbstverständnis und angewöhnter Faulheit ging ich dann ins Wirtschaftsingenieurs-Studium. Nach 8 Semestern bin ich an meiner letzten Prüfung gescheitert und exmatrikuliert worden. Der Grund: Ich habe Prüfungsangst und durch meine Faulheit hatte es sich zunehmend verschlechtert weil ich natürlich meine Ziele nie erreichte und die Angst wieder zu versagen zunehmend höher wurde.
Ich durfte Gott sei Dank das Studium an einer FH fortsetzen. Meine Disziplin ist besser geworden, auch wenn ich mein Leben immer noch nicht im Griff habe und in meinem ersten Job sehr herb versagt habe. Aber aus allen Fehlern habe ich zumindest weitergelernt und mich auch fachlich weiterentwickelt. Ich sehe also einen Fortschritt.
Trotzdem ist mein Selbstbewusstsein am Boden. Ich habe immer noch kaum Arbeitserfahrung und Erfolg. Und bevor ich arbeiten gehen kann, muss ich erst noch eine Studienarbeit und die Bachelorarbeit schreiben, weil ich es sonst zeitlich nicht packe. Aber das alles werde ich schon schaffen. Was mich aber fertig macht ist, dass ich keine Partnerin habe. Meine längste Beziehung dauerte 3 Monate. Meist scheiterte es daran, dass ich entweder nicht ausreichend Zeit für die Beziehung fand, geschweige denn etwas zu bieten hatte. Und an dieser Stelle beginnt das viel ernstere Problem für mich:

Ich bin anders. Ich bin nett, offen und kann sehr gut mit Menschen, aber: ich finde es  langweilig mit Leuten auszugehen. Einmal im Monat ist noch ok, aber wenn ich dann mit den Leuten auf der Party bin und merke über was für belangloses Zeug geredet wird bzw. wie die Leute nur gelangweilt um sich herum starren, dreh ich fast durch. Ich verstehe nicht wie man das mehrmals die Woche machen kann. Es ist einfach nicht meine Welt. Ich trinke auch kaum, weil ich es nicht mag. Ich kiffe nicht weil es mir auch nichts bringt. Aber ich musste feststellen dass gerade das die Leute zusammenschweißt.
Ich habe zwar meine wenigen Freunde und schätze sie sehr, aber bis auf zwei wohnen alle weiter weg. Und die zwei die hier sind saufen halt gerne.

Als Folge verschwende ich meine Zeit mit YouTube, Nachrichten oder anderen Artikeln. Das ist schon eine Art Sozialersatz. Mittlerweile versuche ich die Zeit ins Lernen zu investieren um endlich das Kapitel Studium abzuschließen können.

All das bedingt, dass wenn ich eine Frau kennenlerne die mir gefällt, ich es gar nicht erst versuche. Ich habe mir nämlich versprochen, dass ich keine Beziehung anfange bis ich mein Leben im Griff habe. Ich kann einer Frau nicht das bieten was sie braucht. Gerade erst haben zwei Frauen Interesse an mir gezeigt. Eine von Ihnen war für mich eine Traumfrau, aber dann kommen wieder die Gedanken: was kann ich ihr bieten? Sie ist sehr gebildet, wunderschön und sehr sportlich. Nach außen mag ich sehr professionell und selbstbewusst wirken, aber in mir selbst bin ich gebrochen und bekommen einfache Dinge wie die Ordnung in der Wohnung zu halten nicht hin.

Ich werde noch Jahre brauchen, um mein Studium mit dem Master nachzuholen, habe kaum Freunde und somit soziale Events zu denen ich sie mitnehmen kann. Mein Leben ist langweilig. Und ich werde Jahre brauchen bis ich die Alltagsdinge in den Griff kriege.  Und das macht mich sehr fertig. Ich bin seit meinem Abi kaum vereist und habe kaum was erlebt. Ich plane zwar einiges nachzuholen, aber es ist schwer wenn man so allein ist. Und da die Zeit aufgrund meiner Defizite in der Zeitplanung und Umsetzung ausgereizt ist, wird es noch lange dauern, bis ich endlich Zeit finde wieder meinen alten Hobbys wie der Fotografie, Tennis nachzugehen oder eben auch zu reisen.


Meine gute Freundin meint ich gehe mit mir selbst zu hart ins Gericht. Sie meint viele Männer in meinem Alter seien so wie ich. Aber ich glaube sie sagt dass nur, weil sie meine guten Seiten kennt und meint die würden wieder alles auswiegen. Ich denke jedoch immer noch, dass ich mich auf keine Beziehung einlassen sollte, solange ich nicht die oben genannten Punkte im Griff habe. Gerade da ich auf sehr ambitionierte und gebildete Frauen stehe, würde ich erfahrungsgemäß wieder nur versagen. 

Ich weiß gar nicht was genau meine Frage ist. Ich denke ich wollte mir das nur von der Seele schreiben. Mal die Außenwelt fragen was sie denkt. Ich habe auch kein Problem damit, wenn ihr mir schonungslos die Wahrheit sagt. Dann weiß ich wenigstens was Sache ist.

 

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27. Mai 2019 um 14:56

Du solltest nicht nicht eine Beziehung beginnen, bevor du all diese Dinge im Griff hast, du solltest allerdings keine Beziehung beginnen, bevor du dein Selbstbewusstsein nicht auf die Reihe kriegst. Ordnung halten, Soziale Kontakte aufbauen, Master abschliessen, all diese Dinge sind zwar wichtig für ein erfülltes Leben und auch in einer Partnerschaft, allerdings solltest du wirklich zuerst an deinem Selbstbild arbeiten. Danach wird es dir auch einfacher fallen all die anderen Dinge in Angriff zu nehmen. Du darfst niemals dein Glück von einer (fehlenden) Partnerin ausmachen. Du musst mit dir selbst glücklich sein und danach erst mit allem um dich herrum.

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27. Mai 2019 um 15:15

Danke, ja sehe ich das auch.
Aber nein, ich mache mein Glück nie von anderen abhängig. Das war nie meine Art. Es ist eher so gemeint: es tut sehr weh wenn ich dann merke dass ich einen tollen Menschen gehen lassen muss, weil ich so versagt habe.

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27. Mai 2019 um 15:37
In Antwort auf michael980

Danke, ja sehe ich das auch.
Aber nein, ich mache mein Glück nie von anderen abhängig. Das war nie meine Art. Es ist eher so gemeint: es tut sehr weh wenn ich dann merke dass ich einen tollen Menschen gehen lassen muss, weil ich so versagt habe.

Diese Einstellung musst du ändern... Du musstest diese Menschen nicht gehen lassen, weil du versagt hast. Höchstens weil sie nicht in die damalige Situation gepasst haben.

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27. Mai 2019 um 20:25

Ich stimme deiner Freundin zu, du stellst zu hohe Ansprüche an dich selbst und das überfordert dich letztendlich zu sehr, dass du Beziehungen vermeidest, weil du glaubst, nicht gut genug zu sein. Was glaubst du denn, was du bieten müsstest, um eine Partnerin zu halten? So wie du dich beschreibst, scheinst du dein Leben noch einigermaßen im Griff zu haben. Immerhin scheinst du was das Studium betrifft auf einem guten Weg zu sein. Womöglich vergleichst du dich auch zu sehr mit anderen Menschen in deinem Umfeld, das ist nicht gesund. Ich kann dich auch verstehen, dass dir Sauftouren und Partys nicht Spaß machen (geht mir auch so), sodass man sich eher zurückzieht. Vielleicht musst du auch einfach Freunde finden, die deine Interessen teilen.
Und genau wie mein Vorgänger rate ich dir auch, ganz dringend an deinem Selbstbild und deinen Wartungen zu arbeiten. Du musst nicht perfekt sein um eine glückliche Beziehung zu führen, wahrscheinlich hatten die Frauen, denen du näher gekommen bist, weit geringere Ansprüche an dich als du selbst...

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27. Mai 2019 um 20:26

*und an deinen Erwartungen zu arbeiten

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