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Ich will es wirklich schaffen! /Weg aus einer Depression

8. Dezember 2005 um 19:59 Letzte Antwort: 30. März 2015 um 21:41

So kann es einfach nicht mehr weitergehen! Ich stehe mir tagtäglich selbst im Weg und komme nicht vorwärts. Ja, ich habe Depressionen und ja, mein gesamtes Umfeld leidet unter meinem Versagen.
Jetzt reicht es! Ich will meinen Ängsten, meiner Wut und meiner Mutlosigkeit in die Augen schauen.
Warum ich dazu einen Thread eröffne? Nun, erstens glaube ich, dass es einigen Frauen dort draußen ähnlich geht und zweitens will ich mir selbst den Druck auferlegen, etwas zu ändern. Ich werde nun versuchen in regelmäßigen Abständen etwas in diesen Thread zu schreiben. Von meinem Versagen berichten. Und von meinen kleinen Schritten in Richtung Glück!
Ich weiß nicht, ob dieses kleine Experiment funktioniert, aber ich will einfach nicht im Stillstand verharren. Hey, ich bin noch jung!
Ich würde mich freuen, wenn auch andere Frauen sich gemeinsam mit mir bemerkbar machen. Ihrer Depression beweisen, dass sie noch da sind, dass sie diese Krankheit loswerden wollen. Also bitte bitte beteiligt euch!

So, zunächst stelle ich mich mal vor: Ich heiße Sandra und studiere zur Zeit in Karlsruhe. Ich bin 23 Jahre alt und ein Jahr meines Lebens verbringe ich schon mit meinem persönlichen Schutzengel. Ich liebe ihn und er liebt mich auch, doch leider erschwere ich unsere Beziehung mit meiner Depression.
Heute ist Tag 1.
Lasst ihn uns feiern!

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8. Dezember 2005 um 21:17


Hui, schon ein paar Antworten! Fein.

Luis, ich will mich meinem Versagen stellen, denn leider versuche ich es immer zu verstecken, damit den Menschen nicht auffällt, dass ich versagt habe.
Und so schaffe ich mir ein künstliches Dasein.
Aber ich will gemocht und geliebt werden, trotz meiner Fehler! Und ich will keine Angst mehr vorm Versagen haben. Deshalb werde ich auch von diesen Momenten berichten

Mooszauber,
hmm....ehrlichgesagt kann ich nicht genau erklären, warum ich ständig so mutlos und traurig bin. Ein Grund ist sicherlich meine Mutter. Sie leidet an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und wollte ihre zwei Kinder nie. Meine Schwester und ich haben das sehr deutlich zu spüren bekommen. Zwar hat sie uns nie körperlicher Gewalt ausgesetzt, jedoch kann ich mich an keinen Moment in meiner Kindheit erinnern, in der meine Mutter liebevoll war. Sie war immer....kalt.
Später, in einem "klärenden" Gespräch, warf sie mir vor, ich hätte sie immer abgelehnt und wollte nicht von ihr in den Arm genommen werden. So kamen noch etliche Schuldgefühle hinzu. Heute weiß ich, dass es einfach nicht stimmt! Meine Mutter ist eine lieblose und kalte Person, aber auch sie kann nichts dafür. Hin und wieder hört man die geflüsterten Gerüchte hinter vorgehaltener Hand sie wäre sexuell mißbraucht worden, aber sie selbst redet selten über ihre Vergangenheit. Bis heute weiß ich nicht, wie und wo sie meinen leiblichen Vater kennengelernt hat,ob sie ihn geliebt hat und was für ein Mensch er war.
Man kann also sagen, meine Eltern sind mir fremd, denn an meinen leiblichen Vater habe ich nur sehr vage Erinnerungen und meine Mutter öffnete sich niemals. Alles was ich heute über sie weiß, habe ich aus ihrem Tagebuch. Und auch das mußte ich heimlich entwenden.
Mein Stiefvater hat anfangs noch versucht mir den Vater zu ersetzen, bis ich in die Pubertät kam. Dann war er überfordert mit der Situation, er beichtete meiner Mutter, dass er mich nicht als Tochter sehen könne, dass er mich sogar begehren würde. Gott sei dank machte er dieses Geständnis, denn das bewahrte mich wohl vor den latenten Phantasien meines Stiefvaters. Trotzallem verletzte es mich. Ein Psychologe würde vielleicht sagen, er nahm mir durch sein Begehren, was ich vorher in kleinen Gesten zu spüren bekam, das Vertrauen in die Männer. Noch heute habe ich Schwierigkeiten mich über etwas anderes als mein Aussehen und meine Sexualität zu definieren. Tja, und so wären wir bei meiner Depression angelangt. In schnellen Schritten durch meine Kindheit und Jugend. Heute fühle ich mich häßlich, aber verdammt, ich bin es nicht!!! Trotzdem starre ich ängstlich in den Spiegel und sehe nichts, außer meinen Makeln. Die "schönen" Dinge an mir sind höchstens Durchschnitt. Und da ich nicht sonderlich klug oder gebildet bin, obwohl ich immer versuche anderen Menschen genau das vorzuspielen, habe ich Angst niemals wirklich geliebt zu werden. Denn irgendwann sieht auch der letzte Freund, wie dumm und häßlich ich in Wahrheit bin.
Typisch Borderline? Ich habe Angst vor dieser Diagnose, wälze Nacht für Nacht Psychologie-Selbsthilfe-Medizin-Bücher und rede mir ein doch gesund zu sein! Doch wenn ich am nächsten Morgen aufstehen soll, um meine Hausarbeit für Geschichte vorzubereiten, ist da wieder dieser Gedanke: Mädel, die werden dich alle auslachen! Du wirst das Studium nicht schaffen!
Und dabei will ich doch nur nicht so werden wie meine Mutter :/

So...genug der Vergangenheit! Ich werde mich jetzt einfach an meine Geschichtshausarbeit setzen. Mein gewähltes Thema: Starke Frauen der Frauenbewegung
Auf dass ihre Stärke ein wenig meinen Tag erhellt.
Gruß

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9. Dezember 2005 um 2:35
In Antwort auf robyn_12044664


Hui, schon ein paar Antworten! Fein.

Luis, ich will mich meinem Versagen stellen, denn leider versuche ich es immer zu verstecken, damit den Menschen nicht auffällt, dass ich versagt habe.
Und so schaffe ich mir ein künstliches Dasein.
Aber ich will gemocht und geliebt werden, trotz meiner Fehler! Und ich will keine Angst mehr vorm Versagen haben. Deshalb werde ich auch von diesen Momenten berichten

Mooszauber,
hmm....ehrlichgesagt kann ich nicht genau erklären, warum ich ständig so mutlos und traurig bin. Ein Grund ist sicherlich meine Mutter. Sie leidet an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und wollte ihre zwei Kinder nie. Meine Schwester und ich haben das sehr deutlich zu spüren bekommen. Zwar hat sie uns nie körperlicher Gewalt ausgesetzt, jedoch kann ich mich an keinen Moment in meiner Kindheit erinnern, in der meine Mutter liebevoll war. Sie war immer....kalt.
Später, in einem "klärenden" Gespräch, warf sie mir vor, ich hätte sie immer abgelehnt und wollte nicht von ihr in den Arm genommen werden. So kamen noch etliche Schuldgefühle hinzu. Heute weiß ich, dass es einfach nicht stimmt! Meine Mutter ist eine lieblose und kalte Person, aber auch sie kann nichts dafür. Hin und wieder hört man die geflüsterten Gerüchte hinter vorgehaltener Hand sie wäre sexuell mißbraucht worden, aber sie selbst redet selten über ihre Vergangenheit. Bis heute weiß ich nicht, wie und wo sie meinen leiblichen Vater kennengelernt hat,ob sie ihn geliebt hat und was für ein Mensch er war.
Man kann also sagen, meine Eltern sind mir fremd, denn an meinen leiblichen Vater habe ich nur sehr vage Erinnerungen und meine Mutter öffnete sich niemals. Alles was ich heute über sie weiß, habe ich aus ihrem Tagebuch. Und auch das mußte ich heimlich entwenden.
Mein Stiefvater hat anfangs noch versucht mir den Vater zu ersetzen, bis ich in die Pubertät kam. Dann war er überfordert mit der Situation, er beichtete meiner Mutter, dass er mich nicht als Tochter sehen könne, dass er mich sogar begehren würde. Gott sei dank machte er dieses Geständnis, denn das bewahrte mich wohl vor den latenten Phantasien meines Stiefvaters. Trotzallem verletzte es mich. Ein Psychologe würde vielleicht sagen, er nahm mir durch sein Begehren, was ich vorher in kleinen Gesten zu spüren bekam, das Vertrauen in die Männer. Noch heute habe ich Schwierigkeiten mich über etwas anderes als mein Aussehen und meine Sexualität zu definieren. Tja, und so wären wir bei meiner Depression angelangt. In schnellen Schritten durch meine Kindheit und Jugend. Heute fühle ich mich häßlich, aber verdammt, ich bin es nicht!!! Trotzdem starre ich ängstlich in den Spiegel und sehe nichts, außer meinen Makeln. Die "schönen" Dinge an mir sind höchstens Durchschnitt. Und da ich nicht sonderlich klug oder gebildet bin, obwohl ich immer versuche anderen Menschen genau das vorzuspielen, habe ich Angst niemals wirklich geliebt zu werden. Denn irgendwann sieht auch der letzte Freund, wie dumm und häßlich ich in Wahrheit bin.
Typisch Borderline? Ich habe Angst vor dieser Diagnose, wälze Nacht für Nacht Psychologie-Selbsthilfe-Medizin-Bücher und rede mir ein doch gesund zu sein! Doch wenn ich am nächsten Morgen aufstehen soll, um meine Hausarbeit für Geschichte vorzubereiten, ist da wieder dieser Gedanke: Mädel, die werden dich alle auslachen! Du wirst das Studium nicht schaffen!
Und dabei will ich doch nur nicht so werden wie meine Mutter :/

So...genug der Vergangenheit! Ich werde mich jetzt einfach an meine Geschichtshausarbeit setzen. Mein gewähltes Thema: Starke Frauen der Frauenbewegung
Auf dass ihre Stärke ein wenig meinen Tag erhellt.
Gruß

Hi!
Wenn du das Gefühl hast,daß deine Mutter dich nie geliebt hat,dann ist das nicht unbedingt gleichbedeutend damit,daß sie dich abgelehnt hat. Wenn sie wirklich als Kind mißbraucht worden ist,war sie gar nicht fähig zu lieben,das ist meistens eine Folge von sexuellem Mißbrauch. Das Problem hat meine Tochter auch. Ich kann für sie nichts empfinden aber deswegen lehne ich sie nicht ab. Das kann natürlich dazu führen,daß sie sich nicht geliebt fühlt. Aber ich habe ihr das erklärt und sie hat es verstanden. Ich bin auch mißbraucht worden. So wie du dich hier beschreibst frage ich mich ob du nicht selber mißbraucht wurdest und darum Depressionen hast. Das würde auch erklären,warum du dich nur über deine Sexualität definieren kannst. Das ist auch eine Folge davon. Was waren das denn für Gesten die du von deinem Stiefvater zu spüren gekriegt hast? Hat er dich angefaßt,an intimen Stellen? Über den Po gestreichelt oder hat er dir an die Brust gefasst? Denke mal darüber nach. Alles was er gemacht hat und seiner sexuellen Erregung oder Befriedigung diente,ist sexueller Mißbrauch.

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9. Dezember 2005 um 2:55

...
Diese Ausweglosigkeit ist Folge der Depression. Außerdem muß es keinen konkreten Auslöser geben. Wenn man in der Vergangenheit vorbelastet ist,kann man Depressionen auch einfach so kriegen,ohne daß es einen ím Moment akuten Auslöser gibt.

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9. Dezember 2005 um 19:05

Was ich vorher in kleinen Gesten zu spüren bekam
hallo cheesy,

ich finde es schön, wenn du auf das vertrauensvolle verstehen von betroffenen setzt.
aber muss das nicht auch deutlich ausgesprochen werden, so wie svinie das macht.
kennst du die situation, dass ein vater seine tochter (oder sohn) küssen will oder knuddeln, das kind will aber nicht?
was sagt er dann?
"hast du deinen papa denn garnicht mehr lieb?"
was lernt das kind daraus?
wenn du deinen papa lieb hast musst du dir übergriffe gefallen lassen.
eine lektion fürs leben - nur keine gute.
die meisten mütter unterstützen das in unwissenheit.
zu liebkosungen und seien sie noch so "klein" und "unbedeutend" darf man niemanden zwingen.
das ist missbrauch!

manndel

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9. Dezember 2005 um 20:44
In Antwort auf kaleo_12490902

Was ich vorher in kleinen Gesten zu spüren bekam
hallo cheesy,

ich finde es schön, wenn du auf das vertrauensvolle verstehen von betroffenen setzt.
aber muss das nicht auch deutlich ausgesprochen werden, so wie svinie das macht.
kennst du die situation, dass ein vater seine tochter (oder sohn) küssen will oder knuddeln, das kind will aber nicht?
was sagt er dann?
"hast du deinen papa denn garnicht mehr lieb?"
was lernt das kind daraus?
wenn du deinen papa lieb hast musst du dir übergriffe gefallen lassen.
eine lektion fürs leben - nur keine gute.
die meisten mütter unterstützen das in unwissenheit.
zu liebkosungen und seien sie noch so "klein" und "unbedeutend" darf man niemanden zwingen.
das ist missbrauch!

manndel

Hallo, ihr alle!
Danke für die vielen Antworten!
Zunächst einmal muß ich sagen, dass ich mich nicht gegen professionelle Hilfe sträube, ich sehe sie nur nicht als Allheilmittel an. Ich möchte irgendwie die Kraft aus meinem Inneren schöpfen, denn schon allein das Gefühl, dass ich nicht leer bin, macht mir Mut.
Hoffe, ihr versteht, was ich meine.
Mein Stiefvater hat mich nicht sexuell mißbraucht. Er hat mich nie "angefasst". Trotzdem spürte ich immer irgendwie, dass etwas nicht stimmte. Seine Blicke waren manchmal anders und ich duschte nie, ohne meine Badezimmertür zu verschließen (es hat wahnsinnig lange gedauert, bis ich mir das abgewöhnt habe). Einerseits liebte ich ihn, wie meinen Papa, andererseits verwirrte er mich. Er war schrecklich eifersüchtig und Freunde waren absolut nicht erlaubt. Damit ich überhaupt garnicht erst in die Versuchung geriet, mußte ich spätestens um 18 Uhr zu Hause sein. Und das noch mit 18 Jahren! Überhaupt hagelte es nur Verbote.
Ich war ein ziemlich verschüchterter Jugendlicher, traute mich nie den Mund aufzumachen, deshalb waren die Bedenken meinen Stiefvaters eigentlich umsonst. Denn ich hätte es nie gewagt intim mit einem Jungen zu werden. Meinen ersten "richtigen" Freund hatte ich dann auch erst mit 18 Jahren. Als mein Stiefvater von ihm erfuhr, eskalierte die Situation. Er schlug mich windelweich. Das war dann der Auslöser zu meinem Freund zu ziehen.
Ich hatte etwa ein Jahr zu meiner Familie keinen Kontakt mehr. Dann baute er sich langsam wieder auf. Aber sie waren mir alle fremd. Und nachdem sich meine Mutter und mein Stiefvater getrennt haben, habe ich den Kontakt erneut zu meinem Vater abgebrochen. Diesesmal für immer. Ich bin nicht stark genug, diese Farce genannt "Familie" dem schönen Schein wegen aufrechtzuhalten. Das raubt mir verdammt viel Kraft. Das letzte Mal, als ich ein Gespräch mit meinem Stiefvater führte, spürte ich, wie er versuchte sich zu rechtfertigen. Er sagte Sachen wie:"Nichts ersetzt den biologischen Vater" und ich weiß, was er damit ausdrücken will: "Verzeih' mir, dass ich dich nicht als Tochter ansehen kann, aber hey, ich bin schließlich "nur" dein Stiefvater!"
Das gab mir den Rest. Verdammt, ich würde es mir auch gerne mal aussuchen können, wen ich als Vater erwähle. Aber ich kenne nur den einen...
Auch meine Mutter sehe ich mittlerweile sehr selten. Wenn wir alle paar Monate mal telefonieren, dann ist sie meist betrunken. Und ich versuche Besuche zu vermeiden, denn ich hasse es ihr vorzuspielen, dass mir immer noch etwas an unserer Beziehung liegt. Sie ist mir mittlerweile so erschreckend egal geworden. Sie wird nicht mehr lange leben, weil ihr Dreiviertel ihrer Lunge entnommen werden mußte (sie ist sehr sehr starke Raucherin), aber das berührt mich nicht.
Ich hasse sie nicht einmal mehr...

Von meinem damaligen Freund bin ich mittlerweile getrennt. Er hat ziemlich unter mir zu leiden gehabt. Natürlich hat er zum Teil mitbekommen, was bei mir zu Hause los war und so konnte er mich verstehen. Ich hatte das erste Jahr wahnsinnige Hemmungen mit ihm zu schlafen. Und ich schämte mich dermaßen vor ihm, dass ich mich ihm nie nackt zeigte. Selbst als wir nach etwa einem Jahr endlich Sex hatten. Ich mochte es nicht mit ihm zu schlafen und das änderte sich nie. Als wir getrennt waren, lebte ich mich ziemlich aus. Plötzlich schlug ich ins andere Extrem und "probierte" viele verschiedene Männder aus. Es ist so lächerlich: Während der eine Ex über mich sagen würde, ich sei eine frigide, gehemmte und verschlossene Frau, wäre der andere sich sicher es mit einem Pornostarlett zu tun gehabt zu haben.
Ich schaffe es irgendwie nicht ein gesundes Mittelmaß zu finden. Immer verstecke ich mich...

Nun bin ich mittlerweile mit meinem Engel zusammen. Durch ihn habe ich Liebe gefunden und auch der Sex ist wunderbar.
Trotzdem bin ich immernoch ständig traurig.
Aber das will ich ja ändern, deshalb jetzt ersteinmal der hier

Heute habe ich zusammen mit ihm meine Wohnung renoviert und kann jetzt voller Stolz sagen, dass süße 22 Quadratmeter bald von mir mit Leben gefüllt werden (Bin vor kurzem erst nach Karlsruhe gezogen).
Euch allen einen kreativen Abend!

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9. Dezember 2005 um 20:58

Danke dir
Es ist nicht so leicht meinen Vater aufzusuchen, da er, als ich drei Jahre war, abgeschoben wurde. Soweit ich weiß lebt er heute in Syrien. Und das, was meine Mutter mir von ihm erzählt hat, ist durchweg negativ. Er ist Libanese und lebt in einer ganz anderen Welt, denn ich kann mich nicht mit meinen arabischen Wurzeln identifizieren.
Leider ist durch ihn auch das absolute Klischee eines arabischen Vaters erfüllt worden: als meine Mutter sich scheiden lassen wollte, nahm er mich mit in seine Heimat. Er wollte meine Mutter auf diese Weise erpressen. Sie tat das, was ich bis heute nicht verstehe, da sie mich ja eigentlich nie wollte: Sie holte mich zurück. Ich bin ihr nicht für vieles dankbar, doch dafür schon.
Jedenfalls ist es schwer meinen Vater zu "finden". Ich weiß nicht, ob er sich geändert hat. Da gibt es so einige Dinge, die damals geschehen sind, welche mir heute noch Angst machen.
Vielleicht schreibe ich mir das auch mal irgendwann von der Seele, heute ist nicht der richtige Abend dafür

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9. Dezember 2005 um 21:00


Recht hast du.
So einfach, einfach so...

Doch leicht ist es deshalb nicht.

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9. Dezember 2005 um 21:02

Hallo..
Ich habe mir vorgenommen auch meine Ernährung umzustellen, nicht nur meine Gewohnheiten
Dir auch einen schönen Abend!

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9. Dezember 2005 um 21:12
In Antwort auf jenni_12920793

Hi!
Wenn du das Gefühl hast,daß deine Mutter dich nie geliebt hat,dann ist das nicht unbedingt gleichbedeutend damit,daß sie dich abgelehnt hat. Wenn sie wirklich als Kind mißbraucht worden ist,war sie gar nicht fähig zu lieben,das ist meistens eine Folge von sexuellem Mißbrauch. Das Problem hat meine Tochter auch. Ich kann für sie nichts empfinden aber deswegen lehne ich sie nicht ab. Das kann natürlich dazu führen,daß sie sich nicht geliebt fühlt. Aber ich habe ihr das erklärt und sie hat es verstanden. Ich bin auch mißbraucht worden. So wie du dich hier beschreibst frage ich mich ob du nicht selber mißbraucht wurdest und darum Depressionen hast. Das würde auch erklären,warum du dich nur über deine Sexualität definieren kannst. Das ist auch eine Folge davon. Was waren das denn für Gesten die du von deinem Stiefvater zu spüren gekriegt hast? Hat er dich angefaßt,an intimen Stellen? Über den Po gestreichelt oder hat er dir an die Brust gefasst? Denke mal darüber nach. Alles was er gemacht hat und seiner sexuellen Erregung oder Befriedigung diente,ist sexueller Mißbrauch.

Hallo...
Dass sie mich ablehnt, war schon immer ein latentes Gefühl in meinen Eingeweiden. Sie hat sich einfach nie wie eine Mutter benommen. Es gäbe zahlreiche Beispiele, die zeigen, dass ihr einfach das Interesse an ihren Kindern gefehlt hat.
Es hat sie nie interessiert, wie mein Alltag war. Ist ihre "Große" denn gut in der Schule? Egal...
Hat sie eine Fünf in der Französischklausur? Egal...
Wie ist ihr Leben denn so? Egal...
Warum hockt sie tagtäglich in ihrem Zimmer und liest nur? Egal...
Es hat sie einfach NIE interessiert.
Hinzu kommt, dass ich meine Mutter so selten habe lachen gesehen, dass ich nichteinmal weiß, wie es klingt, wenn sie lacht. Nie hatte sie ein Lächeln für mich übrig, nie ein "ich hab dich lieb".
Es gibt noch tausende von diesen Beispielen, aber den letzten und wohl prägendsten Beweis erhielt ich, als ich ihr Tagebuch gelesen habe.
Dort stand, dass sie ihre beiden Kinder nie wollte, sie nur wegen ihrer jeweiligen Männer bekommen hatte.
Seltsamerweise berührten mich diese Zeilen nicht, ich wußte es ja schon längst.

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9. Dezember 2005 um 22:38

Also
Sie hat vieleicht geschrieben,aber sie weiß es nicht. Ein Psychologe würde ihr wahrscheinlich ganz was anderes sagen. Nämlich das was ich sage.

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9. Dezember 2005 um 22:53
In Antwort auf robyn_12044664

Hallo, ihr alle!
Danke für die vielen Antworten!
Zunächst einmal muß ich sagen, dass ich mich nicht gegen professionelle Hilfe sträube, ich sehe sie nur nicht als Allheilmittel an. Ich möchte irgendwie die Kraft aus meinem Inneren schöpfen, denn schon allein das Gefühl, dass ich nicht leer bin, macht mir Mut.
Hoffe, ihr versteht, was ich meine.
Mein Stiefvater hat mich nicht sexuell mißbraucht. Er hat mich nie "angefasst". Trotzdem spürte ich immer irgendwie, dass etwas nicht stimmte. Seine Blicke waren manchmal anders und ich duschte nie, ohne meine Badezimmertür zu verschließen (es hat wahnsinnig lange gedauert, bis ich mir das abgewöhnt habe). Einerseits liebte ich ihn, wie meinen Papa, andererseits verwirrte er mich. Er war schrecklich eifersüchtig und Freunde waren absolut nicht erlaubt. Damit ich überhaupt garnicht erst in die Versuchung geriet, mußte ich spätestens um 18 Uhr zu Hause sein. Und das noch mit 18 Jahren! Überhaupt hagelte es nur Verbote.
Ich war ein ziemlich verschüchterter Jugendlicher, traute mich nie den Mund aufzumachen, deshalb waren die Bedenken meinen Stiefvaters eigentlich umsonst. Denn ich hätte es nie gewagt intim mit einem Jungen zu werden. Meinen ersten "richtigen" Freund hatte ich dann auch erst mit 18 Jahren. Als mein Stiefvater von ihm erfuhr, eskalierte die Situation. Er schlug mich windelweich. Das war dann der Auslöser zu meinem Freund zu ziehen.
Ich hatte etwa ein Jahr zu meiner Familie keinen Kontakt mehr. Dann baute er sich langsam wieder auf. Aber sie waren mir alle fremd. Und nachdem sich meine Mutter und mein Stiefvater getrennt haben, habe ich den Kontakt erneut zu meinem Vater abgebrochen. Diesesmal für immer. Ich bin nicht stark genug, diese Farce genannt "Familie" dem schönen Schein wegen aufrechtzuhalten. Das raubt mir verdammt viel Kraft. Das letzte Mal, als ich ein Gespräch mit meinem Stiefvater führte, spürte ich, wie er versuchte sich zu rechtfertigen. Er sagte Sachen wie:"Nichts ersetzt den biologischen Vater" und ich weiß, was er damit ausdrücken will: "Verzeih' mir, dass ich dich nicht als Tochter ansehen kann, aber hey, ich bin schließlich "nur" dein Stiefvater!"
Das gab mir den Rest. Verdammt, ich würde es mir auch gerne mal aussuchen können, wen ich als Vater erwähle. Aber ich kenne nur den einen...
Auch meine Mutter sehe ich mittlerweile sehr selten. Wenn wir alle paar Monate mal telefonieren, dann ist sie meist betrunken. Und ich versuche Besuche zu vermeiden, denn ich hasse es ihr vorzuspielen, dass mir immer noch etwas an unserer Beziehung liegt. Sie ist mir mittlerweile so erschreckend egal geworden. Sie wird nicht mehr lange leben, weil ihr Dreiviertel ihrer Lunge entnommen werden mußte (sie ist sehr sehr starke Raucherin), aber das berührt mich nicht.
Ich hasse sie nicht einmal mehr...

Von meinem damaligen Freund bin ich mittlerweile getrennt. Er hat ziemlich unter mir zu leiden gehabt. Natürlich hat er zum Teil mitbekommen, was bei mir zu Hause los war und so konnte er mich verstehen. Ich hatte das erste Jahr wahnsinnige Hemmungen mit ihm zu schlafen. Und ich schämte mich dermaßen vor ihm, dass ich mich ihm nie nackt zeigte. Selbst als wir nach etwa einem Jahr endlich Sex hatten. Ich mochte es nicht mit ihm zu schlafen und das änderte sich nie. Als wir getrennt waren, lebte ich mich ziemlich aus. Plötzlich schlug ich ins andere Extrem und "probierte" viele verschiedene Männder aus. Es ist so lächerlich: Während der eine Ex über mich sagen würde, ich sei eine frigide, gehemmte und verschlossene Frau, wäre der andere sich sicher es mit einem Pornostarlett zu tun gehabt zu haben.
Ich schaffe es irgendwie nicht ein gesundes Mittelmaß zu finden. Immer verstecke ich mich...

Nun bin ich mittlerweile mit meinem Engel zusammen. Durch ihn habe ich Liebe gefunden und auch der Sex ist wunderbar.
Trotzdem bin ich immernoch ständig traurig.
Aber das will ich ja ändern, deshalb jetzt ersteinmal der hier

Heute habe ich zusammen mit ihm meine Wohnung renoviert und kann jetzt voller Stolz sagen, dass süße 22 Quadratmeter bald von mir mit Leben gefüllt werden (Bin vor kurzem erst nach Karlsruhe gezogen).
Euch allen einen kreativen Abend!

Na ja
Das Problem an der Angelegenheit sind die Verdrängungsmechanismen. Es kann sein,daß du vergessen hast,daß du mißbraucht wurdest. Das ist ein Schutzmechanismus der da in Kraft tritt. Man kann sich nur an wenig oder gar nichts erinnern. Das würde auch dein Verhalten erklären. So wie du dich beschreibst deutet vieles darauf hin. Gehe mal zu einem Psychologen. Der wird dann schon feststellen ob dein Verhalten Folge eines Mißbrauchs ist,auch wenn du dich an nichts erinnern kannst. Und was deine Mutter betrifft( wenn sie mißbraucht wurde) und deinen Stiefvater,dann ist es oft so,daß sich mißbrauchte Kinder Partner suchen,die selber Täter sind. Vieleicht war ja der Stiefvater ein solcher Täter.

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10. Dezember 2005 um 2:39
In Antwort auf kaleo_12490902

Was ich vorher in kleinen Gesten zu spüren bekam
hallo cheesy,

ich finde es schön, wenn du auf das vertrauensvolle verstehen von betroffenen setzt.
aber muss das nicht auch deutlich ausgesprochen werden, so wie svinie das macht.
kennst du die situation, dass ein vater seine tochter (oder sohn) küssen will oder knuddeln, das kind will aber nicht?
was sagt er dann?
"hast du deinen papa denn garnicht mehr lieb?"
was lernt das kind daraus?
wenn du deinen papa lieb hast musst du dir übergriffe gefallen lassen.
eine lektion fürs leben - nur keine gute.
die meisten mütter unterstützen das in unwissenheit.
zu liebkosungen und seien sie noch so "klein" und "unbedeutend" darf man niemanden zwingen.
das ist missbrauch!

manndel

Genau
Und durch sowas lernt ein Kind dann daraus,daß es keine Rolle spielt welche Zärtlichkeiten es mag. Sowas wird einem Kind dann zum Verhängnis,wenn es wirklich mal mißbraucht wird. Es wird sich nämlich nicht gegen so einen Übergriff wehren,weil es ja nichts anderes von seinen Eltern gelernt hat. Wie oft kommt es vor,daß man seinem Kind sagt "nun gib doch dem Opa mal ein Küßchen,ist doch nicht so schlimm". Und wenn der Opa dann mal was anderes von dem Kind will als nur ein Küßchen,ist das Kind auch wieder ganz brav und macht das was es von den Eltern gelernt hat.

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21. Dezember 2005 um 2:08

Unglaublich!
Zu Deinem Kommentar fällt mir ehrlich nichts treffendes ein. Bin durch Zufall hier auf der Seite gelandet und hab Deinen Text gelesen. Der ist unter aller Kanone!!! Ja, fast beleidigend. Schön, dass es Dir anscheinend sehr gut geht (wer es glaubt), aber es gibt hier Menschen, die dankbar sind, sich austauschen zu können, vielleicht sogar Fortschritte machen können. Und da kommt sonn Trampel wie Du!!!
Schöne Weihnachten (tiefer Durchatmer)

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17. Juli 2006 um 13:49

Weg aus der Depression
Hallo mein Name ist auch Sandra. Seit nun fast 8 Monaten stecke ich in einer ernsten Lebenskrise.
Ist der Beruf richtig für mich? Hab ich nicht was verpasst? Hat das Leben einen Sinn?

Mich macht das alles so kaputt, dass ich es schon fast als

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30. November 2006 um 16:10

Schau dir doch mal dazu den link an (www.artoflife.tv)
hallo sandra,

ich finde es toll, dass du dich entschlossen hast was gegen deine depressionen zu tun, das ist der erste und wichtigste schritt überhaupt.

du musst einfach versuchen jedentag nach den dingen zu suchen, die dir gut tun, die gelingen und die einfach schön sind. versuch dich nicht unter druck zu setzten, denn das geht bestimmt daneben (habe es selbst auch schon so versucht und es ging natürlich schief)

was mir sehr geholfen hat war eine internetseite:

www.artoflife.tv

die geben wöchentlich den life-letter heraus. der sorgt dafür, dass du immer montags wirklich gute, positive gedankenanstöße bekommst.

schau dir auch mal die videos auf der seite an, die erklären auch sehr gut worum es geht

also mir hat die seite sehr geholfen...

ich wünsch dir alles gute
jm

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22. Januar 2007 um 18:49

Hallo Sandra
Mir geht es ähnlich wie dir kindheit gleicht meiner allerdings kam bei mir noch Sexueller Missbrauch von meinen achten bis sechzehnten Lebens jahr hinzu.

ich versuche auch ständig nur das negative zu sehen will es aber gar nicht im innersten aber sobalt ich wieder einen rückschlag habe denke ich nur noch depressiv.
als alles so unendlich auswegslos aussah habe ich mich kurzerhand entschlossen eine psyschotherapie (stationär) zu machen weil ich wieder glücklich sein wollte/will ich hab ja auch eigendlich allen grund dazu (3 kinder und nen super lieben Freund)
Aber dennoch bin ich schnell aus der Bahn zu werfen...deswegen bekam ich in der Therapie Mitrzapin obwohl ich mich anfangs total geweigert hab Medikamente zu nehmen weil ich ja schließlich auch die letzten 26 Jahre ohne Medis geschafft hab ...das war aber wohl eher ein Überleben anstatt Leben.
Ich hätte nie gedacht das mich meine Kindheit so einholen würde aber das geht schneller als man denkt.
seid der Therapie geht es mir wieder ganz gut hab wieder meinen Altag allerdings neu gestaltet.
Keine Angst zustände (ok gelegendlich bekomm ich noch Herzrasen aus unerklärlichen Gründen so wie kalten schweiß und panik beim Treppen steigen obwohl ich noch nie hingefallen bin bei treppen laufen.)Dann setz ich mich hin warte ab obs vorrüber geht ansonsten hab ich ein Bedarfs Medi was mich beruhigen soll.
Das gute an den Medis is das sie auf Pflanzlicher Basis sind so fällt eine Abhängigkeit schon mal weg.
ich werd dieses Jahr noch mal einen Stationären auffenthalt haben weil ich denke meine Kindheit ist nicht in 10 Wochen aufgearbeitet.
Und Übrigens meine Beziehung wird auch durch meine traurigkeit erschwert da ich mir alles sofort zu herzen nehme und mich persönlich angegriffen fühle.
Ist halt auch ne Macke von mir.
Überleg dir doch mal ob du eine Stationäre Therapie machen möchtest mir hats super geholfen und es ist nicht so wie im TV^^
Das gute an der Therapie ist auch das wenn du aus einen einzelgespräch rauskommst und total am ende bist dort sind genug mitpatienten die einen auffangen und trösten das hilft ungemein.
Liebe Grüße Jessy

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30. März 2015 um 21:41

Hi
du willst raus aus der depression dann gebe ich dir einen sehr guten rat in einem wort (Cannabis) das hilft

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